6. Hessischer Tag der Nachhaltigkeit: Landesweites Engagement für eine lebenswerte Zukunft

Neuer Beteiligungsrekord: über 850 Veranstaltungen setzen ein bemerkenswertes Zeichen

Am 15.09.2020 dem Tag der Nachhaltigkeit engagieren sich Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Schulen, Kindergärten, Kommunen, Vereine und wissenschaftliche Einrichtungen mit mehr als 850 spannenden Aktionen und Veranstaltungen und zeigen damit, wie wir unsere Gesellschaft nachhaltig gestalten können. Denn gemeinsam tragen wir die Verantwortung dafür, den kommenden Generationen ein lebenswertes Hessen zu erhalten. Die Veranstaltenden haben sich viele Gedanken gemacht, wie sie dies in Zeiten von Corona unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln begehen können, um auch in diesem Jahr ein Zeichen für Nachhaltigkeit in unserem Land zu setzen. Neben den Veranstaltungen vor Ort stehen auch viele Online-Angebote bereit. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten für die erfolgreiche Umsetzung“, sagte Umweltministerin Priska Hinz, die heute verschiedene Projekte des Aktionstags besuchte.

Unter dem diesjährigen Motto „Lebendig – Vielfältig – Nachhaltig.

Unser Hessen in Stadt und Land“ konnten Besucherinnen und Besucher heute ganz unterschiedliche Veranstaltungen erleben. „Ich bin begeistert, wie vielseitig die Projekte sind und ich freue mich, dass ich heute bei einigen selbst dabei sein darf“, sagte Hinz. Bei ihrer ersten Station nahm sie gemeinsam mit Butzbachs Bürgermeister Michael Merle das Faulgas-Blockheizkraftwerk in der Kläranlage von Butzbach in Betrieb. „Bei diesem Projekt stehen die beiden wichtigen Nachhaltigkeitsthemen sauberes Wasser und nachhaltige Energieerzeugung im Fokus. Beim Gärprozess in den Faultürmen der Kläranlage entsteht Klärgas. Bei dessen Verbrennung wird Energie frei, die im Blockheizkraftwerk zur Wärme- und Stromproduktion genutzt wird. Damit wird die eigene Energieversorgung des Klärwerks sichergestellt“, erklärte Hinz. Am heutigen Tag konnten Interessierte das neue Blockheizkraftwerk besuchen und sich über diese nachhaltige Technik informieren.

Anschließend besuchte die Ministerin die Wildbienen Aktion in Wehrheim.

„In Zusammenarbeit mit Schulklassen, Kindergärten und Vereinen aus der Gemeinde sind hier heute insgesamt 90 Bienenhotels entstanden, die jetzt in Wehrheim aufgestellte werden sollen. 300 Kinder und Jugendliche haben an der Aktion teilgenommen. Ein wichtiger Beitrag, um die biologische Vielfalt zu erhalten und den Wildbienen eine Möglichkeit zum Nisten und Überwintern zu bieten“, erklärte Hinz.

In Wiesbaden besuchte Hinz abschließend das Unternehmen SOKA BAU.

„Hier wird Biodiversität großgeschrieben. Das Unternehmen zeigt, dass Firmen- und Betriebsgelände viele Möglichkeiten bieten, Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten zu schaffen. Bei SOKA BAU wurde unter anderem eine Dachbegrünung mit Blühstauden angelegt, eine Blühwiese errichtet sowie Nistkästen angebracht. Für diese Arbeit darf ich heute die Urkunde „Partnerunternehmen der Biologischen Vielfalt in Hessen“ übergeben“, sagte die Ministerin.

Hintergrund

Der Hessische Tag der Nachhaltigkeit ist eine Aktion der Nachhaltigkeitsstrategie Hessen, der alle zwei Jahre stattfindet. Den Bürgerinnen und Bürgern soll das Thema Nachhaltigkeit nähergebracht werden und dazu motivieren selbst aktiv zu werden. Deshalb macht der Aktionstag alle Facetten nachhaltiger Entwicklung direkt vor der eigenen Haustür erlebbar. Seit Beginn der Aktion hat sich die Anzahl der Aktionen stetig gesteigert. Beim letzten Tag der Nachhaltigkeit fanden 615 Aktionen statt. Die Nachhaltigkeitsstrategie Hessen hat zum Ziel, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen einzubinden, um das Leben in Hessen heute und in Zukunft ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig zu gestalten.

© Hess. Min. für Umwelt

Bild: Nachhaltigkeit ©Monkey Business – stock.adobe.com

Gesünder essen – weniger CO2 durch weniger Fleisch

Die Treibhausgas-Emissionen gehen aktuell viel zu langsam zurück. 2007 hat die
Bundesregierung sich mit dem „Integrierten Energie- und Klimaprogramm“ verpflichtet, die
deutschen Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu mindern.

Die Politik muss dringend handeln, um das Klima zu schützen. Aber auch jeder und jede Einzelne kann etwas tun:
Der Nachhaltige Warenkorb zeigt, wie man durch kleine Veränderungen im Alltag den individuellen CO2-Fußabruck
verringern kann – und sich selbst etwas Gutes tut.

Gesünder essen – weniger CO2 durch weniger Fleisch

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt einen Fleischkonsum von 15,6 kg für Frauen
und 31,2 kg für Männer im Jahr – das entspricht 300 bis 600 Gramm in der Woche. Der heutige
Verzehr beträgt in etwa das Doppelte, fast 28% der Bevölkerung essen täglich Fleisch. Das ist nicht
nur ungesund, sondern bedeutet auch einen viel zu hohen CO2-Ausstoß durch Massentierhaltung.
So sind 14,5 Prozent aller weltweiten Treibhausgasemissionen auf die Haltung und Verarbeitung
von Tieren zurückzuführen. Außerdem trägt der Fleischkonsum aufgrund des hohen Bedarfs an
Soja als Futtermittel (vor allem für Geflügel, Schwein und Rind) insbesondere in Südamerika zur
Rodung von Urwäldern und der Zerstörung von Ökosystemen bei, was ebenfalls zum vermehrten
Ausstoß von Treibhausgasen führt.

Weniger shoppen – Kleidung gebraucht kaufen, CO2 einsparen

Pro Person werden in Deutschland jährlich im Schnitt 26 kg Textilien gekauft, davon zwischen 12
und 15 kg Kleidung. Das bedeutet während der Produktion eine enorme Menge an CO2-Ausstoß. So
werden beispielsweise bei der Herstellung eines weißen Damen-T-Shirts circa 10,75 kg CO2
freigesetzt. Wer weniger (neue) Kleidung kauft, spart Geld und gleichzeitig CO2.
Nutzen Sie einfach Flohmärkte oder Secondhandläden oder tauschen Sie im Bekanntenkreis.

