„Hundstage“ können unseren Kreislauf extem belasten!

Aktuell Monat August: Dr. Günter Gerhardt und die Dipl. Met. Inge Niedek haben gemeinsam viele Jahre das Biowetter im ZDF („Volle Kanne“) erfolgreich moderiert. Gesund-in-rheinmain.de hat die beiden Fernseh-Profis für einen monatlichen Biowetter-Tipp gewinnen können!

 

Peter und Heidi in der Obstplantage

Foto: © Inge Niedek, privat

Hochsommer: „Hundstage“ können unseren Kreislauf extem belasten!

August ist der letzte Sommermonat. In diesem Jahr kommt es uns so vor, als hätten wir den gesamten Sommer schon hinter uns, weil es schon im Juni und Juli so heiß war. Um so gespannter darf man auf den August sein, der sicher auch noch warme bis heiße Phasen für uns bereit hält. Die Hitze verlangt unserem Kreislauf einiges ab, und auch die Haut braucht besonders viel Aufmerksamkeit.

Dr. Günter Gerhardt: „Vielen Menschen wird es bei großer Hitze schnell schwindelig oder übel. Der Grund: Die Blutgefäße werden bei Hitze vom Körper „weit gestellt“, das heißt, es kommt zu einer schlechteren Durchblutung des Gehirns, insbesondere wenn man zu lange steht.

Beine überkreuzen entlastet den Kreislauf

Wer trotzdem lange Stehen muss, der sollte jetzt im Sommer immer mal die Beine überkreuzen. Durch die innere Anspannung der Bein- und auch der Bauchmuskulatur steigt der Blutdruck. Außerdem werden die Beinvenen zusammengedrückt, sodass mehr Blut zum Herzen zurückfließen kann.

Oft kommt es bei der schwülen Augusthitze auch in hiesigen Gefilden zu Magen- und Darm-Problemen. Ich würde Ihnen empfehlen, jetzt häufiger mal statt Kaffee Tee zu trinken. Es gibt fertige Magenteemischungen in der Apotheke oder im Supermarkt (Kaufen Sie am besten Bio-Teesorten.) oder brühen Sie sich einen Beutel Grüntee (2-5 Minuten ziehen lassen), Kamillentee oder Kümmeltee auf.

Wer mit dem Magen und/oder dem Darm jetzt Probleme hat, dem hilft auch leichtere Kost, wie: Bananen (mit der Gabel zerdrücken und langsam essen), gedünstetes Gemüse, altbackenes Brot oder Toast mit wenig Butter, Äpfel (gerieben) oder gekochte Karotten. Benutzen Sie wenig Gewürze, denn auch diese können den Magen belasten.“

Fett und Sonne lassen die Haut häufig jucken

Ein weiteres Hochsommer-Thema ist unsere Haut. Vor dem Urlaub (zu Hause oder unterwegs) hatte sie oftmals nur wenig Zeit, sich an die heiße Sonne zu gewöhnen. Wird sie, gut eingecremt, dann plötzlich starkem UV-Licht ausgesetzt, entwickelt sie schnell mal eine sogenannte Mallorca-Akne. Das sind kleine rote Pusteln, die heftig jucken können.

Sie entstehen, weil die Sonnenstrahlen mit den Fetten der Haut und der zusätzlichen Sonnencreme reagieren.

Dr. Günter Gerhardt: „Gehen Sie in jedem Fall direkt aus der Sonne, wenn Sie die Mallorca-Akne „heimsucht“. Benutzen Sie Lotionen auf Wasserbasis, Duschmittel ohne Fett- und Duftstoffe und besorgen Sie sich eine Antihistaminikum-Salbe aus der Apotheke, die den Juckreiz mildert, wie Systral oder Tavegil.“

Dipl. met. Inge Niedek: Deutschland wird immer wärmer – die bisher höchste je gemessene Temperatur bei uns lag seit 2015, bei 40,3 Grad Celsius. Aber in diesem Jahr wurde alles auf den Kopf gestellt und zwar gleich um mehr als 2 Grad! Der 25. Juli – ein geschichtsträchtiger Tag für die Wetterhistorie: mit 42,6 Grad gab es einen neuen Allzeitrekord in Lingen. Das heißt – noch niemals war es, seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen 1881, so warm in Deutschland. Außerdem bemerkenswert: 22 Wetterstationen meldeten (so der Deutsche Wetterdienst) an diesem Tag 40 Grad Celsius und mehr.

