Höhenaufenthalt und Trekking „Vorliebe zu Grenzerfahrungen“

Nicht nur Extremsportler mit ausgeprägter Vorliebe zu Grenzerfahrungen verlassen die Alpen in Richtung Himalaya und Anden, sondern zunehmend auch mehr oder weniger Untrainierte. Bei der Planung einer Trekkingtour, dem Weiterziehen mit der gesamten Ausrüstung, müssen Sie immer die fehlende oder unzureichende Infrastruktur des Reiselands berücksichtigen. Die Anforderungen und die Risiken variieren sehr stark für unterschiedliche Trekkingtouren. Gefahren beim Bergwandern und Bergsteigen stehen im Zusammenhang mit körperlicher Überforderung, den extremen Klimabedingungen (Kälte, Sonne) und der großen Höhe.

Einige direkte Reiseziele wie Mexico City, La Paz, Cuzco oder Lhasa liegen bereits in großer Höhe und sind zudem schadstoffbelastet. Allein der Ausstieg aus dem Flugzeug kann hier schon belastend sein, bevor ein Trekking überhaupt begonnen hat; zumal wenn einige Zeitzonen durchflogen wurden und der Jetlag jegliche Energie raubt. Sich darauf einzustellen gehört zu einer guten Reiseplanung, bei der vor allem eines nicht fehlen darf: Zeit und Geduld mit sich selbst.

Die Tourenbeschreibungen in den Katalogen erfahrener und qualifizierter Veranstalter von Trekkingreisen bieten normalerweise solide und gute Informationen über die zu erwartenden Leistungsanforderungen und die notwendige Ausrüstung. Beim Trekking muss die Nahrung oft unter sehr einfachen Bedingungen zubereitet werden.

Wesentliche körperliche Veränderungen bei Höhenaufenthalt:

  • Der Druck von Sauerstoff sinkt mit abnehmendem allgemeinen Luftdruck. Das Atmen wird schwerer, der Puls wird schneller.
  • Der Blutdruck in den Gefäßen des Lungenkreislaufes steigt, was eine allgemeine Blutdrucksteigerung zur Folge haben kann.
  • Es wird vermehrt Flüssigkeit ausgeschieden, insbesondere über die Atemluft und die Haut.
  • Das dämpfende vegetative Nervensystem (Vagus, Parasympathikus) verliert an Einfluß bei der Steuerung der Körperfunktionen, das aktivierende System (Sympathikus) dominiert.

Expeditionen sollten eine gute Apothekenausstattung mit sich führen, die von einem geschulten Mitglied der Gruppe verwaltet wird. Häufige Unfallursachen sind Mangel an Erfahrung, Selbstüberschätzung, unzureichende Sicherung und schlechte Ausrüstung. Eine gute Vorbereitung ist das Wichtigste zur Unfallvorbeugung. Dazu gehören: körperliches Training, sinnvolle Etappengestaltung, Abstimmung der Länge der Tagestouren mit sinnvollen Pausen, Verzicht auf überflüssiges Gepäck.
Höhenwanderer bewegen sich häufig in Regionen zwischen 2.000 und über 4.000 m, bei Passüberschreitungen können leicht Anstiege auf mehr als 5.000 Höhenmeter erreicht werden. Problematisch ist dabei der geringere Sauerstoffgehalt der Luft. Der Körper versucht, einen Ausgleich des Sauerstoffmangels durch häufigeres Atemholen und eine Beschleunigung des Pulses zu erreichen.

Je langsamer der Puls steigt, desto besser ist der Reisende durch Training oder Gewöhnung angepasst. Bei längerem Höhenaufenthalt kommt es zu einer Vermehrung der roten Blutkörperchen. Dadurch wird das Blut dickflüssiger. Die langsamere Fließgeschwindigkeit erhöht das Risiko für Erfrierungen an Fingern und Zehen sowie für Thrombosen. Deshalb sollten mehrere Liter Flüssigkeit pro Tag getrunken und Salzverluste ersetzt werden.

Sobald gemütliches Wandern zum Bergsteigen wird, ist ein Ausdauertraining erforderlich. Die Leistungsfähigkeit sinkt um 10% pro 1.000 m. Bereits Wandern in mittleren Höhen (1.500-2.500 m) ist eine Belastung die Ausdauer und ggf. auch Training erfordert.

Risiken (Verrenkungen, Unterkühlung) sind bei wetterabhängiger Routenplanung und optimaler Ausrüstung klein.
Häufige Unfallursachen sind:

  • Mangel an Erfahrung
  • Selbstüberschätzung
  • Unzureichende Sicherung und schlechte Ausrüstung

Eine gute Vorbereitung ist das Wichtigste zur Unfallvorbeugung. Hierzu gehören:

  • Körperliches Training
  • Sinnvolle Etappengestaltung
  • Abstimmung der Länge der Tagestouren mit sinnvollen Pausen
  • Verzicht auf überflüssiges Gepäck

In großen Höhen (2.500-5.300 m) sind dagegen Kenntnisse höhentaktischen Vorgehens nötig, und eine gute Ausrüstung und Routenplanung sind besonders wichtig.
Leicht kann es zu körperlichen Anpassungsproblemen kommen (schnelle Atmung, Pulssteigerung, Kopfschmerzen, Übelkeit, Atemnot) oder bei zu raschem Aufstieg auch zu Höhenkrankheit.
Über 5.300 m ist eine vollständige Anpassung nicht mehr möglich und bei längerem Aufenthalt besteht Lebensgefahr.