Mehr Bewegung – zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sein, statt mit dem Auto zu fahren, spart

Die vom Autoverkehr verursachte Umweltbelastung ist in den letzten Jahren gewachsen. Als
Gründe für den Anstieg um 6,4 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010 nennt das Statistische
Bundesamt mehr Autos, eine größere Gesamtlaufleistung und stärkere Motoren. Das Auto ist in
Deutschland der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen, denn Autoverkehr
verursacht rund 18 Prozent all unseres CO2-Ausstoßes. Zu Fuß gehen oder das Fahrrad sind im
Stadtverkehr die besten Alternativen, da hierbei kein weiterer CO2-Ausstoß stattfindet.

In der Praxis bedeutet das beispielsweise, dass eine Berufspendlerin oder Berufspendler, die oder
der werktags je 5 km mit dem Rad zur Arbeit hin und zurück fährt, im Jahr rund 350 kg CO2-
Emissionen einsparen kann, dazu Geld spart und etwas für die eigene Gesundheit tut.

Geld sparen – Lebensmittelverschwendung reduzieren, heißt CO2 -Emissionen reduzieren

In Deutschland landen pro Person jährlich bis zu 55 kg Lebensmittel in der Tonne. Ernährung ist
neben Wohnen und Mobilität der Bereich, der sich am stärksten auf unsere Klimabilanz auswirkt.
Durch Produktion, Transport und Lagerung verursacht unser Ernährungsstil jährlich im
Durchschnitt 1,75 Tonnen CO2 pro Kopf. Ein bewusster Einkauf, der am besten auf regionale und
saisonale Produkte setzt, und ein geordneter Kühlschrank helfen, weniger Lebensmittel
wegzuwerfen. Fast 22 Mio Tonnen CO2 könnten durch vermeidbare Lebensmittelverluste eingespart werden,
mehr als doppelt so viel, wenn man die dadurch reduzierte Flächennutzung mit einbezieht.

Geld sinnvoller nutzen – der Wechsel zu einer nachhaltigen Bank ist eine Investition in den Klimaschutz

Nach eigenen Schätzungen muss die Europäische Union zur Umsetzung der Klima- und
Energieziele jährlich 180 Milliarden Euro an Kapital mobilisieren. Ohne nachhaltig ausgerichtete
öffentliche und private Investitionen wird diese gewaltige Aufgabe nicht zu stemmen sein. Wer sich
vornimmt, im neuen Jahr die eigenen Finanzen neu zu ordnen, kann die Chance direkt nutzen, um
zu einer nachhaltigen Bank zu wechseln und über diese das eigene Geld in Projekte zu investieren,
die positiv auf die Klima- und Energieziele einzahlen.

Ökologisch orientierte Finanzanlagen sind wichtiger denn je, um den Klimaschutz zu unterstützen.
Besonders deutlich wird dies, wenn man sich den Klimafußabdruck herkömmlicher
Investmentfonds im Vergleich zu nachhaltigen Fonds anschaut: herkömmliche Fonds produzieren
im Schnitt 904 Kg CO2 je 1000 Euro nachhaltig orientierte Fonds hingegen nur 163 Kg CO2. je 1000
Euro.

Der Nachhaltige Warenkorb

Nachhaltig konsumieren ist heute schon möglich: Wie es geht, zeigt der Nachhaltige Warenkorb des Rates
für Nachhaltige Entwicklung. Der Einkaufsführer weist auf nachhaltige Konsumalternativen hin und gibt
mit Faustregeln Orientierung für konkrete Konsumentscheidungen zu Lebensmitteln, Reisen und
Mobilität, Wohnen und Bauen, Haushalt und Elektronik, Mode und Kosmetik. Zudem bietet er
Bewertungen von Siegeln und Produktkennzeichnungen. Der Nachhaltige Warenkorb wird jährlich unter
wissenschaftlicher Begleitung aktualisiert. Er ist als Broschüre erhältlich und im Internet.
www.nachhaltiger-warenkorb.de

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Nachhaltigkeitsrat sieht deutsche EU-Ratspräsidentschaft als Momentum für mehr Nachhaltigkeit in Europa

Berlin, 30. Juni 2020 – „Mit der deutschen EU-Ratspräsidentschaft verbindet der Rat für Nachhaltige Entwicklung große Erwartungen: alle europäischen Mitgliedstaaten sollten den Weg aus der Krise am Leitprinzip der Nachhaltigkeit ausrichten und den geplanten 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds von Anfang an feinmaschig mit dem European Green Deal verweben. Eine solidarische und nachhaltige Bewältigung der Krise wird auch ein starkes Zeichen für eine erfolgreiche deutsche EU-Ratspräsidentschaft sein“, erklärte Ratsvorsitzender Dr. Werner Schnappauf. Er warnte zugleich vor einem Rückfall in alte Muster und Gewohnheiten. Denn Nachhaltigkeit bedeute bessere Vorsorge, höhere Resilienz und innovatives, qualitatives Wachstum. Konkret forderte Schnappauf eine wirklich integrierte europäische Energie- und Klimapolitik, den massiven Ausbau der erneuerbaren Energien und eine europäische Wasserstoffstrategie. Insgesamt gelte es, „Sustainable Europe“ zu bauen, das Momentum hierfür sei genau jetzt.

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat seit seiner Neuberufung zu Beginn des Jahres insgesamt sechs Stellungnahmen und Empfehlungen vorgelegt, die eine große Themenbreite von Wasserstoff über Ernährungssysteme, Lieferketten, Sustainable Finance, den Weg aus der Corona-Krise und die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie behandeln – und immer auch die europäische Dimension einbeziehen.

Erst kürzlich hatte die Bundeskanzlerin auf der Online-Konferenz des Nachhaltigkeitsrats bekräftigt, dass das Maßnahmenpaket der Bundesregierung kurz- und langfristigen Zielen dienen solle und damit „gleichermaßen die Folgen der Pandemie eindämmen und in nachhaltige Entwicklung investieren“ werde. „Dies gilt genauso für Europa“, sagte Schnappauf.

Prof. Dr. Imme Scholz, stellvertretende Ratsvorsitzende und stellvertretende Direktorin des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE), ergänzte: „Auch die Verantwortung der Unternehmen für soziale und ökologische Standards in ihren Lieferketten gehört auf die Tagesordnung der EU-Ratspräsidentschaft, genauso wie die Neuausrichtung der Agrarpolitik auf nachhaltige Ernährungssysteme. Das betrifft die Beschäftigungsbedingungen ebenso wie die Qualität der Produkte und Produktionsprozesse. Nachhaltige Entwicklung für uns und für alle Menschen weltweit erreichen wir nur, wenn wir jetzt in diesen Politikbereichen mutig voranschreiten.“

Konkret fordert der Rat von der Bundesregierung in den nächsten sechs Monaten:

Ökologische und soziale Zusammenarbeit in der EU zu stärken, insbesondere die mittel- und langfristigen Maßnahmen des geplanten Wiederaufbau-Fonds („recovery fund“) zur Unterstützung der wirtschaftlichen Erholung und des European Green Deal intelligent miteinander zu verweben und auszugestalten.

