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Ökofashion mit Problemen

Rund 54 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher wollen mehr für nachhaltige Produkte ausgeben, auch für Kleidung. Treibhausgase, Pestizide, hoher Wasserverbrauch und intransparente Arbeitsbedingungen machen die Modebranche zu großen Umweltsünderinnen und -sündern.

Wie nachhaltig Ökolinien großer Modeunternehmen sein können, darüber informieren die Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien unter www.nachhaltiger-warenkorb.de.  

Seit einigen Jahren ist das Thema Nachhaltigkeit auch im Mainstream angekommen. Es gibt zumindest Versuche, irgendwie fair, irgendwie bio und irgendwie nachhaltig zu wirken. Es wird mit Bio-Baumwolle geworben oder mit ganzen Reihen von nachhaltig produzierten Kleidungsstücken. Dennoch: Treibhausgase, Pestizide, hoher Wasserverbrauch und intransparente Arbeitsbedingungen machen die Unternehmen der Modebranche neben der Lebensmittelindustrie zu den größten Umweltsünderinnen und -sündern.  Konsumentinnen und Konsumenten werden durch die häufig wechselnden Kollektionen auf die Idee gebracht, dass Kleidungsstücke Wegwerfartikel sind. Das Problem der Branche ist nicht nur die Herstellung ökologisch fragwürdiger Kleidungsstücke, das Problem ist auch die kurze Lebenszeit der Stücke. So kommt es vor, dass Unternehmen die unverkaufte Ware einfach verbrennen oder Konsumentinnen und Konsumenten sie nach wenigen Malen des Tragens wegwerfen.

Schlagworte wie ‚nachhaltig‘ erfreuen sich auch in der Modebranche großer Beliebtheit.

Die Versprechen klingen gut: Kleidung recyclen, Bio-Baumwolle nutzen, in soziale Projekte investieren und Arbeitsbedingungen verbessern. Die Standards bleiben aber vage. Kontrollmechanismen gibt es wenige, häufig nur hauseigene. Auf anerkannte Siegel und Zertifizierungen wie GOTS und OEKO Tex Made in Green wird in vielen Fällen verzichtet. Bei Bio-Baumwolle ist der tatsächliche Anteil immer noch gering. Weltweit liegt ihr Herstellungsanteil nur bei knapp einem Prozent.

Auch das Thema Recycling wird gern aufgegriffen.

In vielen Filialen der Modehäuser stehen Boxen, in die alte Kleidung geworfen werden kann. Allerdings ist das Recycling von Mischgeweben aufwändig und schwierig, weshalb es diese Kleidungsstücke meist nicht zurück in den Kreislauf schaffen, sondern aussortiert werden. Heutzutage sind die meisten Kleidungsstücke aus Mischgewebe.

Oftmals nehmen Verbraucherin und Verbraucher automatisch an, dass als ökologisch gekennzeichnete Produkte auch faire Arbeitsbedingungen bedeuten. Die meisten Arbeiterinnen und Arbeiter in den Fabriken verdienen jedoch noch immer keinen existenzsichernden Lohn.

Schon vor den Nachhaltigkeitsbestrebungen war es für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht einfach herauszufinden, woher ein Kleidungsstück stammte und unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde. Konsumentinnen und Konsumenten, die ganz sicher gehen möchten, sollten deshalb besser auf Siegel wie z. B. den Grünen Knopf, GOTS, Fair Wear Foundation, OEKO Tex Made in Green oder Fairtrade Textile Production achten.

Das einfachste und günstigste Mittel, gekaufte Kleidung wertzuschätzen, ist es, sie möglichst lange zu tragen. So zollt man dem langen Herstellungsprozess des Kleidungsstücks seinen Wert. Macht man doch mal einen Fehlkauf oder passt die Kleidung nicht mehr richtig, kann man ihr auch ein zweites Leben schenken z. B. über einen Kleidertausch oder einen Secondhand-Laden.

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Nachhaltig konsumieren ist heute schon möglich: Wie es geht, zeigt „Der Nachhaltige Warenkorb“ der RENN. Der Einkaufsführer weist auf nachhaltige Konsum-Alternativen hin und gibt mit Faustregeln Orientierung für konkrete Konsumentscheidungen zu Lebensmitteln, Reisen und Mobilität, Wohnen und Bauen, Haushalt und Elektronik, Mode und Kosmetik.

