Gesündere Lebensmittel sofort erkennen!

Wie können Verbraucher bei einer gesünderen Lebensmittelauswahl unterstützt werden? „Mit den Angaben auf Lebensmittelverpackungen sind viele Verbraucher überfordert. Daher könnte eine einfache, leicht verständliche Nährwertkennzeichnung auf Verpackungen helfen. Ein zurzeit viel diskutierter Ansatz ist der sogenannte Nutri-Score. In Frankreich wird es bereits seit 2017 angewandt. Doch was ist der Nutri-Score eigentlich? Wie wird der Score berechnet? Und was kann er leisten?

Was ist der Nutri-Score?

Der Nutri-Score ist ein von renommierten Wissenschaftlern konzipiertes fünfstufiges Kennzeichnungssystem (A, B, C, D, E), das Lebensmittel und Getränke anhand ihres Nährwertprofils in fünf Kategorien einteilt. Dabei werden „weniger günstige“ sowie „günstige“ Nährwertelemente berücksichtigt.

Darüber hinaus wird der jeweilige Buchstabe farblich hervorgehoben – von Dunkelgrün bei A über Gelb bei C bis hin zu Rot bei E. Durch das Symbol auf der Vorderseite von Verpackungen (Front-of-pack) kann der Verbraucher das Nährwertprofil von Lebensmitteln und Getränken auf einen Blick erfassen.

Ein Produkt der Kategorie B weist ein eher gesundes Nährwertprofil auf.

Wie erfolgt die Bewertung?

Für die Berechnung des Nutri-Scores wird der Gehalt an Nahrungsenergie, Zucker, gesättigten Fettsäuren und Salz (Natrium) pro 100 Gramm beziehungsweise 100 Milliliter ermittelt, da sich ein zu hoher Verzehr dieser Nährstoffe langfristig ungünstig auf die Gesundheit auswirken kann. Das Modell berücksichtigt aber auch günstige Nähr- und Inhaltsstoffe wie Proteine und Ballaststoffe sowie den Anteil an Obst, Gemüse und Nüssen.

Für jeden einzelnen Nähr- beziehungsweise Inhaltsstoff, den das System berücksichtigt, werden Punkte vergeben und miteinander verrechnet. Anhand des Gesamtergebnisses erfolgt dann die Einordnung auf der Bewertungsskala vom dunkelgrünen „A“ bis zum roten „E“. Dabei gilt: Je geringer die Gesamtpunktzahl, desto gesünder das Nährwertprofil.

Was soll das farbliche fünfstufige Modell leisten?

Der Nutri-Score ist ein Ansatz, der Konsumenten bei einer besseren Lebensmittelauswahl und damit bei der Umsetzung einer gesünderen Ernährung unterstützen kann. Denn wie verschiedene Verbraucher- und Vergleichsstudien belegen, ermöglicht das Kennzeichnungssystem, die Nährwertqualität von Lebensmitteln innerhalb einer Lebensmittelgruppe sowie über Lebensmittelgruppen hinweg einfach und intuitiv zu unterscheiden.

Auf einen Blick ist die Bewertung durch den Nutri-Score auf der Verpackung zu erkennen.

Allein kein Garant für eine bessere Ernährung

Der Nutri-Score ist nicht automatisch Garant für eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Nach wie vor kommt es auf ein gewisses Ernährungswissen, die sinnvolle Kombination von verschiedenen Lebensmittelgruppen und deren Verzehrmenge an. Nichtsdestotrotz kann eine für den Verbraucher leicht verständliche Nährwertkennzeichnung zusammen mit verbraucherorientierten Ernährungsinformationen die Ernährungsgewohnheiten nachhaltig beeinflussen.

Wie geht es weiter?

Derzeit führt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eine Verbraucherbefragung zu vier „Front-of-Pack-Modellen“ durch. Neben dem Nutri-Score stehen drei weitere Modelle zur Auswahl – eines des Lebensmittelverbands Deutschland, des Max Rubner-Instituts sowie das skandinavische Keyhole-Modell.

Die Ergebnisse dieser Verbraucherbefragung werden die Grundlage für eine politische Empfehlung eines Nährwertkennzeichnungssystems in Deutschland sein. Die Ergebnisse werden im September 2019 erwartet.

 Information: Nestlé Deutschland

Foto: 1,2,3 rfm

 

 

Weniger Hausärzte in Hessen als bundesweit

Das Ärztenetz in Hessen ist dichter geworden, aber die einzelnen Mediziner sind regional und nach Fachrichtungen ungleich verteilt. Das geht aus neuen Daten des Bundesarztregisters hervor, die die Deutschen Presse-Agentur veröffentlicht hat.

Ende 2019 kamen in Hessen 214,2 Ärzte und Psychotherapeuten auf 100 000 Einwohner. Im Jahr zuvor waren es 210,9 gewesen. Gesunken ist allerdings die Zahl der Hausärzte: von 65,2 auf 64,9 pro 100 000 Einwohner. Fakt ist: Immer weniger junge Mediziner wollen sich als Hausärzte niederlassen.

Der hessische Durchschnittsarzt ist 54 Jahre alt, fast zwölf Prozent der Mediziner im Land sind älter als 65 Jahre. Der durchschnittliche Hausarzt ist sogar zwischen 55 und 56, in dieser Berufsgruppe sind fast 15 Prozent älter als 65 Jahre.

Sowohl bei der Ärztedichte als auch beim Durchschnittsalter liegt Hessen im Mittelfeld der Bundesländer.

