Weltkindertag – Heranwachsende benötigen Jod für eine gesunde geistige Entwicklung

„Jod und Schilddrüse“ Schon vor der Geburt bis zu der Pubertät: Heranwachsende benötigen Jod für eine gesunde geistige Entwicklung

Auch wenn Deutschland laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht mehr als explizites Jodmangelgebiet gilt, sind Teile der Bevölkerung, unter anderem Kinder und Jugendliche, nicht ausreichend mit Jod versorgt. In der KiGGS-Studie (Untersuchung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) wurde bei etwa 30 Prozent der untersuchten Heranwachsenden eine unzureichende Jodversorgung nachgewiesen. Jod ist ein essentielles Spurenelement und für die Bildung der Schilddrüsenhormone unentbehrlich. „Besonders in den kritischen Phasen der Entwicklung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen kann ein Jodmangel schwerwiegende Folgen haben“, erklärt Professor Thomas Remer, Wissenschaftler und Ernährungsendokrinologe am Studienzentrum DONALD Studie Dortmund der Universität Bonn und 2.Vorsitzender des Arbeitskreises Jodmangel e.V. (AKJ), anlässlich des Weltkindertages am 20. September. Dazu gehören Wachstumsstörungen, Hördefekte, Konzentrations- und Lerndefizite sowie bleibende Beeinträchtigungen der intellektuellen Leistungsfähigkeit. Die Auswirkungen der unzureichenden Jodversorgung, unter anderem auf die geistige Entwicklung des Kindes, wurden in einer Stellungnahme der American Thyroid Association (US-amerikanischen Schilddrüsengesellschaft) von 2017 zum universellen Einsatz von Jodsalz hervorgehoben und entsprechend die Bedeutung einer ausreichend hohen Jodzufuhr gerade in der Schwangerschaft und während des anschließenden Stillens betont (6).

Jod – von großer Bedeutung in der Schwangerschaft

Ist nicht ausreichend Jod vorhanden, wird zu wenig Schilddrüsenhormon T4 (Thyroxin oder Tetrajodthyronin) gebildet. Das T4 liegt im Blut an ein Protein gebunden oder frei vor. Besonders das freie T4 (fT4) ist dafür verantwortlich, dass sich die Nervenzellen gesund entwickeln, da für eine adäquate Hormonwirkung im Gehirn vorwiegend das fT4 die Bluthirnschranke passieren muss. Es wird anschließend in den Zielzellen durch das Enzym Dejodase in die aktive Hormon-Form T3 (Trijodthyronin) umgewandelt. Schon leicht verminderte fT4-Werte können die geistige Entwicklung beeinträchtigen. Die Schwangerschaft gilt dabei als die kritischste Phase der kindlichen Hirnentwicklung. Bis zur 12. Schwangerschaftswoche wird der Fetus über die Schilddrüsenhormone der Mutter mitversorgt. Daher benötigt sie in der Schwangerschaft mehr Jod, um vermehrt Schilddrüsenhormone produzieren zu können. Aber auch danach: Zwar beginnt die kleine Schilddrüse des ungeborenen Kindes nun selbst Hormone zu bilden, benötigt hierfür jedoch das Jod der Mutter über die Nabelschnur. Professor Remer betont deshalb: „Um ausreichend mit Jod versorgt zu sein, sollten alle Schwangeren besonders auf ihre Jodzufuhr achten und sich gerade in dieser wichtigen Lebensphase dafür entscheiden, eine übliche, in der Regel joddefizitäre Kost mit täglich 150 bis 200 Mikrogramm Jod (in Tablettenform) zu ergänzen.“ Die Dosierung entspricht der gemeinsamen aktuellen Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (7).

Stillzeit: Mütterliche Jodversorgung unentbehrlich für das Kind

Nach der Geburt bis zum Ende der Stillzeit ist das Kind ebenfalls auf eine ausreichende Jodzufuhr seitens der Mutter angewiesen. Während der Stillzeit stellt die Muttermilch die einzige Nahrungsquelle für das Kind dar. In der Regel weist sie ein ideales Verhältnis aller notwendigen Nährstoffe auf – mit Ausnahme des Spurenelements Jod in Jodmangelgebieten. Die Brustdrüse kann aktiv nur so viel Jod für das Baby bereitstellen wie aufgrund der Nahrungszufuhr der Mutter in ihrem Blut zirkuliert. Deswegen sollte auch hier der erhöhte Jodbedarf mithilfe der Einnahme von Jodtabletten gedeckt werden, wenn nicht durch die übliche Ernährung eine tägliche Jodzufuhr von ca. 200 Mikrogramm pro Tag sichergestellt werden kann. Nicht gestillte Säuglinge werden generell durch kommerzielle Säuglingsanfangsnahrungen ausreichend mit Jod versorgt. Säuglinge haben eine kleinere Schilddrüse und können daher weniger Jod speichern. Somit besteht schneller die Gefahr einer Unterversorgung. Die Empfehlung der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die tägliche Jodzufuhr in den ersten Lebensmonaten liegt derzeit bei 40 Mikrogramm (siehe Tabelle). „Experten plädieren allerdings für eine deutliche Anhebung der Empfehlung gerade während der ersten Lebensmonate, um eine optimale Entwicklung des Gehirns zu unterstützen. So lauten die Referenzwerte des US-amerikanischen Institute of Medicine für die adäquate Jodzufuhr von Säuglingen bis zum sechsten Lebensmonat sogar: 110 Mikrogramm täglich“, sagt Professor Remer.

Während des gesamten Wachstums auf Jodzufuhr achten

Nach der reinen Stillzeit ist besonders bei selbst hergestellter Beikost die Jodzufuhr kritisch, da diese überwiegend pflanzlich ist (Getreide-, Obst-, Gemüsebreie) und daher nur wenig Jod enthält. Auch industriell hergestellte Beikost ist nur teilweise ausreichend angereichert. „Bei teilgestillten Säuglingen und der Zufütterung von selbst hergestellter Beikost wird oft weniger als die Hälfte der täglich notwendigen Jodzufuhr erreicht“, so Professor Remer. Zur Verbesserung der Jodversorgung können Jodtropfen zur Anreicherung der Nahrung genutzt werden. Allerdings sollte dies zuvor mit dem Kinderarzt besprochen werden.

Auch im Schulkindalter sollten Eltern auf eine ausreichende Jodzufuhr achten. „Bei neuseeländischen Schulkindern, mit annähernd ähnlicher Jodversorgung, wie sie auch bei deutschen Kindern zu beobachten ist, konnten durch die tägliche Jodgabe von 150 Mikrogramm über ein halbes Jahr bereits deutliche Verbesserungen geistiger Leistungsparameter im Vergleich zu Kindern der Kontrollgruppe ohne Jodgabe nachgewiesen werden“, erläutert Professor Remer.

 

(Tab.1: Referenzwerte der deutschen Gesellschaft für Ernährung, 2017; a) Schätzwert; µg = Mikrogramm
AlterEmpfohlene Zufuhr in µg pro Tag
0 bis 4 Monatea40
4 bis12 Monate80
1 bis 4 Jahre100
4 bis 7 Jahre120
7 bis 10 Jahre140
10 bis 13 Jahre180
13 bis 15 Jahre200
über 15 Jahre200

 

Um die Kleinsten von Anfang an gut mit Jod zu versorgen, gibt der AKJ folgende Tipps:

Bei der Herstellung von Beikost, speziell auf pflanzlicher Basis und der hauptsächlichen Verwendung von Bio-Milchprodukten, muss auf eine ausreichende Gesamt-Jodzufuhr geachtet werden. Die Beikost sollten Eltern bei Kleinkindern unter einem Jahr nicht eigenmächtig nachsalzen, auch nicht mit Jodsalz. Ein zu hoher Salzkonsum kann langfristig eine ungünstige Entwicklung des Blutdrucks und der Geschmacksprägung verursachen. Wenn Kinder etwa ab dem ersten Lebensjahr auch salzhaltigere Mahlzeiten angeboten bekommen, sollten diese – wenn immer möglich – mit jodiertem Speisesalz zubereitet werden. Im höheren Kindes- und Jugendalter empfiehlt der AKJ eine jodreiche Ernährung mit regelmäßig Seefisch, Milch- und Milchprodukten sowie der gezielten Auswahl von Lebensmitteln, die mit jodiertem Speisesalz produziert wurden. Insbesondere die Jodsalzprophylaxe hat in der Vergangenheit maßgeblich zu einer verbesserten Jodversorgung beigetragen – dies betont nicht nur die amerikanische Schilddrüsengesellschaft in ihrem Statement (6), sondern auch das seit 30 Jahren weltweit eng mit der WHO und mit UNICEF zusammenarbeitende IGN (Iodine Global Network). „Laut der American Thyroid Association stellt die Anreicherung von Speisesalz mit Jod und dessen Verwendung in der Lebensmittelproduktion eine effektive sowie nachhaltige Strategie zur Behebung jodmangelbedingter Auswirkungen und Schilddrüsenerkrankungen dar“, äußert Professor Remer.

1.     Remer T. et al. (2010) Jodmangel im Säuglingsalter – ein Risiko für die kognitive Entwicklung. Dtsch med Wochenschr,Vol. 135, S.1551-1556

2.     Niwattisaiwong S., Burman K.D., Li-Ng M. (2017) Iodine deficiency: Clinical implications. Cleveland Clinic Journal of Medicine, Vol.84, Nr.3, S.236-243

3.     Wie wirkt sich Jodmangel in der Schwangerschaft auf die kognitive Entwicklung der Kinder aus? Lancet 2013, Vol. 382, S.331-337. In: Archiv 2014, Thieme Verlag www.thieme.de; (Download 19.05.2017, 17.01 Uhr)

4.     Remer T. (2007) Jodversorgung bei Kindern und Jugendlichen: Maßnahmen, Probleme und Erfolge im Wachstumsalter. Prävention und Gesundheitsförderung, Vol. 3, S.167-174

5.     Rayman M.P, Bath S.C. (2015) The new emergence of iodine deficiency in the UK: consequences for child neurodevelopment. Ann Clin Biochem, Vol.52, S.705-708

6.     Pearce E.N. (2017) The American Thyroid Association: Statement on Universal Salt Iodization. Thyroid, Vol. 27, No.2

7.     Feldkamp J. (2016) Klug entscheiden:…in der Endokrinologie. Dtsch Arztebl, Vol.113, Nr.17

8.     Iodine Global Network. The Iodine Global Network: 2016 Annual Report. IGN: Seatle, WA. 22 May, 2016. Seatle, WA. 22 May, 2016.

Bild:FOTOLIA

 

 

 

Klimawandel, Migration, Mobilität Neue Augeninfektionen in Deutschland

Durch Klimawandel, Migration und weltweite Mobilität treten in Deutschland neue entzündliche Augenerkrankungen auf, die unbehandelt Sehschäden bis hin zur Erblindung verursachen können.

 Tigermücken, die ursprünglich in Afrika und Asien heimisch waren, sind aufgrund des klimatischen Wandels in Südeuropa sesshaft geworden – und befinden sich derzeit auf dem Sprung nach Süddeutschland. Ihr Stich kann das Dengue-, Chikungunga-, West Nile- und Zika-Virus übertragen. „Diese Viren zählen zu den neuen Erregern für eine Entzündung der Aderhaut im Auge“, erklärt Professor Dr. med. Carsten Heinz, Leitender Arzt am Augenzentrum am St. Franziskus-Hospital Münster.

Klimawandel: Tigermücke überträgt virale Augenentzündung

Die Anzeichen einer solchen viralen Augeninfektion reichen von einer leichten Entzündung im vorderen Teil des Auges mit Druckgefühl und vorübergehender Rötung bis hin zu einer schweren Netzhaut-Infektion mit dauerhaftem Verlust der Sehfunktion. „Weil die Erkrankung in unseren Breitengraden so selten vorkommt, liegt die Herausforderung für Augenärzte in der raschen Diagnose“, erläutert Heinz. Betroffen sind bislang vor allem Reiserückkehrer und Menschen mit Migrationshintergrund. „Neben der Untersuchung ist daher das Gespräch mit dem Patienten, die Anamnese, entscheidend“, so Heinz. Betroffene, die unter solchen Beschwerden leiden, sollten den Augenarzt über ihr Herkunftsland oder Reiseaktivitäten informieren. Die Symptome der viralen Aderhaut-Infektion werden mit Kortisonpräparaten behandelt.

Narbige Bindehautinfektion durch Chlamydien aus Afrika

Vorsicht ist auch geboten bei einer bakteriellen Infektion mit einem Chlamydientyp, der in Afrika vorkommt und sich in Form einer schwer vernarbenden Bindehautentzündung zeigt. „Wird ein solches Trachom rasch erkannt, hilft eine antibiotische Therapie“, so Heinz. „In fortgeschrittenen Stadien kann eine Operation erforderlich werden, um Erblindung zu verhindern.“ Die Erkrankung geht, im Gegensatz zu anderen Chlamydieninfektionen, nicht auf die Geschlechtsorgane über. Sie wird durch direkten Kontakt mit Tränenflüssigkeit übertragen, in Afrika ebenfalls durch Fliegen, die ins Auge gelangen.

 Migration bringt Rückkehr der Augen-Tuberkulose

Dank verbesserter Lebens- und Hygienebedingungen spielte die Lungenerkrankung Tuberkulose kaum noch eine Rolle in Deutschland. Was vielen nicht bekannt sein dürfte: Tuberkulose kann sich in Form einer Entzündung der Aderhaut auch an den Augen zeigen, als Uveitis. „Durch die Migration aus Risikogebieten, wozu auch Russland und Osteuropa zählen, sehen die Ophthalmologen diese Augen-Tuberkulose hierzulande wieder häufiger“, berichtet Heinz. Die Erkrankung wird über Tröpfcheninfektion übertragen und führt unbehandelt zur Erblindung. „Weltweite Mobilität und Klimawandel werden das Spektrum der infektiösen Augenerkrankungen vermutlich noch weiter verändern“, prognostiziert DOG-Präsident Professor Dr. med. Hans Hoerauf.

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DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung

Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 7.750 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln.