Bei den entscheidenden Themen des Green Deals auf ein notwendiges Nachsteuern bei den Vorschlägen der Kommission zu drängen. Diese sind insbesondere die Energietransformation, Ernährungssysteme, Transport sowie nachhaltiger Konsum und Produktion. In Bezug auf Ernährungssysteme sowie bei Produktion und Konsum von Gütern muss die EU ihren globaler Ressourcenfußabdruck reduzieren. Dafür sollte ein ambitionierter Maßnahmenplan entwickelt werden. Beim Thema Transport sollten Institutionen und Infrastruktur für den Personenschienenverkehr in der EU ausgebaut sowie innereuropäische Flüge besteuert werden. Außerdem erwartet der Rat, dass Beschlüsse zu Zielsetzungen und Maßnahmen, die die Umsetzung der Agenda 2030 in den nächsten sieben bis zehn Jahren erfordert, von der Europäischen Kommission vorbereitet werden und sich auch im Mehrjährigen Finanzrahmen abbilden.
Gemeinsame Wiederaufbau- und Transformationsfinanzierung zu schaffen, beispielsweise indem die Verhandlungen zu Sustainable Finance auf europäischer Ebene sowie die Umsetzung des Green Deal vorangetrieben werden. Das bedeutet auch:

Sich mit substanziellen Beiträgen an einer nachhaltigen Umsetzung des Green Deals zu beteiligen und den Mitteleinsatz zum sozialen und wirtschaftlichen Wiederaufbau nach der Corona-Krise so zu steuern, dass die Ziele des Pariser Klimaübereinkommens und der Agenda 2030 damit erreicht werden können, und zwar sowohl in Deutschland als auch in Europa und weltweit. Um diesen hohen Grad an Zukunftsorientierung und politischer Konsistenz zur Vorbeugung weiterer Krisen und zur Förderung von sozialer Resilienz zu erreichen, muss sich die Bundesregierung entsprechend in der EU, der G7 und der G20 einsetzen.

Strategische Partnerschaften beim Thema Wasserstoff in Europa und international aufzubauen und zu stärken. Ein europäisch abgestimmtes Vorgehen beim Aufbau eines grünen Wasserstoffmarktes wertet der Rat als große Chance, um neue Wertschöpfungsketten zu etablieren und den raschen Hochlauf neuer Technologien zu unterstützen. Der RNE drängt deshalb auf eine europäische Lösung und auf internationale Partnerschaften. Gerade mit den sonnenreichen Ländern Europas, Afrikas und darüber hinaus gilt es, Win-Win-Lösungen zu schaffen. Bei Partnerschaften mit Entwicklungsländern müssen dabei deren nationale Entwicklungsziele im Vordergrund stehen.

Lieferketten zu diversifizieren und Kreislaufwirtschaft zu fördern um auch regionale, nationale und europäische Beschaffungsoptionen zur Verfügung zu haben. Zu diesem Zweck ist es wichtig, strategische Wertschöpfungsketten für Europa zu definieren, z. B. bei lebenswichtigen Arzneimitteln. In der Corona-Pandemie hat sich die Bedeutung von fairen, an ökologisch orientierten und deswegen resilienteren Lieferbeziehungen deutlich gezeigt. Der RNE empfiehlt außerdem den Ausbau der Kreislaufwirtschaft in der Nachhaltigkeitsstrategie verstärkt zu verankern. Dazu sollte ein gemeinsamer europäischer Markt für Sekundärrohstoffe vorangetrieben werden, z. B. durch eine weitere Vereinheitlichung rechtlicher Bestimmungen.

Eine europäische Liefergesetzgebung zu initiieren und die Debatte entlang der Leitlinien eines deutschen Vorschlags führen. Die Bundesregierung sollte beim Thema nachhaltige Lieferketten parallel sowohl im eigenen Land als auch auf europäischer Ebene vorangehen. Wenn es auf EU-Ebene keinen ausreichenden Verhandlungsfortschritt gibt, sollte dann umgehend ein Lieferkettengesetz in Deutschland auf den Weg gebracht werden.

Eine umfassende Neuausrichtung der GAP einzuleiten, da die derzeitigen Zwischenstände in den Verhandlungen auf EU-Ebene aus Sicht des RNE für eine nachhaltige Agrarwende nicht ausreichen. Der RNE fordert daher die EU-Institutionen zu mutigen Schritten hin zu einem ökologisch, sozial und wirtschaftlich ausgewogenen Ernährungssystem auf. Die Mittel der gemeinsamen Agrarpolitik sollten zunehmend dazu genutzt werden, nachhaltige Formen der Landnutzung zu fördern.

Text: Nachhaltigkeitsrat

Bild:123Rf

Projekt Nachhaltigkeit 2020: Herausragendes und wirksames Engagement – Die Preisträger Hessen

Berlin, 23. Juni 2020 – Um herausragend und wirksames Engagement für eine Nachhaltige Entwicklung zu unterstützen, verleihen die vier Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) in Kooperation mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) jedes Jahr die Auszeichnung „Projekt Nachhaltigkeit“. Eine Expertenjury hat jetzt entschieden, wer die diesjährigen 40 Preisträger*innen sind.

Preisträger Hessen:

Biodiversitätskriterien in den Standards und Labels der Lebensmittelbranche, Frankfurt (Hessen)

„Biodiversität in den Standards und Labels der Lebensmittelbranche“ ist eine EU-weite Initiative von Global Nature Fund, Agentur AUF!, Bodensee-Stiftung, Fundación Global Nature (Spanien), Solagro und agence good (Frankreich) und Instituto Superior Técnico (Portugal).  www.agentur-auf.de

Mit Holzveredelungsprodukten Biodiversität stärken, Ober-Ramstadt (Hessen)

Aufbau einer regionalen, nachhaltigen Lieferkette mit Leindotter-Erbsen Mischfruchtanbau mit dem Ziel Holzveredelungsprodukte auf Basis nachwachsender Rohstoff herzustellen. Der Anbau stärkt u.a. die Biodiversität, unterstützt bedrohte Insekten und senkt den Pestizideinsatz. www.daw.de

ONE TEAM- Soziale Sportprojekte für Kinder und Jugendliche weltweit, Frankfurt (Hessen)

ONE TEAM fördert nachhaltig soziale Sportprojekte weltweit als Bindeglied zwischen Organisationen im Ausland und Unternehmen, Vereinen und Ehrenamtlichen in Deutschland. www.oneteam.social

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Trotz einer Corona-bedingt verkürzten Bewerbungsphase wurden hierbei 372 Projekte eingereicht. Die Jury hat nun die besten zehn aus jeder RENN-Region ausgewählt. Die Gewinnerprojekte erhalten neben einer Förderung den Zugang zum bundesweiten RENN-Netzwerk und somit die Chance, neue Impulse zu erhalten und ihre Projekte sichtbarer zu machen.