Schaut man sich aber die einzelnen Regionen in Hessen genauer an, dann sieht das Bild wie folgt aus:

Der Kreis Darmstadt-Dieburg hat am zweitwenigsten Hausärzte von ganz Deutschland! 51,2 Hausärzte kommen hier auf 100 000 Einwohner. Nur in Herford in Nordrhein-Westfalen ist die Lage noch schlechter. Die Stadt Kassel gehört hingegen mit 316,7 Ärzten und Therapeuten pro 100 000 Einwohner zu den „Top 10“ bei der allgemeinen Arztdichte, die niedergelassene Mediziner verschiedener Fachrichtungen erfasst.

Zur Gesundheitsversorgung in der jeweiligen Region tragen die Praxen der Kassenärzte nicht alleine bei – dazu kommen Ärzte in Krankenhäusern sowie etwa auch Physiotherapeuten, Logopäden und andere Heilberufler.

Text: dpa/girm Red.

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Hessen hält als Sportland eine Spitzenposition inne

Der Sport ist ein elementarer Bestandteil der aktiven Bürgergesellschaft in Hessen. Über zwei Millionen Menschen betreiben in den gut 7.600 hessischen Vereinen Sport. Hiervon sind ca. 800.000 Kinder und Jugendliche im Alter bis 27 Jahre. Das entspricht rund 40 Prozent aller Vereinsmitglieder. Aber auch die über 60-Jährigen sind aktiv: 15 Prozent von ihnen treiben Sport in den Vereinen. Der Anteil wächst weiter.

Das zeigt: Sport geht einen Großteil der Bevölkerung in Hessen an.

Sport ist eine der wichtigsten und erfolgreichsten gesellschaftlichen Organisationen. Es ist deshalb eine unverzichtbare Aufgabe für die Landesregierung, den Sport in all seinen Facetten zu stärken und zu fördern.

Die Hessische Landesregierung verfolgt einen auf dem Prinzip der Subsidiarität beruhenden sportpolitischen Ansatz. Das bedeutet, dass all diejenigen Aufgaben, die von der nächst niedrigeren Ebene, also lokal und regional, erledigt werden können, dort auch erfüllt werden sollten. Die Landesregierung hilft den Rahmen zu setzen, damit die Bevölkerung in der Breite Sport treiben kann sowie Leistungs- und Spitzensport systematisch entwickelt werden können. In diesem Sinne betreibt die Landesregierung Sportpolitik als Politik für den Sport und füllt die große Bandbreite sportpolitischer Wirklichkeit mit Leben.

Von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter begleitet uns der Sport, er durchzieht alle Lebensbereiche und alle Kulturen. In jedem Alter vermittelt der Sport ein lebenstaugliches Wertegerüst und eine positive Kraft, die weit über das eigentliche Sporttreiben hinausgeht. Sport ist zudem das ideale Mittel zur Integration von Jung und Alt, Deutschen und Ausländern, für Behinderte und Nichtbehinderte und zwischen Frauen und Männern. Nirgendwo in der Gesellschaft ist es so selbstverständlich, sich gemeinsam zu betätigen. Das belegt eindrucksvoll die Bedeutung des Sports.

In den Jahren 2019-2023 sollen über das neu aufgelegte Schwimmbad-Investitions- und Modernisierungsprogramms („SWIM“) erforderliche Investitionen in hessischen Frei- und Hallenbädern erneut mit 50 Millionen € Landesmitteln gefördert werden. Fünf Jahre lang stehen jeweils 10 Millionen Euro zur Förderung von Investitionsvorhaben zur Verfügung, die insbesondere die Betriebskosten und den Energieverbrauch senken. Das Landesprogramm zielt darauf ab, dass moderne und zukunftsfähige Schwimmbäder in Hessen zur Verfügung stehen und somit umfangreiche Möglichkeiten bestehen, die Schwimmfähigkeit generell zu erlernen und den Schwimmsport in Hessen weiterzuentwickeln. Die Förderung des Behindertensports und der Inklusion im Sport ist ein großes Anliegen der Hessischen Landesregierung. So unterstützt sie u.a. die Arbeit des Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes mit einer institutionellen Förderung von jährlich 340.000 €.

Text: Hessische Landesregierung/Redaktion girm

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Sollen auch Arbeitnehmer jetzt Hitzefrei bekommen?

Die Partei „Die Grünen“ hat eine Idee für zukünftige Hitzewellen: Sie fordert ein „Recht auf Hitzefrei“! Das berichtet heute „Spiegel online“. Weiterhin möchte die Partei für Büroangestellte ein „Recht auf Home-Office“.

Hitzeaktionsplan

Geht es also nach den Grünen, so soll es ab dem nächsten Sommer nicht mehr nur Hitzefrei für Schüler und Lehrer geben, sondern auch für Arbeitnehmer mit Freiluftberufen. Die immer deutlicher werdende Klimakrise sei eine Gefahr für die menschliche Gesundheit, heißt es in einem sogenannten „Hitzeaktionsplan“ der Partei. Der Bericht zitiert Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter mit den Worten: „Wir brauchen dringend einen koordinierten Hitzeaktionsplan, um unsere Gesellschaft auf die extreme Hitze vorzubereiten und unsere Gesundheit zu schützen.“ (dpa)

Des Weiteren ergänzen die Grünen ihre aktuellen Forderungen: Das Recht auf Arbeit von Zuhause solle demnach für alle Beschäftigten gelten, „sofern dem keine betrieblichen Gründe entgegenstehen“.

Beitragsfoto: Copyright 123RF

Vorsicht vor Durchfallerkrankungen bei Ägypten-Urlauben!

Das Robert-Koch-Institut meldet aktuell: Bereits 31 deutsche Ägyptenreisende haben sich im Sommer 2019 eine EHEC-Infektion mit Durchfällen und teilweise schweren Komplikationen zugezogen.

