Andrea Thoma trifft….Viktoria Freifrau von der Bussche

 

„Baronin im Blütenmeer“

Ein Gespräch mit Viktoria Freifrau von dem Bussche

Sie gilt als Vorreiterin in Sachen Garten-Festivals in Deutschland. Ihr Rosarium besteht ausschließlich aus Rosen des 21. Jahrhunderts und hinter ihren Schlossmauern auf der Ippenburg, in der Nähe von Osnabrück, wächst der größte Küchengarten Deutschlands: Viktoria Freifrau von dem Bussche. Wir trafen die westfälische Baronin im Rahmen einer TV-Sendung hinter den Kulissen.

Andrea Thoma: Sie gelten als DIE Garten-Festival-Expertin in Deutschland. Woher kommt diese Passion?

 Viktoria Freifrau von dem Busche: Ich glaube das Saatkorn für die Natur und den heimischen Garten wurde bei mir in der Kindheit gelegt. Meine Eltern hatten ein großes Hofgut in der Lüneburger Heide und ich war immer draußen in der Natur, vor allem in unserem großen Bauerngarten. Ab dem 12. Lebensjahr hat mich die Natur dann überhaupt nicht mehr interessiert. Dann war Sport, Reiten und später Studium und Freunde angesagt. Erst als ich meinen Mann heiratete und in Schloss Ippenburg einzog, ist der Gartenvirus bei mir wieder ausgebrochen.

Haben Sie damals eigentlich so etwas wie ein Dornrösschen-Schloss in Ippenburg angetroffen?

Im Gegenteil! Als ich mit meinem Mann Philip im Schloss einzog, war das Ambiente für mich eher gruselig. Es hatte so gar nichts von einem Märchenschloss. Im Gegenteil, an grauen Tagen hatte ich eher das Gefühl, der Hund von Baskerville kommt um die Ecke. Deshalb habe ich schon bald angefangen, den großen Schlosspark zu verschönern…Dann bekamen wir aber vier Kinder und das Blumenpflanzen und Beete jäten blieb viele Jahre nur ein Hobby. Als meine Kinder erwachsen waren, suchte ich eine neue Aufgabe. 1996 waren wir zum Musik-Festival im englischen Glyndebourne und da kam mir die Idee, unseren Garten nach englischen Gestaltungsformen zu verändern. Ich besorgte mir Gartenzeitungen und Bücher, reiste nach Holland und Frankreich und habe mir dort die Schlossgärten angesehen. So hat sich auch unser Garten langsam verwandelt.

Von einem schönen Schlossgarten zu einem international renommierten Garten-Festival ist es aber dann doch ein großer Sprung. Sie waren mit dieser Idee vor 18 Jahren ja die erste in Deutschland. Inzwischen haben Sie Hunderte von Nachahmern…

Diese Idee ist gewachsen. Damals war ein Gartenfest in Deutschland wirklich ein absolutes Novum. Wir machten 1996 einen ersten Versuch mit einem kleinen Gartenfest auf Schloss Ippenburg. Es kamen ein paar Aussteller, aber schon viele Besucher. Das war der Start der Idee, die ich dann Stück für Stück weiterentwickelte.

 Ich wollte auf Ippenburg ein unkonventionelles, lockeres Garten-Festival schaffen, nach englischem Vorbild. Festlich, aber ohne VIP-Kultur. Kommerziell musste es auch sein, denn der Garten musste auch ganzjährig finanziert werden. Und ich wollte, dass jeder Besucher immer eine Trophäe mit nach Hause nehmen konnte. Sowohl der Gartenfreund als auch der Städter, der nur für dieses Event zu uns raus aufs Land kommt. Deshalb war klar, dass wir langfristig eine breit gefächerte Palette von Ausstellern brauchten.

In Ihnen steckt inzwischen eine hervorragende Gärtnerin, aber auch eine Unternehmerin mit Utopie. Wie machen Sie das? Sie haben doch etwas völlig anderes gelernt?

 Das stimmt. Ich habe Kunst und Geschichte studiert. Als Gärtnerin und Event-Managerin bin ich völlige Autodidaktin. Gärtnern habe ich durch das Lesen von Tausenden von Gartenzeitungen und auch aus vielen englischen Gartenbüchern gelernt und letztendlich durch `learning by doing´. Ich habe einfach drauf los gegraben und gepflanzt und mit meinem Team gewartet, was da im ersten Frühling aus der Erde kam…Und auch die Eventfrau ist ein Eigenprodukt. Ich habe geschaut, wie die anderen europäischen Garten-Festivals organisiert sind. Ich bin ein Bauchmensch. Vieles auf Ippenburg ist einfach über die Jahre ganz individuell entstanden.