Der Wettbewerb „Projekt Nachhaltigkeit“ fördert seit vielen Jahren Unternehmen, Initiativen und Projekte, die sich mit den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen befassen. Mehr als die Hälfte der Initiativen bewarb sich mit einem Fokus auf die Schwerpunktthemen „Nachhaltiger Konsum“ und „Kreative Kooperationen“. Weitere Schwerpunktthemen waren in diesem Jahr „Klimapositives Wirtschaften“ und „Nachhaltige Arbeitswelten“. Von lokalen Bürgerinitiativen über bundesweite Bildungsprojekte bis hin zu internationalen Entwicklungsprojekten – das Spektrum an Teilnehmenden zeigt, wie vielseitig die unterschiedlichen Themenbereiche im „Projekt Nachhaltigkeit“ verankert sind. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der Entscheidung der Jury wider, die neben den vier RENN-Konsortialführer*innen aus namhaften Expert*innen der Nachhaltigkeitsszene besteht.

„Die Gewinnerprojekte von Projekt Nachhaltigkeit bilden seit vielen Jahren das Fundament von Engagement vor Ort für eine enkeltaugliche Zukunft. Dass dieses Engagement unter den derzeit schwierigen Bedingungen trotzdem nicht nachlässt, ist bemerkenswert und setzt ein wichtiges Zeichen für unseren gemeinsamen Weg aus der Krise. Die diesjährigen Gewinner zeichnen sich daher ganz besonders als Vorbilder und Gestalter für ein nachhaltiges Morgen aus“, erklärte Markus Lewe, Jurymitglied, Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung und Oberbürgermeister der Stadt Münster.

Trotz der vielfältigen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie haben sich, analog zu den Vorjahren, erneut herausragende Projekte quer durch alle Bundesländer und Regionen beworben. Mit 50 eingereichten Projekten ist Nordrhein-Westfalen auch in diesem Jahr wieder der Vorreiter unter den Bundesländern. Die Preisträger*innen profitieren von der Arbeit des RENN-Netzwerks, indem sie neue Kontakte knüpfen, Impulse bekommen und ihre Ideen über die zahlreichen Partnerinitiativen verbreiten. Die 40 Gewinnerprojekte werden jeweils mit 1.000 EUR bedacht, um ihre Arbeit weiter voranzutreiben.

Die Liste der Gewinner finden Sie untenstehend sowie detailliert auf der Website von Projekt Nachhaltigkeit: www.projektnachhaltigkeit.renn-netzwerk.de.

Die Preisträger*innen von Projekt Nachhaltigkeit 2020 sind:

RENN.nord
weserholz, Käpt’n Kurt e.V., Bremen
CREACTIV für Klimagerechtigkeit, Büro für Kultur- und Medienprojekte gGmbH, Hamburg
Grünes Kino, Grünes Kino, Hamburg
TUTAKA | Plattform für nachhaltiges Gastgebertum, TUTAKA GmbH, Hamburg
Plastikfreie Stadt, Plastikfreie Stadt, Mecklenburg-Vorpommern
Kita 2030 Nachhaltigkeiter-leben – Zukunft gestalten, Naturschule in natura Maika Hoffmann & Dr. Anja Kofahl PartG, Mecklenburg-Vorpommern
Lust auf Zukunft!, Netzwerk öko, fair & mehr Region Hildesheim, Niedersachsen
Nachhaltige Resonanzräume in der Lebensmittelindustrie, Leuphana Universität Lüneburg – Arbeitseinheit Berufs- und Wirtschaftspädagogik, Niedersachsen
Media4Teens – digitale Bildung mit Nachhaltigkeitsthemen, sii-kids & -talents e.V., Schleswig-Holstein
Nachhaltig erzählen, Büchereizentrale Schleswig-Holstein, Schleswig-Holstein

RENN.mitte
QLab – innovativ experimentell nachhaltig, BAUFACHFRAU Berlin e.V, Berlin
tip me – das globale Trinkgeld, tip me Global UG, Berlin
SIRPLUS rettet Lebensmittel vor der Tonne, SIRPLUS, Berlin
Stromspar-Check Aktiv, Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen (eaD) e.V., Berlin
Gemeinde N, Kommunale Ökumene Treptow Köpenick, Brandenburg
1-for-1 Project, the nu company GmbH, Sachsen
Raumpionierstation Oberlausitz, Raumpionierstation Oberlausitz, Sachsen
FutureCityProjects: Software für nachhaltige, bürgergetragene Stadtentwicklung, FutureCityProjects GbR, Sachsen
Lebensmittelretterladen Crummes Eck, Crummes Eck gUG, Sachsen-Anhalt
Erfurter Europäische Mobilitätswoche 2020, Erfurter Vereine u. Initiativen in Kooperation mit dem Umweltamt der Stadt Erfurt, Thüringen

RENN.west
Biodiversitätskriterien in den Standards und Labels der Lebensmittelbranche, LIFE Food & Biodiversity, Agentur auf! und Partner, Hessen
ONE TEAM – Soziale Sportprojekte für Kinder und Jugendliche weltweit, ONE TEAM gemeinnützige UG, Hessen
Mit Holzveredelungsprodukten Biodiversität stärken, Leindotter-Projekt, DAW SE, Hessen
Grün statt Grau – Gewerbegebiete im Wandel, Wissenschaftsladen (WILA) Bonn e.V. und Verbundpartner, Nordrhein-Westfalen
Grüner Strom Label e.V., Grüner Strom Label e.V., Nordrhein-Westfalen
Umwelt- und Ressourcenschutz im Leitungsbau: Substitution von Natursand durch die Aufbereitung von Bodenaushub zu einem qualitätsgeprüften Recyclingbaustoff, Gesellschaft zur Weiterverwendung von Mineralstoffen mbH (GWM), Nordrhein-Westfalen
Entwicklung eines Franchise Systems zur Multiplikation des Kleidersharing Models der Kleiderei, Kleiderei, Nordrhein-Westfalen
Mit Psychologie den Klimaschutz stärken – wir bringen umweltpsychologisches Wissen in die Praxis!, Wandelwerk e.V., Nordrhein-Westfalen
inSPEYERed Forum, inSPEYERed e.V., Rheinland-Pfalz
BOOKS FOR FUTURE: Die Zukunft gestalten – nachhaltig!, Stadtbibliothek Homburg, Saarland

