Beiträge

GesundinRheinMain zu Besuch: Dr. Guido Stöppel, Frankfurt

Dr. Guido Stöppel Frankfurt:

„Ich bin ein guter ärztlicher Handwerker“

Nur weil er seit vielen Jahren im angesagten Frankfurter Stadtviertel Sachsenhausen eine riesige, komfortabel eingerichtete Privatarzt-Praxis führt, möchte er nicht als  Promi-Arzt abgestempelt werden. „Ich bin Internist und Hausarzt. Ein gut ausgebildeter ärztlicher Handwerker. Und genau das war immer mein Ziel.“ –  Dr. Guido Stöppel, Arzt für innere Medizin und Naturheilverfahren und „Hausarzt aus Passion“ spricht häufig vom „Handwerk“ des Arztes. Er beklagt, dass in der medizinischen Ausbildung das Praktische leider immer noch eine viel zu kleine Rolle spielt. „Das ist auch das Problem für viele Ärzte nach dem Studium. Sie kennen noch nicht mal die Symptome der 20 wichtigsten Krankheiten, weil sie die äußeren Anzeichen dafür nie direkt am Menschen erleben konnten.“

 Der gebürtige Münsteraner, der seit vielen Jahren mit seiner Familie in Frankfurt lebt („Ich bin engagierter Wahl-Frankfurter“) hat das eigentliche Interesse für die Medizin bei einem Auslandsaufenthalt im afrikanischen Simbabwe gefunden, wo er als junger Student in einem abgelegenen Dorf als ärztlicher Helfer eingesetzt war. „Hier haben die Ärzte wirklich ganzheitlich gearbeitet“, erinnert er sich. „Hier bei uns ist der Begriff `Ganzheitlichkeit´ leider oft schon reinen Luxusthema verkommen. Vor meiner Zeit in Simbabwe hatte ich weder eine Geburt noch das Sterben miterlebt. Das ist dort für einen Arzt und auch für einen medizinischer Helfer an der Tagesordnung.“

Gipsen lernen

 Als er wieder in Deutschland landete, war klar, es musste noch mehr „handwerkliches“ Wissen her. Er jobbte in der Chirurgischen Ambulanz in Frankfurt. „Ich wollte auch gipsen und nähen können. Deshalb schicke ich meine Patienten in den meisten Fällen auch nicht direkt zum Orthopäden, wenn sie mit einer Verletzung kommen. Eine gute Naht kann ich selbst machen!“

Nach Studium und praktischer Ausbildung entschied er sich 1997, zusammen mit einem Kollegen, eine „Privatärztliche, Internistische Facharzt-Praxis“ in Frankfurt Sachsenhausen aufzumachen, mit dem Ziel, hausärztliche und fachärztliche Kompetenz zu bündeln. Inzwischen gehört auch eine Ärztin für Homöopathie und Akupunktur zum ärztlichen Team. „Mir ist der ganzheitliche Aspekt in der Medizin schon wichtig, aber nicht im Sinne des heutigen, oft missbrauchten Schickimicki-Begriffs, sondern im Sinne einer guten `Simbabwe-Medizin´, wie ich sie dort kennen gelernt habe.“ Der sportliche Frankfurter Arzt („Sport ist mein Leben“) hat auch eine Ausbildung als Arzt für Naturheilverfahren. „Ich habe diese Ausbildung vor allem gemacht, um zu lernen, wie man richtig mit Akupunktur-Nadeln umgeht. Das war etwas Handfestes. Damit konnte ich etwas anfangen.“

Wer mit gesundheitlichen Problemen in die Praxis von Dr. Guido Stöppel kommt, der wird zu aller erst mit den modernen Diagnoseverfahren der Schulmedizin konfrontiert. „Wo es Sinn ergibt, empfehle ich als Therapie dann gerne auch Medikamente aus der Naturheilkunde. Aber wenn es um eine gute Diagnose geht, verlasse ich mich auf meine haptische Erfahrung als Arzt („Bei mir müssen sich die Patienten bei einem Check-up noch ausziehen, das lassen viele Hausärzte heute leider ganz weg“), auf die Gespräche mit dem Patienten und die moderne Diagnostik der Schulmedizin.“

