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GesundinRheinMain zu Besuch: Stefan Barthmann, Achtsamkeitstrainer, Hainburg

Achtsamkeitstraining und Touch Life – Stefan Barthmann im Interview

Stressreduktion durch Achtsamkeit. Der amerikanische Molekularbiologe Jon Kabat-Zinn von der University of Massachusetts entwickelte dieses Programm vor fast 40 Jahren. Das Achtsamkeitstraining verbindet verschiedene Techniken des Yoga, der Meditation und ganz allgemein der Körperwahrnehmung. Einigen Studien zufolge lindert das konsequente Achtsamkeitstraining Schmerzen und Angst. Im April 2015 ergab eine große Studie im renommierten englischen Medizinmagazin „Lancet“, dass eine verwandte achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (MBCT) ähnlich gut vor Rückfällen nach einer Depression schützt, wie es Medikamente tun.

Vereinfacht gesagt, zielt Achtsamkeit darauf ab, mehr im Hier und Jetzt zu leben. Es geht darum, dem Moment mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Dazu ist es wichtig, den „inneren Autopiloten“ mal zu stoppen und einfach gedanklich abzuschalten. Ein regelmäßiges Training kann im Alltag in vielen Situationen helfen, auch um in stressigen Situationen souveräner zu reagieren.

Ein Gespräch mit dem Hainburger Achtsamkeits-Trainer Stefan Barthmann:

Herr Barthmann, kann ich Achtsamkeit trainieren?

Stefan Barthmann: Ja. Einerseits durch regelmäßige Geh- oder Sitzmeditationen, Yoga oder Bodyscann. Auch durch Achtsamkeit im Alltag, zum Beispiel beim Essen durch bewusstes Kauen, beim Spüren des Wassers auf der Haut beim Duschen, wenn Sie sich im Sitzen auf Ihre Atmung konzentrieren oder beim Gehen bewusst Ihre Schritte beachten. Sie werden merken, dass Ihr Geist beginnt abzuschweifen und seine „Geschichten“ erzählt. Wenn Sie die abschweifenden Gedanken erkennen, haben Sie Ihren Beobachter kennengelernt. Dieser neutrale Beobachter hat nur eine Aufgabe: zu erkennen und zu benennen. Die Glücksformel lautet: erkannt – benannt – gebannt.

 Was passiert beim Achtsamkeitstraining?

Mit Achtsamkeit trainieren wir unseren so genannten „inneren Beobachter“. Wir übernehmen Verantwortung für unsere Gefühle und Gedanken. Wir sind ihnen nicht mehr hilflos ausgeliefert und müssen nicht jedem Reiz folgen. Wir lernen den Handlungsspielraum zwischen Reiz und Reaktion kennen. Wir haben immer die Wahl. Das faszinierende finde ich dabei, dass Verantwortung Spaß machen kann!

Ist mangelnde Entspannungsfähigkeit ein Problem unserer Zeit?

 Ja, wir sind viel zu oft und zu lange angespannt. Das bedeutet auch steigender Blutdruck und steigende Herzfrequenz. Der Stress muss aber auch wieder nachlassen, wenn die Anspannung vorbei ist. Und genau das geschieht bei vielen Menschen nicht mehr automatisch. Sie bleiben in dieser angespannten Situation und kommen damit in eine chronische Stress-Situation. Das ist auf die Dauer für Körper, Psyche und soziale Beziehungen extrem schädlich.

Bei welchen Krankheiten kann Achtsamkeitstraining schulmedizinische- oder naturheilkundliche Behandlungen unterstützen?

 Studien haben gezeigt, dass durch ein gezieltes und regelmäßiges Training Schlafstörungen, Schmerzen und Bluthochdruck sich verbessern. Sogar Krebs- und Schlaganfallpatienten können davon profitieren.

Wie sieht ein Achtsamkeitstraining bei Ihnen in der Praxis aus?

 Ich würde sagen: sehr genussvoll. Mit Hilfe der Kunst der achtsamen Berührung – der TouchLife Massage – führe ich meine Klienten Stück für Stück raus aus dem Denken, zurück zu Ihren Körper. In das Spüren im Hier und Jetzt. Der bewusst erfahrbare Atem schenkt dabei neue Energie. Im Vorgespräch stimme ich jede Massage individuell auf die aktuelle Situation meiner Klienten ab. Und damit meine Klienten einen entspannten und achtsamen Behandler vorfinden, meditiere ich selbst vor jeder Massage, um auch selbst innerlich in einer ruhigen Balance zu sein.