RENN.süd
Holzbau gegen die Erderwärmung, Holzbau Bruno Kaiser GmbH, Baden-Württemberg
Kampagne „Naturnah Gärtnern – für Mensch, Tier & Klima“, Institut für Technologiefolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) – Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Baden-Württemberg
Klimapartnerschaft zwischen dem Landkreis Karlsruhe und der Stadt Brusque (Brasilien), Landkreis Karlsruhe, Baden-Württemberg
Einsatz eines FSC-zertifizierten Forstbetriebes für Bildung und Traditionserhalt der lokalen Gemeinschaft im Kongo, FSC Deutschland, Baden-Württemberg
Umweltbildung: ganz einfach interkulturell (ub:ikul), forum für internationale entwicklung + planung (finep), Baden-Württemberg
Potentialentfaltung in Schulen – ROCK YOUR LIFE! EAS!Y & SPARK, ROCK YOUR LIFE!, Bayern
Verantwortungsvoll Wirtschaften, Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice GmbH, Bayern
Lebensraum aktiv gestalten, Netzwerk UNSER LAND, Bayern
A.ckerwert – Nachhaltiges Verpachten für Mensch und Natur, Start up, Bayern
Lifeguide – nachhaltig leben in und um Augsburg, Lifeguide Region Augsburg e.V., Bayern

Projekt Nachhaltigkeit – ein Qualitätssiegel
Die Auszeichnung „Projekt Nachhaltigkeit“ ist ein etabliertes Qualitätssiegel mit bundesweiter
Bekanntheit. Sie bietet den Preisträgern viele Vorteile: Zugang zu einem attraktiven, regionalen und bundesweiten Netzwerk, verstärkte öffentliche Aufmerksamkeit sowie die Chance, den öffentlichen Diskurs zu prägen und weitere Unterstützung zu gewinnen.
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Regionale Preisverleihungen und Auszeichnung der Transformationsprojekte
Die Preisverleihungen finden immer regional in den RENN Gebieten statt. Aus gegebenem Anlass können wir noch keine Auskunft über den Zeitpunkt geben. Vier Projekte (ein Projekt pro RENN), die besonders viel bewegen und einen transformativen Charakter aufweisen, werden zudem als Transformationsprojekt auf Bundesebene ausgezeichnet.

RENN – stark in der Region
Vier Regionale Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) mit insgesamt 20 Partnerorganisationen vernetzen Akteure und Initiativen für eine nachhaltige Entwicklung, laden ein zum Erfahrungsaustausch und geben Impulse für einen gesellschaftlichen Wandel. So machen die RENN das komplexe Konzept der Nachhaltigkeit über Regionen und Ländergrenzen hinweg erlebbar. „Nachhaltiger Konsum im Blick“, „Klimapositives Wirtschaften“, „Nachhaltige Arbeitswelten“ sowie „Kreative Kooperationen“ sind die Schwerpunktthemen im Jahr 2020. Die RENN sind ein Projekt des Rates für Nachhaltige Entwicklung und werden vom Bund bis 2022 gefördert.

 

Nachhaltigkeitsrat fordert Wasserstoff als zweite Säule einer erfolgreichen Energiewende

Berlin, 19. Juni 2020 – „Wasserstoff muss in Ergänzung der erneuerbaren Energien zur zentralen zweiten Säule der Energiewende werden und ist für die Erreichung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele unumgänglich“, sagte Ratsvorsitzender Werner Schnappauf anlässlich der heutigen Veröffentlichung einer Stellungnahme des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) zur Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung. Kanzleramtschef Helge Braun hatte den Rat Anfang des Jahres um Empfehlungen zu drängenden energiewirtschaftlichen und klimapolitischen Fragen gebeten.

Der Nachhaltigkeitsrat begrüßt die Nationale Wasserstoffstrategie grundsätzlich, drängt aber darauf, dass diese schneller und ambitionierter umgesetzt werde: „Wir müssen jetzt groß denken und schnell handeln. Der Rat setzt sich entschlossen für eine grüne, global ausgerichtete Wasserstoffwirtschaft mit klar definierten Nachhaltigkeitsstandards ein. Deshalb empfiehlt der Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung, um einen zügigen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft zu schaffen, einen Wasserstoffpakt mit den vorrangig beteiligten und betroffenen Industrien in wechselseitiger Verantwortung und Verpflichtung zu schließen“, so Schnappauf. Wichtig sei, dass eine Dialogkultur gepflegt werde, in der Umwelt-, Verbraucherschutz- und Industrieverbände sowie Verbände der Entwicklungszusammenarbeit eng einbezogen würden. Nach Beratung im Wasserstoffrat solle dann zwischen Politik und beteiligter Industrie kooperativ, abgestimmt und verlässlich ein gemeinsamer Fahrplan vereinbart werden.

Wasserstoff bietet ein großes Dekarbonisierungspotenzial für die Industrie, den Schwerlast- und den Flugverkehr. Auch in der Energiewirtschaft ist Wasserstoff unter Nutzung vorhandener und dem Ausbau neuer Infrastrukturen zwingend notwendig. In den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten müssen erneuerbare Energien in noch nie dagewesenem Maße ausgebaut werden. Denn nur mit Hilfe der erneuerbaren Energien kann eine grüne Wasserstoffwirtschaft aufgebaut werden. Außerdem wird Energie aus erneuerbaren Quellen mit Wasserstoff endlich speicherfähig“, erklärte Gunda Röstel, Ratsmitglied und Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden GmbH.

Der Rat gibt in seiner Stellungnahme dabei acht wesentliche Empfehlungen an die Bundesregierung:

1. Übergangszeiten inhaltlich definieren und „Lock-in“-Effekte vermeiden
2. Den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen
3. Grünen Wasserstoff mittel- bis langfristig marktfähig machen
4. Chancen von Wasserstoff effizient nutzen, industriellen Hochlauf zügig sichern
5. Forschung und Entwicklung von Wasserstofftechnologien fördern
6. Nachhaltigkeitsstandards für die Markteinführung von Wasserstoff zeitnah definieren
7. Investitionsfördernde Maßnahmen umfänglich und zügig umsetzen
8. Strategische Partnerschaften in Europa und international aufbauen und stärken

Der Veröffentlichung waren intensive Diskussionen im Rat vorangegangen, die mit Blick auf Entwicklungen zum Thema Wasserstoff fortgeführt und von weiteren Aktivitäten des Rates begleitet werden sollen. Erst kürzlich waren zudem mehrere Mitglieder des Nachhaltigkeitsrats in den neu begründeten Wasserstoffrat der Bundesregierung berufen worden. Dies zeige die Verbindung beider Themen und betone, wie wichtig eine grüne Wasserstoffwirtschaft für die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele ist. Die gesamte Stellungnahme finden Sie hier.