Videomitschnitt zur Online-Pressekonferenz – Deutschen Hormonwoche 12. bis 19. September 2020

Videomitschnitt Hormonwoche

Deutschen Hormonwoche (12. bis 19. September 2020)
Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE)

60 Jahre Pille – Licht und Schatten
Professor Dr. Vanadin Seifert-Klauss, Leitende Oberärztin Poliklinik/Endokrinologie an der Klinik
und Poliklinik für Frauenheilkunde am Klinikum rechts der Isar in München

Wenn Kinder zu wenig oder zu viel wachsen
Professor Dr. med. Joachim Wölfle, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft „Pädiatrische Endokrinologie
und Diabetologie“ der DGE, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie
(DGKED), Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Erlangen der FriedrichAlexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Gezielte Entzündungsmodulation – ein Konzept zur Behandlung von Diabetes Typ 2?
Professor Dr. rer. nat. Jan P. Tuckermann, Leiter des Instituts für Molekulare Endokrinologie der Tiere
an der Universität Ulm und Vizepräsident der DGE

Presseartikel zur Online Konferenz:

Wenn Kinder zu viel oder zu wenig wachsen

Wachstumsstörungen immer ärztlich abklären lassen
Altdorf, 8. September 2020 – Wachstumsstörungen vom Baby bis zum Teenager zählen zu den
häufigsten Gründen, einen Kinderarzt aufzusuchen. Tatsächlich sind jeweils etwa drei Prozent
aller Kinder klein- oder hochwüchsig. Die Ursachen für Wachstumsstörungen sind vielfältig.
Häufig handelt es sich um Abweichungen von der Norm, die nicht weiter einer medizinischen
Behandlung bedürfen. Sie können aber auch ein erstes Anzeichen für eine ernste Erkrankung
sein. Deshalb sollten sie immer vom Kinderarzt und gegebenenfalls einem
Kinderendokrinologen abgeklärt werden. Die 5. Deutsche Hormonwoche der Deutschen
Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) vom 12. bis 19. September 2020 bietet Anlass, über
Wachstumsstörungen und ihre Behandlungsmöglichkeiten aufzuklären. Klein- und Hochwuchs
ist auch ein Thema auf der heutigen Online-Pressekonferenz im Vorfeld der 5. Deutschen
Hormonwoche.
Ein zu geringes, aber auch ein zu frühes oder starkes Längenwachstum kann für die Betroffenen und
ihre Angehörigen sehr belastend sein. Eine Erwachsenengröße von unter 150 cm gilt in Deutschland
als Behinderung. Tatsächlich suchen deutlich weniger Groß- als Kleinwüchsige eine medizinische
Abklärung. „Dies mag damit zusammenhängen, dass Hochwuchs gesellschaftlich deutlich akzeptierter
ist als Kleinwuchs“, sagt Professor Dr. med. Joachim Wölfle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für
Kinderendokrinologie (DGKED) und Vorstand der Arbeitsgemeinschaft „Pädiatrische Endokrinologie
und Diabetologie“ der DGE.
Das schnellste Wachstum erfolgt im Bauch der Mutter. Innerhalb von neun Monaten entwickelt sich
die befruchtete Eizelle zu einem vollständigen kleinen Menschen von 46  bis 55 cm (3. bis
97. Perzentile) beim Mädchen und 47  bis 55,5 cm (3. bis 97. Perzentile) bei Jungen. „Nie wieder
wächst ein Mensch so rasch wie in dieser Zeit“, erläutert der Kinderendokrinologe und Direktor der
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg. Auch im 1. Lebensjahr ist das Wachstum noch schnell: So wachsen Mädchen im
Durchschnitt 24,5 cm und Jungen 25,5 cm (1). In der Kindheit nimmt die Wachstumsgeschwindigkeit
allmählich ab – bis zum letzten Wachstumsschub in der Pubertät. Unter dem Einfluss der
Sexualhormone kommt es zu einem vermehrten Längenwachstum. Als Faustregel kann gelten, dass
Mädchen nach der ersten Monatsblutung noch etwa 4 bis 5 cm wachsen. „Für Jungen gibt es leider
keinen entsprechenden Anhaltswert“, so Professor Wölfle.
Eine Abweichung von der Norm bedeute nicht automatisch, dass das Kind krank ist, beruhigt
Professor Wölfle. Dennoch gelte es, organische Erkrankungen auszuschließen, die zu einer
Wachstumsstörung führen können. Oft handle es sich lediglich um Normvarianten von
Größenwachstum, etwa als Folge von familiärer Veranlagung. Mehr Augenmerk bedürften in der
Regel konstitutionsbedingte Verzögerungen von Wachstum und Entwicklung. „Zu Kleinwuchs
können Mangel- oder Fehlernährung, aber auch zehrende Erkrankungen wie schweres Asthma,
Mukoviszidose oder erworbene schwere Herzerkrankungen wie eine Herzinsuffizienz führen. Zu den
hormonbedingten Ursachen von Kleinwuchs gehören etwa die Unterfunktion der Schilddrüse, das
Cushing-Syndrom, eine Rachitis, ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus oder ein Mangel an
Wachstumshormon“, erläutert Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE und
Leiter des Schwerpunktes Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen der Universitätsmedizin
Mainz. Kleinwuchs kann aber auch das Erstsymptom weiterer schwerer Erkrankungen sein. Hierzu
zählen unter anderem eine chronische Niereninsuffizienz oder auch Achondroplasie – eine seltene
Erbkrankheit, bei der vor allem Oberarm- und Oberschenkelknochen verkürzt sind. „Der rasante
Fortschritt in der genetischen Diagnostik erlaubte in der jüngeren Vergangenheit eine Identifizierung
von Krankheitsursachen und bietet so die Möglichkeit für die Entwicklung von mehr zielgerichteten
Therapien“, berichtet Professor Wölfle.
Auch Hochwuchs kann für andere Begleiterkrankungen stehen, die nicht auf den ersten Blick sichtbar
sind. So leiden Patienten mit dem sogenannten Marfan-Syndrom nicht nur an einem
überdurchschnittlichen Längenwachstum. Sie gehen oft auch mit Fehlbildungen des Herz-
/Blutgefäßsystems wie Aussackungen der Aorta (sogenanntes Aneurysma) und Einrissen und
Spaltbildung zwischen den Gefäßwänden der Hauptschlagader (Dissektionen) einher. Unerkannt
können sie zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen.

60 Jahre Antibabypille: Licht und Schatten

Betreuung von Frauen rund um die Einnahme verbessern
Altdorf, 8. September 2020 – Vor 60 Jahren wurde die sogenannte Antibabypille eingeführt. Das
Anwendungsspektrum der Hormonpräparate ist weit gesteckt. Es umfasst neben der Verhütung
einer Schwangerschaft die Behandlung häufiger Störungen des weiblichen Hormonhaushalts –
von Blutungsstörungen über Endometriose bis Akne. Die 5. Deutsche Hormonwoche der
Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) vom 12. bis 19. September 2020 nimmt das
Jubiläum zum Anlass, über Nutzen und Risiken der „Pille“ und ihrer Einsatzmöglichkeiten zu
informieren. Denn die hormonelle Verhütung greift tief in den Stoffwechsel ein. Warum sie
deshalb auch kein Lifestyle-Präparat ist, das routinemäßig verschrieben werden sollte, ist ein
Thema auf der heutigen Online-Pressekonferenz im Vorfeld der 5. Deutschen Hormonwoche.
Professor Dr. med. Vanadin Seifert-Klauss, leitende Oberärztin der Gynäkologischen
Endokrinologie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, gibt einen
Überblick über den aktuellen Wissensstand, so auch zu Thrombosen und Depressionen im
Zusammenhang mit der „Pille“, und beantwortet Fragen.
Seit ihrer Markteinführung im Jahr 1960 in den USA nehmen weltweit täglich über 100 Millionen
Frauen die „Pille“. Das sind etwa neun Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter. Unter der „Pille“
versteht man im Allgemeinen ein Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparat (kombinierte orale
Kontrazeptiva (KOK). Wenn es, wie heute meist üblich, niedrig dosiert ist, wird es als Mikropille
bezeichnet. Daneben gibt es reine Gestagen-Produkte, die sogenannten Minipillen oder
Gestagenpillen.
In Deutschland ist die „Pille“ das nach wie vor am Häufigsten verwendete Verhütungsmittel. Doch
aktuelle Auswertungen der gesetzlichen Krankenversicherungen AOK (1) und Techniker
Krankenkasse (2) zeigen, dass besonders unter den jungen Frauen die Anwender-Zahlen zurück gehen.
So ist der Anteil der Pillen-Verordnungen bei den bei der AOK versicherten Mädchen und Frauen im
Alter bis zu 20 beziehungsweise 22 Jahren von 46 Prozent im Jahr 2010 auf 31 Prozent im Jahr 2019
gesunken. Seit Mitte 2019 übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für die „Pille“
bis zum Alter von 22 Jahren. „Immer mehr lehnen heute diesen Eingriff in die natürlichen Vorgänge
ihres Körpers ab“, sagt Professor Seifert-Klauss. „Hinzu kommen verunsichernde Berichte, etwa über
Thrombosen oder Depressionen im Zusammenhang mit der Anwendung.“
„Bezüglich eines erhöhten Thromboserisikos ist richtig, dass der synthetische Östrogen-Anteil in KOK
generell dieses Risiko im Vergleich zu jungen Frauen, die nicht hormonell verhüten, erhöht“, so
Professor Seifert-Klauss. Es gebe zudem Hinweise, dass die modernen KOK-Präparate der 3. und 4.
Generation – insbesondere jene mit dem künstlichen Gestagen Drospirenon – sowie die LangzeitEinnahme von KOK die Thrombosegefahr möglicherweise weiter erhöhen. „Dennoch bewegt sich das
Risiko eines Gefäßverschlusses durch die Pille auf einem generell niedrigen Niveau.“ Bei
Schwangeren oder erst recht bei Frauen untermittelbar nach der Geburt eines Kindes sei die
Wahrscheinlichkeit der Bildung eines Blutgerinnsels, das die Gefäße verstopfe, um ein Vielfaches
höher, so die Ärztin.
Doch um über Nutzen und Risiken der „Pille“ aufzuklären und zu möglichen individuellen
Nebenwirkungen und den Umgang mit ihnen zu beraten, brauche es Zeit für die Anamnese und
ärztliche Kompetenz. „Die sprechende Heilkunde bleibt zugunsten der operativen Medizin auf der
Strecke“, kritisiert Professor Seifert-Klauss. „Da ist es dann kein Wunder, dass Patientinnen sich von
hormoneller Verhütung abwenden“, findet die Fachärztin für Gynäkologische Endokrinologie.
Dabei habe die Pille – eine korrekte Einnahme und gesundheitliche Eignung der Patientinnen
vorausgesetzt– viele Vorteile: Sie verhüte sicher vor einer ungewollten Schwangerschaft und sei
komfortabel in der Anwendung. Weniger im Fokus der Öffentlichkeit, aber nicht minder wichtig seien
auch die zahlreichen therapeutischen Wirkungen von hormoneller Verhütung. „Viele hormonell
verursachten weiblichen Beschwerden werden bei der Einnahme ganz „nebenbei“ behandelt“, erläutert
Professor Seifert-Klauss und zählt Beispiele auf: etwa eine Blutarmut durch zu starke
Monatsblutungen, eine unregelmäßige Periode, Zystenbildung der Eierstöcke, Endometriose,
Hautunreinheiten und vieles mehr könnten gelindert oder sogar behoben werden. „Manche
Patientinnen nehmen die „Pille“ sogar weniger zur Verhütung als aus medizinischen Gründen.“ Am
Ende des Tages, so die DGE-Expertin, komme es darauf an, für jede Patientin den Nutzen der Pille
gegen die Risiken abzuwägen.
Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE und Leiter des Schwerpunktes
Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen der Universitätsmedizin Mainz, fasst zusammen: „Die
hormonellen Regelkreise sind sehr komplex. Daher müssen Anwendungen wie die „Pille“ unbedingt
von gynäkologisch-endokrinologisch versierten Expertinnen und Experten begleitet werden.

Diabetes Typ 2 und Übergewicht: hilft eine gezielte Entzündungsreduktion?

Experten stellen neue mögliche Strategien für eine Diabetestherapie vor
Altdorf, 8. September 2020 – Adipositas löst chronische Entzündungen im Fettgewebe aus. Diese
Entzündungen wiederum schaden dem Stoffwechsel und können so etwa
Stoffwechselerkrankungen wie einen Diabetes Typ 2 zur Folge haben. Doch nicht immer hilft die
Änderung des Lebensstils, um Gewicht zu verlieren, oder die Erfolge sind nur von kurzer
Dauer. Forscher arbeiten deshalb an Lösungen, gezielt in diese Entzündungsprozesse mithilfe
von Medikamenten einzugreifen. Auf der heutigen Online-Pressekonferenz der Deutschen
Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) informieren Experten, wie Fettstoffwechsel, Hormone
und Diabetes Typ 2 zusammenhängen und welche Lösungsansätze es für eine Therapie von
Menschen mit Adipositas und Diabetes Typ 2 gibt. Anlass ist die 5. Deutsche Hormonwoche der
Fachgesellschaft vom 12. bis 19. September 2020.
Wissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Jahre zeigen, dass in überschüssigem Fettgewebe
niederschwellige chronische Entzündungen stattfinden können. Dies gilt auch für im
Energiestoffwechsel aktive Gewebe wie Leber, Bauchspeicheldrüse und Gehirn. Diese von den
Patienten oft gar nicht wahrnehmbare, „stille“ Entzündungsreaktion hat vielfältige nachteilige
Wirkungen auf den Organismus. Sie senkt beispielsweise die Empfindlichkeit des
blutzuckersenkenden Hormons Insulins herab. „Dadurch verbleibt nach der Nahrungsaufnahme der
Zucker im Blut und wird nicht oder schlecht von den Geweben aufgenommen“, erläutert Professor Dr.
rer. nat. Jan Tuckermann, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE).
Entsprechend produziert die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin, um den Blutzucker zu senken.
Schließlich erschöpfen sich die insulinproduzierenden Zellen und es kann sich ein Diabetes Typ 2
entwickeln. „Wir sehen diese schwelende Entzündung nicht mehr nur als „passiven“ Begleitprozess
von Erkrankungen. Wir wissen heute, dass sie vielmehr eine wesentliche, ursächliche Rolle in der
Krankheitsentstehung spielt“, so Tuckermann, der das Institut für Molekulare Endokrinologie der
Tiere an der Universität Ulm leitet. Umso wichtiger sei es, überschüssiges Körperfett abzubauen.
Um abzunehmen gelten als etablierte Maßnahmen Diät, Bewegung und Sport sowie eine
Verhaltenstherapie und Medikamente. In schweren Fällen verkleinern Chirurgen den Magen und
Darmtrakt. Und tatsächlich zeigen viele Studien, dass eine Gewichtsabnahme Diabetes zurückdrängen
kann. Doch oftmals sind die Effekte nicht langanhaltend (Jo-Jo-Effekt), Patienten sprechen auf Diäten
kaum oder gar nicht an. Und manche Patienten, die an chronischen Krankheiten leiden, dürfen aus
gesundheitlichen Gründen nicht fasten. „Deshalb sind wir auf der Suche nach neuen Ansatzpunkten,
um die Entzündungen als Folge von Adipositas wirkungsvoll und schonend zu behandeln oder um
ihnen sogar vorzubeugen.“
Der Hormonexperte weist jedoch darauf hin, dass die generelle Unterdrückung der
Entzündungsreaktion vermutlich nicht der richtige Weg sei: „Wenn man das Immunsystem komplett
unterdrückt, schwächt dies die Abwehrkräfte derart, dass man Infektionen schutzlos ausgeliefert ist“,
sagt Tuckermann.
Wichtiger sei es eher, Strategien zu entwickeln, immunabschwächende und damit
entzündungshemmende Hormone und Substanzen gezielt an die (Entstehungs-)Orte der
niederschwelligen Entzündung zu bringen. „Wir wollen wichtige Akteure im schädlichen
Entzündungsstoffwechsel punktgenau ausschalten“, so Tuckermann. Dieser vielversprechende Ansatz
hat ein neues Forschungsfeld begründet – den sogenannten Immuno-Metabolismus. Dieser befasst
sich mit den Zusammenhängen von Immunabwehr, Stoffwechsel und Hormonen.
„Wir setzen große Hoffnungen in den spezifisch wirkenden Einsatz von Entzündungsmodulatoren.
Damit könnten wir auch denjenigen Patienten helfen, bei denen die bisherigen Maßnahmen nicht
greifen“, sagt auch Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE, Leiter des
Schwerpunktes Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen der Universitätsmedizin Main

Volkskrankheit Fettleber verstehen und bekämpfen: Ihr persönlicher Fettleber-Risiko-Check

Infoportal www.fettlebercoach.de geht online: Gehören Sie zur Risikogruppe? Zum persönlichen Fettleber-Risiko-Check.   