Sobald die Marke von 30 Grad überschritten wird, heißt es „herunterschalten“, denn die Hitze belastet die menschliche Gesundheit stark und kann außerdem die körperliche und geistige Leistungshäfigkeit beeinträchtigen. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie an solchen Hitzetagen alles etwas langsamer angehen.

Der Zeitraum von Mitte Juli bis Mitte August wird auch als Hundstage bezeichnet. Vor 2000 Jahren beschrieben die Griechen damit die heißeste Zeit des Jahres. Denn der Stern Sirius ist während dieser Zeit als heller Stern im Sternbild „Großer Hund“ am Himmel zu sehen. In diesem Zeitraum geht er zusammen mit der Sonne auf. Sirius ist abgeleitet von „seiros“, was so viel wie „heißbrennend“ bedeutet. Mittlerweile ist der Zeitpunkt, aufgrund astronomischer Gegebenheiten allerdings in Deutschland etwa auf den 25. August, also schon eher Richtung Herbst, gewandert. Aber der Blick zum Himmel lohnt sich auch um diese Zeit.

Aktuell erwartet uns folgende Wetterlage: Der August startet noch relativ warm mit Temperaturen zwischen 23 und 28 Grad, anfangs auch noch mit Gewittern. Aber eine weitere Hitzewelle ist, nach dem heutigen Stand Ende Juli, glücklicherweise nicht in Sicht. Die erste – volle – Augustwoche dürfte dann insgesamt sogar kühler und wechselhafter werden, das heißt, es kann häufiger mal etwas regnen, zwischendrin scheint aber auch die Sonne. Die Tagestemperaturen liegen deutlich unter 30 Grad, teilweise sogar unter 25 und die Nächte sind mit 11 bis 16 Grad wieder sehr angenehm zum Schlafen.

Und noch ein exklusiver Tipp unserer beiden TV-Biowetter-Experten für die Leser von gesund-in-rheinmain:

Als App, insbesondere für alle seriösen Wetterwarnungen – 24 Stunden am Tag – die DWD Warnwetter-App. Diese Hinweise findet man auch im Internet unter: https://www.dwd.de/DE/wetter/warnungen/warnWetter_node.html

 Text ©:ATH Medien, Dr. Günter Gerhardt, Dipl. met. Inge Niedek.

Foto: © Inge Niedek, privat

Bilde: Copyright:123RF.com

 

 

Deutscher Wetterdienst: Klimawandel bringt Dürre auch bei uns

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach hat eine neue Langfristvorhersage entwickelt, die Landwirten bis zu sechs Wochen im Voraus die Bodenfeuchte vorhersagt und über potentielle Dürregefahren informiert. „Ich bin optimistisch, dass die Landwirte mit unseren neuen Dürreprognosen künftig Ertragsausfälle, wie wir sie im Jahr 2018 erleben mussten, zumindest vermindern können“, erklärt Prof. Dr. Paul Becker, DWD-Vizepräsident, bei der jährlichen Klima-Pressekonferenz des nationalen Wetterdienstes.

Im vergangenen Jahr fielen in Deutschland nur rund 60 Prozent der sonst hier üblichen Niederschläge. Vor allem die Monate April bis November waren außergewöhnlich trocken. Die Folgen seien, so der DWD, vor allem für die Land- und Forstwirtschaft dramatisch gewesen: Es herrschte Dürre in großen Teilen Deutschlands, in vielen Regionen verdorrte das Gras auf den Weiden, bei Getreide und Feldfrüchten kam es zu erheblichen Ernteausfällen und damit auch wirtschaftlichen Schäden, bundesweit traten Wald- und Feldbrände auf.

Die außergewöhnliche Trockenheit im Jahr 2018 werde aber kein Einzelereignis bleiben. Becker: „Die Klimaforschung ist sich einig: Solche Wetterextreme werden mit dem Klimawandel immer wahrscheinlicher. Wir müssen künftig häufiger, wenn nicht gar in regelmäßigen Abständen, mit Dürre in Deutschland rechnen“. Die Nutzung langfristiger Vorhersagen von Trockenperioden werde damit immer wichtiger und sei eine notwendige Anpassung an den Klimawandel.