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Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie: Nachhaltigkeitsrat legt erste Empfehlungen zur Weiterentwicklung 2020 vor

Berlin, 20. Mai 2020 – Unter dem Titel „Jahrzehnt der Nachhaltigkeit ambitioniert eröffnen!“ liefert der Rat für Nachhaltige Entwicklung erste Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie 2020. Diese berücksichtigen bereits „Corona-bedingte Änderungen der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ausgangsbedingungen“, heißt es in der heute erschienenen Stellungnahme

„Auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene muss umgehend schneller und entschlossener gehandelt werden, um das von den Vereinten Nationen ausgerufene ‚Jahrzehnt des Handelns‘ [Anm.: Decade of Action] auch zu einem solchen zu machen. Dafür muss Nachhaltigkeit zum Kern des Regierungshandelns werden, und es braucht Beiträge von allen gesellschaftlichen Akteuren. Die Corona-Pandemie hat uns unsere Schwächen und Stärken vor Augen geführt und es gilt: Nur nachhaltige Maßnahmen, mit denen wir auch unsere globale Verantwortung wahrnehmen, werden uns auf einem guten Weg aus der Krise führen“, so Prof. Dr. Imme Scholz, stellvertretende Ratsvorsitzende und stellvertretende Direktorin am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE).

Die umfangreichen Empfehlungen an die Bundesregierung untergliedern sich in drei wesentliche Teile:

1. Entschlossenes politisches Handeln für eine wirksame Nachhaltigkeitsstrategie
2. Mehr gesellschaftliche Akteure für ein Nachhaltigkeitsengagement gewinnen
3. EU-Ratspräsidentschaft nutzen und globale Verantwortung übernehmen

Erst am Montag hat der Nachhaltigkeitsrat das Papier Raus aus der Krise im Zeichen der Nachhaltigkeit“ veröffentlicht, in dem er acht konkrete Schritte für einen Weg aus der Corona-Krise aufzeigt. Im Herbst will der Rat dann detailliertere Empfehlungen für eine konsequente Weichenstellung für nachhaltige Entwicklung und den Wiederaufbau vorlegen.

„Clean Heating“ Grillen ohne Tropenholz – Tipps für einen nachhaltigen Sommer

„Clean Heating“: Grillen ohne Tropenholz

Ob beim Grillen, auf der nächsten Gartenparty oder unterwegs: Für einen nachhaltigen
Sommer informiert „Der Nachhaltige Warenkorb“ des Rates für
Nachhaltige Entwicklung (RNE), wie eine öko-faire Zeit in der heißen Jahreszeit gelingt.

Studien zeigen: Für eine große Mehrheit der Deutschen gehört Grillen zum Sommer dazu. Häufig
wird dabei Holzkohle verwendet – weit über 200.000 Tonnen werden jährlich in Deutschland
verbraucht. Viele Grillfans ahnen nicht, dass sie mit den glühenden Kohlen auch Tropenholz
verfeuern. Rund 85 Prozent der in Deutschland verkauften Holzkohle ist importiert. Sie stammt
teils aus Raubbau in Ländern wie Polen und der Ukraine, aber auch aus Paraguay und Nigeria. So
landet auch Tropenholz auf dem Grill, was zur Abholzung tropischer Wälder beiträgt. Achten Sie
daher beim Holzkohlekauf auf Produkte mit den Siegeln vom FSC oder (noch besser) von Naturland.
Diese fördern eine ökologischere Waldwirtschaft. Für die Ökobilanz Ihres Grillabends besonders
wichtig ist auch, was auf das Rost kommt: Klimafreundlicher und gesünder isst, wer mehr
regionales und saisonales Gemüse auf den Grill legt. Denn: Bei der Erzeugung von Bratwurst,
Nackensteaks und Co. entstehen besonders viele klimaschädliche Emissionen.

Gartenparty: mit Bio-Bier, ohne Plastik

Durch eine bewusste Ernährung können Sie bei der nächsten Gartenparty etwas für sich und das
Klima tun. Werten Sie das Partybuffet durch saisonale Bio-Kost auf. Zum Sommer haben
beispielsweise Kirschen, Erdbeeren, Auberginen und Zucchini Saison. Auch bei den Getränken
können Sie kreativ werden. In Glaskaraffen serviertes Leitungswasser mit Zitrone oder Minze dient
als Alternative für Limo aus Plastikflaschen. Beim Kauf von Wein oder Sekt hilft das EcoVin-Label.
In vielen Supermärkten gibt es mittlerweile auch Bier mit Bio-Siegel zu kaufen.

Um beim Feiern nicht zu viel Müll zu produzieren, verwenden Sie Mehrweg-Geschirr statt To-go-
Produkte. Auch Lebensmittelabfälle lassen sich gemeinschaftlich vermeiden. Lagern Sie Obst,
Gemüse und Co. bei der Hitze richtig. Und wer am Tag nach der Party noch viel Essen übrig hat,
kann dieses weitergeben – zum Beispiel über das Netzwerk Foodsharing oder bei der örtlichen Tafel,
wenn diese Spenden von Privatpersonen annimmt.

Gut geschützt und gut gekleidet, auch bei Hitze

Im Sommer sollten Sie Ihre Haut mit einem effektiven Sonnenschutzmittel schützen und pflegen.
Viele konventionelle Cremes, Lotionen und Sprays enthalten chemische UV-Filter, die
gesundheitsschädlich wirken können. Wer lieber auf Naturkosmetik setzt, kann sich am Siegel des
Bundesverbands Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen (BDIH) oder dem Natrue-Label
orientieren.

Einen guten Schutz vor Sonnenschäden bietet auch die richtige Kleidung – je dicker und dichter
gewebt, desto besser. Dafür lässt sich auch im Secondhand-Shop stöbern. Für Waren aus zweiter

Hand müssen keine neuen Ressourcen wie Strom, Wasser oder Baumwolle verbraucht werden. Und
wenn es doch neue Kleidung sein soll, greifen Sie am besten zu luftigen Fair-Fashion-Produkten.
Die Siegel von Transfair e.V. oder der Fair Wear Foundation sowie der GOTS-Standard helfen bei der
Auswahl.