Die Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) wurden 2016 auf Initiative des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) ins Leben gerufen. Ein neues Netzwerk von insgesamt 20 – vornehmlich zivilgesellschaftlichen – Akteuren aus allen 16 Bundesländern, gegliedert in vier Netzstellen. Ihr Ziel: Die Umsetzung der Agenda 2030 in Deutschland vorantreiben. Vom Bund finanziert, von den Ländern benannt und bei der Projektdurchführung unabhängig, können die RENN dabei über die politischen Ebenen hinweg Akteure miteinander vernetzen, wie dies in einem föderal organisierten Staat sonst kaum möglich ist. Das Projekt wird von der Bundesregierung zunächst für fünf Jahre gefördert. Für die Gesamtkoordination ist eine Leitstelle in der Geschäftsstelle des RNE eingerichtet.

RENN.süd ist die Regionale Netzstelle Nachhaltigkeitsstrategien für Süddeutschland. Sie trägt das Thema „Nachhaltig leben“ durch die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Akteure und Aktivitäten in die Breite. Themenschwerpunkt von RENN.süd ist „Nachhaltiger Konsum“.

Text: Nachaltiger Warenkorb

Bilder: RNE_Modekauf_Beratung_1_RNE_Christof Rieken_web

 

Corona Zeit sorgt für mehr Plastikmüll

Zehn Prozent mehr  Plastikmüll!

In der gelben Tonne oder den gelben Säcken von Privathaushalten landen seit März etwa zehn Prozent mehr Verpackungsabfälle. Darauf weisen die Regionalen Netzwerkstellen Nachhaltigkeitsstrategien unter

www.nachhaltiger-warenkorb.de hin.  

Steigende Zahl an Plastikmüll

Im Gegensatz zur rückläufigen Entwicklung der vergangenen Jahre erleben durch die veränderten Konsumgewohnheiten während der Coronazeit Einwegverpackungen einen Boom, im Haushalt entsteht aktuell mehr Müll. So ist mit einer Corona-bedingten Zunahme der Haushaltsabfälle um insgesamt 2,26 Millionen Tonnen auf 47 Millionen Tonnen in diesem Jahr zu rechnen. Das Problem: Verpackungsmüll aus Kunststoff wird überwiegend verbrannt statt recycelt. Nur 16 Prozent aller Kunststoffabfälle aus den deutschen Haushalten werden recycelt.

So lässt sich Plastik beim Einkauf vermeiden

Der einfachste Weg, den eigenen Plastikberg zu verkleinern: Auf Plastik verzichten, wenn es Alternativen gibt wie unverpacktes Obst und Gemüse. Milch und Joghurt sind meist auch in Glasbehältern erhältlich. Ein Laib frisches Brot ist nachhaltiger als geschnittenes im Plastikbeutel. Es kann ein Stück Seife statt Flüssigseife sein oder Duschgel und Waschpulver im Karton statt Flüssigwaschmittel in der Plastikflasche. Auch eine nachfüllbare Trinkflasche kann dabei helfen Verpackungsmüll einzusparen. Aus Hygienesicht spricht nichts gegen diese einfachen Maßnahmen.

Besser eintüten: Stoffbeutel gegen Plastikmüll

Bei Tragetaschen gilt ebenso: Mehrweg ist die bessere Wahl, da es Ressourcen schont. Seit 2016 eine Gebühr auf Einweg-Plastiktüten eingeführt wurde, ist der Verbrauch stark gesunken: um über die Hälfte von 2015 zu 2017. Dennoch greifen immer noch zu viele zumindest gelegentlich zum Einwegmodell. Empfohlen sind daher wieder verwendbare Tragetaschen, am besten aus Bio-Baumwolle, mit zum Einkauf zu nehmen. Zu den dünnen Plastiktüten für Obst und Gemüse gibt es ebenfalls wieder verwendbare Alternativen, zum Beispiel Stoffnetze. An der Frischetheke kann man mit einem selbst mitgebrachten Behältnis Verpackungen einsparen.