Ist ein gesunder Nachtschlaf oder auch eine Siesta am Mittag nicht genau so entspannend als jede geführte Entspannungstechnik?

Die entspannende Wirkung von Schlaf ist nachgewiesen und fast durch nichts zu ersetzen. Allerdings haben Menschen, die chronisch gestresst sind, ganz häufig auch Schlafprobleme. Auch bei vielen psychischen Erkrankungen ist der Schlaf oft massiv gestört. Dann sind Techniken zum runterkommen in jedem Fall sinnvoll.

Wie schaffe ich es, Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren?

 In meinen so genannten Impulsvorträgen erkläre ich genau, wie man das im Alltag umsetzen kann. Diese Vorträge geben erste Denkanstöße und dabei zeige ich auch Übungsbeispiele. Mit meinem achtteiligen Achtsamkeitskurs führe ich tiefer in das Thema ein. Mit angeleiteten CD´ s, zum Beispiel Body Scan, Yoga oder Sitzmeditation kann dann erfolgreich alleine geübt werden. Die Lektüre von ausgewählter Literatur erleichtert das selbstständige Üben. Zwei Tipps aus eigener Erfahrung: Lassen Sie sich von einem erfahrenen Trainer anleiten und üben sie lieber öfters und kürzer als länger und seltener.

Warum finden Sie Achtsamkeit so wichtig?

 Wir haben kaum noch Nischen zum Ausruhen. Steigendes Arbeitstempo, ständige Erreichbarkeit, zunehmender Leistungs- und Erwartungsdruck sowie die steigende Sorge um unseren Arbeitsplatz halten uns ständig auf Trapp. Wir sind häufig gestresst, spüren uns kaum noch und verlieren oft die Freude an den kleinen Dingen des Lebens.

Wie können diese Schwierigkeiten überwunden werden?

 Sehr hilfreich ist es, wenn ich auf die kleinen Freuden des Alltags achte, auch auf das Gute im vermeintlich Schlechten. Feste Pausen und Eins nach dem Anderen tun, geduldig mit mir sein. Auf meine Talente zu achten und an ihnen dran bleiben. Auch Chancen nutzen und neue Erfahrungen sammeln. Aus dem, was ich geschafft habe, gewinne ich Selbstvertrauen und Sicherheit. Loslassen ist das Schlüsselwort.

 Was fasziniert Sie selbst am Thema Achtsamkeit?

Dass es mit Achtsamkeit möglich ist, bewusst den gegenwärtigen Moment zu spüren. Wir leben meist im „Autopilot-Modus“ und machen uns zusätzlich Gedanken über Vergangenes oder Vorstellungen über Zukünftiges. Nur selten sind wir bewusst bei dem, was gerade ist. Häufig lassen wir das Erlebte verdecken von unseren rastlosen Gedanken, negativen Erfahrungen, Bewertungen, Ängsten, Zweifeln und Fantasien. Dabei verlieren wir die Freude am gerade Erlebten.

Welchen Weg sind Sie bisher gegangen? Das heißt: Was hat Sie zum Thema Achtsamkeit gebracht?

Ich bin als Seminarleiter für Prozessmanagement, aktiver Vater, Betreuer für Großtante und ehrenamtlich Engagierter mittendrin in der Sandwich-Generation. Ich weiß um die belastende Zeit in dieser Lebensphase und musste vor fast 20 Jahren durch eigene Krankheit lernen, achtsamer zu werden. Jetzt passe ich gut auf mich und andere auf. In diesem Prozess kam ich mit Achtsamkeitstraining und TouchLife in Berührung. Auch haben mir wertvolle Menschen geholfen, achtsamer zu werden. Diese Erfahrungen möchte ich aus Dankbarkeit weitergeben.

 Was tun Sie in Ihrem Alltag, um achtsam zu bleiben?