Überhitzung und Unterkühlung

  • Die Intensität der Sonneneinstrahlung ist in den Bergen höher. Schnee reflektiert das Licht zusätzlich. Körperliche Belastung kann bei enger (für Kälte eingerichtete) Kleidung licht zu einer Erhöhung der Körpertemperatur führen. Anfangs kommt es zu harmlosen Hitzeschwellungen (z.B. an den Händen und Füßen), später zu schmerzhaften Muskelkrämpfen, Brechreiz, Kopfschmerzen und allgemeiner Abgeschlagenheit. Eine besondere Anfälligkeit für Hitzeschäden besteht u.a. bei Herz- und Gefäßerkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes, neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen, Mangelernährung oder Fettleibigkeit, Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenmissbrauch. Ziehen Sie sich in solchen Situationen sofort in den Schatten zurück, öffnen Sie Ihre Kleidung und legen Sie sich hin. Trinken Sie reichlich kochsalzhaltige Getränke. Bei Verdacht auf einen Hitzekollaps oder Hitzschlag (mit deutlich erhöhter Körpertemperatur) muss unbedingt ein Arzt aufgesucht oder gerufen werden. Auch ein Sonnenstich (Überhitzung infolge direkter Sonneneinstrahlung auf den unbedeckten Kopf) ist gefährlich und erfordert immer ärztliche Hilfe!
  • Unterkühlte Personen insbesondere im Gebirge müssen gewärmt und gegen Wind- und Bodenkälte geschützt werden. Aktive und passive Bewegungen der Arme und Beine sollten so gering wie möglich gehalten werden. Bei Verdacht auf eine Erfrierung ist unbedingt ein erfahrener Arzt hinzuzuziehen!
  • Alkohol „wärmt“ vor allem deshalb, weil der Temperaturempfinden stört. Nach reichlich „Jager-Tee“ auf der Bergstation kann es anschließend bei einer langen Abfahrt ins Tal nich nur zu Unfällen, sondern auch zu Unterkühlung kommen.

Empfehlungen für alle Reisenden

  • Auch in moderaten Höhen sollten Belastungen geringer sein, als auf Meeresniveau. In der Regel sollte man sich auf 80-90% körperlicher Aktivität beschränken, die auf Meeresniveau möglich wäre.
  • Vor jedem Aufstieg für erhöhte Anforderungen Fitness trainieren.
  • Kein/e oder so wenig wie möglich: Zigaretten, Alkohol, psyochaktive Substanzen und Medikamente
  • Langsamer Anstieg in Stufen ab 2.500 m maximal 500 Höhenmeter pro Tag.
  • Die Schlafhöhe nur um 300 m pro Tag steigern.
  • Während des Trekking Alkohol- und Zigaretten-Konsum einstellen.
  • Für ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen.
  • Mehrere Nächte auf niedriger Schlafhöhe bleiben.
    Weiterer Anstieg erst nach Gewöhnung.
    Zurücksteigen auf eine niedrige Schlafhöhe
  • Rascher Abstieg zur Schlafhöhe bis 2.000 m pro Tag.

Vor Beginn der Reise kann für ein bis zwei Wochen drei bis vier Stunden täglich in einer Klimakammer ein Aufstieg simuliert werden. Dadurch läßt sich die Akklimatisierungszeit deutlich verkürzen, je nach Zielhöhe um Tage bis Wochen. Ob ein solcher Zeitaufwand sich allerdings lohnt oder nicht besser alternativ eine Woche mehr Akklimatisierung eingeplant werden sollte, hängt von den verfügbaren Finanzmitteln ab und natürlich vom Geschmack der Reisenden. Die Unfallrisiken sinken jedenfalls deutlich, wenn

  • viel Zeit zur Verfügung steht
  • der Genuss des Wanderns (der Flow) an Raum gewinnt
  • das Erreichen eines Ziels und Stress in den Hintergrund geraten.

Empfehlungen für Reisende mit Herz-Kreislauferkrankungen

  • Patienten mit schweren Herzklappenfehlern, instabiler Angina Pectoris, Stress- und Angststörungen, unkontrollierten Rhythmusstörungen, Myokardinfarkt vor zwei Wochen, nach Brustraumoperationen vor vier Wochen sollten Höhenaufenthalte vermeiden, oder nur nach ärztlicher Rücksprache in Erwägung ziehen. Das gilt auch für Patienten bei denen bereits eine Höhenkrankheit aufgetreten ist.
  • Patienten mit Koronaren Beschwerden in den vergangenen vierzehn Tagen sollten sich einem Belastungstest unter EKG-Kontrolle unterziehen.
  • Wenn bei guten Trainingszustand Höhenaufenthalte erwogen werden, sollte, gemäß der genannten allgemeinen Regeln, besonders vorsichtig und langsam vorgegangen werden. Ärztliche Versorgung und insbesondere Sauerstoff und Infusionen sollten erreichbar sein.
  • Patienten mit gut eingestellten Schrittmachern und bei gutem Trainingszustand sind in der Regel gegenüber gesunden Personen wenig eingeschränkt.