Nachhaltig unterwegs: mehr Fahrrad, weniger Flugzeug

Nutzen Sie das gute Wetter, um aufs Rad umzusteigen. Das ist umweltfreundlich und auf
Kurzstrecken in Städten oft schneller als Auto, Tram, Bus und Bahn. Auch im Sommerurlaub
können Sie nachhaltig unterwegs sein. Für Reisen in Deutschland und Europa nehmen Sie am
besten einen Reisebus oder den Fernzug – ein Flugzeug produziert viel mehr CO2 pro Kilometer und
Person . Zudem machen endlose Warteschlangen an der Sicherheitskontrolle und überlastete
Flughäfen oft den vermeintlichen zeitlichen Vorteil des Fliegens zunichte.
Bei der Suche nach Urlaubsanbietern und Unterkünften helfen das TourCert-Label sowie die Siegel
von Viabono und Bio-Hotels weiter. Herbergen und Campingplätze mit besonders guten
Umweltkonzepten erhalten das Europäische Umweltzeichen.

Der Nachhaltige Warenkorb

Nachhaltig konsumieren ist heute schon möglich: Wie es geht, zeigt
„Der Nachhaltige Warenkorb“ des Rates für Nachhaltige Entwicklung. Der Einkaufsführer weist auf nachhaltige Konsumalternativen hin und
gibt mit Faustregeln Orientierung für konkrete Konsumentscheidungen zu Lebensmitteln, Reisen und
Mobilität, Wohnen und Bauen, Haushalt und Elektronik, Mode und Kosmetik. Zudem bietet er
Bewertungen von Siegeln und Produktkennzeichnungen. Der Nachhaltige Warenkorb wird jährlich unter
wissenschaftlicher Begleitung aktualisiert. Er ist als digitale Broschüre im Internet
erhältlich: www.nachhaltiger-warenkorb.de

Foto:123RF.com

TRAUMBERUF SCHÄFER(IN) IN HESSEN!

Schäfer gibt es auch in Hessen kaum noch. Julia Djabalameli und Kurt Hartmann zählen in Hessen zu den letzten ihrer Art – die beiden sind Schäfer aus Leidenschaft und können unglaubliche Geschichten erzählen.

Julia Djabalameli ist in der Rhön zuhause, eine Vorzeigeregion, wenn es darum geht, das Zusammenleben von Mensch, Tier und Natur zu gestalten. Sinnbild dieser Symbiose ist das Rhönschaf. Es ist weiß mit schwarzem Kopf und leistet ganze Arbeit bei der Landschaftspflege des UNESCO Biosphärenreservats Rhön. Vor 40 Jahren fast ausgestorben, ist das Rhönschaf heute aus der Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken. Den Ursprung der Rasse vermutet man im 16. Jahrhundert, womit das Rhönschaf eine der ältesten deutschen Schafrassen wäre.

Julia Djabalameli wollte schon als Kind einen Bauernhof besitzen und Schafe hüten. Heute gehört der 47-Jährigen der Spiegelshof sowie 100 Mutterschafe und rund 40 Ziegen. Mit dem Kauf des Hofes 2005 hat sich die Rhönschäferin einen Traum erfüllt: „Schafe hüten ist mein Leben. Ich liebe es bei Wind und Wetter draußen zu sein und am liebsten bin ich da, wo meine Tiere sind.“

Neben dem Schafe hüten, führt sie den Spiegelshof. Hier können auch bis zu zehn Personen in insgesamt vier Ferienzimmer übernachten. Ihren Gästen bietet Julia Djabalameli außerdem geführte Themenwanderungen an. Gemeinsam geht es durch die Kulturlandschaft zu ihrer Rhönschafherde. Die Teilnehmer können die Nutztiere anfassen und erfahren bei der Wanderung die Geschichte des Rhönschafes sowie der Entstehung der Kulturlandschaft. „Ich habe auf meinem Hof in Ehrenberg immer wieder Urlaubsgäste zu Besuch und die Kinder freuen sich, wenn sie den Schafen in ihr weiches Fell greifen können“, sagt Djabalameli.

Wer im Winter zu Besuch ist, kann die Lämmchen mit der Flasche füttern – ein ganz besonderes Highlight für Groß und Klein. Denn wenn die Schafe im Winter im Stall sind, beginnt die Ablammung. Bis zu 120 Lämmer werden dabei geboren. Eine stressige, aber auch schöne Zeit.

Schäfer Kurt Hartmann aus dem Spessart spielt Anfang des Jahres ebenfalls Hebamme. Auch seine rund 160 Mutterschafe bringen dann ihren Nachwuchs zur Welt – 2018 zählte er 170 Lämmchen. „Die Schafe machen das zwar alleine. Aber als Schäfer bin ich Tag und Nacht dabei“, erzählt der 73-Jährige aus Sinntal-Sterbfritz. Schäfer sein ist seine Leidenschaft: Kurt Hartmann wollte diesen Beruf schon als Kind ausüben. Doch ersteimal wurde er Baumaschinenführer bei einer Baufirma. Erst als er in Vorruhestand ging, machte Hartmann seine Passion zur neuen Berufung und ließ sich als Schäfer nieder.

Geholfen hat ihm dabei der Naturschutz, denn die Magerwiesen im Spessart sind etwas ganz Besonderes und müssen gepflegt werden, damit dort keine Büsche hochwachsen und die Kulturlandschaft verkrauten lassen. Magerwiesen gehören in Europa zu den artenreichsten Lebensräumen für Pflanzen und Tiere. Auf dem besonders nährstoffreichen Boden wachsen zahlreiche Wildblumen, die ein Paradies für eine ungeheure Vielfalt an Insekten darstellen. Wenn im Frühjahr der Kalkmagerrasen zu sprießen und die Blumen zu blühen beginnen, ist die Zeit gekommen: Dann weiden Hartmanns Schafe rund um die Dörfer des Sinntals über 30 Hektar Naturschutzfläche ab. Für Hartmann steht der Naturschutz an erster Stelle und er ist mit seiner Herde im Auftrag des Forstamts Hessen unterwegs, um die Verbuschung der hügeligen Wiesen zu verhindern.

Text: Red. und www.hessen-tourismus.de

Foto  ©: hessen-agentur

 

12. Deutscher Nachhaltigkeitspreis verliehen – Die diesjährigen Ehrenpreisträger

 

PREISVERLEIHUNG (22.11.2019)

Die diesjährigen Ehrenpreisträger

Die Ehrenpreise des Deutschen Nachhaltigkeitspreises gingen in diesem Jahr an Bundespräsident a. D. Joachim Gauck, die kolumbianische Umweltaktivistin Paula Caballero, „Simply Red“-Frontmann Mick Hucknall und den dänischen Architekten Bjarke Ingels.

Bundespräsident a. D. Joachim Gauck

kolumbianische Umweltaktivistin Paula Caballero

„Simply Red“-Frontmann Mick Hucknall

dänischen Architekten Bjarke Ingels

Pressefotos: DNP

Büro Deutscher Nachhaltigkeitspreis
Sebastian Klement
Tel.: +49 (0) 211 / 5504 5511
presse@nachhaltigkeitspreis.de

 

Deutscher Nachhaltigkeitspreis: Prämiert Städte und Gemeinden 2019

Deutscher Nachhaltigkeitspreis:
Diese Kommunen sind Vorreiter der Nachhaltigkeit.