Das Kürzel EHEC steht für enterohämorrhagische Escherichia coli – bestimmte Stämme des Darmbakteriums E. coli, die hauptsächlich im Darm von Wiederkäuern vorkommen und besondere Giftstoffe, so genannte Shigatoxine produzieren können.

Infektionen mit diesen Erregern verursachen wässrige Durchfälle und krampfartige Bauchschmerzen, die manchmal mit Fieber einhergehen, in den meisten Fällen aber ohne ärztliche Hilfe wieder abklingen. „Gerade Kinder und ältere Menschen sind jedoch durch den Flüssigkeitsverlust stark belastet“, sagt Prof. Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin.

Außerdem bestehe gerade bei diesen Altersgruppen ein erhöhtes Risiko, ein so genanntes hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) zu entwickeln – eine gefährliche Komplikation der EHEC-Infektion, bei der die Bakteriengifte unter anderem die Niere angreifen und das Organ schwer schädigen können. Von dieser Komplikation, die unbehandelt bis zum Nierenversagen führen kann, waren in diesem Jahr bereits fünf deutsche Ägyptenreisende betroffen – im Vergleich zu jeweils nur einem Reisenden in den beiden Vorjahren.

Wodurch die diesjährigen Erkrankungen im Einzelnen verursacht wurden, ist nicht bekannt.

Die Urlauber, die von der aktuellen Erkrankungswelle betroffen waren, hatten in verschiedenen Hotels an unterschiedlichen Orten Urlaub gemacht. „Eine gemeinsame Infektionsquelle gab es somit nicht“, sagt Jelinek. Häufig gelangen die Bakterien mit kontaminiertem Essen oder Getränken in den Körper – auch Leitungswasser ist in Ägypten, anders als in Deutschland, nicht sicher. Die gefährlichen Keime können aber auch beim Schwimmen aufgenommen werden, wenn verunreinigtes Wasser in den Mund gelangt.

Um einer EHEC-Infektion vorzubeugen, empfiehlt das CRM daher, sich an die Vorsichtsmaßnahmen zu halten, die prinzipiell für den Urlaub in Ländern mit geringeren Hygiene-Standards gelten:

 – Auf Salat oder rohes Gemüse verzichten,

– Obst nur dann essen, wenn man es selbst schälen kann,

– nur frisch zubereitetes, durchgegartes Fleisch essen – Fleisch, das noch rosa oder schon wieder abgekühlt ist, sollte vermieden werden.

– Keine Rohmilch trinken. Auch Milchprodukte wie Käse oder Speiseeis sollten aus pasteurisierter Milch hergestellt sein.

– Kein Leitungswasser trinken oder zum Zähneputzen verwenden – auch Eiswürfel sollten nicht aus Leitungswasser bestehen.

– Speisen vermeiden, die unbedeckt herumstanden und möglicherweise Hitze und Fliegen ausgesetzt waren,

– beim Schwimmen darauf achten, möglichst kein Wasser zu schlucken,

– aus Rücksicht auf andere: aufs Schwimmen verzichten, wenn man sich bereits krank fühlt.

 Wie das CRM betont, gelten diese Vorsichtsmaßnahmen auch für Urlauber, die in vergleichsweise teuren Hotels untergebracht sind. Wer sich trotz aller Vorsicht eine Durchfallerkrankung zuzieht, sollte zunächst vor allem seinen Flüssigkeits- und Salzhaushalt stabilisieren – also ausreichend trinken und auch salzhaltige Speisen zu sich nehmen. Um den Keim nicht weiterzutragen, ist eine gute Toiletten- und Händehygiene wichtig. Wenn die Symptome nach 48 Stunden nicht deutlich nachlassen, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

 Text: Zentrum für Reisemedizin und Redaktion girm

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ARD-Beitrag schlägt Wellen – weniger Krankenhäuser?

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es zu viele Krankenhäuser. Eine starke Verringerung der Klinikanzahl, von aktuell knapp1.400 auf deutlich unter 600 Häuser, würde die Versorgungsqualität für Patienten verbessern und bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern. Das zeigt eine neue Studie inklusive Modellberechnung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, auf die sich auch Montag den 15.07.2019 eine aktuelle ARD-Dokumentation bezogen hat.

Eine Reduzierung der Klinikanzahl würde zu einer besseren medizinischen Versorgung der Patienten in Deutschland führen – so die Studie.

Führende Krankenhausexperten weisen darauf hin, dass viele Krankenhäuser in der Bundesrepublik Deutschland zu klein sind und oftmals nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung verfügen, um lebensbedrohliche Notfälle wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall angemessen zu behandeln.

Viele Komplikationen und Todesfälle ließen sich durch eine Konzentration auf deutlich unter 600 statt heute knapp 1.400 Kliniken vermeiden. Ebenso gingen damit eine bessere Ausstattung, eine höhere Spezialisierung sowie eine bessere Betreuung durch Fachärzte und Pflegekräfte einher.

  ©123RF.com

Dies dokumentierte der aktuelle ARD-Bericht mit eindrücklichen Fallbeispielen mehrerer „schlecht behandelter“ Patienten aus ganz Deutschland!

 Das Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) ist im Auftrag der Bertelsmann Stiftung der Frage nachgegangen, wie eine Versorgung durch Kliniken aussähe, die sich nicht in erster Linie an einer schnellen Erreichbarkeit, sondern an Qualitätskriterien orientiert. Dazu gehören beispielsweise eine gesicherte Notfallversorgung, eine Facharztbereitschaft rund um die Uhr, ausreichend Erfahrung und Routine des medizinischen Personals sowie eine angemessene technische Ausstattung.