Karlsruhe/Stuttgart – Die Fettleber ist eine der häufigsten chronischen Lebererkrankungen: Über 40 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland leiden darunter, häufig ohne es zu bemerken, denn eine Fettleber schmerzt nicht und wird daher oft viel zu spät entdeckt. Auslöser für die Erkrankung sind nicht nur Alkoholkonsum oder Medikamente, auch ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung schaden der Leber. Die neue Website www.fettlebercoach.de soll Betroffene nun auf die Risiken einer Fettlebererkrankung aufmerksam machen, über das Krankheitsbild informieren und Betroffene dabei unterstützen, ihre Fettleber durch eine gesunde Lebensweise langfristig abzubauen. Interessierte können auf der Seite zudem ihr persönliches Erkrankungs-Risiko ermitteln.

Viele Menschen leiden an einer Fettleber – meistens, ohne es zu wissen. Doch je früher die Krankheit entdeckt wird, umso besser ist sie behandelbar. Entscheidend für den Verlauf ist der Grad der Verfettung und welche Ursachen dahinterstecken. Um eine Fettleber zu bekämpfen, ist häufig eine Veränderung des Lebensstils notwendig. Gelingt diese nicht, ist ein Fortschreiten der Erkrankung meist unvermeidbar – mit dramatischen Folgen: Eine nicht-alkoholische Fettleber kann sich zu einer Fettleberentzündung, einer Leberzirrhose und im schlimmsten Fall zu Leberzellkrebs entwickeln. Dabei entstehen irreversible Schäden und es kann zu Organversagen kommen.

Dennoch haben Betroffene Chancen, den Krankheitsverlauf durch Lebensstilveränderungen positiv zu beeinflussen. Die nicht-alkoholische Fettleber ist im Anfangsstadium sogar vollständig heilbar, denn grundsätzlich zählt die Leber zu den anpassungsfähigsten Organen im Körper.

Auf der Website www.fettlebercoach.de finden Menschen, die zu einer der Risikogruppen gehören könnten, umfassende Information rund um die Fettleber, über ihre Ursachen sowie Hinweise zur Diagnose und Behandlung. Mit wenigen Klicks können Besucher beim Fettleber-Risiko-Check ermitteln, ob sie selbst möglicherweise unter einer Fettleber leiden und einen Arzt zu Rate ziehen sollten. Auf der Website finden sich neben Informationstexten rund um das Krankheitsbild außerdem viele Tipps zur Ernährung und Bewegung – kostenlos und gänzlich werbefrei. Laufend aktuelle Beiträge sollen Betroffenen helfen, einen gesunden Lebensstil in ihren Alltag zu integrieren. Begleitend können sich Nutzer der Website und Interessierte untereinander auf der Facebookseite austauschen. Das Angebot stellt die Dr. Willmar Schwabe GmbH aus Karlsruhe zur Verfügung, die zusammen mit dem Kooperationspartner Thieme TeleCare GmbH aus Stuttgart das neue Angebot zur Verfügung stellt.

 

Gehören Sie zur Risikogruppe? Zum persönlichen Fettleber-Risiko-Check.

10 Mythen über Darmkrebs und Darmkrebsvorsorge

1. Darmkrebs ist ein Einzelschicksal. FALSCH!

RICHTIG IST:
Darmkrebs ist in Deutschland – nach Lungenkrebs und Brustkrebs – die
zweithäufigste Todesursache durch Krebs. Bei Frauen liegt Darmkrebs aktuell an
dritter Stelle nach Brustkrebs und Lungenkrebs. Bei den Männern steht
Darmkrebs an zweiter Stelle, nach Lungenkrebs und vor Prostatakrebs.
Etwa jede 8. Krebserkrankung von Frauen und Männern in Deutschland betrifft
den Darm. 170 Menschen erkranken täglich in Deutschland an
Darmkrebs. 71 Menschen sterben pro Tag an dieser Krebserkrankung.

2. An Darmkrebs erkranken nur alte Menschen. FALSCH!

RICHTIG IST:
Das Risiko für Darmkrebs steigt ab dem Alter von 50 Jahren deutlich an. Der
Krebs kann aber auch schon in jüngeren Jahren auftreten, wenn es z. B.
Darmkrebs in der Familie gibt. Bereits bei einem Fall erhöht sich das
Darmkrebsrisiko aller nahen Verwandten um das Doppelte bis Dreifache. Sind
drei oder mehrere Familienmitglieder erkrankt und sind in der Familie zusätzlich
noch andere Krebserkrankungen aufgetreten (Magen-, Eierstock-, Gebärmutteroder
Harnleiterkrebs), liegt möglicherweise eine erbliche Form von Darmkrebs
vor (Lynch-Syndrom/ HNPCC). Nahe Verwandte haben dann ein hohes Risiko,
schon im jungen Erwachsenenalter an Darmkrebs zu erkranken.

3. Männer erkranken seltener an Darmkrebs. FALSCH!

RICHTIG IST:
Männer erkranken etwa doppelt so häufig und im Durchschnitt fünf Jahre
eher an Darmkrebs als Frauen. Grund genug, die Vorsorgeempfehlungen der
Experten ernst zu nehmen und spätestens im Alter von 50 Jahren mit der
Darmkrebsvorsorge zu beginnen.

4. Ich fühle mich gesund, ich brauche keine Vorsorgeuntersuchung.
FALSCH!
RICHTIG IST:
Darmkrebs macht lange Zeit keine Beschwerden. Man kann sich gesund fühlen
und dennoch Darmkrebs haben. Vorsorge heißt, sich ohne Symptome einer
Untersuchung zu unterziehen. Denn sind erst Symptome vorhanden, ist es oft für
eine Heilung zu spät.
Liegt kein bekannter Risikofaktor vor, wird für Männer und Frau ab dem 56.
Lebensjahr eine Vorsorge-Darmspiegelung empfohlen. Alternativ kann ab einem
Alter von 50 jährlich, bzw. ab 55 alle zwei Jahre ein Stuhlbluttest durchgeführt
werden, der okkultes Blut im Darm und damit Anzeichen für Darmkrebs erkennt.
Liegen ein oder mehrere Risikofaktoren vor, sollte früher mit der Vorsorge
begonnen werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten.

5. Eine Darmspiegelung ist zeitaufwändig und schmerzhaft. FALSCH!

RICHTIG IST:
Die Darmspiegelung wird heute nahezu ausschließlich ambulant durchgeführt.
Der Patient liegt während der circa 20 Minuten dauernden Untersuchung
zugedeckt auf einer Liege. Auf Wunsch erhält er eine Beruhigungs- oder
Kurzschlafspritze. Die Kurzschlafspritze ist keine Narkose, der Patient fällt
lediglich in einen kurzen und leichten Schlaf. So spürt er während der gesamten
Untersuchung keinerlei Schmerzen. Durchgeführt wird die Untersuchung von
einem Facharzt (Gastroenterologen/Magen-Darm Arzt). Wurde eine
Kurzschlafspritze verabreicht, ist man den restlichen Tag nicht verkehrstüchtig.
Ansonsten kann man nach der Untersuchung den üblichen Tagesablauf wieder
aufnehmen. Moderne Reinigungspräparate machen auch die Vorbereitung simpel
und angenehm.

6. Eine Darmspiegelung ist gefährlich. FALSCH!

RICHTIG IST:
Die Darmspiegelung wird von gut ausgebildeten Experten
(Gastroenterologen/Magen-Darm Arzt) durchgeführt und ist sehr risikoarm. Die
Komplikationen liegen im Promillebereich. Rund 370.000 Menschen im Alter über
55 Jahre nehmen jährlich in Deutschland eine Vorsorge-Koloskopie in Anspruch. Bei
durchschnittlich 369.000 von ihnen verläuft die Untersuchung ohne jegliche
Komplikationen.

Die Zahl auftretender Komplikationen liegt im Promillebereich (2,3 Fälle pro
1000 Untersuchungen). Mehrheitlich handelt es sich um Blutungen nach der
Entfernung von Polypen oder um eine Beeinträchtigung des Kreislaufs durch die
Kurzschlafspritze. Das Risiko für beide Komplikationen nimmt bei Patienten im
höheren Alter zu. Bei alten Menschen mit Begleiterkrankungen raten Experten
deshalb, die Vorsorgedarmspiegelung durch einen Stuhltest zu ersetzen.

7. Für die Vorbereitung muss ich viele Liter einer schlecht schmeckenden
Flüssigkeit trinken. FALSCH!

RICHTIG IST:
Im Gegensatz zu früher müssen heute zur Vorbereitung des Darms nur noch
zwei Liter der Spülflüssigkeit getrunken werden. Angereichert mit Zitronen- oder
Orangengeschmack hat diese sich inzwischen auch geschmacklich verbessert.
Eine gute Reinigung des Darms ist Voraussetzung für ein sicheres
Untersuchungsergebnis.

8. Eine Vorsorgedarmspiegelung muss man jedes Jahr wiederholen.
FALSCH!

RICHTIG IST:
Wenn die Vorsorgedarmspiegelung keinen Befund ergab, muss sie erst nach 10
Jahren wiederholt werden. Wurden Krebsvorstufen (Polypen) erkannt, sollte die
Darmspiegelung nach 3 bis 5 Jahren wiederholt werden. Ein kürzerer Zeitabstand
gilt auch für Menschen mit familiär erhöhtem und erblichem Darmkrebsrisiko, da
Tumore und Polypen bei ihnen schneller wachsen.

9. Darmkrebs lässt sich nicht verhindern oder heilen, die Erkrankung ist
immer tödlich. FALSCH!

RICHTIG IST:
Bei früher Erkennung liegen die Heilungschancen von Darmkrebs bei über 90
Prozent. Darüber hinaus bietet die Vorsorgedarmspiegelung die große Chance,
dass gutartige Vorstufen erkannt und entfernt werden können und das Entstehen
von Darmkrebs damit verhindert wird.

10. Die Darmkrebsvorsorge bringt nichts. FALSCH!

RICHTIG IST:
Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg hat errechnet, dass durch
die Vorsorgekoloskopie von 2002 bis 2010 98.734 Menschen im Alter von 55
bis 84 Jahren die Erkrankung an Darmkrebs erspart geblieben ist. Bei 47.168
Menschen wurde ein vorhandener Krebs in einem so frühen Stadium entdeckt,
dass er in den meisten Fällen geheilt werden konnte.
Hochgerechnet bis heute:
Mehr als 200.000 Neuerkrankungen sowie rund 90.000 Todesfälle konnten
durch die Vorsorgedarmspiegelung in Deutschland verhindert werden.

©Quelle: dkfz

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www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2010/dkfz_pm_10_64-Darmspiegelung-hilft-100000-

CORONA-LOCKERUNGEN: Landesregierung beschließt weitere Regelungen

Landesregierung beschließt weitere Lockerungen
Ministerpräsident Volker Bouffier: „Patienten dürfen wieder regelmäßig in Krankenhäusern besucht werden.“

03.07.2020

Das Corona-Kabinett der Hessischen Landesregierung hat entschieden, die Maßnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus weiter zu lockern. Diese betreffen insbesondere die Kontaktbeschränkungen bei Veranstaltungen, in Theatern oder Kinos sowie die Besuchsmöglichkeiten in Krankenhäusern, Rehakliniken und Behindertenwerkstätten.

Infektionsraten sind entscheidendes Kriterium

„Die Infektionsraten sind weiterhin niedrig. Dies ist für uns ein entscheidendes Kriterium, um weitere Lockerungen zu beschließen. Die nächsten Schritte sind nun möglich. Wir haben entschieden, dass wieder mehr Menschen Sportveranstaltungen oder Messen besuchen oder ins Theater gehen können. Trotzdem müssen wir besonnen bleiben und weiter Abstands- und Hygieneregeln einhalten. Wir haben die Pandemie nicht überwunden und wollen nicht Gefahr laufen, Erleichterungen wieder zurücknehmen zu müssen. Deshalb bitte ich Sie, weiterhin vorsichtig zu sein“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier heute in Wiesbaden.