Müll sparen beim To Go-Essen

In den letzten Monaten haben viele Restaurants ihr To Go-Angebot erweitert oder setzen ausschließlich darauf. Entsprechend mehr wird bestellt, und somit mehr Verpackungsmüll produziert. Die Lösung, für diejenigen, die im Restaurant etwas mitnehmen möchten: mitgebrachte Verpackungen nutzen. Auch in Corona-Zeiten ist es erlaubt, Essen zum Mitnehmen in eigenes Geschirr verpacken zu lassen, wenn die damit verbundenen Hygienemaßnahmen beachtet werden. Diese besagen: Das Geschirr muss sauber sein, der Kunde muss es selbst öffnen und schließen und es sollte kein Kontakt zwischen dem Behälter und demjenigen entstehen, der das Essen ausgibt. Das geht beispielsweise, indem der Kunde den geöffneten Behälter auf ein Tablett stellt. Aus Hygienesicht reicht es aus, die bekannten Hygiene-Empfehlungen einzuhalten und die Hände nach dem Einkaufen gründlich zu waschen. Wer keine Behälter mitnimmt, der kann auch gezielt nach Restaurants wählen, die Mehrwegverpackungen anbieten.

Kaffeebecher-To Go vermeiden

In einigen Cafés und Bäckereien sind momentan wegen Corona keine mitgebrachten Kaffeebecher mehr erlaubt. Generell liegt die Entscheidung hierfür beim Unternehmen. Aber auch hier gilt: Von staatlicher Seite sind eigene Behälter beim Einkaufen nicht verboten. Ist das Geschirr sauber, öffnet der Kunde den Becher selbst, und werden die generellen Hygieneempfehlungen eingehalten, dann ist nichts dagegen einzuwenden, wenn man mit einem eigenen To Go-Becher den Kaffee mitnimmt. Beim Bäcker kann man sich die Sachen auch einfach „auf die Hand“ geben lassen und dann auf der eigenen Seite der Theke selbst einpacken. Eine gute Alternative sind Mehrweg-Pfand-Becher, die in einigen tausend Geschäften in Deutschland mittlerweile ausgegeben werden.

Masken und Handschuhe wiederverwenden

Auch Einweg-Handschuhe und Masken erzeugen viel Müll. Besser sind wiederverwendbare Masken aus Stoff, diese reichen für den Privatgebrauch aus. Sie können in der Waschmaschine bei 60°C mit Vollwaschmittel desinfiziert werden. Gleiches gilt für Handschuhe aus Stoff. Medizinische Masken sollte man nur im Notfall wiederverwenden.

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Nachhaltig konsumieren ist heute schon möglich: Wie es geht, zeigt „Der Nachhaltige Warenkorb“ der RENN. Der Einkaufsführer weist auf nachhaltige Konsum-Alternativen hin und gibt mit Faustregeln Orientierung für konkrete Konsumentscheidungen zu Lebensmitteln, Reisen und Mobilität, Wohnen und Bauen, Haushalt und Elektronik, Mode und Kosmetik.

Die Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) wurden 2016 auf Initiative des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) ins Leben gerufen. Ein neues Netzwerk von insgesamt 20 – vornehmlich zivilgesellschaftlichen – Akteuren aus allen 16 Bundesländern, gegliedert in vier Netzstellen. Ihr Ziel: Die Umsetzung der Agenda 2030 in Deutschland vorantreiben. Vom Bund finanziert, von den Ländern benannt und bei der Projektdurchführung unabhängig, können die RENN dabei über die politischen Ebenen hinweg Akteure miteinander vernetzen, wie dies in einem föderal organisierten Staat sonst kaum möglich ist. Das Projekt wird von der Bundesregierung zunächst für fünf Jahre gefördert. Für die Gesamtkoordination ist eine Leitstelle in der Geschäftsstelle des RNE eingerichtet.

RENN.süd ist die Regionale Netzstelle Nachhaltigkeitsstrategien für Süddeutschland. Sie trägt das Thema „Nachhaltig leben“ durch die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Akteure und Aktivitäten in die Breite. Themenschwerpunkt von RENN.süd ist „Nachhaltiger Konsum“.

 Text & Bild: Nachhaltiger Warenkorb
Bild im Beitrag:RENN_Warenkorb_Mockup_Website

Beitragsbild: RNE_Tuete vs Tasche_4_RNE_Christof Rieken_web