„Die Neuordnung der Krankenhauslandschaft ist eine Frage der Patientensicherheit und muss vor allem das Ziel verfolgen, die Versorgungsqualität zu verbessern“, sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Eine primäre Orientierung an Fahrzeiten ginge dagegen in die falsche Richtung. „Wenn ein Schlaganfallpatient die nächstgelegene Klinik nach 30 Minuten erreicht, dort aber keinen entsprechend qualifizierten Arzt und nicht die medizinisch notwendige Fachabteilung vorfindet, wäre er sicher lieber ein paar Minuten länger zu einer gut ausgestatteten Klinik gefahren worden“, so Mohn.

Für die Studie haben die führenden deutschen Krankenhausexperten in einem ersten Schritt ein Zielbild für Deutschland entwickelt, das sich an den benannten Qualitätskriterien orientiert. Im Anschluss berechnete das IGES in einer Simulation erstmals, wie sich eine verpflichtende Einhaltung dieser Vorgaben auf die Kliniklandschaft einer ganzen Region auswirken würde.

Die Wahl fiel dabei auf den Großraum Köln/Leverkusen, der sowohl von städtischen als auch ländlichen Gebieten geprägt ist. Wie die Simulation zeigt, könnte die Region mit 14 statt den aktuell 38 Akutkrankenhäusern eine bessere Versorgung bieten, ohne dass die Patienten im Durchschnitt viel längere Fahrzeiten in Kauf nehmen müssten. Die Bündelung von medizinischem Personal und Gerät würde zu einer höheren Versorgungsqualität in den verbleibenden Häusern beitragen, vor allem in der Notfallversorgung und bei planbaren Operationen.

Nur diese Kliniken in der Region verfügen überhaupt über die technische Ausstattung, um Herzinfarktpatienten angemessen zu behandeln. „Das Ergebnis, dass in der betrachteten Region eine Reduzierung auf weniger als die Hälfte der Kliniken zu einer Verbesserung der Versorgung führen würde, klingt zunächst drastisch“, sagt der internationale Krankenhausexperte Uwe Preusker. An vielen Stellen lägen der Berechnung jedoch eher zurückhaltende Annahmen zugrunde, so zum Beispiel bei der medizinisch erforderlichen Leistungsmenge oder der Verweildauer im Krankenhaus.

„Beide liegen in vergleichbaren Ländern deutlich niedriger“, erklärt Preusker. Wenn man sich am internationalen Standard orientieren würde, müsste man einen deutlich konsequenteren Umstrukturierungsprozess einleiten, so der Experte.

Tatsächlich zeigt der Blick ins Ausland, dass es Potenzial für eine Verringerung der Klinikanzahl gibt. Deutschland weist im internationalen Vergleich im Durchschnitt mehr medizinisches Personal pro Einwohner auf als vergleichbare Länder, aber weniger pro Patient. Diese paradoxe Situation liegt daran, dass in der Bundesrepublikviel mehr Patienten in Krankenhäusern versorgt werden als im Ausland. Wie Untersuchungen ergaben, müssten rund ein Viertel der heute in deutschen Kliniken behandelten Fälle nicht stationär versorgt werden.

Zwar ist die konkrete Ausgestaltung der umliegenden ambulanten Strukturen noch offen. Trotzdem belegen die Erkenntnisse der Studie, dass es zur Konzentration im Kliniksektor keine Alternative gibt. Zum einen kann eine Qualitätssteigerung nur gelingen, wenn sowohl die Patienten als auch die medizinischen und pflegerischen Fachkräfte in größeren, spezialisierten Kliniken mit mehr Fällen zusammengeführt werden. Auf der anderen Seite wird gut ausgebildetes Personal auch in Zukunft knapp sein. Nur durch die Bündelung könnten Krankenhäuser der Regelversorgung in allen zentralen Abteilungen jederzeit die entsprechende fachärztliche und pflegerische Kompetenz vorhalten.

Text: Bertelsmann-Stiftung und Red. gesund-in-rheinmain.de

Beitragsbild: © Emma Klinik

Klinikum Darmstadt: Lungenoperationen ohne eine Voll-Narkose

Minimal-invasive Thoraxchirurgie und moderne Anästhesie machen das möglich

Direkt nach der Lungenoperation war Karlheinz Vetter (81) ansprechbar, konnte sich selbst auf den Rücken drehen und selbständig vom OP-Tisch wieder in sein Bett rutschen. Schmerzen hatte er keine. „Ich bin einfach wieder aufgewacht“, erzählt der erste Patient, der sich auf eine neue minimal-invasive Thoraxchirurgie mit einem neuen OP-Verfahren ohne Vollnarkose am Klinikum Darmstadt eingelassen hat. „Ich habe sofort Ja gesagt und war überzeugt, dass das eine gute Sache ist.“

Eingriff verlief problemlos

Anfang Mai haben Dr. Alexander Grebe, seit gut einem Jahr am Klinikum Darmstadt und stellvertretender Sektionsleiter Thoraxchirurgie, und der Oberarzt der Anästhesie, Michael Hübscher, erstmals am Klinikum Darmstadt eine sogenannte „non-intubated, uniportal VATS-Resektion“ eines Tumors in der Lunge ohne Voll-Narkose vorgenommen. Der Eingriff verlief problemlos und der Patient war mit der Operation und dem unkomplizierten dreitägigen stationären Aufenthalt sehr zufrieden.