Mehr Kontrolle ist nötig

 Der Naturheilkunde steht er bei einigen Themen genauso kritisch gegenüber wie der „viel zu teuren und überflüssigen Anti-Aging-Medizin“ und manchen Neuerungen im Pharmabereich. „Es gibt viele Pseudo-Innovationen. Leider fehlt auch in der Medizin oft die nötige Kontrolle.“

Die ganzheitliche Medizin gehört auch zum privaten, familiären Umfeld von Dr. Stöppel. Die Mutter des Frankfurter Arztes ist nämlich Yogalehrerin und versucht immer wieder ihrem Sohn die „spirituelle Welt“ nahe zu bringen. „Da muss ich oft passen. Das wird mir dann zu esoterisch. Aber einige Übungen aus dem Yoga mache ich tatsächlich manchmal oder empfehle sie auch weiter. Doch auch hier bin ich kritisch, nicht alles überzeugt mich oder ist gut für meinen Körper.“

Wenn er Freizeit hat, dann stützt sich Dr. Guido Stöppel gerne mit Sohn und Lebensgefährtin in die Frankfurter Szene. Oder er zieht seine Laufschuhe an und dreht ein paar Runden am Main entlang. Am Häufigsten findet man den „Doc“ aber auf dem Tennisplatz. „Tennis ist für mich der beste Ausgleich zu meiner meist sitzenden täglichen Arbeit in der Praxis. Dabei kann ich entspannen und loslassen“. Im Winter fährt die ganze Familie gerne in die Berge zum Skifahren, im Sommer steht immer eine große Reise auf dem Familien-Programm. „Ich genieße es jetzt, jenseits der 50, häufiger zu reisen. Wir waren schon in Südafrika, USA, Syrien, Jordanien und sind – auch mit dem Fahrrad –  durch ganz Europa gefahren.“

Neben dem Sport und dem Reisen ist der Wahl-Frankfurter ein Musik-Freak. „Wenn ich nach Feierabend ins Auto einsteige, mache ich als erstes meine Jazz-Musik an“. Auch Ethno-Musik und Klassik gehören zum Repertoire für Mußestunden. „Ansonsten gebe ich wirklich viel Geld für gute Nahrung aus. Das ist mir wichtig. Ich kaufe ausschließlich Bio-Produkte ein. Meistens gehe ich am Samstag früh auf den Frankfurter Bio-Markt und lasse mich von den frischen Angeboten inspirieren. Dann wird am Abend mit der Familie einfach drauf los gekocht…“

https://www.internisten-ffm.de/

© Text:ath ©Foto: ath

GesundinRheinMain zu Besuch: Michael von Sychowski, Alzenau 

Michael von Sychowski „Ich bin der Lotse meiner Patienten…“

Er ist Arzt geworden, „um möglichst vielen Menschen zu helfen, um Leiden zu lindern und, wenn möglich, auch zu beseitigen“. Er steht dafür auch mal nachts auf und fährt 20 Kilometer weit zu einem Patienten, „wenn er mich dringend braucht“. Michael von Sychowski ist Allgemeinmediziner mit einer chiropraktischen Zusatzausbildung, praktiziert im Alzenauer Stadtteil Hörstein und bezeichnet sich selbst am liebsten als „Hausarzt“ oder „Landarzt“. „Natürlich kenne ich meist nicht nur den Patienten, der vor mir sitzt und von seinen Wehwehchen berichtet, sondern ich kenne die ganze Familie. Von der Oma bis zum Onkel. Das ist so in einem kleinen Dorf“.