Im Bereich der Kontakt- und Betriebsbeschränkungen gilt ab dem 6. Juli:

  • Bei Veranstaltungen wie Messen oder Konzerten sowie in Theatern und Kinos wird die Fünf-Quadratmeter-Regel für Sitzplätze und die Zehn-Quadratmeter-Regel für Stehplätze aufgehoben. Grundsätzlich gilt, dass der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden muss. Als Richtgröße sollen für jede Person drei Quadratmeter zur Verfügung stehen. Davon kann beispielsweise in Theatern und Kinos abgewichen werden, wenn ein Hygienekonzept vorliegt, das Schutzmaßnahmen wie das Tragen einer Alltagsmaske vorsieht.
  • Auch der Besuch von Sportveranstaltungen und -wettkämpfen ist unter Einhaltung der Drei-Quadratmeter-Regel und eines Hygienekonzeptes wieder möglich.
  • Die Zehn-Quadratmeter-Regel für Geschäfte wird ebenfalls aufgehoben. Der verpflichtende Mindestabstand von 1,5 Meter bleibt aber bestehen. Als Richtgröße sollen auch hier für jede Person drei Quadratmeter zur Verfügung stehen.
  • Weiterhin gilt, dass zwei Hausstände bzw. maximal zehn Personen sich gemeinsam ohne Mindestabstand bei Veranstaltungen und im öffentlichen Raum aufhalten können.
  • Bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen, bei denen Zuschauerplätze eingenommen werden, sollen die Sitzplätze personalisiert vergeben werden, um eine Rückverfolgung im Fall einer Infektion zu ermöglichen. Das gilt nicht für Tischgesellschaften.
  • Vereins- und Versammlungsräume können wieder genutzt werden. Auch in Umkleidekabinen entfällt die Fünf-Quadratmeter-Regel. Stattdessen gelten die allgemeinen Abstandsvorgaben von 1,5 Metern.
  • Werkstätten für Menschen mit Behinderungen dürfen von allen Bürgerinnen und Bürgern betreten werden, sofern sie gesund sind und keinen Kontakt zu COVID-Patienten hatten.
  • Das Grillen und Picknicken in der Öffentlichkeit ist grundsätzlich wieder erlaubt.
  • Veranstaltungen mit mehr als 250 Besucherinnen und Besuchern müssen weiterhin vom Gesundheitsamt genehmigt werden.
  • Öffentliche Tanzveranstaltungen bleiben verboten.

Für Besuche in Krankenhäusern, Rehakliniken und Behinderteneinrichtungen gelten folgende Regelungen ab dem 15. Juli:

  • Besuche in Rehakliniken sind uneingeschränkt möglich.
  • In Krankenhäusern darf der Patient oder die Patientin in den ersten sechs Tagen insgesamt zwei Besuche empfangen. Pro Besuch dürfen maximal zwei Personen kommen. Ab dem siebten Tag darf täglich Besuch von maximal zwei Personen empfangen werden.

Alle Regelungen gelten bis zum 16. August 2020.

Hessisches Ministerium für Soziales und Integration

18.06.2020: Hessische Staatskanzlei
Ministerpräsident Volker Bouffier: „Wir werden weiterhin genau abwägen, welche Schritte wir zurück in den Alltag gehen können und welche noch nicht“

 

Sozialminister Kai Klose und Ministerpräsident Bouffier
© Hessische Staatskannzlei

Das Corona-Kabinett der Hessischen Landesregierung hat weitere Anpassungen der Verordnungen zur Bekämpfung des Corona-Virus verabschiedet. Diese betreffen insbesondere die Regelungen zu Besuchen in Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie Lockerungen für Veranstaltungen und den Einzelhandel.

„Unsere Vorgehensweise nach dem Motto ,Hessen bleibt besonnen‘ zeigt Wirkung. Ausgehend von den derzeitig niedrigen Infektionszahlen haben wir einige weitere neue Regelungen beschlossen, von denen viele Menschen profitieren“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier.

Lockerungen ab 22. Juni 2020

Das Besuchsrecht in Alten- und Pflegeeinrichtungen wird ab dem 22. Juni 2020 gelockert und die Anzahl von einem Besuch pro Woche auf drei Besuche erhöht. Menschen mit Behinderung, die in einer stationären Einrichtung betreut werden, können ab diesem Tag von einer Person pro Tag besucht werden. „Für alte und pflegebedürftige Menschen ist es gerade in diesen Zeiten wichtig, regelmäßigen persönlichen Kontakt zu ihren Angehörigen zu haben. Der Schutz der Gesundheit unser Bürgerinnen und Bürger bleibt dennoch unser oberstes Ziel und wir werden weiterhin genau abwägen, welche Schritte wir zurück in den Alltag gehen können und welche noch nicht“, erklärte der Regierungschef.

Hessens Sozial- und Integrationsminister Kai Klose hat die Lockerungen der bislang bestehenden Besuchsbeschränkungen gemeinsam mit der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen e.V. und dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. erarbeitet: „Für die Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie für stationär betreute Menschen mit Behinderung ist das ein wichtiger Schritt heraus aus der teils entstandenen sozialen Isolation, die die Maßnahmen zu ihrem Schutz vor dem Virus ausgelöst haben.“

Dank an pflegerischen Arbeit

Klose dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Pflege- und Betreuungseinrichtungen im Land: „Sie haben sich während den vergangenen Wochen in besonderer Weise um die Bewohnerinnen und Bewohner gekümmert und waren neben ihrer pflegerischen Arbeit wichtige Ansprechpartnerinnen und -partner für diejenigen, die Gäste aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht empfangen durften.“

Mit den nun beschlossenen Lockerungen ermögliche das Land den Alten- und Pflegeeinrichtungen, dem Bedürfnis der betreuten Bewohnerinnen und Bewohner nach Besuch besser entsprechen zu können, so Klose weiter. „Zugleich wird der notwendige Infektionsschutz bei Besuchen dieser Einrichtungen auch weiterhin gewährleistet. Denn das Virus ist weiterhin aktiv und gefährlich. Dies gilt besonders für die in diesen Einrichtungen betreuten Menschen, die leider häufig ein erhöhtes Infektionsrisiko sowie ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben“, erläuterte der Sozialminister. Er betonte, dass die Lockerung im intensiven Dialog mit den entsprechenden Fachverbänden getroffen worden sei.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises 3 Gesundheit, Pflege und Senioren der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen e.V., Michael Schmidt, sagte: „Die zunehmende Öffnung des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft erhöht auch das Infektionsrisiko in unseren Pflegeeinrichtungen. Die jetzige Lockerung des Besuchsverbotes bringt jedoch ein Stück der ersehnten Normalität für die Bewohnerinnen und Bewohner der Wohnheime zurück: Auf der einen Seite freuen wir uns, dass Besuche in einem größeren Umfang ermöglicht werden. Gleichzeitig sorgen wir uns um unsere Bewohnerinnen und Bewohner. Die mit dem Hessischen Sozialministerium getroffene Lösung der schrittweisen Öffnung unserer Einrichtungen begrüßen wir ausdrücklich.“

Schritt in Richtung Normalität

Ralf Geisel, Landesvorsitzender des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste, sagte: „Diese Besuchsregelung ist ein erheblicher, aber maßvoller Schritt in Richtung Normalität. Wir ermöglichen gemeinsam wieder mehr Kontakte von Pflegeheimbewohnern und ihren Familien. Die Infektionszahlen sinken erfreulicherweise, deshalb tragen wir die Lockerungen der Landesregierung mit, ohne die Gesundheit und die Sicherheit der Bewohner und der Pflegenden aus dem Blick zu verlieren, indem wir die weitere Entwicklung genau beobachten und Schritt für Schritt vorgehen. Hierbei gilt unserer besonderer Dank den Pflegenden und den Betreuungskräften in den Heimen, die über Wochen in besonderer Weise erste Bezugs- und Kontaktpersonen für die pflegebedürftigen Menschen waren.“

Eine weitere Regelung betrifft Einzelhandelsgeschäfte: Dort sinkt die Einlassbeschränkung für den Publikumsverkehr von einer Person je 20 m² zugänglicher Grundfläche auf eine Person je 10 m². „Wir gehen auch hier mit Augenmaß vor, um sowohl das Infektionsgeschehen weiter zu minimieren als auch dem Handel nach den schwierigen vergangenen Monaten eine Perspektive zu eröffnen und die Wiederbelebung des Geschäfts zu ermöglichen“, sagte Klose. Er teilte außerdem mit, dass die pandemiebegründete generelle Möglichkeit, Geschäfte an Sonntagen von
13 -18 Uhr zu öffnen, ab dem 22. Juni aufgehoben wird.

Einfacher wird es auch für Veranstaltungen wie Theatervorstellungen, Konzerte und Feste, die bislang bei mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Genehmigung der örtlichen Behörden einholen mussten. Diese Obergrenze steigt auf 250. Voraussetzung ist wie bisher ausreichend Fläche pro Person, die Erfassung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und ein Hygienekonzept.

„Wir werden die Entwicklung des Infektionsgeschehens weiterhin genau beobachten. Unser Ziel bleibt, die Anzahl der Neuinfektionen möglichst gering zu halten“, hob der Minister abschließend hervor.

Ab dem 22. Juni 2020 gilt folgende neue Regel zu Besuchen in Alten- und Pflegeeinrichtungen:

  • Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen dürfen drei Besuche pro Woche von einer Person erhalten (unabhängig ob Angehöriger oder sonstige nahestehende Person). Menschen mit Behinderung, die in einer stationären Einrichtung betreut werden, können von einer Person pro Tag besucht werden. Die Besuche sollen auch an den Wochenenden ermöglicht werden.
  • Es bestehen weiterhin Besuchsverbote für Personen mit Atemwegsinfektionen sowie die bisherigen Abstands- und Hygieneregelungen. Besucherinnen und Besucher sollten sich vor ihrem Besuch in den Einrichtungen anmelden, da sie registriert werden müssen.
  • Alle Einrichtungen müssen ihr individuelles Schutzkonzept der Betreuungs- und Pflegeaufsicht übermitteln, welches nach Maßgabe der aktuellen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der Handlungsempfehlungen des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration erstellt wird.
  • Die Einrichtungsleitung kann unter Berücksichtigung des Infektionsgeschehens, der räumlichen und persönlichen Ausstattung sowie der Verfügbarkeit von ausreichender persönlicher Schutzkleidung eine Beschränkung von Besuchen auf einen Besuch von mindestens einer Stunde pro Woche für jede Bewohnerin und jeden Bewohner aussprechen. Eine solche Beschränkung ist der zuständigen Betreuungs- und Pflegeaufsicht vorab unter der Angabe von Gründen zur Genehmigung vorzulegen.
  • Die teilstationären Tages- und Nachtpflegeeinrichtungen für Menschen mit Behinderungen werden ebenfalls wieder geöffnet. Es gelten weiterhin Besuchsverbote für Personen mit Atemwegsinfektionen sowie die bisherigen Abstands- und Hygieneregelungen. Sofern die Einrichtung mit einer stationären Pflegeeinrichtung verbunden ist, ist jedoch nur eine Notbetreuung möglich.
  • Die Seniorenbegegnungsstätten können wieder öffnen. Veranstaltungen von Seniorinnen und Senioren können unter Einhaltung bestimmter Abstands- und Hygieneregeln (insbesondere kein gemeinsames Singen) mit bis zu 100 Personen wieder stattfinden.

Weitere Anpassungen:

  • Die Teilnehmeranzahl für Veranstaltungen, die nicht von den Behörden besonders genehmigt und überwacht werden müssen, wird von 100 auf 250 erhöht.
  • In Läden, Geschäften, Supermärkten, Möbelhäusern wird die Quadratmeterzahl der Verkaufsfläche pro Kunde von 20 qm auf 10 qm abgesenkt. Es darf sich künftig also ein Kunde pro 10 qm Verkaufsfläche aufhalten. Damit können wieder mehr Personen gleichzeitig in die Geschäfte eingelassen werden. Die Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung und zur Einhaltung des Mindestabstands von
    1,5 Metern bleibt weiterhin bestehen.
  • Die pandemiebegründete generelle Möglichkeit, Geschäfte an Sonntagen von
    13 -18 Uhr zu öffnen, entfällt. Es gelten wieder die allgemeinen Bestimmungen des Ladenöffnungsgesetzes.

Alle Regelungen gelten bis zum 16. August 2020.

Corona-Krise: Informationen und Kontakt

Sie sind als Bürgerin, Bürger, Unternehmerin oder Unternehmer von der Corona-Krise betroffen?
  • Mehr dazu finden Sie online auf unseren Informationsseiten zu Corona.
  • Sie können uns Ihre Fragen per E-Mail unter buergertelefon@stk.hessen.de stellen.
  • Ebenso unter der hessenweiten Hotline:  0800- 555 4666 – montags bis freitags von 8:00 bis 20:00 Uhr samstags, sonntags und an Feiertagen von 9:00 bis 15:00 Uhr

Ministerpräsident Volker Bouffier: „Erfahrungen zeigen uns, dass wir mit unserer schrittweisen Vorgehensweise richtig liegen“Alle Regelungen gelten bis zum 16. August 2020.

 

Von links nach rechts: Kultusminister Alexander Lorz, Präsident des Hessischen Städtetags, Christian Geselle, Sozialminister Kai Klose, Ministerpräsident Volker Bouffier, Dr. Thomas Stöhr, Präsident des Hessischen Landkreistages und Bernd Woide, der Präsident des Hessischen Städte- und Gemeindebundes
© Staatskanzlei

Das Corona-Kabinett der Hessischen Landesregierung hat weitere Anpassungen der Verordnungen zur Bekämpfung des Corona-Virus verabschiedet. Diese betreffen insbesondere die Kontaktbeschränkungen sowie den Bereich der Kitas und Schulen, der Schwimmbäder und des Sportbetriebs.

„Wir haben das Virus-Geschehen in den vergangenen Wochen aufmerksam beobachtet. Die Erfahrungen zeigen uns, dass wir mit unserer schrittweisen Vorgehensweise richtigliegen und nun in einigen Bereichen weitere Anpassungen vornehmen können. Deshalb haben wir zum Beispiel beschlossen, die Kontaktbeschränkungen zu lockern und ein Treffen von maximal zehn Personen im öffentlichen Raum zu ermöglichen. Trotzdem muss uns nach wie vor bewusst sein: Das Virus ist noch da. Wir werden weiterhin nach dem Motto ‚Hessen bleibt besonnen‘ vorgehen und beobachten, welche Beschränkungen aufrechterhalten werden müssen und wo wir einen Schritt in Richtung Normalbetrieb gehen können“, sagte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier.

Ab dem 11. Juni 2020 gilt folgende neue Regel zu den Kontaktbeschränkungen:

  • Es dürfen sich Gruppen von maximal 10 Personen im öffentlichen Raum treffen – unerheblich, aus wie vielen verschiedenen Hausständen sie stammen, oder wie bisher die Angehörigen zweier Hausstände.
  • Bei privaten Zusammenkünften unterhalb der Veranstaltungsschwelle entfällt die bisherige Begrenzung auf einen engen privaten Kreis. Die Bürgerinnen und Bürger bleiben gleichwohl aufgerufen, auch im häuslichen Bereich eigenverantwortlich auf eine Begrenzung ihrer persönlichen Kontakte zu achten.
  • In Geschäften, Gottesdiensten, Kultureinrichtungen, Veranstaltungsräumen, Gaststätten muss sichergestellt werden, dass der gebotene Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann.