Text: RMZ

Foto:123RF

 

Fit bleiben in der Zeit des Wandels

Sanfte Medizin für die Wechseljahre

„Ich bin wegen jeder Kleinigkeit an die Decke gegangen oder habe einfach sofort losgeheult. Nachts konnte ich immer schlechter schlafen und vor allem meine plötzlichen Hitzewallungen waren mir schon sehr peinlich“, erzählt Claudia Berle (Name wurde von der Redaktion geändert) aus Seligenstadt. Mit ihrem Mann konnte und wollte die 45-jährige Bankangestellte nicht über ihre ungewohnten Symptome sprechen, aber als vor allem die Hitzewallungen tagsüber fast unerträglich wurden, vertraute sie sich ihrem Gynäkologen an.

Oft dauert es viel zu lange bis sich Frauen wie Frau Berle an ihren Gynäkologen wenden und offen über ihre Symptome sprechen“, berichtet der Hanauer Privatdozent und Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Dr. Wolfgang Behrendt, aus seinem Praxisalltag. „Die Zeit der Wechseljahre ist eine sehr individuelle Zeit des Wandels für die Frauen. Für die ärztliche Therapie bedarf es vor allem eines offenen Gespräches, dem natürlich eine intensive Anamnese vorausgehen muss, um dann auch individuell helfen zu können.“

Dr. Wolfgang Behrendt

Auch die Alzenauer Gesundheitsberaterin Gabi Zeller weiß um die Wichtigkeit des Gespräches mit ihren Klientinnen. „In der Zeit der Wechseljahre, also zwischen dem 45. und 60. Lebensjahr, findet nicht nur eine hormonelle Umstellung bei uns Frauen statt, sondern es kommen auch oft jahrelang verdrängte und tabuisierte Themen – wie Paarkonflikte, sexuelle Probleme, beruflicher Druck – an die Oberfläche und wollen gelöst werden.“

Zeit des Wechsels

Klimakterische Turbulenzen sind so individuell wie die Frauen selbst. Wer weiß schon, dass ein Drittel aller Frauen völlig beschwerdefrei ist, ein weiteres Drittel mäßige Probleme in den Wechseljahren hat und nur 30 Prozent aller Frauen unter stärkeren Beschwerden leiden? Wem ist bewusst, dass sich die hormonelle Umstellung meist über mehr als zehn bis 15 Jahre hinzieht und das Befinden auch ganz unterschiedliche Phasen durchläuft? Und wer weiß überhaupt, was genau im weiblichen Körper in der „Zeit des Wechsels“ geschieht?

Die Menopause ist grundsätzlich gekennzeichnet durch das Aufhören der Menstruation. Davon sind alle Frauen betroffen, die in die Wechseljahre kommen. Die Eierstöcke beginnen allmählich ihren regelmäßigen Rhythmus zu verändern. Sie bilden nicht mehr, wie vorher jeden Monat, befruchtungsfähige Eizellen, sondern der Eisprung verzögert sich und irgendwann bleibt er sogar völlig aus. Östrogen und Progesteron arbeiten nicht mehr nach Plan.

Die vegetativen Zentren reagieren darauf. Jetzt können Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schleimhautveränderungen, Herzrhythmus- und Schlafstörungen, Inkontinenz und nachlassende Knochendichte als Folge dieser Hormonumstellungen einsetzen. „Diese Symptome können sich einstellen, sie müssen es aber nicht zwangsläufig“, sagt der Hanauer Gynäkologe Behrendt. „Denn die Wechseljahre sind keine zwanghaft auftretende Krankheit, sondern sie sind eine Zeit, in der sich im weiblichen Körper und in der seelischen Verfassung der Frau ein langsamer Wechsel vollzieht, der individuell unterschiedlich erlebt wird.“

Sexuelle Probleme

 Wenn eine Patientin mit Wechseljahres-Symptomen in seine Sprechstunde kommt, dann steht bei Dr. Behrendt eine ausführliche körperliche Untersuchung ganz vorne an. „Dann bestimme ich meist auch den Hormonstatus und prüfe vor allem die Schilddrüsenfunktion. Denn die Symptome einer kranken Schilddrüse sind denen der Wechseljahres-Beschwerden sehr ähnlich.“

Mindestens so wichtig wie die Untersuchung ist für den Frauenarzt, der 22 Jahre klinische Erfahrung mitbringt, das Gespräch mit der Patientin. „Aus meiner täglichen Praxis kann ich sagen, dass zwei Drittel aller Frauen, die mittlere bis starke Probleme in der Menopause haben, von sexuellen Schwierigkeiten berichten. Hier hilft uns Medizinern die moderne Diagnostik überhaupt nicht weiter. Es gilt das Thema aus der Tabuzone zu holen und offen anzusprechen. Und natürlich muss die Patientin dann den `Wechsel´ in ihrem Leben auch wollen.“

Dass eine Veränderung des Lebensstils gerade in den Wechseljahren wichtig ist, da sind sich Frauenarzt und Gesundheitsberaterin völlig einig. Dies gilt vor allem auch für den Bereich Ernährung, Entgiftung und Bewegung. „In den Jahren vor dem Wechsel leben wir Frauen durch die vierwöchige Menstruation in einem fortwährenden Entgiftungsprozess“, erklärt Gabi Zeller. „Der verabschiedet sich beim Älterwerden ganz langsam. Deshalb müssen wir vermehrt zusätzlich entgiften, übrigens auch mental, und uns vor allem gesund ernähren.“

 Leinöl mit Quark

Das hat die ehemalige Krankenschwester, die 2005 ihre Ausbildung als ärztlich geprüfte Gesundheitsberaterin absolviert hat, auch der 52jährigen Yogalehrerin Vera Heilmann aus Neuberg ans Herz gelegt. Frau Heilmann hatte sie mit starken Hitzewallungen und Schlafstörungen aufgesucht. „Hausaufgabe“ nach der ersten Sitzung war eine Umstellung auf die so genannte „Öl-Eiweiß-Kost“, die die deutsche Ärztin Dr. Johanna Budwig schon in den 50er Jahren bekannt gemacht hat.