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis prämiert auch 2019 Städte und
Gemeinden, die im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten erfolgreich eine nachhaltige
Stadtentwicklung betreiben und in wichtigen Themen erfolgreiche Nachhaltigkeitsprojekte
realisieren. Neun Vorreiter zukunftsfähigen Verwaltungshandelns wurden jetzt nominiert.

Erlangen, Osnabrück und Stuttgart konnten sich unter den Großstädten durchsetzen. Bei den
Kommunen mittlerer Größe ziehen Aschaffenburg, Pfaffenhofen an der Ilm und St. Ingbert ins
Finale ein. Unter den Kleinstädten und Gemeinden haben Bad Berleburg, Dornstadt und
Wildpoldsried die Nase vorn. Zusätzlich qualifizieren sich Bad Berleburg, Heilbronn, Pfaffenhofen
an der Ilm, Ulm und Waiblingen für den Sonderpreis Digitalisierung.

„Das diesjährige Spitzenfeld zeigt echte Vorbilder unter den Kommunen. Nachhaltige
Entwicklung prägt dort in besonderer Weise den kommunalen Alltag“, sagt Stefan Schulze-
Hausmann, Initiator des Deutschen Nachhaltigkeitspreises. „Sie setzen auf breite
Bürgerbeteiligung, adressieren konsequent Themen wie Klimaschutz und Bildungsgerechtigkeit.
Und sie übernehmen globale Verantwortung.“
Nach der Auswertung der Fragebögen werden die Kommunen nun besucht. Vor Ort führen
Experten des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), des Wuppertal Instituts für Klima,
Umwelt, Energie und des kommunalen Umweltschutzverbandes ICLEI vertiefende Interviews.
Ende Juli entscheidet eine unabhängige Expertenjury unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Günther
Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, über die Sieger. Die
nominierten Akteure für den Sonderpreis Digitalisierung werden separat für Ihre Leistungen
beurteilt und ausgezeichnet.

Eine Besonderheit der Auszeichnung für Städte und Gemeinden sind die Preisverleihungen
direkt vor Ort, die möglichst viele Beteiligte und Interessierte einbinden sollen. Die Sieger
erhalten von der Allianz Umweltstiftung jeweils 30.000 Euro für Projekte zur nachhaltigen
Stadtentwicklung. Im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitstages am 21. und 22. November
2019 in Düsseldorf stellen die erfolgreichsten Kommunen ihr Nachhaltigkeitsengagement vor.
Die nominierten Städte und Gemeinden in alphabetischer Reihenfolge:

Deutschlands nachhaltigste Großstädte
• Stadt Erlangen
• Stadt Osnabrück
• Landeshauptstadt Stuttgart
Deutschlands nachhaltigste Städte mittlerer Größe
• Stadt Aschaffenburg
• Stadt Pfaffenhofen an der Ilm
• Stadt St. Ingbert

Deutschlands nachhaltigste Kleinstädte und Gemeinden
• Stadt Bad Berleburg
• Gemeinde Dornstadt
• Gemeinde Wildpoldsried

Sonderpreis Digitalisierung
• Stadt Bad Berleburg
• Stadt Heilbronn
• Stadt Pfaffenhofen an der Ilm
• Stadt Ulm
• Stadt Waiblingen

Weitere Informationen unter www.nachhaltigkeitspreis.de
Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis ist die nationale Auszeichnung für Spitzenleistungen der
Nachhaltigkeit in Wirtschaft, Kommunen und Forschung. Mit fünf Wettbewerben (darunter der
Next Economy Award für „grüne Gründer“), über 800 Bewerbern und 2.000 Gästen zu den
Veranstaltungen ist der Preis der größte seiner Art in Europa. Die Auszeichnung wird vergeben
von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung,
kommunalen Spitzenverbänden, Wirtschaftsvereinigungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen
und Forschungseinrichtungen. Rahmen für die Verleihung ist der Deutsche Nachhaltigkeitstag in
Düsseldorf, die meistbesuchte jährliche Kommunikationsplattform zu den Themen nachhaltiger
Entwicklung.

Foto Copyright Frank Fendler

“ Fridays for Future“wird von BUNDjugend und BUND unterstützt

BUND, Klimawandel, Mobilität
Im Rahmen des globalen durch „Fridays For Future“ initiierten Klimastreiks unterstützen die BUNDjugend und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Forderungen der streikenden Schülerinnen und Schüler. Die unter dem Motto „Verkehrswende statt Weltende“ gestellten Forderungen sind richtig und wichtig: Die Bundesregierung ist gut beraten, die Sorgen und Nöte der kommenden Generationen ernst zu nehmen.

Linda Mederake, Jugendvertreterin im Bundesvorstand des BUND, sagt dazu: „Die jungen Menschen gehen auf die Straße, weil sie etwas bewegen wollen. Weil sie den Filz zwischen Politik und Industrie satthaben, der maßgeblich zur Klimakrise beiträgt. Insbesondere im Verkehrsbereich gibt es dafür anschauliche Beispiele. Der Verkehr ist der einzige Sektor hierzulande, in dem die CO2-Emissionen nicht zurückgehen.

Die Ursachen dafür sind vielfältig, hängen aber alle mit unzureichenden politischen Regulierungen zusammen. Steuerfreies Kerosin und massive staatliche Subventionierung der Flughäfen sorgen für immer mehr Billigflieger – dabei ist Fliegen die klimaschädlichste Art zu reisen. Immer größere, schwerere und leistungsstärkere Autos fahren immer weitere Strecken und die Hersteller ‚optimieren‘ immer weiter an den offiziellen Angaben zu Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß der Fahrzeuge. Staatliches Handeln? Fehlanzeige.

Die Liste der Beispiele für klimapolitisches Versagen im Verkehrsbereich lässt sich leicht verlängern: Immer mehr Lkw auf den Straßen, immer mehr Lieferwagen in den Städten, immer mehr Pendlerinnen und Pendler, die immer weitere Strecken fahren müssen, weil sie sich das Wohnen in der Stadt nicht mehr leisten können, ein kaputtgesparter öffentlicher Verkehr – alles Auswirkungen verfehlter Investitionen und Regulierungen.

Deshalb braucht es mutige Entscheidungen und eine Bundesregierung, die nicht länger im Interesse von Konzernen, sondern im Interesse der Bürgerinnen und Bürger agiert. Nur so kann die globale Klimakatastrophe zumindest noch abgemildert werden.“

©Quelle: BUND

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