„Die allgemeine Corona-Infektionslage, neue medizinische Erkenntnisse und positive Rückmeldungen aus den Schulen haben uns dazu bewogen, weitere Lockerungsschritte für junge Familien in ganz Hessen in Angriff zu nehmen“, erklärte Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz. „Ab dem 22. Juni – und damit noch vor den Sommerferien – können Grundschülerinnen und Grundschüler wieder an fünf Tagen in der Woche in die Schule gehen.“ Die zurückliegende Zeit sei vor allem für die Jüngsten und ihre Eltern herausfordernd gewesen, und die Rückkehr zum Präsenzunterricht an ein oder zwei Tagen habe nicht für alle Familien die erhoffte Entlastung gebracht, so Lorz.

„Wir haben uns daher entschieden, noch vor den Sommerferien einen zweiwöchigen Probelauf mit Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler zumindest an den Grundschulen zu starten. Wir würden diesen Schritt nicht machen, wenn wir den mittlerweile vorliegenden wissenschaftlichen Studien und der Einschätzung der Gesundheitsexperten keinen Glauben schenken würden“, ergänzte der Minister. Sie zeigten nicht nur, dass die Zahl der Neuinfektionen rapide gesunken sei und immer mehr Infizierte als geheilt gelten, sondern vor allem, dass sich Kinder deutlich seltener mit dem Virus infizierten als Erwachsene. Auf der anderen Seite könne es ein Nullrisiko nicht geben, machte Lorz deutlich. „Deshalb stellen wir es den Eltern in den verbleibenden zwei Wochen vor den Ferien frei, ob ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt oder von zu Hause aus weiter lernen wird. Ziel ist es, nach den Sommerferien ab dem 17. August wieder den Normalbetrieb in den Schulen aufzunehmen, sofern das Pandemiegeschehen es zulässt.“

Mit der vollständigen Rückkehr in den Unterricht seien in jedem Fall zahlreiche organisatorische und auch personelle Herausforderungen verbunden, weshalb man heute alle Grundschulen in einem Schreiben über das weitere Vorgehen informiert habe. „Die Kinder werden in ihrer Klasse den Abstand von 1,5 Metern nicht einhalten können. Deshalb ist es entscheidend, die Gruppen nicht zu durchmischen und sie möglichst dauerhaft von derselben Lehrkraft im selben Raum unterrichten zu lassen.“ Das diene dem Selbstschutz der Kinder und dem der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Schulen. „Auch wenn noch viel Arbeit vor uns liegt, tragen wir mit diesem weiteren Lockerungsschritt dazu bei, dem Recht auf Bildung und Chancengerechtigkeit wieder Geltung zu verschaffen. Und Eltern mit jungen Kindern können Familie und Beruf wieder besser vereinbaren“, hielt der Minister abschließend fest.

Folgende neue Regelungen gelten ab dem 22. Juni 2020 für die hessischen Schulen:

  • Für alle Jahrgänge der Grundschule und der Grundstufen der Förderschule wird der tägliche Präsenzunterricht wiederaufgenommen. Der Unterrichtsvormittag deckt mindestens vier Zeitstunden für die Klassen 1 und 2 sowie fünf Zeitstunden für die Klassen 3 und 4 ab.
  • Jede Klasse nutzt mit demselben Lehrpersonal einen fest zugewiesenen Raum und bildet eine konstante Lerngruppe. So wird es möglich, das Abstandsgebot aufzuheben. Gleichwohl gelten auch innerhalb dieser Gruppen weiterhin die erforderlichen Hygienevorgaben.
  • Die Schulbesuchspflicht wird bis zu den Sommerferien ausgesetzt. Das bedeutet, dass Eltern selbst entscheiden können, ob ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt oder ob es weiterhin zu Hause lernen soll. Die unterrichtsersetzende Lernsituation („Home-Schooling“) wird auch für Schülerinnen und Schüler, die aufgrund einer Vorerkrankung nicht am Präsenzunterricht teilnehmen, fortgeführt, sowie für Kinder oder Klassen, für die aufgrund einer Infektion Quarantäne angeordnet wird.
  • Mit der Rückkehr zur Fünf-Tage-Woche an den Grundschulen entfällt für die Jahrgänge 1 bis 4 die Notfallbetreuung in den Schulen. Für die Jahrgangsstufen 5 und 6 wird die Notfallbetreuung bis zu den Sommerferien (also bis 3. Juli) fortgeführt.

Lehrerinnen und Lehrer, die 60 Jahre und älter sind, sind künftig nicht mehr automatisch von der Präsenzpflicht freigestellt, sondern brauchen dafür ein arbeitsmedizinisches Attest.

Gemeinsam mit den Kommunalen Spitzenverbänden hat die Hessische Landesregierung außerdem beschlossen, ab dem 6. Juli den Regelbetrieb in Kindertageseinrichtungen wiederaufzunehmen. „Die niedrigen Infektionszahlen ermöglichen es nun, das Recht von Kindern auf Bildung und Teilhabe in den Vordergrund zu stellen. Kinder und Eltern waren durch das Coronavirus und die dadurch notwendigen Einschränkungen in den zurückliegenden Wochen besonders gefordert, viele sind an ihre Belastungsgrenzen gekommen. Allen Familien danken wir, dass sie diese schwierige Zeit so gut bewältigt und dazu beigetragen haben, die Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu bekämpfen“, so Sozialminister Kai Klose. „Es freut mich, dass wir wie bei der Wiederaufnahme des sogenannten eingeschränkten Regelbetriebs auch diesen Schritt Hand in Hand mit den Kommunen gehen, in deren Verantwortung die Kinderbetreuungseinrichtungen liegen, denn das Land betreibt keine Kitas. Dieser Schritt ist für die frühkindliche Bildung, die Chancengerechtigkeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig.“ Die flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten, die das Land bereits eingeräumt habe, führten dazu, dass Kitas schon derzeit viele Kinder zusätzlich aufnehmen konnten. Freie Plätze konnten im Einvernehmen zwischen Kita-Träger und Jugendamt vergeben werden. Mit dem 6. Juli falle nun das Betretungsverbot und damit für die Kitas auch die Notbetreuungsliste weg. Bis dahin bestehe ausreichend Zeit für die Träger, den Regelbetrieb in ihren Kitas vorzubereiten.

Seit dem 16. März bestand in Hessen ein grundsätzliches Betretungsverbot für Kindertageseinrichtungen. Ausnahmen bestanden für Angehörige bestimmter Funktionsberufe, aber auch berufstätige Alleinerziehende sowie aus Gründen des Kindeswohls. Es wurden familiäre Betreuungsgemeinschaften zugelassen und seit dem 25. Mai die Betreuung in der Kindertagespflege wieder umfänglich ermöglicht. Seit dem 2. Juni besteht in den Kindertageseinrichtungen der „eingeschränkte Regelbetrieb“.

„Ab dem 6. Juli stehen die Kitas grundsätzlich wieder allen Kindern offen, soweit genug Personal verfügbar ist und es das lokale Infektionsgeschehen zulässt. Wir begrüßen, dass die zunehmend strittigen Regelungen zu Notbetreuung und Betretungsverbot in wenigen Wochen auslaufen. Das ist der richtige Weg,“ sagte Dr. Thomas Stöhr, der Präsident des Hessischen Städte- und Gemeindebundes. „Die Städte im Hessischen Städtetag bewerten die ab 6. Juli 2020 angedachte Außerkraftsetzung der Corona-Beschränkungen in Tageseinrichtungen für Kinder positiv. Diese entspricht ebenso der Zielrichtung der Jugenddezernate des Hessischen Städtetages wie die zuvor ergangene Verordnung. Wir konnten aufgrund der bisherigen Regelungen vor Ort schrittweise schon in den Regelbetrieb übergehen“, so Präsident Christian Geselle, Oberbürgermeister von Kassel. „Während der Ferien werden viele Gebietskörperschaften Ferienbetreuungen und Ferienspiele anbieten. Spätestens zum Start des Kindergartenjahres sind wir dann – lässt dies die medizinische und virologische Lage zu – perspektivisch wieder im Normalbetrieb, auf den sich Kinder, Tageseinrichtungen sowie Eltern freuen.“

Auch der Präsident des Hessischen Landkreistages, Landrat Bernd Woide (Landkreis Fulda), steht hinter den neuen Regelungen: „Wir begrüßen, dass das aktuell niedrige Infektionsgeschehen in Hessen es zulässt, nun einen weiteren großen Schritt in Richtung Regelbetrieb bei der Kinderbetreuung zu gehen. Damit geben wir Eltern und Kindern für die kommenden Wochen eine gute Perspektive. Wichtig ist aber auch, dass wir weiterhin mit geeigneten Hygienemaßnahmen den Gesundheitsschutz in den Betreuungseinrichtungen großschreiben.“

In den hessischen Kitas gelten ab dem 6. Juli folgende Regelungen:

  • Eltern können ihre Kinder wieder im gewohnten Umfang betreuen lassen. Die zuständigen Kommunen und Träger müssen gemeinsam sicherstellen, dass dieser Betreuungsanspruch erfüllt wird. Um pandemiebedingte Engpässe beim Betreuungspersonal abzufedern, kann der geltende Fachkraftschlüssel nach Beratung durch die Jugendämter vorübergehend gelockert werden.
  • Für Kinder mit Krankheitssymptomen und Kinder, die Kontakt mit infizierten Personen hatten, besteht weiterhin ein Betretungsverbot.
  • Es gelten weiterhin die erforderlichen Hygienevorgaben.

Für die hessischen Schwimmbäder wurden folgende Lockerungen beschlossen:

  • Ab Montag, dem 15. Juni 2020, können Schwimmbäder, Badeanstalten an Gewässern und ähnliche Einrichtungen in Hessen unter Beachtung der vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregeln wieder für den Publikumsverkehr öffnen. Sie dürfen nur betrieben werden, wenn sie ein anlagenbezogenes Infektionsschutz- und Zugangskonzept vorlegen.
  • Der Besuch muss grundsätzlich und unter Einhaltung der 1,5 Meter-Abstandsregelung möglich sein. Es gilt eine Fünf-Quadratmeter-Regelung: Grundsätzlich darf sich im Schwimmbecken wie auch außerhalb des Beckens, etwa auf der Liegewiese, nur eine Person pro 5 qm aufhalten. In Schwimmbädern, die beispielsweise über eine Fläche von rund 1.000 Quadratmetern verfügen, darf maximal 200 Gästen Einlass gewährt werden.
  • Der Zutritt zur Badeanstalt soll unter Vermeidung von Warteschlangen ermöglicht werden. Einzelumkleiden, Wechselspinde und Schließfächer sowie sanitäre Anlagen dürfen unter Beachtung der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts genutzt werden, für Sammelumkleiden gilt zudem eine Begrenzung der Personenzahl (höchstens eine Person pro 5 qm).
  • Auch Saunen und Saunabereiche dürfen ab Montag, den 15. Juni 2020, wieder geöffnet werden. Für diese Bereiche muss ebenso ein anlagenbezogenes Hygienekonzept eingehalten werden. Die Fünf-Quadratmeter-Regelung sowie die weiteren Bestimmungen orientieren sich an den Schwimmbad-Vorgaben.

„Aufgrund des niedrigen Infektionsgeschehens können unsere Frei- und Hallenbäder ab der kommenden Woche unter Beachtung der Fünf-Quadratmeter-Regelung wieder für alle Bürgerinnen und Bürger öffnen. Viele Frei- und Hallenbäder in Hessen sind seit Wochen im Standby-Modus und haben bereits individuelle Hygiene- und Abstandskonzepte erarbeitet, so dass die Öffnung ohne Vorlaufzeit möglich sein wird. Allen Besucherinnen und Besuchern wünschen wir viel Freude, auch wenn der Besuch unserer Badeanstalten in diesem Sommer nicht das unbeschwerte Vergnügen sein wird, wie wir es kennen“, so Innen- und Sportminister Peter Beuth.

Für den Wettkampf- und Trainingsbetrieb im Sport gilt Folgendes:

  • Ab dem 11. Juni werden auch die für den Sport geltenden Regelungen an die allgemeinen Kontaktbeschränkungen des Landes Hessen angeglichen. Demnach darf Kontaktsport unter Beachtung der Hygieneregeln mit bis zu zehn Personen durchgeführt werden.
  • Auch das bestehende Verbot des Wettkampfbetriebes im Amateurbereich wird für viele Sportarten aufgehoben. Die den Sportarten zugehörigen Sportfachverbände entscheiden dabei in eigener Zuständigkeit über die Wiederaufnahme des Wettkampfsports, sofern dieser unter Wahrung der Kontaktbeschränkungen möglich ist.
  • Somit kann Training und Wettbewerb unter Einhaltung von Hygieneregeln in Sportarten mit eingeschränkter Teilnehmerzahl beispielsweise im Tennis, Basketball, Tischtennis, Reiten und vielen weiteren Sportarten wiederaufgenommen werden.
  • Auch die Umkleidekabinen und Duschen sowie Saunen dürfen wieder genutzt werden. Dafür gelten die gleichen Voraussetzungen wie bei den Schwimmbädern (Fünf-Quadratmeter-Regelung).

„Das ist ein großer Schritt für den Neubeginn des Sports in Hessen. Ab morgen dürfen bis zu zehn Personen gemeinsam wieder Kontaktsport ohne Mindestabstand ausüben. Körperbetonte Zweikämpfe sind damit wieder möglich. Dennoch gilt es, mit der neuen Situation verantwortungsvoll umzugehen und Hygiene- und Infektionsschutzstandards weiterhin zu beherzigen. Nicht notwendige Handshakes oder Umarmungen sollten zum Eigen- und Fremdschutz weiterhin unterbleiben. Das sollte in Corona-Zeiten eine Selbstverständlichkeit bleiben“, so Peter Beuth.

Weitere Anpassungen:

  • Künftig ist in Hessen auch in Bahnhöfen sowie auf Flughäfen ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen. „In Bussen, Bahnen, Taxen, Schiffen und Verkehrsflugzeugen des öffentlichen Personenverkehrs war die Mund-Nasen-Bedeckung auch bisher schon vorgeschrieben“, informierte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. „Da der Verkehr wieder zunimmt, ist es folgerichtig, auch die zugehörigen öffentlichen Gebäude einzubeziehen. Denn wo Menschen in Bewegung sind und es mitunter eilig haben, lässt sich der Mindestabstand nicht immer einhalten. Ein Mund-Nasen-Schutz senkt das Infektionsrisiko.“
  • Bei Gottesdiensten, Bestattungen und Trauerfeierlichkeiten muss der Veranstalter künftig die Daten der Teilnehmenden erfassen, um die Nachverfolgung von Infektionen zu ermöglichen.