„Leinöl heißt das Zauberwort“, sagt Gabi Zeller, die sich auf Ernährung, Entgiftung und Krebsberatung spezialisiert hat. „Ich esse seit Jahren täglich mindestens ein bis zwei Portionen Magerquark mit drei Esslöffeln Leinöl und etwas Milch vermischt. Dazu gibt es Nüsse und frische oder getrocknete Früchte. In Leinöl sind Lignane enthalten, die in Form von Phytoöstrogenen wirken.“

Übrigens schwört auch der Gynäkologe Dr. Behrendt auf sein tägliches „Leinöl-Müsli“ als „Zellnahrung“ und Entgiftungsmittel. „Ich esse Leinöl seit Jahren in einer Quark-Mischung und rate auch meinen Patientinnen dazu, vor allem bei einer Krebsdiagnose. Und neben dem Leinöl gehört auch Bio-Joghurt und der so genannte `Brottrunk´ zu meinem täglichen Ernährungsplan. Alles zusammen wirkt entgiftend und ist nicht nur in der Menopause gut für die Gesundheit.“

Ihrer Klientin hat Gabi Zeller noch Nahrungsergänzungen in Form von Bitterstoffen wie Artischocke, Löwenzahn, Rote Beete Saft und Sauerkrautsaft empfohlen. „Ein wahres Wundermittel scheint mir auch die regelmäßige Einnahme von Yams, Rotklee und Cissus“, berichtet Vera Heilmann bei ihrer dritten Sitzung in den Alzenauer Therapieräumen der Beraterin. „Aber ich denke, dass die Kombination aus Ernährungsumstellung, den Nahrungsergänzungsmitteln und vor allem viel Bewegung – mein Yoga und tägliches Laufen – mir innerhalb von wenigen Wochen schon erste Erfolge gebracht hat. Zumindest ist das nächtliche Schwitzen schon wesentlich besser geworden.“

Zur weiteren Entgiftung empfiehlt Gabi Zeller auch häufige Basenbäder, als Fuß- oder Wannenbad, angereichert mit Natronpräparaten oder Salzen aus dem Toten Meer. „Ganz wichtig sind auch Einläufe“, ergänzt sie. „Sie gehörten vor Jahrzehnten zur Standard-Medizin. Heute sind Einläufe fast vergessen. Aber gerade in den Wechseljahren sind sie ein gutes Entgiftungsmittel.“

Glückshormone durch Sport

Tägliche Bewegung, wie Fahrradfahren, Walking oder Jogging, Entspannungsgymnastik, Yoga oder autogenes Training gehören in der Zeit des so genannten „hormonellen Sinkflugs“ auch zu den Empfehlungen, sowohl des Gynäkologen als auch der Gesundheitsberaterin. „Ein Wechsel sollte ganzheitlich stattfinden“, davon ist Dr. Behrendt überzeugt. „Und dazu gehört auch ein verändertes körperliches Programm. Sport ist gut, um die Muskeln und Gelenke zu stärken und im Gehirn werden Endorphine freigesetzt, so genannte `Glückshormone´.

Das hilft vor allem auch bei seelischen Verstimmungen, die mit einer Hormonumstellung einhergehen können.“ Der Arzt verweist hier auch auf ein weiteres Tabuthema, die Inkontinenz. „Viele Frauen in den Wechseljahren haben damit Probleme. Hier gibt es spezielle Beckenbodenübungen, die helfen können, die Muskulatur des Beckens zu verstärken.“

Die Einnahme von pflanzlichen Wirkstoffen ergänzt die Therapievorschläge. Viele ganzheitlich orientierte Ärzte empfehlen sie längst als Hormonersatztherapie. „Es gibt zahlreiche Pflanzen, die so genannte Phytoöstrogene produzieren. Das sind Stoffe mit östrogenartiger Wirkung. Solche Präparate, zum Beispiel aus Traubensilberkerzen-Extrakten (Cimifuga) empfehle ich vor allem Frauen, die eine Krebs-Vorgeschichte haben. Es gibt noch immer viele Kollegen, die solchen Frauen trotz allem Hormonpräparate verschreiben. Das halte ich für sehr gefährlich. Die pflanzlichen Mittel brauchen zwar länger bis sie ihre Wirkung entfalten, aber gerade für Krebspatientinnen sind sie eine sinnvolle Alternative zu Hormonen.“

Immer wieder aber verweist der Frauenarzt auf das Gespräch als Basis jeder Veränderung. „Manchmal rate ich einer Patientin auch zu einem Einzel- oder Gruppengespräch bei einer Wechseljahres-Beraterin. Gerade Gesprächsgruppen unter Frauen, in denen sie sich und ihre körperlichen und seelischen Veränderungen `spiegeln´ können, sind für viele zum Loslassen, Annehmen und Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, wichtig.“ In Holland werden Wechseljahres-Beraterinnen übrigens seit mehr als zehn Jahren ausgebildet. Diese Gespräche sind ein Standardangebot vieler Ärzte und Therapeutinnen und werden meist auch noch von den Krankenkassen bezahlt.

