Bio Wetter aktuell: Im Februar: Was tun bei Frostbeulen?

Aktuell Monat Februar: Dr. Günter Gerhardt und die Dipl. Met. Inge Niedek haben gemeinsam viele Jahre das Biowetter im ZDF („Volle Kanne“) erfolgreich moderiert. Gesund-in-rheinmain.de hat die beiden Fernseh-Profis für einen monatlichen Biowetter-Tipp gewinnen können!

Foto: Niedek privat

Wussten Sie eigentlich, dass Wetterfühligkeit eine Volkskrankheit ist? Jeder dritte Deutsche, dass bestätigen aktuelle Umfragen, bezeichnet sich selbst als wetterempfindlich. Vor allem jetzt, in der kalten und dunklen Jahreszeit. Wir haben darüber mit Dr. Günter Gerhardt, dem bekannten TV-Arzt und Dipl. met. Inge Niedek exklusiv gesprochen.

Reagiert auch Ihre Psyche und Physis heftig, sobald der Wetterdienst ein Tief ankündigt, der Wind draußen auffrischt oder, wie im Süden Deutschlands, der Föhn seine ersten Wolken am Himmel vorbeischickt?

Das Biowetter und seine Auswirkungen auf den Menschen ist inzwischen sogar ein etablierter Bereich der Medizin. Dabei sind die Lichtverhältnisse oder die Temperaturschwankungen nicht die einzigen Biowettereckpunkte. Da gibt es Veränderungen bei den Windstärken, bei der Luftfeuchtigkeit, bei Gewitter oder Luftdruck, die unsere Gesundheit beeinflussen können. Voraussagen für Wetterfühlige finden Sie übrigens im Internet unter Deutscher Wetterdienst: www.dwd.de/biowetter.

Immunsystem stärken

Sorgen Sie bei diesen wechselhaften winterlichen Temperaturen vor allem für ein stabiles Immunsystem. Hierfür habe ich Ihnen meine 8-Anti-Frostbeulen-Tipps, die grundsätzlich die Abwehr stärken, in einem Infokästchen zusammengefasst.

Aber in der Kälte entstehen auch schnell mal ganz andere Gesundheitsprobleme. Wie zum Beispiel Frostbeulen. Dabei handelt es sich um eine Entzündung der Haut, die sich durch bläuliche Flecken und knotige Schwellungen zeigt. Wenn man im Warmen ist, beginnen diese zu jucken und häufig auch schmerzhaft zu brennen. Am häufigsten kommen sie an den Fingern, an den Unterschenkeln und den Innenseiten der Knie vor.

Was tun?

Zieht kaltes und feuchtes Wetter draußen auf, dann holen Sie dicke Handschuhe, Schals, warme Strümpfe, auch mal lange Unterhosen (!), wärmende Schuheinlagen, Mützen oder Ohrwärmer aus dem Schrank und packen Sie sich damit warm ein. Vor allem wenn Ihr Immun- und Abwehrsystem nicht gut trainiert ist.

Mein Doc-Tipp! Greifen Sie gerade in diesen kalten Tagen auf die altbewährten Kneippschen Güsse zurück. Und so geht´s: morgens beim Duschen erst heißes und dann kaltes Wasser über den Körper laufen lassen. Immer von den Beinen zum Herzen hin. Das härtet Sie gegen – fast – alle Wetterkapriolen bestens ab.

Manchen meiner Patienten, die für Frostbeulen anfällig sind, empfehle ich in dieser Jahreszeit auch mal das Tragen von Stützstrümpfen, da sie die Durchblutung fördern. Diese Strümpfe und Strumpfhosen können Sie im Kaufhaus oder im Drogeriemarkt kaufen. Oftmals

verschreibt sie auch der Hausarzt oder ein Venenspezialist. Vor allem dann, wenn Sie zusätzlich auch noch Venenprobleme haben. Fragen Sie Ihren Arzt danach!

Medikamente wie Nifedipin sollten nur zum Einsatz kommen, wenn schwere Frostbeulen vorliegen. Dieses Medikament aus der Gruppe der Kalziumantagonisten bewirkt eine Erweiterung der glatten Gefäßmuskulatur, wodurch – und das ist wichtig zu wissen – der Blutdruck abgesenkt wird. Wenn Sie also zusätzlich Blutdruckprobleme haben, dann muss Ihr Arzt den Einsatz dieses Medikamentes mit Ihnen vorher gut abwägen.