Alle Regelungen gelten bis zum 16. August 2020.

10.06.2020Pressestelle: Hessische Staatskanzlei

 

CORONA-LOCKERUNGEN:Kultusminister Lorz – Schulen kehren im neuen Schuljahr zur 5-Tage-Woche zurück

Kultusminister Lorz: „Die Ergebnisse der Konzeptgruppe zum Schuljahresbeginn sind eine wertvolle Planungsgrundlage für den Schuljahresstart.“

© HKM

Schulleiterinnen und Schulleiter aller Schulformen haben in den vergangenen Wochen gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kultusministeriums, der Staatlichen Schulämter, Vertretern des Landeselternbeirats, der Landesschülervertretung, des Hauptpersonalrats der Lehrerinnen und Lehrer und der Lehrkräfteakademie in der „Konzeptgruppe Schuljahresbeginn 2020/2021“ Leitlinien erarbeitet. Heute hat Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz die Ergebnisse der Konzeptgruppe in Wiesbaden offiziell vorgestellt und dabei erklärt:

„Jeder Tag, an dem unsere Schülerinnen und Schüler in die Schule gehen können, ist ein guter Tag. Aufgrund der positiven Rückmeldungen seit der Aufhebung des Abstandsgebots an unseren Grundschulen und weil sich das Infektionsgeschehen in Hessen nochmals deutlich verlangsamt hat, werden wir, gestützt auf medizinische Empfehlungen und die Arbeit der Konzeptgruppe, nach den Sommerferien auch in den übrigen Schulformen zu einem Präsenzunterricht an fünf Tagen in der Woche zurückkehren. Wir gehen diesen Schritt aus Überzeugung – wohlwissend, dass es ein Nullrisiko nicht geben kann und dass im Bedarfsfall lokal oder auch flächendeckend erneut Einschränkungen erforderlich werden können.“

Testmöglichkeiten für Lehrkräfte und weitere Schutzausrüstung

Die Aufhebung des Abstandsgebots im Unterricht mache es möglich, zu einem geregelten Klassen- und Kurssystem ohne Begrenzung der Gruppengröße zurückzukehren, so Lorz weiter. „Die gängigen Hygieneregeln, also insbesondere die Vermeidung körperlicher Kontakte und, wo immer möglich, die Wahrung eines angemessenen Abstands, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung außerhalb der Unterrichtsräume, die Desinfektion von Oberflächen und das regelmäßige Händewaschen, bestehen selbstverständlich fort.“ Ergänzend zu der bereits zur Verfügung gestellten Schutzausrüstung (vier Lieferungen mit insgesamt 2 Millionen Mund-Nasen-Schutzmasken, 26.000 Litern Desinfektionsmittel, 50.000 FFP2-Masken, 70.000 Schutzhandschuhen, 20.000 Vlieskitteln und 6.000 Gesichtsschutzschilden) erhalten Schulen rechtzeitig vor Schuljahresbeginn erneut eine große Lieferung. „Außerdem geben wir jeder Lehrkraft die Möglichkeit, sich bei Bedarf kostenfrei testen zu lassen.“ Wie einige andere Länder auch wolle Hessen die Wiederaufnahme des Regelbetriebs wissenschaftlich begleiten, ergänzte der Minister.

Digitale Endgeräte für Schülerinnen und Schüler im Distanzunterricht

Eine Aufhebung der Präsenzpflicht sei nur noch individuell mit ärztlichem Attest möglich. Diese Regelung gelte für Lehrkräfte, sozialpädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Schülerinnen und Schüler, bei denen die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs bestehe oder die mit Personen mit einer solchen Gefährdung in einem Hausstand lebten. „Schülerinnen und Schüler, die nicht am Unterricht in der Schule teilnehmen können, werden digital ins Klassenzimmer zugeschaltet und erhalten dazu bei Bedarf leihweise ein mobiles Endgerät.“ Darüber hinaus baue Hessen die digitale Lehr- und Lernplattform, das „Schulportal Hessen“, bis zum Beginn des neuen Schuljahrs weiter aus, so Lorz. Hiermit komme man einer zentralen Anregung der Konzeptgruppe für das digitale Lernen nach. Außerdem sei Schulen vorübergehend die Nutzung aller gegenwärtig erhältlicher Videokonferenzsysteme gestattet.

Freiwillige Ferienprogramme schon jetzt stark nachgefragt

Der Austausch mit den Praktikerinnen und Praktikern in der Konzeptgruppe habe noch einmal bestätigt, dass nichts den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler nachhaltiger beeinflusse als der persönliche Kontakt zu ihrer Lehrkraft, so der Minister. „Deshalb wollen wir die Zeit bis zum Beginn des neuen Schuljahrs nutzen, um all jene Schülerinnen und Schüler, die schon vor den Schulschließungen Nachholbedarf hatten oder währenddessen entwickelt haben, in einem unserer schulischen Ferienlernangebote fit zu machen für die nächste Jahrgangsstufe.“ Die Resonanz auf die Angebote sei schon jetzt sehr groß, so Lorz abschließend.

Interessierte Eltern bzw. Schülerinnen und Schüler, interessiertes Personal sowie interessierte Schulen können sich für die „Ferienakademie 2020“ noch bis zum 5. Juli 2020 anmelden.

Lorz: „Mit unserer schrittweisen Lockerung kehren wir immer mehr zu dem Unterricht zurück, wie wir ihn vor der Krise kannten.“

© HKM

Seit vergangener Woche gehen alle Grundschülerinnen und Grundschüler in Hessen, wenn auch noch nicht an jedem Wochentag, wieder zur Schule. Heute hat sich Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz persönlich ein Bild von der Wiederaufnahme des Schulbetriebs gemacht und sich dazu mit Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Elternvertretern der Wiesbadener Robert-Schumann-Schule über ihre Erfahrungen der vergangenen Tage und Wochen ausgetauscht. „Es tut gut, nach Monaten endlich wieder eine Schule von innen zu sehen, auch wenn der derzeitige Schulalltag noch kaum mit dem vor den Schulschließungen vergleichbar ist“, so Lorz. „Und doch ist es wichtig, Kinder in gesicherte Strukturen zurückzuführen und die Kontinuität im Lernprozess möglichst aufrechtzuerhalten. Der heutige Besuch zeigt mir, dass es unseren Schulen immer besser gelingt, den Schulalltag unter diesen besonderen Herausforderungen zu organisieren.“

Rückkehr zum Präsenzunterricht

Die zurückliegende Zeit sei vor allem für die Jüngsten und ihre Eltern herausfordernd gewesen, und die Rückkehr zum Präsenzunterricht an ein oder zwei Tagen habe nicht für alle Familien die erhoffte Entlastung gebracht, so Lorz weiter. Im Gespräch mit den Elternvertretern der Schule versicherte er deshalb, dass man es den Grundschulen ermöglichen wolle, in den letzten zwei Wochen vor den Ferien zum kompletten Präsenzunterricht zurückzukehren. „Die positiven Rückmeldungen aus unseren Schulen haben uns dazu bewogen, weitere Lockerungsschritte für junge Familien in ganz Hessen in Angriff zu nehmen. Ab dem 22. Juni – und damit noch vor den Sommerferien – können Grundschülerinnen und Grundschüler wieder an fünf Tagen in der Woche in die Schule gehen.“ Am Vormittag hatte Minister Lorz bereits alle Grundschulen in einem Schreiben über das weitere Vorgehen informiert, bevor Ministerpräsident Bouffier den Öffnungsschritt als weiteren Teil der Lockerungsstrategie der Landesregierung in einer Pressekonferenz bekanntgab.

„Wir würden diesen Schritt nicht machen, wenn wir den mittlerweile vorliegenden wissenschaftlichen Studien und der Einschätzung der Gesundheitsexperten keinen Glauben schenken würden“, ergänzte der Minister. Sie zeigten nicht nur, dass die Zahl der Neuinfektionen rapide gesunken sei und immer mehr Infizierte als geheilt gälten, sondern vor allem, dass sich Kinder deutlich seltener mit dem Virus infizierten als Erwachsene. Gleichzeitig könne es ein Nullrisiko nicht geben, machte Lorz deutlich. „Deshalb stellen wir es den Eltern in den verbleibenden zwei Wochen vor den Ferien frei, ob ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt oder von zu Hause aus lernen wird.“

„Jede Krise birgt auch eine Chance.“

Schulleiterin Katharina Hattig-Böhm zeigte sich erfreut über den weiteren Lockerungsschritt und erklärte: „Jede Krise birgt auch eine Chance. Wir haben auf der einen Seite erkannt, dass das virtuelle Lernen gerade an Grundschulen noch in den Kinderschuhen steckt. Auf der anderen Seite ist uns noch einmal eindringlich bewusstgeworden, dass der Präsenzunterricht und der persönliche Kontakt gerade in den Grundschulen im Hinblick auf Lernerfolg und die Motivation der Kinder alternativlos sind. Guter Unterricht kann nur in der Schule stattfinden! Deshalb freuen wir uns über die weitere Öffnung der Grundschulen sehr.“

Vollständigen Rückkehr in den Unterricht

Mit der vollständigen Rückkehr in den Unterricht seien in jedem Fall zahlreiche organisatorische und auch personelle Herausforderungen verbunden, ergänzte der Minister. „Die Kinder werden in ihrer Klasse den Abstand von 1,5 Metern nicht einhalten können. Deshalb ist es entscheidend, die Gruppen nicht zu durchmischen und sie möglichst dauerhaft von derselben Lehrkraft im selben Raum unterrichten zu lassen.“ Das diene dem Selbstschutz der Kinder und dem der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Schulen. „Auch wenn noch viel Arbeit vor uns liegt, tragen wir mit diesem weiteren Lockerungsschritt dazu bei, dass Eltern mit jungen Kindern Familie und Beruf wieder besser vereinbaren können“, hielt der Minister abschließend fest.

 

 

10.06.2020Pressestelle: Hessisches Kultusministerium

Corona-Kabinett der Hessischen Landesregierung: Anpassungen zur Bekämpfung des Corona-Virus verabschiedet

10.06.2020 Pressestelle: Hessische Staatskanzlei

Ministerpräsident Volker Bouffier: „Erfahrungen zeigen uns, dass wir mit unserer schrittweisen Vorgehensweise richtig liegen“Alle Regelungen gelten bis zum 16. August 2020.

 

Von links nach rechts: Kultusminister Alexander Lorz, Präsident des Hessischen Städtetags, Christian Geselle, Sozialminister Kai Klose, Ministerpräsident Volker Bouffier, Dr. Thomas Stöhr, Präsident des Hessischen Landkreistages und Bernd Woide, der Präsident des Hessischen Städte- und Gemeindebundes
© Staatskanzlei

Das Corona-Kabinett der Hessischen Landesregierung hat weitere Anpassungen der Verordnungen zur Bekämpfung des Corona-Virus verabschiedet. Diese betreffen insbesondere die Kontaktbeschränkungen sowie den Bereich der Kitas und Schulen, der Schwimmbäder und des Sportbetriebs.

„Wir haben das Virus-Geschehen in den vergangenen Wochen aufmerksam beobachtet. Die Erfahrungen zeigen uns, dass wir mit unserer schrittweisen Vorgehensweise richtigliegen und nun in einigen Bereichen weitere Anpassungen vornehmen können. Deshalb haben wir zum Beispiel beschlossen, die Kontaktbeschränkungen zu lockern und ein Treffen von maximal zehn Personen im öffentlichen Raum zu ermöglichen. Trotzdem muss uns nach wie vor bewusst sein: Das Virus ist noch da. Wir werden weiterhin nach dem Motto ‚Hessen bleibt besonnen‘ vorgehen und beobachten, welche Beschränkungen aufrechterhalten werden müssen und wo wir einen Schritt in Richtung Normalbetrieb gehen können“, sagte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier.

Ab dem 11. Juni 2020 gilt folgende neue Regel zu den Kontaktbeschränkungen:

  • Es dürfen sich Gruppen von maximal 10 Personen im öffentlichen Raum treffen – unerheblich, aus wie vielen verschiedenen Hausständen sie stammen, oder wie bisher die Angehörigen zweier Hausstände.
  • Bei privaten Zusammenkünften unterhalb der Veranstaltungsschwelle entfällt die bisherige Begrenzung auf einen engen privaten Kreis. Die Bürgerinnen und Bürger bleiben gleichwohl aufgerufen, auch im häuslichen Bereich eigenverantwortlich auf eine Begrenzung ihrer persönlichen Kontakte zu achten.
  • In Geschäften, Gottesdiensten, Kultureinrichtungen, Veranstaltungsräumen, Gaststätten muss sichergestellt werden, dass der gebotene Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann.

„Die allgemeine Corona-Infektionslage, neue medizinische Erkenntnisse und positive Rückmeldungen aus den Schulen haben uns dazu bewogen, weitere Lockerungsschritte für junge Familien in ganz Hessen in Angriff zu nehmen“, erklärte Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz. „Ab dem 22. Juni – und damit noch vor den Sommerferien – können Grundschülerinnen und Grundschüler wieder an fünf Tagen in der Woche in die Schule gehen.“ Die zurückliegende Zeit sei vor allem für die Jüngsten und ihre Eltern herausfordernd gewesen, und die Rückkehr zum Präsenzunterricht an ein oder zwei Tagen habe nicht für alle Familien die erhoffte Entlastung gebracht, so Lorz.

„Wir haben uns daher entschieden, noch vor den Sommerferien einen zweiwöchigen Probelauf mit Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler zumindest an den Grundschulen zu starten. Wir würden diesen Schritt nicht machen, wenn wir den mittlerweile vorliegenden wissenschaftlichen Studien und der Einschätzung der Gesundheitsexperten keinen Glauben schenken würden“, ergänzte der Minister. Sie zeigten nicht nur, dass die Zahl der Neuinfektionen rapide gesunken sei und immer mehr Infizierte als geheilt gelten, sondern vor allem, dass sich Kinder deutlich seltener mit dem Virus infizierten als Erwachsene. Auf der anderen Seite könne es ein Nullrisiko nicht geben, machte Lorz deutlich. „Deshalb stellen wir es den Eltern in den verbleibenden zwei Wochen vor den Ferien frei, ob ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt oder von zu Hause aus weiter lernen wird. Ziel ist es, nach den Sommerferien ab dem 17. August wieder den Normalbetrieb in den Schulen aufzunehmen, sofern das Pandemiegeschehen es zulässt.“

Mit der vollständigen Rückkehr in den Unterricht seien in jedem Fall zahlreiche organisatorische und auch personelle Herausforderungen verbunden, weshalb man heute alle Grundschulen in einem Schreiben über das weitere Vorgehen informiert habe. „Die Kinder werden in ihrer Klasse den Abstand von 1,5 Metern nicht einhalten können. Deshalb ist es entscheidend, die Gruppen nicht zu durchmischen und sie möglichst dauerhaft von derselben Lehrkraft im selben Raum unterrichten zu lassen.“ Das diene dem Selbstschutz der Kinder und dem der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Schulen. „Auch wenn noch viel Arbeit vor uns liegt, tragen wir mit diesem weiteren Lockerungsschritt dazu bei, dem Recht auf Bildung und Chancengerechtigkeit wieder Geltung zu verschaffen. Und Eltern mit jungen Kindern können Familie und Beruf wieder besser vereinbaren“, hielt der Minister abschließend fest.