 Sie machen inzwischen vier Festivals im Jahr. Haben fast 50.000 Besucher. Haben Sie eigentlich nicht ständig Angst vor Wetterkapriolen?

Wir sind nur einmal in den vielen Jahren im wahrsten Sinne des Wortes fast abgesoffen. Es regnete zwei Tage lang wie aus Kübeln. Da waren Improvisieren und Gummistiefel gefragt. Ich sehe das alles eher gelassen und erhoffe diese Einstellung auch von unseren Besuchern und Ausstellern. Den Pflanzen macht das Wetter ja sowie so nichts aus…

Was ist das Besondere im Garten von Schloss Ippenburg und bei Ihren Festivals?

Es ist vorab der fantastische Gartenbestand, die große Fläche des Schlossparkes mit den alten Mauern drumherum. Solche Schlösser gibt es nicht viele in Deutschland. Dann haben wir mit dem Rosarium ein einzigartiges Projekt geschaffen. Hier finden Sie die bedeutendsten Rosenzüchtungen des 21. Jahrhunderts in einem künstlerischen Ambiente. Und dann natürlich unser Küchengarten auf über 5.000 Quadratmetern. Der größte in Deutschland.

 Sie haben dazu ja auch einen wunderschönen Bildband gestaltet. Was gibt es denn in Ihrem Küchengarten?

Alte und moderne Obst,- Gemüse- und Sommerblumenarten. Wir haben allein 15 Kartoffelsorten, 30 verschiedene Karottensorten, 10 Sorten von Mohrrüben, Teepflanzen, Kräuterbeete mit vielen unterschiedlichen Sorten von Rosmarin oder Thymian, echtem französischem Estragon, aber auch vielen Sorten von alten deutschen Kräutern. Wir haben über 100 Beerensträucher und es gibt viele essbare Blüten in unserem Garten.

Was machen Sie mit all diesen Kräutern und Beeren?

Ein Sternekoch aus Osnabrück ist unser bester Kunde. Vor allem auch für die essbaren Blüten und die seltenen Kräuter. Aber wir sind eine Groß-Familie von etwa 30 Leuten auf dem Schloss. Da geht schon was weg. Der Rest wird getrocknet, eingemacht oder gelagert.

 Ein großes Thema für jeden Gartenbesitzer sind Unkraut und Schnecken. Haben Sie einen Geheimtipp?

Bei uns wird kein Unkrautvernichter benutzt. Alles wird händisch aus den Beeten geholt. Da bin ich konsequent. Die einzige Ausnahme, die wir auf Schloss Ippenburg machen, ist das Spritzen der Rosen. Viele probieren da ja skurrile Mittel aus, wie zum Beispiel den berühmten Bio-Sud aus Brennnesseln, oder sie lassen ihre Rosen auch komplett ungespritzt wachsen. Das würde ich nicht empfehlen. Meine langjährige Erfahrung ist: Hier hilft nur die chemische Keule…

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung im Garten?

Saubermachen, Ausputzen, mit der Harke meine Reihen im Gemüsebeet ziehen. Ich bin im Arbeitsplan des Schlosses als halbe Kraft täglich eingeteilt und das ziehe ich auch von April bis September durch. Morgens gegen 6 Uhr bin ich im Büro und von 8 bis 13 Uhr dann im Garten. Danach geht’s wieder an den Schreibtisch. Das ist mein Ausgleich. Dazwischen fotografiere ich auch oft im Garten, denn das ist auch eine meiner Passionen.

Sie sind Expertin im Garten und für Garten-Events und haben auch noch Gartenbücher geschrieben. Gibt es eine neue Leidenschaft als Zukunftsvision oder wollen Sie Bestehendes ausbauen?

Ich will noch einige Jahre den Schlossgarten und die Festivals betreuen. Dann möchte das alles an die junge Schlossfamilie übergeben. Also an meinen Sohn und an seine Familie, die heute dort schon wohnen. In meinem 3. Leben möchte ich dann unbedingt weiter Bücher schreiben. Aber auch wieder beginnen mit dem Malen und Fotografieren. Dafür hatte ich in den letzten 10 Jahren einfach zu wenig Zeit. Und außerdem habe ich sieben Enkelkinder…

 Kurz-Biographie:

 Viktoria Freifrau von dem Bussche ist 1953 in Hiddenhausen in Westfalen geboren.