Erste Hilfe-Maßnahmen

Normalerweise heilen Frostbeulen von selbst wieder ab. Der Heilungsprozess kann aber bis zu drei Wochen dauern. Kratzen Sie in dieser Zeit bitte nicht an den Hautveränderungen. Nutzen Sie notfalls ein Antihistaminikum. Es gibt in der Apotheke Gels, wie Fenistil oder Tavegil zu kaufen. Das Jucken wird dadurch gelindert.

Halten Sie die betroffenen Stellen immer gut warm und behelfen Sie sich auch mit alten Hausmitteln. Zum Beispiel:

  • Nehmen Sie öfters warme Wannenbäder.
  • Schneiden Sie zwei Zwiebeln klein, überbrühen Sie sie mit 1-2 Liter heißem Wasser und lassen Sie das Gemisch wieder abkühlen. Baden Sie dann die betroffenen Körperteile in diesem Sud. Geben Sie ihn hierfür in eine Schüssel oder in eine kleine Wanne.
  • Gut geeignet ist auch ein Brei aus Wasser und Heilerde. Mischen Sie nach Angaben der Packungsbeilagen und tragen Sie die Mischung auf die Frostbeulen auf. Heilerde können Sie übrigens in der Apotheke, in der Drogerie oder im Supermarkt kaufen.

 

  • Haben sich die Beulen aber entzündet oder sind sogar vereitert, dann gehen Sie bitte zum Arzt. Denn dann helfen die genannten Hausmittel und Medikamente nicht mehr. Die betroffene Stelle muss vom Arzt medizinisch versorgt werden. Im Allgemeinen heilen die Wunden dann aber schnell ab.

Meine 8-Anti-Frostbeulen-Tipps für den Februar:

  • Machen Sie Wechselduschen nach Pfarrer Kneipp zur Abhärtung.
  • Kaufen Sie sich eine Körperbürste aus Naturmaterialien und bürsten Sie damit morgens Ihren ganzen Körper gut ab.
  • Tragen Sie im Winter dicke Wollstrümpfe, gefütterte Winterschuhe und Wollhandschuhe, nicht nur wenn Sie zu Frostbeulen oder Unterkühlung neigen.
  • Vermeiden Sie bei der Hausarbeit den Kontakt mit zu viel kaltem Wasser.
  • Tragen Sie zur Förderung der Durchblutung leichte Stütz- oder Kompressionsstrümpfe.
  • Machen Sie täglich mindestens 10 Minuten Gymnastik. Morgens und abends.
  • Verzichten Sie auf Alkohol, wenn Sie sich in der Kälte aufhalten. Er stört die körpereigene Wärmeregulation der Gefäße ganz erheblich, so dass man sich durch Alkoholgenuss sogar schneller Erfrierungen holen kann.

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Gesund und vital trotz Licht- und Wetterstress. So heißt die Devise für Januar und Februar. Der Lichtblick: Es wird, wenn auch ganz langsam, jetzt draußen wieder heller. Gut für unsere Psyche.

Wie das winterliche Wetter in den nächsten Wochen aussehen könnte und wie wir damit am besten umgehen, zu diesem Biowetterdialog haben wir wieder Dr. Günter Gerhardt und seine Kollegin Inge Niedek, mit der er viele Jahre lang im ZDF das Biowetter moderiert hat, getroffen.

Dr. Gerhardt: Haben wir den Winter schon hinter uns, liebe Inge Niedek?

 Inge Niedek: Nein. Ganz und gar nicht. Immerhin zählen die beiden kommenden Monate, statistisch gesehen, tatsächlich zu den kältesten des Jahres. Dabei fallen die besonders kalten Tage häufig auf Ende Januar und Anfang Februar.

Für Meteorologen fängt der Winter am 1. Dezember an und hört Ende Februar auf. Die Sonne steht in dieser Zeit dann relativ niedrig am Horizont. Die Sonnenstrahlen treffen nur in einem kleinen Winkel auf die Erde. Deshalb wird es spät hell und früh wieder dunkel. Kein Wunder, dass sich viele Menschen dann lieber zuhause verkriechen.

In dieser Zeit kommen besonders häufig Patienten mit Schlafstörungen in meine Praxis. Das hängt mit dem erwähnten natürlichen Zeitgeber, dem Tageslicht, das uns jetzt fehlt, eng zusammen. Wir halten uns gerade in der kalten Jahreszeit besonders häufig in Räumen mit viel Kunstlicht auf.

 In der Folge des fehlenden Lichts bleibt der Blutspiegel des Schlafhormons Melatonin auch tagsüber erhöht. Wir sind dauernd müde, abends aber nicht müde genug, um durchschlafen zu können.