Der geborene Frankfurter, der schon als Heranwachsender seinem Vater, einem leitenden Krankenpfleger, „gern zur Hand gegangen ist“, und für den die Krankenhausluft schon als Kind vertraut war, machte seine Arzt-Ausbildung auf dem zweiten Bildungsweg. Begonnen hat alles im Frankfurter Marienkrankenhaus mit einer Lehre als Krankenpfleger. Ganz genau so wie der Vater, sein Vorbild. „Dann habe ich noch eine so genannte kleine Physiotherapieausbildung draufgesetzt und dabei wurde mir klar, dass ich doch ein größeres Ziel habe: Ich wollte Allgemeinmediziner werden.“ Nach seinem Studium war Michael von Sychowski dann einige Jahre in verschiedenen hessischen Krankenhäusern als Arzt tätig, arbeitete in einer naturheilkundlichen Praxis mit und war drei Jahre lang Stabsarzt bei der Bundeswehr, stationiert im bayerischen Erding und danach in Holland. „Doch das Soldatenleben blieb mir immer irgendwie fremd und ich machte mich auf die Suche nach einer Landarzt-Praxis.“

Ein echter Allrounder

 Die fand der Arzt und Chiropraktiker, gemeinsam mit seiner Familie, dann in der Spessart-Gemeinde Hörstein. „Hier bin ich als Hausarzt vor allem der Lotse für meine Patienten“, beschreibt er seinen Berufsalltag. „Dazu muss ich nicht nur Spritzen geben können, wenn es irgendwo zwickt, sondern ich muss mich auch mit dem sozialen Umfeld, mit den Lebensgewohnheiten meiner Patienten beschäftigen. Dann erst kann ich sie im wahrsten Sinne des Wortes ganzheitlich behandeln oder sie zu einem Facharzt-Kollegen schicken, wenn ich mir die Diagnose vervollständigen lassen möchte. Das ist zwar manchmal eine sehr aufwendige, vor allem auch zeitaufwendige Arbeit für einen Arzt, aber auch befriedigender als nur fachärztlichen Rat geben zu können. Der Hausarzt ist eben ein echter Allrounder.“

Der geborene Frankfurter engagiert sich gerne. So ist er in seiner Wahlheimat Hörstein beim „Roten Kreuz“ aktives Mitglied und damit auch bei allen Wein-Festen und Vereins-Veranstaltungen mit dabei. „So kenne ich die sozialen Strukturen sehr genau. Wenn die Patienten zu mir kommen, möchte ich sie familiär einordnen können, dann will ich wissen, wer vor mir steht, welche Alltagsprobleme die Familie vielleicht hat, ob es Eheprobleme gibt, wer die Oma versorgt oder ob die Kinder in der Schule Schwierigkeiten beim Lernen haben. Genau diese Kenntnisse sind für eine Diagnose oft enorm wichtig. So haben die Hausärzte früher gearbeitet und diese Tradition will ich fortführen. Als Haus- und Landarzt muss man für alles ein offenes Ohr haben!“

Wenn Michael von Sychowski, der seit über 25 Jahren verheiratet ist, nicht in seiner Praxis sitzt, dann trifft man ihn auf dem Fahrrad in den bayerischen Weinbergen, beim morgendlichen Schwimmen im Nachbarort, beim Volleyballspiel oder beim „Freitagstanz“ in einem Aschaffenburger Tanzclub. „Dazu hat mich allerdings meine Frau überreden müssen“, scherzt er. „Aber inzwischen macht es Spaß und Tanzen ist ein guter Ausgleichssport am Ende einer anstrengenden Arbeitswoche.“ Zum Lesen kommt er fast nur im Urlaub. „Landärzte sind auch abends oft im Einsatz“, berichtet er. „Und da bleibt die Zeit für neue Kriminalromane und meine `historischen Schinken´ eben nur im Urlaub.“