Aufgewachsen ist sie auf einem Bauernhof in der Lüneburger Heide. Sie studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Malerei in Bonn und heiratete 1976 den Erben des Schlosses Ippenburg, Philip Freiherr von der Bussche. Das Paar hat vier Kinder und sieben Enkelkinder.

1996 veranstaltete die Baronin das erste Gartenfest auf Ippenburg. Zwei Jahre später organisierte sie ihr erstes Garten-Festival.

Autorin zahlreicher Gartenbücher und Bildbände.

Die Unternehmerin lebt inzwischen mit ihrem Mann in einem neu erbauten Haus am Rande des Schlosses. Ihr Sohn hat 2012 mit seiner Familie den Schlossbetrieb und den landwirtschaftlichen Betrieb übernommen.

Titel & Beitragsbild: Foto© Victoria Freifrau von dem Busche, privat

Text: Andrea Thoma

Fotos: © IPP/Nepke

Foto: © Schloss Ippenburg

Text : Redaktion Gesund-in-RheinMain

 

Andrea Thoma trifft: Dr.Wolfgang Schröder „Krebs kann man riechen!“

Dr. Wolfgang Schröder und ist mit Hilfe von Hundenasen „Krebs-Duftmarkern“ auf die Spur gekommen

Mithilfe der Retriever-Hündin Paula vom „TEAMCANIN“ aus dem Schwarzwald konnte der Chemiker Dr. Wolfgang Schröder seine Vorschläge für eine neue Geruchsklasse, die für Krebsgewebe charakteristisch zu sein scheint, bestätigen. Obwohl es schon länger bekannt ist, dass Hunde beim Menschen unterschiedlichste Tumorarten früh und extrem sicher erschnüffeln können („Sniffer Dogs“), sucht die Forschung seit mehr als einem Jahrzehnt nach einem Nachweis für den Geruch von Krebsgewebe, um damit neue Wege in der Diagnostik der Krankheit gehen zu können. Andrea Thoma hat mit dem Chemiker aus dem Norden, der inzwischen pensioniert ist, im Rahmen einer Fernsehsendung beim Südwestfunk gesprochen.

Der Hamburger Chemiker Dr. rer nat. Wolfgang Schröder ist den für Hunde riechbaren Duftmarkern von Krebszellen offenbar auf die Spur gekommen. Zwar lassen sich diese Stoffe immer noch nicht durch ein chemisch-analytischen Labor nachweisen, die chemischen Abläufe in Krebsgewebe lassen aber die Bildung einer ganz bestimmten und geruchsintensiven Stoffklasse wahrscheinlich erscheinen.

Zunächst hat er diese im Labor synthetisch hergestellt. Die Mischungen schickte er in Diffusionsröhrchen zu einem Tiertrainer-Team in den Schwarzwald. Da er sich mit den Sniffer-Dogs schon lange befasst hatte, wusste er um ihre Fähigkeiten bei Geruchsstoffen. Die Tiere erschnüffelten und übten zunächst mit den synthetischen Stoffen. Nach einigen Monaten Training bekamen sie schließlich von Dr. Schröder menschliche Gewebeproben zum Schnüffeln. Diese entstammten z.T. Menschen, die keine Krebserkrankung erlitten hatten und parallel dazu enthielt das Testszenarium auch Krebsgewebeproben. Über den voneinander streng isoliert gelagerten Probengefäßen wurden über Nacht im überstehenden Gasraum neutral riechende Wattekissen positioniert, die im Laufe der Zeit Gerüche der Probe aufnahmen und die tags drauf von den Hunden in einem Geruchspanel beschnüffelt werden konnten. Auf Anhieb erschnüffelten die Hunde unter 6 Proben die eine Krebsprobe, die nach einem Zufallsverfahren an wechselnden Positionen in der Reihe aufgestellt waren und das auch nach mehrfachen Wiederholungen, inklusive eines Doppel-Blind-Versuchs.

Diese Versuche sind ein erster und deutlicher Hinweis, dass diese Substanzklasse, sog. flüchtige „Nitrosothiole“, der geruchsaktive Anteil in Krebsausgasungen sein könnte.