Selbstbewusst altern

Auch die moderne Anti-Aging-Medizin spielt eine große Rolle beim Thema Wechseljahre. Die Jugend- und Schönheitskultur macht es den Frauen beim Älterwerden wesentlich schwerer als den Männern. In manchen ostasiatischen Ländern oder etwa bei den Maya-Frauen in Lateinamerika gibt es nicht einmal den Ausdruck `Wechseljahre´. Das mag daran liegen, dass dort ältere Frauen eine viel höhere gesellschaftliche Anerkennung haben. Aber auch daran, dass die Frauen untereinander einen wesentlich aktiveren Austausch führen.

Dort, wo Frauen ihr Alter als eine Aufwertung in der Gesellschaft erfahren, wo sie beim Älterwerden immer höher angesehen sind und ihr Rat gefragt ist, spielen Wechseljahre eine weitaus kleinere Rolle als in unserer westlichen, jugendlich orientierten Kultur. Die Wechseljahre und der Umgang damit sind somit auch ein gesellschaftliches Thema – nämlich wie `Mann und Frau´ mit dem Älterwerden umgehen.

Hintergrund: Sanfte Behandlungen für die Wechseljahres-Symptome

Neben der jahrzehntelang verordneten Hormontherapie gibt es heute zahlreiche „sanfte“ Wege, die unterschiedlichen Symptome der Wechseljahre zu mildern. Dazu gehören vor allem auch pflanzliche Wirkstoffe: Cimifuga (Traubensilberkerze), Mönchspfeffer, Soja, Ginseng, Hopfen, Rotklee- und Yams-Präparate, Salbeitee (bei Schwitzen), homöopathische Stoffe wie Lachesis oder Pulsatilla. Viele Ärzte und Therapeuten raten auch zu Akupunktur oder dem so genannten Hormon-Yoga.

Literatur: „Weisheit der Wechseljahre“ von Christiane Northrup (Zabert Sandmann Verlag) oder „Frauen-Heil-Kunde“ von Margit und Ruediger Dahlke und Volker Zahn (Goldmann Verlag).

Weitere Informationen:

www.gfg.bv.de/kurse-beratung-kontakt.hmtl (Infos über Wechseljahres-Beraterinnen)

www.frauengesundheitszentren.de

www.aeggf.de

Text: Redaktion gesund-in-rheinmain

Foto: Medienbüro Andrea Thoma, Dr. Berendt privat,

Beitragsbild: 123RF

Imagefilm purfitness GmbH, Mainaschaff

Fit und Gesund: Wir treffen Schwimmlegende Michael Groß

Dr. Michael Groß im Interview mit Andrea Thoma

Im Profil …Dr. Michael Groß

 Er war DER deutsche Rekord-Schwimmer der 80er Jahre: Michael Groß. Genannt „Albatros“. Heute ist er selbstständiger Unternehmensberater in Frankfurt, Buchautor und Dozent an einer privaten Wirtschaftsuniversität. Begonnen hat seine legendäre Karriere mit 16 Jahren. Der Hausarzt hat seiner Mutter empfohlen, den Sohn wegen seines schnellen Wachstums zum Schwimmen zu schicken. Bald war Michael Groß 2,01 Meter lang und hatte eine Armspannweite von 2,13 Metern. Er machte als Schwimmer eine sensationelle Karriere: 21 Titelgewinne bei Olympischen Spielen, Welt-und Europameisterschaften. Davon drei Goldmedaillen, fünf Weltmeisterschaften, 13 Europameisterschaften, 12 Weltrekorde und 24 Europarekorde. Andrea Thoma traf den Weltrekordler zum Gespräch:

Andrea Thoma: Lieber Michael Groß, auf Ihrer Webseite steht ein wunderbarer Lebensspruch: `Nicht weil etwas schwer ist, wagen wir es nicht. Weil wir es nicht wagen, wird es schwer´. – Haben Sie alles gewagt im Leben?

 Michael Groß: Nein, ganz sicher nicht. Ich wollte zum Beispiel unbedingt einmal längere Zeit im Ausland leben, um andere Kulturen besser kennenzulernen. Ich wollte nach Amerika oder Australien. Als Student konnte ich das nicht machen, weil ich damals schon eigenes Geld durch den Sport verdient habe, und eine Scholarship (Stipendium) in den USA gab es leider nur für `mittellose´ Studenten. Und danach ging es weiter mit Universität, Wehrdienst, Familie und Firmengründung. Irgendwie hat es nie gepasst. Ich bin nun mal in Frankfurt verankert.

 Wenn man 21 Titelgewinne im Schwimmen nach Hause geholt hat, die ganze Welt den `Albatros´ kennt, zieht es Sie dann heute noch ins Schwimmbad?