Durch Verbesserung und Weiterentwicklung der Operationstechniken, der chirurgischen Instrumente und der Kameratechnik können heute bereits viele Operationen im Brustkorb minimal-invasiv mit wenigen kleinen Schnitten durchgeführt werden. Durch das gewebe-schonende Vorgehen erholen sich die Patienten nach der Operation oft schneller, haben weniger Schmerzen und sind früher wieder mobil.

Um eine Operation noch schonender zu gestalten, können in bestimmten Fällen auch vergleichsweise komplexe Operationen an der Lunge ohne eine tiefe Narkose in Spontanatmung, also ohne das Einführen eines Beatmungsschlauches in die Luftröhre, durchgeführt werden. Dadurch können die negativen Effekte und Risiken der Intubation und Beatmung auf die Atemwege und die Lunge ebenso wie die Auswirkungen einer tiefen Narkose auf Kreislauf, Atmung und das zentrale Nervensystem vermieden oder vermindert werden.

Dr. Grebe und Michael Hübscher haben dieses Verfahren vor kurzem in Hannover trainiert. Damit der Patient die Operation nicht bei Bewusstsein miterlebt und keine Schmerzen verspürt, kommen eine Kombination von regionalen Anästhesieverfahren mit der Verabreichung modernster, das Bewusstsein dämpfender Medikamente zum Einsatz.

Über einen thorakalen Periduralkatheter können Lokalanästhetika in die Nähe des Rückenmarkes und der Nervenwurzeln verabreicht werden und bewirken dort dann eine Schmerzausschaltung. Damit der Patient die Operation nicht als unangenehm wahrnimmt, können unter kontinuierlicher Kontrolle des Kreislaufes, der Herztätigkeit, der Atmung und der Gehirnfunktionen sedierende, d.h. dämpfende Medikamente verabreicht werden, die zu einem leichten Schlaf führen.

Vitalfunktionen werden ständig überwacht

Oberarzt Michael Hübscher hat den Patienten während der gesamten Operation betreut und die Vitalfunktionen überwacht, genauso wie bei einer Operation in Narkose. Bei Bedarf kann auch noch während solch einer Operation eine Narkose mit Intubation eingeleitet werden, wenn dies notwendig werden sollte.

Die sedierenden Medikamente versetzten den Patienten nur in einen leichten Schlaf. Operateur Dr. Alexander Grebe entfernte während des Eingriffs einen Lungentumor über einen drei Zentimeter großen Schnitt: Die Bewegung der atmenden Lunge dabei immer über die minimal-invasiv eingesetzte Kamera im Blick.

Diese neuen Operations-Verfahren sollen künftig vor allem bei älteren und multimorbiden Patienten eingesetzt werden, denen Vollnarkosen stärker zusetzen würden, bzw. die für eine Vollnarkose überhaupt nicht in Frage kommen.

Für den Anästhesisten und den Operateur sei die Arbeit aufwändiger und herausfordernder, gleichwohl kündigt die Sektionsleiterin Thoraxchirurgie, Dr. Jasmin Dei-Anang an, dieses neue Verfahren Patienten anzubieten, für die man sich Vorteile im Behandlungsverlauf verspreche. Es gebe einige Ausschlusskriterien, die in Vorgesprächen besprochen würden. „Wir verfolgen mit dem neuen Operationsverfahren konsequent unser Ziel weiter, unseren Patientinnen und Patienten möglichst schonende Verfahren anzubieten.“

Begriffserklärung:

non-intubated   = nicht-intubiert, d.h. kein Tubus/Beatmungsschlauch, keine invasive Beatmung, spontan atmender Patient

uniportal           = 1 Schnitt von ca. 3 cm Länge

VATS               = Video Assisted Thoracoskopic Surgery = minimal-invasive Thoraxchirurgie

Text: Klinikum Darmstadt und Redaktion gesundinrheinmain

Foto Nr. 1: Dr. Alexander Grebe, Karlheinz Vetter und Oberarzt Michael Hübscher.

Foto Nr. 2: Dr. Alexander Grebe (links) und Dr. Jasmin Dei-Anang im OP: Foto: Klinikum Darmstadt/mas

Bildrechte: Klinikum Darmstadt/mas

 

 

MRE-Netz Rhein-Main plädiert für verantwortungsvollen Antibiotikaeinsatz

Das 2010 gegründete MRE-Netz Rhein-Main feiert im Juni seinen 9. Geburtstag. Im Rahmen einer Feierstunde im Gesundheitsamt Frankfurt gab die Leiterin des Netzwerks, Prof. Ursel Heudorf einen Rückblick und Ausblick. Mehr als 300.000 Flyer zu verschiedenen Themen wurden verteilt, zahlreiche Fortbildungen für Ärzte und Hygienefachpersonal, mehr als 500 Informationsveranstaltungen in Pflegeeinrichtungen mit mehr als 8000 Teilnehmern wurden durchgeführt. Der Internetauftritt https://www.mre-rhein-main.de und das Informationstelefon 069/212 48884 werden gut genutzt.
Hessen liegt im so genannten VRE-Gürtel, einer vom Saarland bis Sachsen-Anhalt reichenden Region mit besonders hohen Raten an VRE (Vancomycinresistente Enterokokken) in Blutkulturen von Patienten. Deswegen hatte das Netzwerk im vergangenen Jahr zwei Studien durchgeführt.
Das Netzwerk ließ im Institut für medizinische Mikrobiologie der Universität Gießen Proben aus 17 Krankenhäusern der Region (vom Rheingau-Taunus-Kreis im Westen bis zum Main-Kinzig-Kreis im Osten) mittels Ganzgenomsequenzierung untersuchen. „Wir waren sehr erstaunt, dass in praktisch allen teilnehmenden Kliniken ein einziger VRE-Typ mit dem identischen Subtyp vorhanden war. Das hatten wir so nicht erwartet. Weitere Untersuchungen zeigten, dass dieser VRE weder eine besondere Beständigkeit gegen Desinfektionsmittel, noch eine bessere Übertragbarkeit oder eine stärker krankmachende Wirkung besitzt. Eine wirkliche Erklärung für den VRE-Gürtel konnten wir somit nicht finden“, sagte Heudorf. In einer weiteren Studie in einer Klinik mit einem großen Einzugsgebiet konnte gezeigt werden, dass dort im Jahr 2016 noch verschiedene VRE-Typen gefunden wurden, aber seit 2017 sich ebenfalls nur noch dieser eine VRE-Typ findet.