 Kein Kalorienzähler

 Den verbringt Familie von Sychowski – neben der Ehefrau, die in Polen als Lehrerin gearbeitet hat und nun als „Praxis-Managerin“ tätig ist, gibt es eine  erwachsene Tochter und einen Sohn – gerne im Norden. „All zuviel Sonne brauche ich im Urlaub nicht“, sagt der Arzt. „Ich bin auch keiner, der stundenlang am Strand faulenzt.“ So geht die Reise meist ins nördliche Europa. Nach Schottland, England, Norwegen oder Skandinavien. „Mindestens einmal im Jahr fahren wir auch in die Heimat meiner Frau, nach Polen. Dort genieße ich vor allem das Familienleben, den Freundeskreis und das gute, aber auch sehr deftige und kalorienhaltige Essen“, erzählt bald 60-jährige Mediziner.

Zuhause gibt es meist nur zu besonderen Festtagen polnische Spezialitäten. „Wenn meine Frau Zeit hat, dann kocht sie häufig eine Rote-Beete-Suppe, Piroggi (Teigtaschen) oder Bigos, ein herzhaftes Sauerkrautgericht. Dazu gibt es dann einen polnischen Wodka oder ein Bier.“ Sie leben zwar gesundheitsbewußt, die Arzt-Familie von Sychowski, aber nicht „asketisch“. „Bei uns gibt es gesunde Mischkost, und die empfehle ich auch meinen Patienten.“ Morgens bleibt oft nur die Zeit für ein Müsli mit Früchten oder mit Quark und Leinöl vermischt. Mittags ist das Essen eigentlich „Familienpflicht“, so Michael von Sychowski. „Aber seit die Praxis immer größer geworden ist, verschieben wir das Familien-Mittagessen schon mal auf den Abend.“

Für die Abhärtung in der kalten Jahreszeit versucht der Mediziner jeden Tag in der Mittagspause noch 30 Minuten zu walken. „Das klappt ganz und gar nicht immer“, berichtet er. „Aber das regelmäßige Schwimmen tut mir bereits sehr gut. Es baut nicht nur Muskeln auf, sondern ist auch für eine regelmäßige, tiefe Atmung wichtig.“

Leistung wird für Michael von Sychowski überhaupt groß geschrieben. Nicht nur beim Sport. Er hat oft einen 16 Stunden Tag in seiner Praxis. Und wenn dann „hinterm Wald“, wie er die kleinen Orte hinter Alzenau liebevoll nennt, ein Opa stürzt und die Familie „ihren Hausarzt“ anruft, dann macht er sich noch auf den Weg. Auch nach Mitternacht. Der Lotse aus Hörstein.

https://www.praxis-von-sychowski.de/

©Text:ath, ©Fotos ath, von Sychowski, privat

Polio-Impfpflicht für Langzeit-Aufenthalte ab vier Wochen in Risikogebieten

Für Länder mit dem Status „States currently exporting wild poliovirus or cVDPV“ gilt:

Personen, die sich > 4 Wochen im Land aufhalten, müssen bei Ausreise eine max. 12 Monate zurück liegende Polio-Auffrischimpfung (IPV) mit Dokumentation im Internationalen Impfausweis auf der Seite „International Certificate of Vaccination or Prophylaxis“ nachweisen.

Betroffene Länder und Regionen:

  • Afghanistan,
  • Pakistan,
  • Nigeria,
  • Lake Chad Basin,
  • Central Africa,
  • Horn of Africa,
  • Papua New Guinea,
  • Mozambique
  • Indonesia (NEU)

Die Inkubationszeit der Poliomyelitis liegt bei 3–35 Tagen. Der Erreger ist im Falle einer Infektion frühestens nach 36 Stunden im Rachensekret nachweisbar und kann dort bis zu einer Woche persistieren. Die Virusausscheidung im Stuhl beginnt nach 2-3 Tagen und kann bis zu 6 Wochen anhalten. In sehr seltenen Fällen, z. B. bei stark immungeschwächten Patienten, kann die Virusausscheidung Monate bis Jahre andauern.