Üben, üben, üben…Zwei- bis dreimal die Woche sitze ich Wohnzimmer auf meinem „Bänkchen“ und nehme mir eine halbe Stunde Zeit, um bewusst zu meditieren. Einmal die Woche gehe ich zum Yoga. Seit fünf Jahren fahre ich immer im Oktober für eine Woche zum „Achtsamkeits-Intensiv-Training“ an den Edersee zu meinen Lehrern. Zudem unterstützt mich die Achtsamkeits-App auf meinem Smart-Phone. Letztlich werden durch das regelmäßige Üben immer mehr Momente zu One(Ein-)-Moment-Meditationen. Zugegeben: Auch ich bin nur ein Mensch und nicht immer achtsam, aber, durch das regelmäßige Training bin ich doch immer öfter achtsam. Und das ist im Alltag wichtig!

 Vielen Dank für dieses Gespräch.

https://www.stefan-barthmann.de/

Messevideo Stefan Barthmann, Raum für Berührung, Hainburg

Fotos © Stefan Barthmann, ©Text: ath

 

„Man wird nicht über Nacht zu einem guten Therapeuten…“

Bernd Krammig  Heilpraktiker und Physiotherapeut aus Hainburg

Mit langsamen, konzentrierten Bewegungen hebt Bernd Krammig beide Hände vor das Gesicht. Dann senkt er die Arme in Richtung Boden. „Mit diesen sanften Übungen stärke ich meine Magen-Milz-Energie, die in der Chinesischen Medizin beide mit dem Erd-Element verbunden sind.“ Zum Abschluss seines morgendlichen Rituals streckt der Hainburger Heilpraktiker und Physiotherapeut beide Arme wieder in Richtung Himmel. „So verbinde ich die Gegensätze. Oben und unten. Himmel und Erde. Yin und Yang.“

Bernd Krammigs´ Tag beginnt morgens um sechs Uhr mit Meditation und asiatischen Bewegungsübungen. „Vorher gibt es ein Glas warmes Wasser und die Arme werden mit einer festen Bürste `wach gebürstet´. Das fördert die Durchblutung“, sagt er. Thai Chi und Chi Gong sind für ihn ein wichtiges Lebenselixier. Jeden morgen steht er dafür eine Stunde früher auf. „Das mache ich an 364 Tagen im Jahr.“ Dann geht er in seinen herrlichen ZEN-Garten oder in den Meditationsraum seines Hauses und sucht die Stille.

Schon als er vor mehr als 30 Jahren mit seiner Familie in Asien Urlaub verbracht hat, begeisterte ihn das frühmorgendliche ruhige Schauspiel in Hongkongs Victoria Park. „Dort sahen wir täglich hunderte von Menschen, junge und auch ganz alte, in den Parks oder zwischen den Wolkenkratzern stehen. Sie waren in völliger Ruhe und machten langsame, gleichmäßige Bewegungen. Das hat mich tief berührt.“

Power-Sport nimmt Energie

Bernd Krammig hat in jungen Jahren viel Kampfsport gemacht. In den 70er Jahren war er Betreuer der Judo-Nationalmannschaft und Mitglied des Olympiakaders. Mit zunehmendem Alter hat er für sich erkannt, dass Sport, der auspowert, „einfach zu viel Energie nimmt“. So hat er nach einem körperlichen Ausgleich gesucht, der ihm Energie zuführt. „Meine Reisen nach Asien waren Anlass zum Umdenken in Sachen Sport, sie waren Inspiration für mein ganzheitliches Denken und für meine Arbeit als Heilpraktiker und Physiotherapeut.“

So kombinierte er in seiner Praxis, die er inzwischen an seine Nachfolger in der Familie übergeben hat, Chinesische, Tibetische und Ayurvedische Heilkunde, Naturheilkunde, Chiropraktik, Osteopathie und Physiotherapie. „Man wird nicht über Nacht zu einem guten Arzt oder Therapeuten.