 Hilfreich ist jetzt in jedem Fall ein täglicher Spaziergang an der frischen Luft. Sowohl durch Bewegung als auch durch Tageslicht wird das Wohlfühlhormon Serotonin gebildet, welches das Melatonin verdrängt und damit wird ein guter Schlaf gefördert.

 Im Januar macht es sich positiv bemerkbar, dass die Tage langsam wieder länger werden, denn die Sonne steht jetzt bereits rund 3,5 Grad höher über dem Horizont als zur Wintersonnenwende im Dezember.

Doch ihre Kraft reicht noch nicht aus, die Luft spürbar zu erwärmen. Nur kräftige Tiefdruckgebiete, oftmals mit viel Wind, sind in der Lage dazu, die Luft deutlich zu erwärmen. – Eine solche Wetterlage macht aber sicher dem Körper Stress, lieber Doc?

 In jedem Fall. In dieser Jahreszeit kommt es besonders häufig zu Erkältungen. Bei einem Husten empfehle ich jetzt einen Spaziergang in der feuchten Luft. Sie sollte aber dabei nicht zu kalt sein. Bei feuchter Luft, die in unseren Räumen im Winter fehlt, werden die Bronchien gereinigt und letzte Hustenreste beseitigt.

 Eine sinnvolle Präventivmaßnahme für den Körper ist vor allem das Training der Atmung. Trainieren Sie besonders das Ausatmen, damit für die „neue“, sauerstoffreiche Luft genug Platz in der Lunge ist und dieser Sauerstoff dann auch ins Blut geht.

Mein Alltagsentspannungstipp: Tief ein- und in aller Ruhe wieder ausatmen. Wiederholen Sie das mindestens sechs- bis achtmal am Tag.

Wenn der Januar vorbei ist, dann liegt nur noch der Februar als Wintermonat vor uns, aber der ist schon begleitet von der Hoffnung auf den Frühling. In 50 Grad nördlicher Breite – Deutschland liegt etwa zwischen dem 47. und 56. Breitengrad – ist es immerhin im Februar schon rund eineinhalb Stunden länger hell als am kürzesten Tag im Dezember, zum astronomischen Winteranfang um den 20./21. Dezember.

Trotz des „gefühlten Frühlings“ bitte den wärmenden Schal bei Spaziergängen nicht vergessen. Bei Halsentzündungen rate ich Ihnen, den Schal besser wegzulassen, da die Schleimhautschwellung durch die Wärme noch zunimmt. Weitaus besser sind dann kühlende Umschläge.

Gegen den begleitenden Schnupfen helfen Inhalationen mit Wasserdampf. Kommen dann noch Ohrenschmerzen dazu, sollten Sie abschwellenden Nasentropfen auf Meerwasserbasis parat haben, damit der Verbindungsgang zwischen Nase und Ohr frei bleibt. Diese bekommen Sie in der Apotheke oder im Drogeriemarkt.

Ab acht Grad lässt übrigens die Talgproduktion der Haut nach. Sie trocknet aus. Schad- und Reizstoffe können dann schneller eindringen. Wir müssen also gerade im Winter der Haut Flüssigkeit zurückgeben.

 Jetzt bitte keine Feuchtigkeitscreme im Freien benutzen. Das darin enthaltene Wasser kann zu Erfrierungen führen. Fetthaltige Cremes sind angesagt. Am Tag Ihre fetthaltigere Nachtcreme verwenden und Ihre Tagescreme in der Nacht.

Mein 6-Tage-Wohlfühl- und Abhärtungsprogramm für Wetterkapriolen am Jahresanfang:

 

  • Mehr Vollkornprodukte, Obst und Gemüse essen.
  • Mindestens drei Mal wöchentlich einen 30-minütigen strammen Spaziergang machen.
  • Einmal in der Woche in die Sauna gehen.
  • Den Tag mit Wechselduschen beginnen. Zuerst warm abduschen und dann von den Füßen zum Herzen hin kalt duschen.
  • Einmal täglich bewusst entspannen. Dazu gehört auch ein kurzer Nachmittagsschlaf. Oder machen Sie meine gerade erwähnte Atemübung.
  • Sorgen Sie für gute Stimmung, dann steigt der Serotoninspiegel im Gehirn. Serotonin ist unser Wohlfühlhormon. Treffen Sie sich mit Freunden, gehen Sie mal wieder zum Tanzen, machen Sie Gesellschaftsspiele oder einen Kinoabend mit lieben Menschen. 

 

 

 

Text ©:ATH Medien, Dr. Günter Gerhardt, Dipl. met. Inge Niedek.

Foto: © Inge Niedek, privat

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