„Ein zentrales Ziel unseres Netzwerks ist, die Rehabilitation von Patienten mit MRE zu ermöglichen und zu verbessern. Nach dem Erstellen von Hilfeangeboten und einer ersten großen Untersuchung im Jahr 2014 werden wir in diesem Jahr eine weitere Untersuchung von Rehabilitations-Patienten auf multiresistente Erreger anbieten“ berichtet Heudorf. 18 Kliniken haben ihre Teilnahme bereits angekündigt. „Dabei wollen wir nicht nur auf multiresistente Erreger (MRE) untersuchen sondern uns auch dem Antibiotika-Einsatz in den Rehabilitationseinrichtungen widmen“.
 Das MRE-Netz Rhein-Main hat bereits 2016 eine Arbeitsgruppe „Antibiotic Stewardship“ gegründet, die sich mit dem sachgerechten Einsatz von Antibiotika in Kliniken befasst. Dr. Rolf Tessmann, Chefarzt an der Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinik und Leiter der Arbeitsgruppe, berichtet im Rahmen der Geburtstagsfeier des Netzwerks über die bisherige Arbeit und die Erfolge. In einigen Kliniken konnten erhebliche Einsparungen an Antibiotika erreicht werden.

Dr. Arne Behm, Facharzt für Urologie, und Mitglied der Hessischen Urologen Genossenschaft, wird zu „Urologische Antibiotikatherapie und Katheterversorgung – mit Sinn und Verstand?“ referieren, ein Thema, das gerade in der Versorgung von älteren oder pflegebedürftigen Patienten große Bedeutung hat.

Nur bei verantwortungsvollem Einsatz von Antibiotika kann die weitere Resistenzentwicklung von Bakterien vermindert werden. Deswegen hat das Netzwerk gemeinsam mit Experten aus verschiedenen Fachgesellschaften Flyer zur Information von Patienten zu Antibiotika bei Atemwegsinfektionen, Harnwegsinfektionen und – zuletzt 2018 – bei Ohrenschmerzen entwickelt. Studien zeigen, dass bei diesen Infektionen häufig keine Antibiotika notwendig sind, sei es, weil sie durch Viren verursacht sind oder auch durch Ruhe und „Hausmittel“ gut zu beherrschen sind.
Die Verbesserung des Antibiotika-Einsatzes wird in Hessen großgeschrieben. Die Landesärztekammer Hessen führt in Zusammenarbeit mit Experten aus verschiedenen Kliniken in Hessen Fort- und Weiterbildungsprogramme durch und bildet Antibiotika-Experten für die Kliniken aus. Im ambulanten Bereich informiert die Kassenärztliche Vereinigung Hessen regelmäßig ihre Ärzte über einen sachgerechten und leitlinienbasierten Einsatz von Antibiotika und kann bereits deutliche Erfolge nachweisen.

Für 2019/2020 plant das MRE-Netz Rhein-Main gemeinsam mit den anderen Hessischen MRE-Netzwerken und mit Unterstützung der Landesärztekammer, Kassenärztlicher Vereinigung und dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration weitere Aktivitäten zum Rationalen Antibiotika-Einsatz. So ist vorgesehen, Teile des RAI-Projekts (Rationale Antibiotikatherapie durch Information und Kommunikation; https://www.rai-projekt.de im Internet) auch in Hessen einzuführen.
„Ein weiteres Projekt liegt mir sehr am Herzen“, so die Kinderärztin Heudorf: „Uns haben viele Anfragen zum Vorgehen bei MRE in Förderschulen erreicht“. Dort werden oft schwerst- und mehrfach beeinträchtigte Kinder unterrichtet, die mit Kathetern versorgt sind, viele medizinische Behandlungen und Krankenhausaufenthalte hinter sich haben. Damit ist auch ein höheres Risiko verbunden, mit antibiotikaresistenten Erregern besiedelt zu sein. Das führt zu Unsicherheit in den Förderschulen.

Gemeinsam mit Vertretern von Fördereinrichtungen und in Abstimmung mit anderen Netzwerken und Experten hat das MRE-Netz Rhein-Main jetzt einen Musterhygieneplan für Förderschulen erstellt. „Wir streben an, dass dieser Musterhygieneplan– nach Abstimmung zwischen dem Sozial- und Kultusministerium – als Erlass für die Schulen herausgegeben wird, in Ergänzung zu dem Erlass des Kultusministeriums aus dem Jahr 2014 zum Schulbesuch von Kindern mit MRE. Ziel ist es, mehr Sicherheit und damit einen für die betroffenen Kinder besseren Umgang zu erreichen und übertriebene und einschränkende Maßnahmen zu vermeiden. Das ist mir als Kinderärztin ein großes Anliegen.“

Auch in diesem Jahr verleiht das MRE-Netz wieder MRE-Siegel an teilnehmende Einrichtungen, die die Kriterien erfüllt haben und aktiv im Netzwerk teilnehmen. In diesem Jahr sind es 80 der inzwischen über 350 teilnehmenden Einrichtungen: 29 Krankenhäuser, 7 Rehabilitationskliniken, 36 Alten- und Pflegeheime, 3 Ambulante Pflegedienste und 5 Rettungsdienste. Heudorf dankt den Einrichtungen und betont: „Die Herausforderungen durch multiresistente Erreger werden nicht kleiner – aber in unserem Netzwerk werden wir gemeinsam besser“.