Grundlage der neuen DWD-Dürreprognosen sind Vorhersagen der Bodenfeuchte. Die Bodenfeuchte beschreibt, wieviel Wasser im Boden gespeichert ist. So kann es im Sommer wochenlang nicht geregnet haben und trotzdem verfügen die Pflanzen durch die gespeicherte Bodenfeuchte aus Niederschlägen des Winters und Frühlings über genug Wasser für ihr Wachstum.

Der Boden wirkt als Puffer, kann Pflanzen auch mal über längere Trockenzeiten hinweghelfen. Die Bodenfeuchte ist eine sich nur langsam verändernde Speichergröße. Genau diese Eigenschaft wird bei der Berechnung langfristiger Bodenfeuchte-Vorhersagen genutzt. Becker: „Mit den heute verfügbaren Vorhersagetechniken hätte der DWD die im Juni 2018 in großen Teilen Deutschlands anhaltende Dürre schon 6 Wochen vorher mit guter Qualität vorhersagen können.“

2018 brachte neue Temperaturrekorde in Deutschland

Auch bei der Wetter- und Klimabilanz des vergangenen Jahres des DWD standen Wetterextreme und der Klimawandel im Vordergrund. So brachte 2018 mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,5 Grad Celsius (°C) in Deutschland einen neuen Rekord. Es war das wärmste Jahr in der 138-jährigen Temperaturzeitreihe des nationalen Wetterdienstes. Seit 1881 beträgt der Erwärmungstrend in Deutschland damit +1,5 Grad.

In Europa war 2018 das drittwärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn, weltweit lag es auf dem 4. Rang. Neue Rekorde gab es im Sommerhalbjahr 2018 auch bei den sogenannten heißen Tagen mit einer Lufttemperatur von 30 °C und mehr und Sommertagen mit einer Lufttemperatur von 25 °C und mehr. Erfasst wurden im bundesweiten Mittel 20 heiße Tage. Damit wurde der alte Rekord von 19 Tagen aus dem Jahr 2003 knapp übertroffen. Die Zahl der Sommertage lag bei 74. Das waren sogar 12 Tage mehr als 2003. „Solche heißen Sommer sind mit erhebliche Belastungen und damit Gesundheitsgefahren für empfindliche Menschen verbunden“, warnt Dr. Thomas Deutschländer, Klimawissenschaftler des DWD.

Außergewöhnlich war 2018 auch die Sonnenscheindauer. Von Februar bis November gab es durchweg einen Sonnenscheinüberschuss, nur der Januar und Dezember waren zu trüb. Unter dem Strich war 2018 mit einem Mittel von 2.015 Sonnenstunden in Deutschland das sonnenscheinreichste Jahr seit Beginn solcher Aufzeichnungen 1951. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2003 wurde um 1,5 Stunden übertroffen. Das Jahr 2018 stand also, so Deutschlandländer, hierzulande ganz im Zeichen des Klimawandels – aber nicht nur aufgrund neuer Rekorde bei Temperatur und Sonnenscheindauer.

2018 im Mittel ein Niederschlagsdefizit von 200 Litern pro Quadratmeter

Auch beim Thema Niederschlag müsse man aufhorchen. Zehn der zwölf Monate waren zu trocken. Nur der Januar und der Dezember brachten ein Plus beim Niederschlag. Das Defizit wurde dadurch aber bei weitem nicht ausgeglichen. 2018 wurden mit einer Niederschlagsmenge von insgesamt 586 Litern pro Quadratmeter (l/m2) im Flächenmittel von Deutschland über 200 l/m2 weniger Regen als im vieljährigen Durchschnitt gemessen. Mit diesem Minus von knapp 26 Prozent war 2018 das vierttrockenste Jahr seit 1881. Eine Folge: Bereits im Juni lag die nutzbare Feldkapazität – oft auch Bodenwasservorrat genannt – im Deutschlandmittel bei nur noch 43 Prozent und sank bis September auf extrem niedrige Werte von rund 30 Prozent. Selbst Ende November waren die Böden nur etwa zur Hälfte mit Wasser aufgefüllt.

Der DWD-Experte resümiert: „Das Jahr 2018 hat vielleicht noch eindrücklicher als 2017 gezeigt, mit welchen folgenreichen Auswirkungen wir bei weiter steigenden Temperaturen in Deutschland künftig wohl rechnen müssen.“

Text: © Deutscher Wetterdienst

Grafik: © Deutscher Wetterdienst

Foto: © 123RF