Beiträge

Hessen startet mit dem Auto in Urlaub: Was hilft gegen Reisekrankheit?

Aufgrund der Corona-Pandemie greifen viele Hessen Urlauber dieses Jahr auf Reiseziele zurück, die mit dem Auto zu erreichen sind. Schnell kann es zu Strecken mit rund zehn Stunden Autofahrt kommen. Während einer so langen Fahrt stellt die Reisekrankheit oft ein großes Problem dar. Das CRM Centrum für Reisemedizin gibt Tipps, um beschwerdefrei am Reiseziel anzukommen.

Die Sommersaison hat begonnen und mit ihr die Schulferien sowie die Hauptreisezeit des Jahres. Bedingt durch die Corona-Krise ist ein Sommerurlaub in fernen Ländern dieses Jahr kaum möglich. Für außereuropäische Länder gelten Reisewarnungen und Einreiseverbote. Viele Urlaubswillige haben zudem den Wunsch, volle Flughäfen oder Bahnhöfe zu meiden, und greifen auf Reiseziele zurück, die mit dem Auto zu erreichen sind. Ein Urlaub, beispielsweise am Mittelmeer, bringt schnell über zehn Stunden Autofahrt mit sich. Oftmals kann es dann zur sogenannten Reisekrankheit kommen. „Die Reisekrankheit, gelegentlich auch Seekrankheit oder fachsprachlich Kinetose genannt, tritt bei Reisen in unterschiedlichen Verkehrsmitteln auf und nicht, wie die Bezeichnung Seekrankheit vermuten lässt, nur auf dem Wasser“, erläutert Professor Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM. „Sie kann prinzipiell jeden treffen, auch Menschen, die noch nie an einer Kinetose litten.“ Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren entwickeln jedoch statistisch gesehen häufiger ein derartiges Krankheitsbild.

Betroffene leiden unter Symptomen wie Schwindel und Kopfschmerzen, gefolgt von Übelkeit und Erbrechen. Bei Kindern kündigt sich die Reisekrankheit oft durch Blässe und Teilnahmslosigkeit an. „Als Auslöser gelten Bewegungsreize, welche auf den Gleichgewichtssinn wirken“, erläutert Professor Jelinek. „Das Gehirn ist durch den Widerspruch zwischen der fehlenden körperlichen Bewegung und den von den Augen wahrgenommenen Eindrücken überfordert.“ Die einfachste Vorbeugung sei, sofern möglich, die Wahl des bewegungsärmsten Sitzplatzes: Bei der Autofahrt treten bei den vorne Sitzenden weniger häufig Symptome auf. Lesen und schreiben, sowie Computerspiele sollten vermieden werden, außerdem hilft es, den Blick auf den Horizont zu richten. Gelegentliche Pausen sowie Musikhören sorgen für Ablenkung. Leichte, fettarme Mahlzeiten entlasten den Magen, Kaubewegungen scheinen zusätzlich die Überreaktion des Magens zu mildern, als hilfreich gelten zudem Speisen mit Ingwer. Auf alkoholhaltige Getränke oder Zigaretten sollte verzichtet werden.

„Sollten diese Vorkehrungen nicht ausreichen, kann auf eine medikamentöse Prophylaxe oder Behandlung zurückgegriffen werden, über die man sich beim Hausarzt oder in der reisemedizinischen Beratung informieren sollte“, erläutert der Experte. Medikamente mit den Wirkstoffen Dimenhydrinat, Diphenhydramin oder in seltenen Fällen auch Scopolamin können vor Reisebeginn eingenommen werden. Diese, allen voran Scopolamin, rufen allerdings unter anderem Müdigkeit hervor. Als symptomlinderndes Mittel können zudem Dimenhydrinat enthaltende Kaugummis oder Ingwer eingenommen werden. Auch reisekranke Kinder können nach Rücksprache mit dem Kinderarzt medikamentös behandelt werden. Ohne Prophylaxe kann es bei einem akuten Übelkeitsanfall helfen, sich auf den Rücken zu legen und mit den Augen die Decke zu fixieren oder sich auf einen Punkt am Horizont zu konzentrieren.

Quelle:

CRM Handbuch Reisemedizin 2020, 56. Auflage Düsseldorf 2019

*****************************************************************

 Über das CRM

Das CRM Centrum für Reisemedizin trägt als unabhängiges, anerkanntes Fachinstitut Informationen über Infektions- und andere relevante Gesundheitsrisiken aus aller Welt zusammen und wertet sie aus. Ärzte und Apotheker können auf die daraus entwickelten Fachinformationsdienste für ihre reisemedizinische Gesundheitsberatung zurückgreifen– etwa auf das jährlich erscheinende Standardwerk „CRM Handbuch Reisemedizin“. Das CRM ist außerdem der führende Anbieter von Seminaren zur Reise- und Tropenmedizin, die von Landesärzte- und Apothekerkammern als Fortbildungsmaßnahmen anerkannt und mit Punkten bewertet werden. Das CRM Centrum für Reisemedizin wurde 1988 gegründet und gehört seit 2005 zur Thieme Verlagsgruppe.

Bilder:123Rf

 

Reisen während der Corona-Pandemie: Hygieneregeln und aktuelle regionale Informationen – was Reisende beachten sollten

Reisen während der Corona-Pandemie:

Hygieneregeln und aktuelle regionale Informationen – was Reisende beachten sollten.