 Dieses Jahr war ich überhaupt noch nicht schwimmen. Ich mache mit meiner Familie inzwischen einfach andere Sportarten, wie Wakeboarden, Snowboarden, Fahrradfahren. Außerdem habe ich einen Bootsführerschien. Die Prioritäten haben sich einfach im Laufe der Zeit verlagert.

 Was ist geblieben von der Weltkarriere in den 80er Jahren?

 Ich habe einfach eine ganz andere berufliche Laufbahn eingeschlagen. Mit dem damaligen Leben hat mein heutiges fast nichts mehr zu tun. Natürlich falle ich schon durch meine Größe immer noch auf. Aber die Jüngeren wissen mit dem `Albatros´ fast nichts mehr anzufangen.

 Eigentlich haben Sie Ihre Karriere ja Ihrem Hausarzt zu verdanken, der Ihrer Mutter riet, Sie zum Schwimmen zu schicken, weil Sie so schnell gewachsen sind….

 Ja, das hat der Arzt meiner Mutter sogar dringend angeraten. Denn die Muskeln sollten sich mit entwickeln und das geht im Wasser am besten. So wurde aus einem medizinischen Ratschlag eine Sportler-Karriere.

 Was ist die größte Kunst beim Schwimmen?

 Kraft und Technik in das Wasser zu bringen – das ist die Herausforderung für jeden Schwimmer.

 Sie sind 2,01 Meter lang. Diese Größe hat Ihnen den Zugang ins Cockpit verbaut, denn Sie wollten Pilot werden…

 MG: Ich bin kläglich an sechs Zentimetern gescheitert. Die Lufthansa hat mich nicht genommen, denn ich hätte in kein Cockpit einer kleineren Maschine gepasst. Und natürlich besteht bei großen Menschen auch die Gefahr eines Blackouts im Extremfall. Bei starken Beschleunigungen werden die Extremitäten und das Gehirn nicht mehr gut durchblutet. Das kann sich ein Pilot nicht leisten.

 Lassen Sie sich Ihre Kleidung maßanfertigen?

 Ja, mein Onkel und mein Cousin haben sich mit ihrer Spezial-Schneiderei Wermter auf maßgeschneiderte Konfektion für große Menschen spezialisiert. Sie haben tolle Schnitte und sehr schöne Stoffe. Also fahre ich öfter mal nach Essen, nicht weit von der Villa Hügel ist ihr Schneider-Unternehmen, und kleide mich dort ein. Das mache ich schon seit Jahrzehnten…

 Ihre sensationelle Sportlerkarriere haben Sie mit 26 Jahren beendet. Wenn man zurückblickt, dann hat man das Gefühl, Schwimmen war Ihr Hobby. Sie haben sich nicht so vermarkten lassen wie viele andere Sportler. War das so gewollt?

 Sie sagen es ganz richtig: Schwimmen war mein Hobby. Die schönste Nebensache der Welt. Ich hatte auch nur sehr kleine private Zeitfenster, also habe ich Vieles einfach abgelehnt. Heute ist der Sport Teil des Showbusiness. Ein großer PR-Aufmarsch. Da konnte man sich vor 20 oder 30 Jahren noch ganz gut raushalten.

 Nach Ihrer aktiven Zeit waren Sie auch als Funktionär im Vorstand des Deutschen Sportbundes. Sie sagen, Josef Neckermann, der erste und langjährige Vorstand, würde sich über die heutige Ausrichtung des Deutschen Sportbundes im Grabe herumdrehen. Warum?

 Weil dort seit vielen Jahren der Stillstand, die reine Verwaltung der Macht Einzug gehalten hat. Und das ist nicht mein Ding. Das war auch nicht Neckermanns´ Ding und schon gar nicht seine Vision von Sportförderung. Ich bin auch kein Machtmensch. Mir geht es um Inhalte. Dort wurden und werden Claims abgesteckt. Es gibt keine Visionen mehr, keine Agenda. Deshalb habe ich 2005, nach fünf Jahren im Vorstand, den Job auch niedergelegt.

 Nochmal zurück zu den Schwimmanfängen. Sie sind ja sozusagen auf Feindesland geschwommen. In Offenbach…

 Damals gab es rund um Frankfurt nur zwei gute Schwimmclubs, einer in Darmstadt und einer in Offenbach. Letzterer war einfach näher. Die S-Bahn hat an der Stadtgrenze von Offenbach gehalten und ich musste lange laufen, um das Schwimmbad zu erreichen. Die alte Fehde zwischen den beiden Städten ist eher belustigend, die habe ich nie ernst genommen. Darüber habe ich oft mit Petra Roth, der früheren Frankfurter Oberbürgermeisterin Witze gemacht.

 Sie haben inzwischen zwei Bücher geschrieben. Eines davon heißt: `Selbstcoaching´. Darin schreiben Sie, man solle für die Karriere ein Glückstagebuch führen. Wozu soll das gut sein?

 Um die Schlangenlinien im Leben aufzuzeichnen. Um die positiven Momente des Alltags später zu memorieren. Denn genau diese Kleinigkeiten gehen uns im Rückblick oft verloren. Aber sie sind Teil unseres Lebens und unseres Glücks. Diese Aufzeichnungen zeigen, wenn man sie später liest, die Schritte nach vorn, die zurück, und die zur Seite. Das ist im Rückblick oft sehr spannend.