In Deutschland wird es nun aber keine Hundestaffeln in Krankenhäusern geben. Dr. Schröder und die wissenschaftliche Community forschen nun mit Hochdruck nach einem elektronischen Gerät für Atemtests. Damit könnte man, ähnlich wie beim Alkoholtest, anhand einer Atemprobe einen Tumor diagnostizieren. Bislang hat sich jedoch herausgestellt, dass selbst die modernsten, nachweisstärksten Messgeräte bezüglich dieser Stoffklasse immer noch um das Hundertfache weniger leistungsstark sind, als die Nase eines Spürhundes und wohl wenig Hoffnung besteht, dies auch in den nächsten Jahren zu ändern.

Viele Jahre forschte der Wissenschaftler daran, den für Hunde riechbaren Krebs-Duftmarkern auf die Spur zu kommen. Mit Unterstützung der Uni-Klinik Kiel analysierte er hunderte von Atem-Proben von Patienten, dies allerdings mit keinen verwendbaren Ergebnissen in Sachen Krebsgeruch. Aufgrund dieser Situation blieb ihm nichts anderes übrig, als sich den bislang bekannten Chemismus in Krebsgewebe einmal genau anzugucken. Krebs hat sehr früh, mangels Nahrung, ein Problem weiter zu wachsen.

Sein Trick ist, Stoffe auszustoßen, die Adern in seine Richtung ausspriessen lassen. Diese Stoffe sind bekannt, aber sie riechen kaum. Dem Chemiker war aber klar, dass nicht nur hochmolekulare Vertreter gebildet werden müssten, sondern auch kleiner, flüchtige und stark riechende Anteile dabei sein sollten. Deren Wirksamkeit zeigte sich unmittelbar nach der ersten Synthese, die trotz effektiver Lüftung in einem Hochleistungsabzug das Durchblutungssystem des Chemikers nachhaltig beeinflusste: („Ich bekam einen hochroten Kopf bei den Tests und bin sofort zum Internisten gerannt“, so Dr. Schröder.). Aufgrund seiner Kenntnisse aus der Hunde-Forschung mit so genannten trainierten „Sniffer-Dogs“ (Schnüffel-Hunden), wusste er, dass nur Hunde, mit ihren 250 Millionen Riechzellen, die zudem noch 40mal größer sind als beim Menschen, und ihrer extrem großflächigen Nasenschleimhaut, diese Gerüche wahrnehmen konnten.

Er verschickte zunächst an das Hundetrainingscenter TEAMCANIN, die sich auf Nasenarbeit mit Hunden spezialisiert haben, Röhrchen mit synthetischen Gerüchen und welchen, die absolut identisch nur ohne diesen spezifischen Geruch waren. Damit wurden die Hunde täglich über Monate trainiert und hatten bald eine Trefferquote von 100 Prozent. Dann schickte Dr. Schröder gekühlte transportierte menschliche Gewebeproben zu Tiertrainerin Nicole Klee.

Schon bei dem ersten Versuch war die Reaktion der Retriever-Hündin Paula in dem oben beschriebenen Testszenarium eindeutig: Es wurde stets der Geruch des Krebsgewebes unter den anderen Gerüchen herausgefunden.

Auch ein so genannter Doppel-Blind-Versuch wurde durchgeführt. Inzwischen ist das Verfahren von Dr. Schröder mehrfach von ihm und seinem Team zum wissenschaftlichen Nachweis reproduziert worden, ebenso die Doppel-Blind-Versuche. Die Trefferquote der Hunde blieb konstant bei 100 Prozent.

Sniffer-Dogs sind in Deutschland aus ethischen Gründen nicht in Krankenhäusern oder Arztpraxen zugelassen. Ganz anders in Österreich, hier ist das erlaubt und wird auch praktiziert. Auch einige Internetplattformen bieten dort Atem-Tests an, um Krebs bei Menschen zu erkennen. Preis pro Test: 95 €. Diese Verfahren mit Hunden und die Angebote via Internet lehnt Dr. Schröder konsequent ab, da sich Hunde im klinischen Alltag langfristig als völlig unzuverlässig erwiesen haben.

Das Ziel des Wissenschaftlers: Mit Hilfe der Wissenschafts-Community das Thema weiter voranzutreiben, in der Hoffnung irgendwann tatsächlich ein elektronisches Messgerät in den Händen zu halten, das so gut funktioniert wie die Hundenasen.