 Nach der schrittweisen Aufhebung der bundesweit geltenden Quarantäne-Maßnahmen folgen weitere Lockerungen: Die aufgrund der COVID-19 Pandemie weltweit geltende Reisewarnung soll ab 15. Juni für die EU-Länder sowie Großbritannien, Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein aufgehoben werden, wie die Bundesregierung heute ankündigte. Sie wird ab15. Juni durch differenzierte Reisehinweise ersetzt. Diese sollen eine Hilfestellung geben, in welchem Land ein Urlaub geplant werden kann. Auch über Reisen außerhalb von Europa wird es künftig weitere Entscheidungen geben. Welche Vorsorge Reisende treffen können, um sich bestmöglich vor SARS-CoV-2 zu schützen, darüber informiert das CRM Centrum für Reisemedizin.

 „Reisende sind zum einen potenziell gefährdet, da sie sich vor Ort anstecken können, zum anderen sind sie aber auch potenziell gefährdend, da sie die Infektion in andere Länder bringen können. Diese Mechanismen, die wir alle beim Ausbruch der Pandemie beobachten konnten, behalten ihre Wirksamkeit auch nach einem Rückgang der Fallzahlen in Europa“, betont Professor Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM. „In der aktuellen Situation gilt es daher, die geltenden Hygieneregeln des Robert-Koch-Instituts (RKI) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auch im Urlaub unbedingt einzuhalten.“ Zu diesen zählt neben sorgfältigem und häufigem Händewaschen unter anderem auch die Abstandsregelung: Der Abstand zu Menschen, die nicht im gleichen Haushalt leben, sollte 1,5 Meter betragen. Wo dies nicht möglich ist – beispielsweise in Geschäften oder an belebteren Orten – empfiehlt sich das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Dieser ist in Europa oftmals, wie in Deutschland auch, vorgeschrieben und gehört in ausreichender Menge ins Reisegepäck, ebenso wie Desinfektionsmittel für die Hände, falls unterwegs keine Waschmöglichkeiten bestehen. „Reisende sollten sich vor Antritt der Reise unbedingt darüber informieren, welche Regeln in ihrem Urlaubsland und der besuchten Region gelten“, so der Experte. „Denn je nach aktuellen Infektionsgeschehen wird es hierbei regional sehr unterschiedliche Vorschriften geben. Auch die Regeln zur Einreise werden sich zum Teil kurzfristig ändern, wenn die Infektionszahlen sinken oder steigen.“

 „Ob Reisen hinsichtlich Corona besonders risikoreich ist, hängt von Reiseziel, -weg und -art ab“, erklärt Jelinek. „Gibt es wenige COVID-19 Fälle in einer Region oder einem Land, ist das Risiko gering, bei höheren Fallzahlen besteht auch ein höheres Risiko.“ Auch hierüber müssten sich Reisewillige bei der Planung informieren, aber berücksichtigen, dass sich die aktuelle Situation auch ändern könne. Insgesamt seien die Covid-19-Fallzahlen in vielen Ländern aber auch niedriger als in Deutschland, das Risiko also eher geringer. Der Reiseweg werde grundsätzlich sicherer, je mehr Isolation er ermöglicht, das Auto sei daher beispielsweise Busreisen vorzuziehen. Flüge gelten als sicher, da die Luft im Flugzeug mit Virus-sicheren HEPA-Filtern gereinigt werde. „Flughäfen können aber – wie alle Orte, an denen Menschen aus unterschiedlichen Gegenden auf engem Raum zusammen-treffen, ein Problem sein und haben sicher auch zur Verbreitung von Corona beigetragen“, erläutert der Experte. „Ein wesentlicher Teil der Übertragungen fand bei Großveranstaltungen statt, denen man eher fernbleiben sollte.“ In den meisten Ländern blieben diese ohnehin weiterhin untersagt. In Hotels und Gastronomie werden geltende Abstandsregeln die bisherigen Abläufe deutlich verändern und so die Sicherheit vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 erhöhen. „Letztlich sollte man akzeptieren, dass sich ein Restrisiko beim Kontakt mit anderen Menschen nicht ganz ausschließen lässt“, betont der Experte.

 Außerhalb von Europa werden manche Länder nach Öffnung der Grenzen eine meist 14-tägige Quarantäne nach Einreise verhängen oder auf einem „Fit to Fly“ oder „Corona-free“-Zertifikat bestehen. Hierbei wird ein negativer Abstrich verlangt, der nicht älter als 72 bzw. 96 Stunden sein darf und kurz vor Abreise durchgeführt werden muss. „Später werden vermutlich auch Antikörper-Tests akzeptiert, die eine Immunität nach durchgemachter Infektion bestätigen“, sagt Professor Jelinek. Chile sei diesen Schritt bereits im April gegangen und stellt Immunitäts-Ausweise aus, die eine freie Bewegung im Land ermöglichen. „Auf der Reise selbst werden wir uns zudem auf vermehrte Kontrollen einrichten müssen“, so der Reisemediziner. Je nach Land werden dies Fragebögen sein, die ausgefüllt werden müssen, Temperaturmessungen, Befragungen, in seltenen Fällen auch Entry- oder Exit-Untersuchungen. „Sobald effektive Impfstoffe verfügbar sind, werden sehr viele Länder ein Impfzertifikat bei Einreise verlangen. Dieses Vorgehen kennen wir schon von anderen Impfungen, wie Gelbfieber. Erst dann wird sich das Reisen wieder weitgehend normalisieren“, sagt Professor Jelinek.

Text: CRM Centrum für Reisemedizin.

Bild: 123RF