Folgende neue Regelungen gelten ab dem 22. Juni 2020 für die hessischen Schulen:

  • Für alle Jahrgänge der Grundschule und der Grundstufen der Förderschule wird der tägliche Präsenzunterricht wiederaufgenommen. Der Unterrichtsvormittag deckt mindestens vier Zeitstunden für die Klassen 1 und 2 sowie fünf Zeitstunden für die Klassen 3 und 4 ab.
  • Jede Klasse nutzt mit demselben Lehrpersonal einen fest zugewiesenen Raum und bildet eine konstante Lerngruppe. So wird es möglich, das Abstandsgebot aufzuheben. Gleichwohl gelten auch innerhalb dieser Gruppen weiterhin die erforderlichen Hygienevorgaben.
  • Die Schulbesuchspflicht wird bis zu den Sommerferien ausgesetzt. Das bedeutet, dass Eltern selbst entscheiden können, ob ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt oder ob es weiterhin zu Hause lernen soll. Die unterrichtsersetzende Lernsituation („Home-Schooling“) wird auch für Schülerinnen und Schüler, die aufgrund einer Vorerkrankung nicht am Präsenzunterricht teilnehmen, fortgeführt, sowie für Kinder oder Klassen, für die aufgrund einer Infektion Quarantäne angeordnet wird.
  • Mit der Rückkehr zur Fünf-Tage-Woche an den Grundschulen entfällt für die Jahrgänge 1 bis 4 die Notfallbetreuung in den Schulen. Für die Jahrgangsstufen 5 und 6 wird die Notfallbetreuung bis zu den Sommerferien (also bis 3. Juli) fortgeführt.

Lehrerinnen und Lehrer, die 60 Jahre und älter sind, sind künftig nicht mehr automatisch von der Präsenzpflicht freigestellt, sondern brauchen dafür ein arbeitsmedizinisches Attest.

Gemeinsam mit den Kommunalen Spitzenverbänden hat die Hessische Landesregierung außerdem beschlossen, ab dem 6. Juli den Regelbetrieb in Kindertageseinrichtungen wiederaufzunehmen. „Die niedrigen Infektionszahlen ermöglichen es nun, das Recht von Kindern auf Bildung und Teilhabe in den Vordergrund zu stellen. Kinder und Eltern waren durch das Coronavirus und die dadurch notwendigen Einschränkungen in den zurückliegenden Wochen besonders gefordert, viele sind an ihre Belastungsgrenzen gekommen. Allen Familien danken wir, dass sie diese schwierige Zeit so gut bewältigt und dazu beigetragen haben, die Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu bekämpfen“, so Sozialminister Kai Klose. „Es freut mich, dass wir wie bei der Wiederaufnahme des sogenannten eingeschränkten Regelbetriebs auch diesen Schritt Hand in Hand mit den Kommunen gehen, in deren Verantwortung die Kinderbetreuungseinrichtungen liegen, denn das Land betreibt keine Kitas. Dieser Schritt ist für die frühkindliche Bildung, die Chancengerechtigkeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig.“ Die flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten, die das Land bereits eingeräumt habe, führten dazu, dass Kitas schon derzeit viele Kinder zusätzlich aufnehmen konnten. Freie Plätze konnten im Einvernehmen zwischen Kita-Träger und Jugendamt vergeben werden. Mit dem 6. Juli falle nun das Betretungsverbot und damit für die Kitas auch die Notbetreuungsliste weg. Bis dahin bestehe ausreichend Zeit für die Träger, den Regelbetrieb in ihren Kitas vorzubereiten.

Seit dem 16. März bestand in Hessen ein grundsätzliches Betretungsverbot für Kindertageseinrichtungen. Ausnahmen bestanden für Angehörige bestimmter Funktionsberufe, aber auch berufstätige Alleinerziehende sowie aus Gründen des Kindeswohls. Es wurden familiäre Betreuungsgemeinschaften zugelassen und seit dem 25. Mai die Betreuung in der Kindertagespflege wieder umfänglich ermöglicht. Seit dem 2. Juni besteht in den Kindertageseinrichtungen der „eingeschränkte Regelbetrieb“.

„Ab dem 6. Juli stehen die Kitas grundsätzlich wieder allen Kindern offen, soweit genug Personal verfügbar ist und es das lokale Infektionsgeschehen zulässt. Wir begrüßen, dass die zunehmend strittigen Regelungen zu Notbetreuung und Betretungsverbot in wenigen Wochen auslaufen. Das ist der richtige Weg,“ sagte Dr. Thomas Stöhr, der Präsident des Hessischen Städte- und Gemeindebundes. „Die Städte im Hessischen Städtetag bewerten die ab 6. Juli 2020 angedachte Außerkraftsetzung der Corona-Beschränkungen in Tageseinrichtungen für Kinder positiv. Diese entspricht ebenso der Zielrichtung der Jugenddezernate des Hessischen Städtetages wie die zuvor ergangene Verordnung. Wir konnten aufgrund der bisherigen Regelungen vor Ort schrittweise schon in den Regelbetrieb übergehen“, so Präsident Christian Geselle, Oberbürgermeister von Kassel. „Während der Ferien werden viele Gebietskörperschaften Ferienbetreuungen und Ferienspiele anbieten. Spätestens zum Start des Kindergartenjahres sind wir dann – lässt dies die medizinische und virologische Lage zu – perspektivisch wieder im Normalbetrieb, auf den sich Kinder, Tageseinrichtungen sowie Eltern freuen.“

Auch der Präsident des Hessischen Landkreistages, Landrat Bernd Woide (Landkreis Fulda), steht hinter den neuen Regelungen: „Wir begrüßen, dass das aktuell niedrige Infektionsgeschehen in Hessen es zulässt, nun einen weiteren großen Schritt in Richtung Regelbetrieb bei der Kinderbetreuung zu gehen. Damit geben wir Eltern und Kindern für die kommenden Wochen eine gute Perspektive. Wichtig ist aber auch, dass wir weiterhin mit geeigneten Hygienemaßnahmen den Gesundheitsschutz in den Betreuungseinrichtungen großschreiben.“

In den hessischen Kitas gelten ab dem 6. Juli folgende Regelungen:

  • Eltern können ihre Kinder wieder im gewohnten Umfang betreuen lassen. Die zuständigen Kommunen und Träger müssen gemeinsam sicherstellen, dass dieser Betreuungsanspruch erfüllt wird. Um pandemiebedingte Engpässe beim Betreuungspersonal abzufedern, kann der geltende Fachkraftschlüssel nach Beratung durch die Jugendämter vorübergehend gelockert werden.
  • Für Kinder mit Krankheitssymptomen und Kinder, die Kontakt mit infizierten Personen hatten, besteht weiterhin ein Betretungsverbot.
  • Es gelten weiterhin die erforderlichen Hygienevorgaben.

Für die hessischen Schwimmbäder wurden folgende Lockerungen beschlossen:

  • Ab Montag, dem 15. Juni 2020, können Schwimmbäder, Badeanstalten an Gewässern und ähnliche Einrichtungen in Hessen unter Beachtung der vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregeln wieder für den Publikumsverkehr öffnen. Sie dürfen nur betrieben werden, wenn sie ein anlagenbezogenes Infektionsschutz- und Zugangskonzept vorlegen.
  • Der Besuch muss grundsätzlich und unter Einhaltung der 1,5 Meter-Abstandsregelung möglich sein. Es gilt eine Fünf-Quadratmeter-Regelung: Grundsätzlich darf sich im Schwimmbecken wie auch außerhalb des Beckens, etwa auf der Liegewiese, nur eine Person pro 5 qm aufhalten. In Schwimmbädern, die beispielsweise über eine Fläche von rund 1.000 Quadratmetern verfügen, darf maximal 200 Gästen Einlass gewährt werden.
  • Der Zutritt zur Badeanstalt soll unter Vermeidung von Warteschlangen ermöglicht werden. Einzelumkleiden, Wechselspinde und Schließfächer sowie sanitäre Anlagen dürfen unter Beachtung der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts genutzt werden, für Sammelumkleiden gilt zudem eine Begrenzung der Personenzahl (höchstens eine Person pro 5 qm).
  • Auch Saunen und Saunabereiche dürfen ab Montag, den 15. Juni 2020, wieder geöffnet werden. Für diese Bereiche muss ebenso ein anlagenbezogenes Hygienekonzept eingehalten werden. Die Fünf-Quadratmeter-Regelung sowie die weiteren Bestimmungen orientieren sich an den Schwimmbad-Vorgaben.

„Aufgrund des niedrigen Infektionsgeschehens können unsere Frei- und Hallenbäder ab der kommenden Woche unter Beachtung der Fünf-Quadratmeter-Regelung wieder für alle Bürgerinnen und Bürger öffnen. Viele Frei- und Hallenbäder in Hessen sind seit Wochen im Standby-Modus und haben bereits individuelle Hygiene- und Abstandskonzepte erarbeitet, so dass die Öffnung ohne Vorlaufzeit möglich sein wird. Allen Besucherinnen und Besuchern wünschen wir viel Freude, auch wenn der Besuch unserer Badeanstalten in diesem Sommer nicht das unbeschwerte Vergnügen sein wird, wie wir es kennen“, so Innen- und Sportminister Peter Beuth.

Für den Wettkampf- und Trainingsbetrieb im Sport gilt Folgendes:

  • Ab dem 11. Juni werden auch die für den Sport geltenden Regelungen an die allgemeinen Kontaktbeschränkungen des Landes Hessen angeglichen. Demnach darf Kontaktsport unter Beachtung der Hygieneregeln mit bis zu zehn Personen durchgeführt werden.
  • Auch das bestehende Verbot des Wettkampfbetriebes im Amateurbereich wird für viele Sportarten aufgehoben. Die den Sportarten zugehörigen Sportfachverbände entscheiden dabei in eigener Zuständigkeit über die Wiederaufnahme des Wettkampfsports, sofern dieser unter Wahrung der Kontaktbeschränkungen möglich ist.
  • Somit kann Training und Wettbewerb unter Einhaltung von Hygieneregeln in Sportarten mit eingeschränkter Teilnehmerzahl beispielsweise im Tennis, Basketball, Tischtennis, Reiten und vielen weiteren Sportarten wiederaufgenommen werden.
  • Auch die Umkleidekabinen und Duschen sowie Saunen dürfen wieder genutzt werden. Dafür gelten die gleichen Voraussetzungen wie bei den Schwimmbädern (Fünf-Quadratmeter-Regelung).

„Das ist ein großer Schritt für den Neubeginn des Sports in Hessen. Ab morgen dürfen bis zu zehn Personen gemeinsam wieder Kontaktsport ohne Mindestabstand ausüben. Körperbetonte Zweikämpfe sind damit wieder möglich. Dennoch gilt es, mit der neuen Situation verantwortungsvoll umzugehen und Hygiene- und Infektionsschutzstandards weiterhin zu beherzigen. Nicht notwendige Handshakes oder Umarmungen sollten zum Eigen- und Fremdschutz weiterhin unterbleiben. Das sollte in Corona-Zeiten eine Selbstverständlichkeit bleiben“, so Peter Beuth.

Weitere Anpassungen:

  • Künftig ist in Hessen auch in Bahnhöfen sowie auf Flughäfen ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen. „In Bussen, Bahnen, Taxen, Schiffen und Verkehrsflugzeugen des öffentlichen Personenverkehrs war die Mund-Nasen-Bedeckung auch bisher schon vorgeschrieben“, informierte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. „Da der Verkehr wieder zunimmt, ist es folgerichtig, auch die zugehörigen öffentlichen Gebäude einzubeziehen. Denn wo Menschen in Bewegung sind und es mitunter eilig haben, lässt sich der Mindestabstand nicht immer einhalten. Ein Mund-Nasen-Schutz senkt das Infektionsrisiko.“
  • Bei Gottesdiensten, Bestattungen und Trauerfeierlichkeiten muss der Veranstalter künftig die Daten der Teilnehmenden erfassen, um die Nachverfolgung von Infektionen zu ermöglichen.

Alle Regelungen gelten bis zum 16. August 2020.

10.06.2020 Pressestelle: Hessische Staatskanzlei

 

Hessische Landesregierung fasst weitere Beschlüsse: In den hessischen Kitas gelten ab dem 6. Juli folgende Regelungen

Wiesbaden, 10.06. 2020

In den hessischen Kitas gelten ab dem 6. Juli folgende Regelungen:

  • Eltern können ihre Kinder wieder im gewohnten Umfang betreuen lassen. Die zuständigen Kommunen und Träger müssen gemeinsam sicherstellen, dass dieser Betreuungsanspruch erfüllt wird. Um pandemiebedingte Engpässe beim Betreuungspersonal abzufedern, kann der geltende Fachkraftschlüssel nach Beratung durch die Jugendämter vorübergehend gelockert werden.
  • Für Kinder mit Krankheitssymptomen und Kinder, die Kontakt mit infizierten Personen hatten, besteht weiterhin ein Betretungsverbot.
  • Es gelten weiterhin die erforderlichen Hygienevorgaben.