Andrea Thoma: Herr Dr. Schröder, Sie haben mit Ihren Ideen eine neue Substanzklasse als geruchsaktiven Anteil in Krebs vorgeschlagen . Was genau haben Sie entdeckt?

 Wolfgang Schröder: Ich habe als wissenschaftliche Neuerung geruchsaktive Substanzen in Krebs benannt, die aufgrund ihrer extremen Geruchsintensität auch in ultra-Spuren Geruch erzeugen, die aber durch ihre chemische Instabilität bislang nicht nachgewiesen werden konnten – direkt aus Krebs auch durch mich nicht. Nur Hundenasen sind bislang dazu in der Lage. Dies mag der längst überfällige Impuls für die Krebsdiagnostik sein. Über Hundenasen gelang es mir die Ähnlichkeit zwischen Krebsgeruch und Synthese mit äußerster Treffgenauigkeit zu beweisen. Wie diese Stoffe mit technischen Mittel nachzuweisen sind, steht noch in den Sternen.

Das heißt, die Hunde haben einen Tumor erschnüffelt und angezeigt? Riechen denn Krebszellen anders als gesunde Zellen?

Ja, die Retriever Hündin Paula hat alle Proben ausnahmslos korrekt erschnüffelt. Und, ja, Krebszellen riechen scheinbar anders als gesundes Gewebe, wenn sich auch dieser Unterschied in nur für Hunde riechbaren Bereichen abzuspielen scheint.

Das heißt also mit einem geeigneten Messgerät könnte man anhand der von Ihnen vorgeschlagenen Stoffe Krebsdiagnostik durchführen. Wie war denn die erste Reaktion in der Fachwelt?

 Es war natürlich wie ein Donnerschlag, als die positive Nachricht vom TEAMCANIN ankam und wir haben erstmal die Sektkorken knallen lassen! Auf Kongressen, an denen ich teilnahm und in Richtung der Publikation schlug mir große Skepsis, aber auch helle Begeisterung entgegen. Einige der „schlausten Köpfe“ der Atemluft- und Sensorforschung haben mir 100% Recht gegeben und meine Ideen freudig aufgegriffen. Nur der Enthusiasmus wich über die Zeit einer gewissen Ernüchterung. Was nutzen einem wohl nachweislich aktive Signalstoffe, wenn der Mensch die Signale nicht wahrnehmen kann?

 Bitte erzählen Sie uns, was genau ist passiert? Wie sind Sie auf diese neue wissenschaftliche Erkenntnis gestoßen?

 Ich bin ein Kind der Insektenlockstoff-Forschung. Meine Doktorarbeit habe ich über die Urwald-Bienen und ihre Geruchskommunikation geschrieben. Das Thema Lockstoffe ist mein Faible als Wissenschaftler und wohl auch als Querdenker, wie man mich bezeichnen könnte. So habe ich auch seit vielen Jahren, seit ich 2003, die ersten Hundeschnüffel-Ergebnisse bei Krebs von englischen Kollegen gelesen habe – und das ist mehr als 10 Jahre her – eine Menge über die Atem-Forschung gelesen und geforscht. Auch darüber, wie Hunde über den Atem Krankheiten beim Menschen anzeigen. Ich machte Atemtests mit hunderten von Versuchspersonen, die mir die Universität Kiel zur Verfügung stellte.

Dann begann ich mit den ersten Tests in meinem Labor. Und nach vielen Jahren des Experimentierens habe ich mich dann zwei Substanzklassen gewidmet, die in Krebs bekannt sind, von denen aber niemand geglaubt hatte, dass daraus fast wie von selbst extrem stark riechende Volatile entstehen würden. Der Umgang mit solchen hochreaktiven Stoffen will gelernt sein. Insbesondere synthetische Proben, die genauso wie Krebsgewebe im ultra-Spurenbereich Gerüche abgeben, gelang erst nach einigen Versuchen in Form extrem gut gekapselter Behälter, sog. Diffusionsröhrchen, herzustellen.

 Wie fanden Sie dann die richtigen Hunde?

 Meine Lebensgefährtin brachte mir eines Tages ein Tiermagazin mit und darin war die Geschichte des TEAMCANIN aus dem Schwarzwald, das sich auf Nasenarbeit mit Hunden spezialisiert hatte. Mein Anruf bei Uwe Friedrich, dem Leiter von TEAMCANIN hat ihn förmlich zu Begeisterungsstürmen veranlasst und in Nicole mit Paula der Hündin war dann auch Plan des Szenariums für die Versuche bestens angelegt.