Beispiel Indonesien (Hinweis des Auswärtigen Amts):

„Im Januar 2019 kam es in West-Papua zu einem Ausbruch von Poliomyelitis (Kinderlähmung) mit Impfpolioviren. In diesem Zusammenhang empfiehlt die WHO, dass alle Einwohner und Langzeitbesucher länger als 4 Wochen, die aus dem Land heraus eine internationale Reise antreten, vier Wochen bis 12 Monate vor Ausreise mit einer Dosis gegen Polio geimpft werden (oraler Impfstoff bOPV oder intramuskulärer Impfstoff IPV). Steht eine dringende Reise an und es wurde nicht in den vergangenen vier Wochen bis 12 Monaten gegen Polio geimpft, sollte sichergestellt werden, dass Einwohner und Langzeitreisende mindestens zum Abreisezeitpunkt eine Impfung erhalten. Ob und wie Indonesien die Empfehlungen der WHO umsetzt, ist derzeit noch unklar. Allen Reisenden unter vier Wochen Reisezeit sollten einen kompletten Impfschutz gegen Polio haben. Alle 10 Jahre sind Auffrischimpfungen notwendig. Die Impfung ist im Internationalen Impfzertifikat separat zu bescheinigen.

© Quelle: MD Medicus, gesundes reisen

© Bild: 123RF Alexander Raths

Fit und Gesund: Wir treffen Schwimmlegende Michael Groß

Dr. Michael Groß im Interview mit Andrea Thoma

Im Profil …Dr. Michael Groß

 Er war DER deutsche Rekord-Schwimmer der 80er Jahre: Michael Groß. Genannt „Albatros“. Heute ist er selbstständiger Unternehmensberater in Frankfurt, Buchautor und Dozent an einer privaten Wirtschaftsuniversität. Begonnen hat seine legendäre Karriere mit 16 Jahren. Der Hausarzt hat seiner Mutter empfohlen, den Sohn wegen seines schnellen Wachstums zum Schwimmen zu schicken. Bald war Michael Groß 2,01 Meter lang und hatte eine Armspannweite von 2,13 Metern. Er machte als Schwimmer eine sensationelle Karriere: 21 Titelgewinne bei Olympischen Spielen, Welt-und Europameisterschaften. Davon drei Goldmedaillen, fünf Weltmeisterschaften, 13 Europameisterschaften, 12 Weltrekorde und 24 Europarekorde. Andrea Thoma traf den Weltrekordler zum Gespräch:

Andrea Thoma: Lieber Michael Groß, auf Ihrer Webseite steht ein wunderbarer Lebensspruch: `Nicht weil etwas schwer ist, wagen wir es nicht. Weil wir es nicht wagen, wird es schwer´. – Haben Sie alles gewagt im Leben?

 Michael Groß: Nein, ganz sicher nicht. Ich wollte zum Beispiel unbedingt einmal längere Zeit im Ausland leben, um andere Kulturen besser kennenzulernen. Ich wollte nach Amerika oder Australien. Als Student konnte ich das nicht machen, weil ich damals schon eigenes Geld durch den Sport verdient habe, und eine Scholarship (Stipendium) in den USA gab es leider nur für `mittellose´ Studenten. Und danach ging es weiter mit Universität, Wehrdienst, Familie und Firmengründung. Irgendwie hat es nie gepasst. Ich bin nun mal in Frankfurt verankert.

 Wenn man 21 Titelgewinne im Schwimmen nach Hause geholt hat, die ganze Welt den `Albatros´ kennt, zieht es Sie dann heute noch ins Schwimmbad?

 Dieses Jahr war ich überhaupt noch nicht schwimmen. Ich mache mit meiner Familie inzwischen einfach andere Sportarten, wie Wakeboarden, Snowboarden, Fahrradfahren. Außerdem habe ich einen Bootsführerschien. Die Prioritäten haben sich einfach im Laufe der Zeit verlagert.

 Was ist geblieben von der Weltkarriere in den 80er Jahren?