 Und seine Erfolge solle man in einen so genannten Motivkompass eintragen…

 Das sind die Motive, die unser Leben wirklich bewegen. Kein festes Programm, aber das, was uns ausmacht. Manchmal, zum Beispiel bei wichtigen Entscheidungen, lohnt es sich, diese Motive mit einzubeziehen.

 Wie coachen Sie sich selbst? Woran denken Sie, wenn Sie morgens aufstehen?

 Ich führe auch ein solches Glückstagebuch und auch einen Motivkompass. Alles wird täglich und händisch eingetragen. Übrigens bin ich grundsätzlich ein sehr haptischer Mensch. Ich schreibe und strukturiere auch meine Bücher, Vorträge und auch wichtige Aufträge in meinem Unternehmen erst auf einem weißen Blatt Papier, dann erst übertrage ich sie in den Computer. Mein Selbst-Coaching besteht vor allem darin, dass ich meine Grenzen als Gestalter kenne und nach diesen mein Leben eingerichtet habe. Nicht statisch, aber in den wichtigen Eckpunkten. Ich gehe mit meinen Zweifeln, auch mit Trauer und Niederlagen, möglichst offen um. Am liebsten präsentiere ich meine Ansichten oder Pläne einem kleinen Kreis von engen Freunden. Das motiviert mich dann immer wieder neu.

Dr. Michael Groß ist am 17. Juni 1964 in Frankfurt geboren. Seine Schwimmkarriere begann er mit 16 Jahren, weil ein Arzt seiner Mutter anriet, ihn wegen seines schnellen Wachstums zum Schwimm-Unterricht anzumelden. Er belegte schon nach wenigen Monaten Training den zweiten Platz bei den Deutschen Meisterschaften in München über 100 Meter Schmetterling, im Jahr 1980. Groß trainierte von Anfang an beim Offenbacher Schwimmclub.

Schnell legte er in den 80er Jahren eine Weltkarriere hin. Er gewann insgesamt dreimal Gold bei Olympischen Spielen, wurde fünfmal Weltmeister, dreizehn Mal Europameister, er stellte 12 Weltrekorde und 24 Europarekorde auf. Seinen Spitznamen „Albatros“ erhielt der Schwimmer von den französischen Medien, aufgrund seiner Armspannweite von 2,13 Metern.

Groß machte parallel zur Schwimmkarriere sein Abitur, studierte Philologie und Medienwissenschaften, machte seinen Dr. phil. und schloss daran eine journalistische Ausbildung an.

Heute ist er Geschäftsführer der Frankfurter Kommunikationsagentur Groß & Cie GmbH und arbeitet als selbstständiger Berater, Hochschuldozent und Buchautor  („Siegen kann jeder“ und „Selbstcoaching“).

Mehr zu Michael Groß finden Sie hier: https://www.michael-gross.net/

Michael Groß, Autorin: Andrea Thoma, © Fotos: Michael Groß, privat und ATH Medien

„Man wird nicht über Nacht zu einem guten Therapeuten…“

Bernd Krammig  Heilpraktiker und Physiotherapeut aus Hainburg

Mit langsamen, konzentrierten Bewegungen hebt Bernd Krammig beide Hände vor das Gesicht. Dann senkt er die Arme in Richtung Boden. „Mit diesen sanften Übungen stärke ich meine Magen-Milz-Energie, die in der Chinesischen Medizin beide mit dem Erd-Element verbunden sind.“ Zum Abschluss seines morgendlichen Rituals streckt der Hainburger Heilpraktiker und Physiotherapeut beide Arme wieder in Richtung Himmel. „So verbinde ich die Gegensätze. Oben und unten. Himmel und Erde. Yin und Yang.“

Bernd Krammigs´ Tag beginnt morgens um sechs Uhr mit Meditation und asiatischen Bewegungsübungen. „Vorher gibt es ein Glas warmes Wasser und die Arme werden mit einer festen Bürste `wach gebürstet´. Das fördert die Durchblutung“, sagt er. Thai Chi und Chi Gong sind für ihn ein wichtiges Lebenselixier. Jeden morgen steht er dafür eine Stunde früher auf. „Das mache ich an 364 Tagen im Jahr.“ Dann geht er in seinen herrlichen ZEN-Garten oder in den Meditationsraum seines Hauses und sucht die Stille.

Schon als er vor mehr als 30 Jahren mit seiner Familie in Asien Urlaub verbracht hat, begeisterte ihn das frühmorgendliche ruhige Schauspiel in Hongkongs Victoria Park. „Dort sahen wir täglich hunderte von Menschen, junge und auch ganz alte, in den Parks oder zwischen den Wolkenkratzern stehen. Sie waren in völliger Ruhe und machten langsame, gleichmäßige Bewegungen. Das hat mich tief berührt.“

Power-Sport nimmt Energie

Bernd Krammig hat in jungen Jahren viel Kampfsport gemacht. In den 70er Jahren war er Betreuer der Judo-Nationalmannschaft und Mitglied des Olympiakaders. Mit zunehmendem Alter hat er für sich erkannt, dass Sport, der auspowert, „einfach zu viel Energie nimmt“. So hat er nach einem körperlichen Ausgleich gesucht, der ihm Energie zuführt. „Meine Reisen nach Asien waren Anlass zum Umdenken in Sachen Sport, sie waren Inspiration für mein ganzheitliches Denken und für meine Arbeit als Heilpraktiker und Physiotherapeut.“

So kombinierte er in seiner Praxis, die er inzwischen an seine Nachfolger in der Familie übergeben hat, Chinesische, Tibetische und Ayurvedische Heilkunde, Naturheilkunde, Chiropraktik, Osteopathie und Physiotherapie. „Man wird nicht über Nacht zu einem guten Arzt oder Therapeuten.