 Und dann ließen Sie die Hunde an der stinkenden Substanz einfach nur schnüffeln und das war´s?

 Keineswegs! Erstmal musste eine Schnüffelpanel gebaut werden und die ganzen Abläufe bei den Tests mussten optimiert werden. Hier konnte ich mich aber absolut auf die Expertise von TEAMCANIN verlassen. Eine Klippe war noch, als die Hündin plötzlich überhaupt nicht mehr wusste, wo welche Probe mit den Testsubstanzen versteckt war. Die Trainerin hatte alle Röhrchen, mit Aktivstoffen und neutrale in einer Box aufbewahrt. So fingen die „Null“-Röhrchen durch Übertragung der Stoffe genauso an zu stinken. Allerdings nach einem kurzen Wegpusten mit einem Haarföhn und anschließend separater Lagerung war dieses Problem, wie so manch anderes, letztendlich beseitigt. Die Hundetrainerin Nicole hat dabei wirklich großartigen Einsatz gezeigt und monatelang Nachmittage für die Wissenschaft geopfert. Ihr gebührt mein ausdrücklicher Dank!

Was ist denn nun Ihr nächstes Ziel?

Mein persönliches Ziel habe ich erreicht: Es gelang mir eine völlig neue Art von offenbar biologisch aktivem Geruch vorzuschlagen und dessen Wirksamkeit zu beweisen. Dass es sich diesmal nicht um einen Insektenlockstoff, sondern um den Geruch von Krebs handelt, macht die Angelegenheit natürlich doppelt gut! Für den Bau geeigneter Sensoren fehlt mir die Expertise und auch die Infrastruktur. Ich hoffe neue Impulse gegeben zu haben, ich hoffe, dass in irgendeinem technischen Labor der Funken für ein geniales neues Gerät überspringt. Mehr kann ich nicht machen.

Wann wird es ein solches Gerät geben?

 Es geht um eine Leistungssteigerung in der Sensortechnik von Faktor hundert und vielleicht sogar noch mehr. Das kann Jahrzehnte dauern! Unter dem Aspekt ist auch eine Patentanmeldung, wie ich sie einige Jahre vorgehabt habe, nicht angesagt. Außerdem möchte ich so wenige Barrieren wir möglich aufbauen – immerhin geht es um schwer kranke Menschen!

In Österreich sind Krebsschnüffel-Hunde offiziell in Krankenhäusern und Kliniken zugelassen. Es gibt sogar Internet-Plattformen, die solche Atemtests anbieten und für 95 € verkaufen. Wird man nun demnächst auch bei uns in Deutschland in Kliniken auf Hunde treffen, die bei Patienten nach Krebs schnüffeln?

Nein, ganz sicher nicht. In Deutschland wird die Einbeziehung von Hunden für solche Analysen nicht zugelassen, schon aus ethischen Gründen. Das finde ich auch völlig in Ordnung. Die Entwicklungen, die es zum Teil in Österreich gibt, wo auch Krebs-Hunde-Staffeln offiziell erlaubt sind, finde ich zum Teil bedenklich. Vor allem Tests via Internet. Vielleicht gelingt es einen Krebssensor zu bauen der die Hundenasen seriös ersetzt. Ich habe sozusagen die Software dazu entwickelt, die Hardware muss nun nachziehen.

Sie nennen sich selbst einen Labor-Exoten, den Hofnarr der Technischen Universität. Waren genau diese Hofnarr-Eigenschaften und Möglichkeiten der Schlüssel zu Ihren erfolgreichen Forschungen?