Text: Presse, Frankfurt

 

Unsere Kneipp-Gesundheitstipps!

Gesundheitstipps aus der Natur sind moderner denn je!

Sebastian Kneipp war, obwohl kein Arzt, eine Lichtgestalt in der Medizin des 19. Jahrhunderts, besonders im Bereich Naturheilverfahren. Seine „Fünf Säulen der Gesundheit“ sind ein Manifest seines Denkens und haben sich millionenfach bestätigen lassen. Wir heutigen Ärzte stehen auf den Schultern dieses „Gesundheitsriesen“. Das sagt Dr. med. Jürgen Freiherr von Rosen, Ärztlicher Seniordirektor der Schlosspark-Klinik Gersfeld/Rhön (Foto).

 Zum Sebastian-Kneipp-Tag führt der hessische Mediziner, der auch bundesweit durch seine Bücher und Vorträge bekannt ist, noch weiter aus: „Wir ganzheitlich denkenden Ärzte werden noch in 100 Jahren von der bahnbrechenden Theorie und Therapie von Pfarrer Kneipp profitieren. Jede Gesundheitsmedizin baut auf seinen Ideen auf. Wir schulden ihm größte Hochachtung“

Dr. von Rosen ist – wie viele ganzheitlich denkende Mediziner – ein „großer Kneippianer“, wie er selbst unlängst im Rahmen der „Seligenstädter Gesundheitstage 2019“ formulierte. Seine Therapie ist die Grundlage einer ganzheitlich aufgestellten Medizin, wie sie nicht nur in Gersfeld betrieben wird, sondern auch bundesweit in zahlreichen Praxen und Kliniken angeboten wird. Unter anderem auch in den Kliniken Essen Mitte bei Prof. Gustav Dobos, der, wie Dr. von Rosen in seiner Gersfelder Klinik ebenfalls die „fünf Säulen der Gesundheit“ von Sebastian Kneipp in seine Heilkunde und „Integrative Medizin“ aufgenommen hat.

Zu diesen fünf Säulen der Gesundheit gehören:

1. Wasseranwendungen

Sie steigern die Leistungsfähigkeit, regen die Abwehrkräfte an, verbessern die Durchblutung und wirken harmonisierend auf das Nerven- und Hormonsystem sowie auch auf die Psyche.

2. Bewegung

Unsere Muskeln und Knochen, das Herzkreislaufsystem, die Verdauungsorgane und das Nervensystem werden hierdurch angesprochen.

3. Ernährung

»Du bist, was du isst.« Einfach, aber wahr.

4. Phytotherapie –Heilpflanzen

Zum Beispiel durch Anwendungen von Heilkräutern, innerlich in Form von Tee oder Saft, äußerlich in Form von Salben, Ölen, Einreibungen, Wickeln und Bädern.

5. Lebensrhythmus

Auch »Ordnungstherapie « genannt. Gemeint ist damit z. B. ein bewusster Lebensrhythmus, eine natürliche Lebensführung, das richtige Maß – wie nicht zu viel und nicht zu wenig Arbeit, ausreichend Erholung – aber kein Müßiggang; körperliche Betätigung – ohne Höchstleistungen; schmackhafte Nahrung – ohne Völlerei usw.

„Das Bewusstsein der Menschen für einen verantwortungsvollen, gesunden Lebensstil nimmt genauso zu wie das Interesse und die Akzeptanz für sanfte und natürliche Heilmethoden“, erklärt der Präsident des Deutschen Kneipp-Bundes, Klaus Holetschek zum Sebastian-Kneipp-Tag am 17. Mai 2019. „Das ist auch Kneipps Verdienst, das Behandlungsspektrum seiner Naturheilverfahren ist riesengroß. Kneippsche Anwendungen eignen sich, neben Maßnahmen der Prävention, vor allem bei der Behandlung von Zivilisationskrankheiten“, so Holetschek.

Der Kneipp-Bund sieht seine Aufgabe auch darin, dass die konventionelle Schulmedizin das steigende Bedürfnis der Menschen nach sanfter, natürlicher Medizin unterstützt und bei ihren Verschreibungen auch auf naturheilkundliche Maßnahmen zurückgreift und die ganzheitliche Betrachtung des Menschen berücksichtigt. „Daher setzen wir uns auch für die Stärkung der Integrativen Medizin ein, also das Zusammenwirken von Natur- und Schulmedizin. Im Vordergrund steht dabei immer das Wohl des Patienten“, so Holetschek.

Der Kneipp-Bund e.V. als Bundesverband für die rund 600 Kneipp-Vereine in Deutschland setzt sich für Gesundheitsförderung und Prävention ein. Mit über 160.000 Mitgliedern ist der Kneipp-Bund e.V. die größte private deutsche Gesundheitsorganisation.

Das ganzheitliche Gesundheitskonzept des Kneipp-Bund profitiert von über 100 Jahren Erfahrung und entwickelt sich unter Einbeziehung innovativer Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung weiter. Das Ziel: Gesunde Menschen. Ein gesundes Leben im Einklang mit der Natur führen und auf diese Art aktiv vorbeugen und Heilung finden.