Es gehört viel Erfahrung, auch die Erfahrung mit eigenen Krankheiten und letztendlich lebenslanges Lernen dazu“. Seine Vorträge über den „Hainburger Schwengel“ sind auch über Hainburgs Ortsgrenzen hinaus bekannt geworden. „Der Begriff `Hainburger Schwengel´ klingt ein wenig zweideutig, ich weiß das“, lacht Bernd Krammig. „Er ist mir im Traum eingefallen, als ich nach einem Wort für eine osteopatische Manipulation des Beckens gesucht habe. Mit diesem `Schwengel-Griff´ therapiere ich vor allem so genannte XL-Patienten, die Probleme mit dem Becken haben.“

Noch immer referiert Krammig genauso fundiert über das analoge Denken der Chinesischen Medizin wie über die Wurzeln der Alchimistischen Heilkunde, wie sie Jahrtausende auf dem europäischen Kontinent praktiziert wurde. „Meine Arbeit war vor allem auch ein Ansatz zum Nachdenken für den Patienten. Kein Unfall, keine Krankheit kommen zufällig. Das ist auch meine eigene Erfahrung. Im Kosmos gibt es einfach keine Zufälle. Wenn ich selbst mal ein gesundheitliches Problem habe – und das passiert vor allem wenn ich mal wieder zuviel Süßes esse – dann falle ich aus der Balance. Ich habe Schmerzen und es geht mir dann auch psychisch schlecht. Ich habe natürlich im Laufe der Jahre meine eigene Therapie entwickelt. Wichtig ist, dass man wieder in einen Rhythmus, in die Balance kommt.“

Zurück zu den morgendlichen Ritualen im Hause Krammig. Nach einer eiskalten Dusche frühstückt Bernd Krammig ausgiebig mit Ehefrau Ingrid, „und meist schleichen sich auch unsere Enkel zum Frühstück oder Mittagessen bei uns ein“, erzählt er. „Morgens gibt es eine Riesenkanne grünen Tee, viel Obst, Schafsjoghurt mit Bananen und Melasse. Damit bin ich fit bis zum Mittagessen.“

Süßigkeiten sind eine Verführung

Familie Krammig – Ehefrau Ingrid Krammig arbeitete viele Jahrzehnte als Therapeutin in der gemeinsamen Praxis und auch die beiden erwachsenen Kinder Timo und Vera sind in die elterlichen Fußstapfen getreten – lebt sehr gesundheitsbewußt. „Wenn meine Frau nicht gerade Kartoffelpfannkuchen mit Apfelmus oder einen Sonntagskuchen backt“, lacht Bernd Krammig.

Beim Einzug in ihr Haus haben sie sich als erstes eine Wasserfilteranlage in ihre Küche einbauen lassen. „Denn gutes Wasser ist die Basis einer guten Gesundheit“. Beim Essen ist Frisches aus der heimischen Umgebung und Bio-Kost angesagt. Beide genießen auch gerne mal „ein gutes Stück Fleisch oder einen Fisch“, den sie oft gemeinsam auf dem Seligenstädter, Hanauer oder Offenbacher Wochenmarkt besorgen. „Je nach Lust und Laune“.

Bernd Krammig sitzt auch gerne auf dem Fahrrad und genießt die herrlichen Strecken entlang des Mains. Zweimal in der Woche steht ein Saunabesuch auf dem Terminkalender. „Die beste Entgiftung überhaupt!“ Und besonders gerne geht er mit Freunden zum Wandern. „Wir fahren seit vielen Jahren im Herbst ins Salzburger Land. Auf 1000 Metern Höhe genieße ich vor allem die saubere Luft. Sie ist, wie das gesunde Wasser, ein Basiselement des Lebens.“

Zweimal im Jahr versuchen die Krammigs auch einen Kurzurlaub an der Nordsee einzuplanen. Täglich laufen sie dann bis zu 15 Kilometer am Meer entlang. „Abends gehen wir Fischessen und liegen meist schon um 9 Uhr im Bett. Das ist pure Erholung für mich“.

Aber, Bernd Krammig hat noch ein Hobby, das auf den ersten Blick so gar nicht zu seinem sehr asiatisch geprägten Weltbild passt: Er ist ein „völlig verrückter Fassenachter“, so sagt er über sich selbst. „Ich war sogar schon Fastnachtsprinz hier in Klein-Krotzenburg. Weiß der Himmel was mich da getrieben hat!“ Und dass er in der so genannten `Prinzengasse´ wohnt, das ist doch auch kein Zufall. Damit wären wir am Schluss doch wieder beim ganzheitlichen Weltbild des Hainburgers. „Es gibt keine Zufälle in diesem Kosmos“, so hat er uns zu Anfang unseres Besuches erzählt.

Bernd Krammig: © Autorin: ATH, © Fotos: ATH Medien