 Hessische Landesregierung fasst weitere Beschlüsse:

Eingeschränkter Regelbetrieb in den hessischen Kindertageseinrichtungen

Sozial- und Integrationsminister Kai Klose: „Örtliche Flexibilität eröffnet Kommunen Gestaltungsspielraum, um möglichst vielen Kindern möglichst viel Betreuung einräumen zu können“

Ab dem 2. Juni gehen die hessischen Kindertagesstätten in den „eingeschränkten Regelbetrieb“ über. Nach der am Montag von der Landesregierung beschlossenen Verordnungsänderung hat das Hessische Sozial- und Integrationsministerium den Kommunen gestern die erbetene Hygieneempfehlung zum Schutz von Kindern und Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen übersandt. Sie dient den Trägern als Richtschnur und soll sie darüber informieren, was bei einem Kita-Betrieb während der Corona-Pandemie zu beachten ist. Die Hygieneempfehlung ist auch auf der Homepage des Sozial- und Integrationsministeriums zu finden: „Aktuell arbeiten die Träger der Kindertageseinrichtungen intensiv daran, den Kita-Betrieb wieder hochzufahren, auch wenn er gegenwärtig nur eingeschränkt stattfinden kann, weil das Virus noch immer da ist. Die Hessische Landesregierung hat den Kommunen die Optionen gegeben, die sie auch eingefordert haben. Diese örtliche Flexibilität eröffnet den Kommunen Gestaltungsspielraum, um möglichst vielen Kindern möglichst viel gute Bildung und Betreuung einräumen zu können. Deshalb haben wir auch keine Betreuungsgrenzen in Form von Gruppengrößen oder Raumregelungen festgelegt. Mit der Hygieneempfehlung unterstützen wir sie und geben ihnen eine Handlungsanleitung für den Kita-Alltag während der Pandemie“, erklärte Sozial- und Integrationsminister Kai Klose. 

 Die Hessische Landesregierung hat sich mit den Kommunen auf den Weg in die eingeschränkte Regelbetreuung verständigt. In der heutigen Debatte im Hessischen Landtag hob der Sozial- und Integrationsminister die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit hervor. „Wir gehen diesen Schritt Hand in Hand mit den Kommunen. Es ist ein Weg, der vor Ort ein Höchstmaß an Flexibilität und Gestaltungsspielraum ermöglicht, eben weil die Situation so unterschiedlich ist. Unsere Verordnung beruht deshalb auf dem Konzept der kommunalen Familie. Gemeinsam mit ihnen wollen wir die beste Betreuung vor Ort, die unter den Bedingungen, die uns diese Pandemie aufzwingt, möglich ist“, erklärte der Sozial- und Integrationsminister.

 In seiner Rede betonte Klose ebenso die Leistung der Eltern während der Pandemie, die herausragend sei. „Wir sehen und wissen, dass die Folgen dieser Pandemie Eltern vor erhebliche Probleme gestellt haben und dass daraus auch Frust, Ärger und Enttäuschung entstanden sind. Seit zehn Wochen meistern die Eltern in Hessen und der gesamten Republik eine Herkulesaufgabe. Dafür will ich noch einmal allen Familien, genau so aber auch den Erzieher*innen, die die Notbetreuung gewährleisten, ausdrücklich danken“, erklärte Klose.

Die Hygieneempfehlung sowie Fragen und Antworten zum eingeschränkten Regelbetrieb in den Kindertagesstätten finden Sie auf der Homepage des Sozial- und Integrationsministeriums unter:

https://soziales.hessen.de/gesundheit/infektionsschutz/corona-hessen/eingeschraenkter-regelbetrieb-ab-dem-2-juni

 

 

Kindertagespflege öffnet, Lockerungen bei Ein- und Rückreise

 Sozialminister Klose: „Wir entlasten die Eltern weiter und sorgen wieder für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf“

 Die Hessische Landesregierung hat am Montagabend weitere Lockerungen beschlossen. Ab dem 25. Mai dürfen Kinder wieder ihre Kindertagespflege besuchen. Sie wird vor allem von Eltern mit Kindern unter drei Jahren genutzt: „Mit den beschlossenen Lockerungen entlasten wir die Eltern weiter und sorgen wieder für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Kinder können wieder ihre Spielkameradinnen und Spielkameraden sehen und werden in der Kindertagespflege wieder umfassend betreut und gefördert“, erklärte Sozialminister Kai Klose heute in Wiesbaden. Außerdem hat die Hessische Landesregierung eine Härtefallregelung für diejenigen Familien geschaffen, für die der Wegfall des Betreuungsangebotes in den Einrichtungen der Kindertagesbetreuung eine besondere Härte im Alltag darstellt. „Wir helfen damit den Familien und Kindern, bei denen die Betreuung zu Hause nur sehr eingeschränkt funktionieren kann“, so Kai Klose. Die Entscheidung, ob die Härtefallregelung greift, trifft das Jugendamt. Ebenso dürfen ab dem 25. Mai Kinder mit Behinderung in die Notbetreuung. „Es freut mich sehr, dass Kinder mit Behinderung nun ebenfalls wieder in ihrer Einrichtung oder Tagespflege betreut werden und wir ihnen ein Angebot machen können“, führte Klose weiter aus.

 Die Hessische Landesregierung hat außerdem Lockerungen bei den Quarantäne-Bestimmungen für Ein- und Rückreisende beschlossen. Der Beschluss orientiert sich an einer gemeinsamen Entschließung des Bundes und der Länder. Demnach ist eine Ein- oder Rückreise aus einem EU-Mitgliedsstaat, einem Schengen-assoziierten Staat oder Großbritannien sowie Nordirland nach Hessen wieder möglich, ohne sich danach in Quarantäne begeben zu müssen. „Allerdings gilt: Wer aus einer Region einreist, in der die Neuinfizierten-Zahl mehr als 50 Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage aufweist, muss sich in Quarantäne begeben. Die entsprechenden Länder werden im Lagebericht der Bundesregierung ausgewiesen und vom Robert Koch-Institut veröffentlicht“, ergänzte Klose. Ansonsten gilt die Pflicht, sich in Quarantäne zu begeben, nur noch für Reisende aus Drittstaaten – zunächst bis zum 15. Juni. Eine Quarantäne ist entbehrlich, wenn der Ein- oder Rückreisende nachweisen kann, dass er nicht an COVID-19-infiziert ist oder das Robert Koch-Institut aufgrund der dortigen epidemiologischen Lage die Entbehrlichkeit von Schutzmaßnahmen in Bezug auf Ein- und Rückreisende ausdrücklich festgestellt hat.

 

Das Kabinett hat am Montag zudem weitere Entscheidungen getroffen. So dürfen heilpädagogische Frühförderstellen mit Einzelangeboten ab dem 25. Mai wieder öffnen. Künftig besteht eine Meldepflicht an das jeweils zuständige Gesundheitsamt für Betriebe, die mehrere Saisonarbeitskräfte in Gemeinschaftsunterkünften unterbringen.

 Pressereferat

Kinderbetreuung: Hessen startet am 2. Juni mit eingeschränkter Regelbetreuung – und ermöglicht bereits jetzt familiäre Betreuungsgemeinschaften Sozial- und Integrationsminister Kai Klose bekräftigt nochmals: „Zur Ausgestaltung wird rechtzeitig eine entsprechende Verordnung auf den Weg gebracht.“

Die Einrichtungen der Kindertagesbetreuung werden ab dem 2. Juni 2020 wieder eine eingeschränkte Regelbetreuung aufnehmen. Dies betrifft Krippen, Kindertagesstätten, Kindertagespflege und Horte. „Ziel ist, dass jedes Kind noch vor den Sommerferien seine Kita oder Tagespflegeperson besuchen kann“, erklärt Kai Klose, Sozial- und Integrationsminister. „Um die eingeschränkte Regelbetreuung umzusetzen, wird in jedem Fall rechtzeitig eine entsprechende Verordnung auf den Weg gebracht. Dazu finden bereits Gespräche mit den Trägern der Kinderbetreuung statt, um sich über die Bedingungen des eingeschränkten Regelbetriebs zu verständigen.“

Auch diese nächste Phase der Betreuung findet unter den Bedingungen des Infektionsschutzgesetzes statt. Hygiene- und Schutzmaßnahmen müssen berücksichtigt werden, weshalb der Regelbetrieb eingeschränkt ist und nicht alle Kinder im vor Corona gewohnten Umfang betreut werden können. „Unser gemeinsames Ziel in den Gesprächen mit den Trägern der Kinderbetreuung ist, Kinder und Familien so gut wie möglich zu unterstützen.“

„Diese Pandemie ist gerade für Familien eine sehr belastende Zeit. Wir wissen das, daher gilt ihnen unser besonderes Augenmerk“, erklärt Klose. „So wurde bereits zum 20. April allen berufstätigen Alleinerziehenden ermöglicht, ihr Kind betreuen zu lassen. Seit dem 4. Mai 2020 sind die Spielplätze in Hessen wieder geöffnet. Seit dem 9. Mai 2020 sind familiäre Betreuungsgemeinschaften von bis zu drei Familien möglich, die sich gegenseitig bei der Betreuung ihrer Kinder unterstützen können.“

Um die Ausbreitung des hochansteckenden Virus SARS-CoV-2 einzudämmen und Risikogruppen zu schützen war es notwendig, für die Einrichtungen der Kindertagesbetreuung befristet ein Betretungsverbot auszusprechen und nur eine Notbetreuung zuzulassen. Da sich die ersten Erfolge auch dieser Maßnahmen zeigen, sind nun Lockerungen möglich. Dabei muss stets das Infektionsgeschehen beachtet werden. Es ist möglich, dass Lockerungen deshalb wieder rückgängig gemacht werden müssen.

Redaktion und Hessisches Ministerium für Soziales und Integration

Was Reisende beachten sollten – Hygieneregeln und aktuelle regionale Informationen

Hygieneregeln und aktuelle regionale Informationen – was Reisende beachten sollten.

 Nach der schrittweisen Aufhebung der bundesweit geltenden Quarantäne-Maßnahmen folgen weitere Lockerungen: Die aufgrund der COVID-19 Pandemie weltweit geltende Reisewarnung soll ab 15. Juni für die EU-Länder sowie Großbritannien, Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein aufgehoben werden, wie die Bundesregierung heute ankündigte. Sie wird ab15. Juni durch differenzierte Reisehinweise ersetzt. Diese sollen eine Hilfestellung geben, in welchem Land ein Urlaub geplant werden kann. Auch über Reisen außerhalb von Europa wird es künftig weitere Entscheidungen geben. Welche Vorsorge Reisende treffen können, um sich bestmöglich vor SARS-CoV-2 zu schützen, darüber informiert das CRM Centrum für Reisemedizin.

 „Reisende sind zum einen potenziell gefährdet, da sie sich vor Ort anstecken können, zum anderen sind sie aber auch potenziell gefährdend, da sie die Infektion in andere Länder bringen können. Diese Mechanismen, die wir alle beim Ausbruch der Pandemie beobachten konnten, behalten ihre Wirksamkeit auch nach einem Rückgang der Fallzahlen in Europa“, betont Professor Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM. „In der aktuellen Situation gilt es daher, die geltenden Hygieneregeln des Robert-Koch-Instituts (RKI) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auch im Urlaub unbedingt einzuhalten.“ Zu diesen zählt neben sorgfältigem und häufigem Händewaschen unter anderem auch die Abstandsregelung: Der Abstand zu Menschen, die nicht im gleichen Haushalt leben, sollte 1,5 Meter betragen. Wo dies nicht möglich ist – beispielsweise in Geschäften oder an belebteren Orten – empfiehlt sich das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Dieser ist in Europa oftmals, wie in Deutschland auch, vorgeschrieben und gehört in ausreichender Menge ins Reisegepäck, ebenso wie Desinfektionsmittel für die Hände, falls unterwegs keine Waschmöglichkeiten bestehen. „Reisende sollten sich vor Antritt der Reise unbedingt darüber informieren, welche Regeln in ihrem Urlaubsland und der besuchten Region gelten“, so der Experte. „Denn je nach aktuellen Infektionsgeschehen wird es hierbei regional sehr unterschiedliche Vorschriften geben. Auch die Regeln zur Einreise werden sich zum Teil kurzfristig ändern, wenn die Infektionszahlen sinken oder steigen.“

 „Ob Reisen hinsichtlich Corona besonders risikoreich ist, hängt von Reiseziel, -weg und -art ab“, erklärt Jelinek. „Gibt es wenige COVID-19 Fälle in einer Region oder einem Land, ist das Risiko gering, bei höheren Fallzahlen besteht auch ein höheres Risiko.“ Auch hierüber müssten sich Reisewillige bei der Planung informieren, aber berücksichtigen, dass sich die aktuelle Situation auch ändern könne. Insgesamt seien die Covid-19-Fallzahlen in vielen Ländern aber auch niedriger als in Deutschland, das Risiko also eher geringer. Der Reiseweg werde grundsätzlich sicherer, je mehr Isolation er ermöglicht, das Auto sei daher beispielsweise Busreisen vorzuziehen. Flüge gelten als sicher, da die Luft im Flugzeug mit Virus-sicheren HEPA-Filtern gereinigt werde. „Flughäfen können aber – wie alle Orte, an denen Menschen aus unterschiedlichen Gegenden auf engem Raum zusammen-treffen, ein Problem sein und haben sicher auch zur Verbreitung von Corona beigetragen“, erläutert der Experte. „Ein wesentlicher Teil der Übertragungen fand bei Großveranstaltungen statt, denen man eher fernbleiben sollte.“ In den meisten Ländern blieben diese ohnehin weiterhin untersagt. In Hotels und Gastronomie werden geltende Abstandsregeln die bisherigen Abläufe deutlich verändern und so die Sicherheit vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 erhöhen. „Letztlich sollte man akzeptieren, dass sich ein Restrisiko beim Kontakt mit anderen Menschen nicht ganz ausschließen lässt“, betont der Experte.

 Außerhalb von Europa werden manche Länder nach Öffnung der Grenzen eine meist 14-tägige Quarantäne nach Einreise verhängen oder auf einem „Fit to Fly“ oder „Corona-free“-Zertifikat bestehen. Hierbei wird ein negativer Abstrich verlangt, der nicht älter als 72 bzw. 96 Stunden sein darf und kurz vor Abreise durchgeführt werden muss. „Später werden vermutlich auch Antikörper-Tests akzeptiert, die eine Immunität nach durchgemachter Infektion bestätigen“, sagt Professor Jelinek. Chile sei diesen Schritt bereits im April gegangen und stellt Immunitäts-Ausweise aus, die eine freie Bewegung im Land ermöglichen. „Auf der Reise selbst werden wir uns zudem auf vermehrte Kontrollen einrichten müssen“, so der Reisemediziner. Je nach Land werden dies Fragebögen sein, die ausgefüllt werden müssen, Temperaturmessungen, Befragungen, in seltenen Fällen auch Entry- oder Exit-Untersuchungen. „Sobald effektive Impfstoffe verfügbar sind, werden sehr viele Länder ein Impfzertifikat bei Einreise verlangen. Dieses Vorgehen kennen wir schon von anderen Impfungen, wie Gelbfieber. Erst dann wird sich das Reisen wieder weitgehend normalisieren“, sagt Professor Jelinek.

Text: CRM Centrum für Reisemedizin.

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