Es gehört viel Erfahrung, auch die Erfahrung mit eigenen Krankheiten und letztendlich lebenslanges Lernen dazu“. Seine Vorträge über den „Hainburger Schwengel“ sind auch über Hainburgs Ortsgrenzen hinaus bekannt geworden. „Der Begriff `Hainburger Schwengel´ klingt ein wenig zweideutig, ich weiß das“, lacht Bernd Krammig. „Er ist mir im Traum eingefallen, als ich nach einem Wort für eine osteopatische Manipulation des Beckens gesucht habe. Mit diesem `Schwengel-Griff´ therapiere ich vor allem so genannte XL-Patienten, die Probleme mit dem Becken haben.“

Noch immer referiert Krammig genauso fundiert über das analoge Denken der Chinesischen Medizin wie über die Wurzeln der Alchimistischen Heilkunde, wie sie Jahrtausende auf dem europäischen Kontinent praktiziert wurde. „Meine Arbeit war vor allem auch ein Ansatz zum Nachdenken für den Patienten. Kein Unfall, keine Krankheit kommen zufällig. Das ist auch meine eigene Erfahrung. Im Kosmos gibt es einfach keine Zufälle. Wenn ich selbst mal ein gesundheitliches Problem habe – und das passiert vor allem wenn ich mal wieder zuviel Süßes esse – dann falle ich aus der Balance. Ich habe Schmerzen und es geht mir dann auch psychisch schlecht. Ich habe natürlich im Laufe der Jahre meine eigene Therapie entwickelt. Wichtig ist, dass man wieder in einen Rhythmus, in die Balance kommt.“

Zurück zu den morgendlichen Ritualen im Hause Krammig. Nach einer eiskalten Dusche frühstückt Bernd Krammig ausgiebig mit Ehefrau Ingrid, „und meist schleichen sich auch unsere Enkel zum Frühstück oder Mittagessen bei uns ein“, erzählt er. „Morgens gibt es eine Riesenkanne grünen Tee, viel Obst, Schafsjoghurt mit Bananen und Melasse. Damit bin ich fit bis zum Mittagessen.“

Süßigkeiten sind eine Verführung

Familie Krammig – Ehefrau Ingrid Krammig arbeitete viele Jahrzehnte als Therapeutin in der gemeinsamen Praxis und auch die beiden erwachsenen Kinder Timo und Vera sind in die elterlichen Fußstapfen getreten – lebt sehr gesundheitsbewußt. „Wenn meine Frau nicht gerade Kartoffelpfannkuchen mit Apfelmus oder einen Sonntagskuchen backt“, lacht Bernd Krammig.

Beim Einzug in ihr Haus haben sie sich als erstes eine Wasserfilteranlage in ihre Küche einbauen lassen. „Denn gutes Wasser ist die Basis einer guten Gesundheit“. Beim Essen ist Frisches aus der heimischen Umgebung und Bio-Kost angesagt. Beide genießen auch gerne mal „ein gutes Stück Fleisch oder einen Fisch“, den sie oft gemeinsam auf dem Seligenstädter, Hanauer oder Offenbacher Wochenmarkt besorgen. „Je nach Lust und Laune“.

Bernd Krammig sitzt auch gerne auf dem Fahrrad und genießt die herrlichen Strecken entlang des Mains. Zweimal in der Woche steht ein Saunabesuch auf dem Terminkalender. „Die beste Entgiftung überhaupt!“ Und besonders gerne geht er mit Freunden zum Wandern. „Wir fahren seit vielen Jahren im Herbst ins Salzburger Land. Auf 1000 Metern Höhe genieße ich vor allem die saubere Luft. Sie ist, wie das gesunde Wasser, ein Basiselement des Lebens.“

Zweimal im Jahr versuchen die Krammigs auch einen Kurzurlaub an der Nordsee einzuplanen. Täglich laufen sie dann bis zu 15 Kilometer am Meer entlang. „Abends gehen wir Fischessen und liegen meist schon um 9 Uhr im Bett. Das ist pure Erholung für mich“.

Aber, Bernd Krammig hat noch ein Hobby, das auf den ersten Blick so gar nicht zu seinem sehr asiatisch geprägten Weltbild passt: Er ist ein „völlig verrückter Fassenachter“, so sagt er über sich selbst. „Ich war sogar schon Fastnachtsprinz hier in Klein-Krotzenburg. Weiß der Himmel was mich da getrieben hat!“ Und dass er in der so genannten `Prinzengasse´ wohnt, das ist doch auch kein Zufall. Damit wären wir am Schluss doch wieder beim ganzheitlichen Weltbild des Hainburgers. „Es gibt keine Zufälle in diesem Kosmos“, so hat er uns zu Anfang unseres Besuches erzählt.

Bernd Krammig: © Autorin: ATH, © Fotos: ATH Medien