 Ich habe einfach eine ganz andere berufliche Laufbahn eingeschlagen. Mit dem damaligen Leben hat mein heutiges fast nichts mehr zu tun. Natürlich falle ich schon durch meine Größe immer noch auf. Aber die Jüngeren wissen mit dem `Albatros´ fast nichts mehr anzufangen.

 Eigentlich haben Sie Ihre Karriere ja Ihrem Hausarzt zu verdanken, der Ihrer Mutter riet, Sie zum Schwimmen zu schicken, weil Sie so schnell gewachsen sind….

 Ja, das hat der Arzt meiner Mutter sogar dringend angeraten. Denn die Muskeln sollten sich mit entwickeln und das geht im Wasser am besten. So wurde aus einem medizinischen Ratschlag eine Sportler-Karriere.

 Was ist die größte Kunst beim Schwimmen?

 Kraft und Technik in das Wasser zu bringen – das ist die Herausforderung für jeden Schwimmer.

 Sie sind 2,01 Meter lang. Diese Größe hat Ihnen den Zugang ins Cockpit verbaut, denn Sie wollten Pilot werden…

 MG: Ich bin kläglich an sechs Zentimetern gescheitert. Die Lufthansa hat mich nicht genommen, denn ich hätte in kein Cockpit einer kleineren Maschine gepasst. Und natürlich besteht bei großen Menschen auch die Gefahr eines Blackouts im Extremfall. Bei starken Beschleunigungen werden die Extremitäten und das Gehirn nicht mehr gut durchblutet. Das kann sich ein Pilot nicht leisten.

 Lassen Sie sich Ihre Kleidung maßanfertigen?

 Ja, mein Onkel und mein Cousin haben sich mit ihrer Spezial-Schneiderei Wermter auf maßgeschneiderte Konfektion für große Menschen spezialisiert. Sie haben tolle Schnitte und sehr schöne Stoffe. Also fahre ich öfter mal nach Essen, nicht weit von der Villa Hügel ist ihr Schneider-Unternehmen, und kleide mich dort ein. Das mache ich schon seit Jahrzehnten…

 Ihre sensationelle Sportlerkarriere haben Sie mit 26 Jahren beendet. Wenn man zurückblickt, dann hat man das Gefühl, Schwimmen war Ihr Hobby. Sie haben sich nicht so vermarkten lassen wie viele andere Sportler. War das so gewollt?

 Sie sagen es ganz richtig: Schwimmen war mein Hobby. Die schönste Nebensache der Welt. Ich hatte auch nur sehr kleine private Zeitfenster, also habe ich Vieles einfach abgelehnt. Heute ist der Sport Teil des Showbusiness. Ein großer PR-Aufmarsch. Da konnte man sich vor 20 oder 30 Jahren noch ganz gut raushalten.

 Nach Ihrer aktiven Zeit waren Sie auch als Funktionär im Vorstand des Deutschen Sportbundes. Sie sagen, Josef Neckermann, der erste und langjährige Vorstand, würde sich über die heutige Ausrichtung des Deutschen Sportbundes im Grabe herumdrehen. Warum?

 Weil dort seit vielen Jahren der Stillstand, die reine Verwaltung der Macht Einzug gehalten hat. Und das ist nicht mein Ding. Das war auch nicht Neckermanns´ Ding und schon gar nicht seine Vision von Sportförderung. Ich bin auch kein Machtmensch. Mir geht es um Inhalte. Dort wurden und werden Claims abgesteckt. Es gibt keine Visionen mehr, keine Agenda. Deshalb habe ich 2005, nach fünf Jahren im Vorstand, den Job auch niedergelegt.

 Nochmal zurück zu den Schwimmanfängen. Sie sind ja sozusagen auf Feindesland geschwommen. In Offenbach…

 Damals gab es rund um Frankfurt nur zwei gute Schwimmclubs, einer in Darmstadt und einer in Offenbach. Letzterer war einfach näher. Die S-Bahn hat an der Stadtgrenze von Offenbach gehalten und ich musste lange laufen, um das Schwimmbad zu erreichen. Die alte Fehde zwischen den beiden Städten ist eher belustigend, die habe ich nie ernst genommen. Darüber habe ich oft mit Petra Roth, der früheren Frankfurter Oberbürgermeisterin Witze gemacht.