Diesen ganzheitlichen Ansatz hat Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) zur Grundlage seiner Heilverfahren gemacht – mit Erfolg. Sein Konzept hat überdauert und sich stetig weiterentwickelt. Aus der ursprünglichen Wasser- und Kräuterheilkunde entstand ein anerkanntes Naturheilverfahren.

Im Dezember 2015 wurde das „Kneippen als traditionelles Wissen und Praxis nach der Lehre Sebastian Kneipps“ von der Deutschen UNESCO Kommission in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.kneippbund.de

Titelfoto: © Kneipp-Bund e.V.

Text und Autoren: Dr. Jürgen von Rosen, Andrea Thoma M.A. und Kneipp-Bund e.V.

© Foto Dr. Jürgen von Rosen: ATH Medien

 

 

 

 

Ab 01. Juli 2019: Kariesprävention schon ab dem ersten Zahn

Neue Früherkennungsuntersuchungen und Kariesprophylaxe für Kleinkinder

Ab 1. Juli 2019 haben Kinder zwischen dem sechsten und dem vollendeten 33. Lebensmonat Anspruch auf drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen. Zum Leistungsumfang gehört neben der Vorsorge und Beratung zur richtigen Mundhygiene auch die Zahnschmelzhärtung mit Fluoridlack.

Im Gegensatz zu anderen Altersgruppen ist die Karies bei den Kleinsten nicht zurückgegangen. Knapp 15 Prozent der Dreijährigen weisen bereits Karies auf, die als häufigste chronische Erkrankung im Vorschulalter gilt.

Bisher waren zahnärztliche Untersuchungen erst ab dem dritten Lebensjahr vorgesehen. Zu spät, fand auch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) und beschloss am 17. Januar 2019 die neuen Früherkennungsuntersuchungen und Prophylaxeleistungen für Kleinkinder ab dem sechsten Lebensmonat, also mit Durchbruch des ersten Milchzahnes. Die folgenden Leistungen sind ab 1. Juli zusätzlich Teil des Leistungskatalogs der Krankenkassen:

  1. Drei Zusatzuntersuchungen ab dem ersten Zahn: Zwischen dem 6. und vollendeten 33. Lebensmonat können drei zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch genommen werden. Sie werden zeitlich auf die im „Gelben Heft“ aufgeführten kinderärztlichen Untersuchungen abgestimmt. Bis zum sechsten Lebensjahr sind nach wie vor weitere drei zahnärztliche Untersuchungen vorgesehen.
  2. Aufklärende Beratungsgespräche: Die Untersuchungen enthalten beratende Gespräche, bei denen Zahnärzte Eltern über Ursachen von oralen Erkrankungen und die richtige Mundhygiene bei Kindern aufklären.
  3. Zahnschmelzhärtung mit Fluoridlack: Zweimal pro Kalenderhalbjahr erstatten Krankenkassen von nun an die Zahnschmelzhärtung mittels Fluoridlack.

 

 

Professor Dr. Stefan Zimmer, Sprecher der Informationsstelle für Kariesprophylaxe, begrüßt das Inkrafttreten der neuen Leistungen ab 1. Juli 2019: „Ich bin überzeugt, dass die zusätzlichen Früherkennungsuntersuchungen zur Prävention von Karies und zur Verbesserung der Mundgesundheit beitragen werden“, so Zimmer. „Was viele nämlich nicht wissen: Auch die Milchzähne sind enorm wichtig für die Entwicklung des Kindes.“

Milchzähne besonders kariesgefährdet

Milchzähne sind besonders anfällig für Karies, da ihr Zahnschmelz nur halb so dick ist wie der von bleibenden Zähnen. „Gleichzeitig ist der Mineralstoffgehalt des frischen Zahnschmelzes der Milchzähne deutlich geringer“, erläutert Zimmer. Mangelnde Mundhygiene, fehlende oder unzureichende Fluoridierung und falsche Ernährung, zum Beispiel das Nuckeln an zuckerhaltigen Getränken oder der häufige Konsum von Quetschies, können dann sehr schnell zu Karies führen. „Frühkindliche Karies kann die Sprachentwicklung, das Kieferwachstum sowie die Entwicklung eines gesunden bleibenden Gebisses behindern. Außerdem verursacht sie Schmerzen, eine reduzierte Kaufunktion, und wenn Schneidezähne betroffen sind, werden die Kinder in der Kita oft von ihren Altersgenossen gehänselt. Das alles können wir unseren Kleinsten ersparen.“

Vier Säulen der Kariesvorbeugung

Die Kariesprophylaxe basiert im Wesentlichen auf vier Säulen: zahngesunde Ernährung, gewissenhafte Zahnpflege, zahnärztliche Vorsorge sowie stärkende Fluoride. Zu letzterem haben die zahnärztlichen Fachgesellschaften bereits Ende 2018 neue Empfehlungen für Kinder beschlossen. Je nach Altersstufe wird nun eine reiskorn- bzw. erbsengroße Menge Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm anstelle von 500 ppm Fluorid empfohlen. Zusätzlich sollte in der häuslichen Verpflegung fluoridiertes Speisesalz zum Einsatz kommen. „Die neuen gesetzlichen Regelungen sowie die Empfehlungen der Fachgesellschaften lassen mich positiv in die Zukunft blicken, was die Zahngesundheit der Kleinsten in Deutschland betrifft“, resümiert Zimmer.

Noch Fragen offen?

Verbraucher können sich bei Fragen zur Kariesprophylaxe telefonisch unter 069/2470-6822 oder via E-Mail daz@kariesvorbeugung.de an die Informationsstelle für Kariesprophylaxe wenden.

Beitragsbild:Kind_Zahnarzt_©Bojan_stock.adobe.com_Informationsstelle für Kariesprophylaxe