 Sie haben inzwischen zwei Bücher geschrieben. Eines davon heißt: `Selbstcoaching´. Darin schreiben Sie, man solle für die Karriere ein Glückstagebuch führen. Wozu soll das gut sein?

 Um die Schlangenlinien im Leben aufzuzeichnen. Um die positiven Momente des Alltags später zu memorieren. Denn genau diese Kleinigkeiten gehen uns im Rückblick oft verloren. Aber sie sind Teil unseres Lebens und unseres Glücks. Diese Aufzeichnungen zeigen, wenn man sie später liest, die Schritte nach vorn, die zurück, und die zur Seite. Das ist im Rückblick oft sehr spannend.

 Und seine Erfolge solle man in einen so genannten Motivkompass eintragen…

 Das sind die Motive, die unser Leben wirklich bewegen. Kein festes Programm, aber das, was uns ausmacht. Manchmal, zum Beispiel bei wichtigen Entscheidungen, lohnt es sich, diese Motive mit einzubeziehen.

 Wie coachen Sie sich selbst? Woran denken Sie, wenn Sie morgens aufstehen?

 Ich führe auch ein solches Glückstagebuch und auch einen Motivkompass. Alles wird täglich und händisch eingetragen. Übrigens bin ich grundsätzlich ein sehr haptischer Mensch. Ich schreibe und strukturiere auch meine Bücher, Vorträge und auch wichtige Aufträge in meinem Unternehmen erst auf einem weißen Blatt Papier, dann erst übertrage ich sie in den Computer. Mein Selbst-Coaching besteht vor allem darin, dass ich meine Grenzen als Gestalter kenne und nach diesen mein Leben eingerichtet habe. Nicht statisch, aber in den wichtigen Eckpunkten. Ich gehe mit meinen Zweifeln, auch mit Trauer und Niederlagen, möglichst offen um. Am liebsten präsentiere ich meine Ansichten oder Pläne einem kleinen Kreis von engen Freunden. Das motiviert mich dann immer wieder neu.

Dr. Michael Groß ist am 17. Juni 1964 in Frankfurt geboren. Seine Schwimmkarriere begann er mit 16 Jahren, weil ein Arzt seiner Mutter anriet, ihn wegen seines schnellen Wachstums zum Schwimm-Unterricht anzumelden. Er belegte schon nach wenigen Monaten Training den zweiten Platz bei den Deutschen Meisterschaften in München über 100 Meter Schmetterling, im Jahr 1980. Groß trainierte von Anfang an beim Offenbacher Schwimmclub.

Schnell legte er in den 80er Jahren eine Weltkarriere hin. Er gewann insgesamt dreimal Gold bei Olympischen Spielen, wurde fünfmal Weltmeister, dreizehn Mal Europameister, er stellte 12 Weltrekorde und 24 Europarekorde auf. Seinen Spitznamen „Albatros“ erhielt der Schwimmer von den französischen Medien, aufgrund seiner Armspannweite von 2,13 Metern.

Groß machte parallel zur Schwimmkarriere sein Abitur, studierte Philologie und Medienwissenschaften, machte seinen Dr. phil. und schloss daran eine journalistische Ausbildung an.

Heute ist er Geschäftsführer der Frankfurter Kommunikationsagentur Groß & Cie GmbH und arbeitet als selbstständiger Berater, Hochschuldozent und Buchautor  („Siegen kann jeder“ und „Selbstcoaching“).

Mehr zu Michael Groß finden Sie hier: https://www.michael-gross.net/

Michael Groß, Autorin: Andrea Thoma, © Fotos: Michael Groß, privat und ATH Medien