Wissen Sie, schon als ich den Geruch der Urwald-Biene in meiner Doktorarbeit erforscht habe, war ich wie ein Suchhund unterwegs. Das setzte sich dann in meiner wissenschaftlichen Laufbahn weiter fort. Ich startete in meinen Beruf direkt an der TUHH mit einer skurrilen Betätigung: Ich bin mit einem Kampfstoßspürgeräte-Fahrzeug der Bundeswehr durch Hamburg gefahren und habe nach Verunreinigungen in der Stadt gesucht. Das habe ich 10 Jahre lang gemacht. Eine aufregende Zeit, mit Umweltbehörde, Feuerwehr, Polizei, dem Zoll und sogar einem Notruf für Bürgeranfragen. Dann kam die Chance als Ober-Ingenieur bei der Technischen Hochschule weiter zu machen und das war wieder Schnüffel-Arbeit. Ich bezeichne mich gerne als Hofnarr der Uni, denn ich kann mich als Wissenschaftler dort völlig frei entfalten, koche mein eigenes Süppchen. So hatte ich die Zeit, kreativ zu forschen und die Ergebnisse wie in einem Puzzle zusammen zu setzen. Und ich bin in eine gut funktionierende wissenschaftliche Community eingebunden, das motiviert und trägt, auch wenn man manchmal im Labor verzweifelt ist, wenn die Tests mal wieder nicht funktionieren. Die Community und meine lieben Profs., wie Prof. Trinks der Eisforscher und Prof. Matz meinem stets zu begeisternden Messtechnik-Sparringspartner, waren immer wieder Motivator für mich.

Inzwischen sind Sie pensioniert? Was treibt Sie heute an?

 Sie haben mich mit Ihrem Interview aus dem Labor geholt. Die TU und der äußerst kooperative neue Institutsleiter Prof. Becker, hier ermöglichen es mir die Labor-Ressourcen weiter zu nutzen. Ich darf weiter „spielen“! Der Hofnarr lebt! Aus der Industrie bekomme ich Anregungen, was gebraucht werden könnte und natürlich finanzielle Unterstützung, denn ohne das geht es nun mal nicht – aber auch nicht ohne Intuition, Freiheit in der Forschung und ein bisschen Verrücktheit.

Dr. rer. nat. Wolfgang Schröder        

 Dr. Wolfgang Schröder ist Ende 2013 speziellen Duftstoffen von Krebszellen auf die Spur gekommen und hat damit einen neuen wissenschaftlichen Anstoß in der Krebs-Diagnostik gegeben.

Schröder ist Chemiker, stellvertretender Institutsleiter und Ober-Ingenieur der Technischen Universität, Abteilung Messtechnik, in Hamburg/Harburg (TUHH).

An der Krebsmarkerforschung durch Atemtests und Geruchsstoffe arbeitet er seit 10 Jahren, seit das britische Medizinjournal „The Lancet“ erste Testversuche mit Hunden und Krebstests im Jahr 2003 veröffentlicht hat.

Für seine Forschungen arbeitet er eng mit dem Schwarzwälder Hunde TEAMCANIN zusammen, dass sich auf so genannte Nasenarbeit mit Hunden spezialisiert hat. Hündin Paula, unter der kundigen Hand ihrer Trainerin Nicole aus dem Team, hat seine Forschungsergebnisse mit Krebsgewebe als erster Hund „erschnüffelt“.

Text: Mag. Andrea Thoma, girm Redaktionsleitung

Foto: privat

 

 

 

 

 

 

Andrea Thoma trifft… Prof. Bernd Böttiger

Prüfen! Rufen! Drücken! Lebensrettende Herzmassage im Bee-Gees-Rhythmus

Andrea Thoma trifft den renommierten Kölner Notfall- und Intensivmediziner, Prof. Bernd Böttiger

Wer bei einem Notfall einem Bewusstlosen helfen will, der kann sich eine einfache Gedankenstütze merken und bei der Herzdruckmassage ganz einfach an Musik denken. Zum Beispiel an den legendären Bee Gees-Hit „Staying Alive“. „Dieser schnelle Rhythmus hilft bei der Reanimation des Herzens immer im Takt zu bleiben“, so formuliert das einer der international renommiertesten Spezialisten für Notfall- und Intensivmedizin: Prof. Dr. Bernd Böttiger, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Universitätsklinik Köln, den ich bei einer Talksendung mit Frank Elstner in Baden-Baden getroffen habe. Mehr lesen

Die magische Kraft des Bewusstseins

Joachim Faulstich ist ein Wanderer zwischen den Welten
der Medizin. Mit seinen vielfach ausgezeichneten Filmen
und Büchern, die außergewöhnliche Heilungswege dokumentieren,
hat er bereits vor mehr als 20 Jahren das
menschliche Bewusstsein und seine Möglichkeiten einer
Heilung in den Mittelpunkt seines medialen Schaffens gestellt.
Sein Ziel: Er will aufrütteln, den Kampf der Medizinsysteme
beenden helfen. Zu Gunsten eines Miteinanders
von altem, tradiertem Wissen und moderner, nachweisbarer
Wissenschaft. Er plädiert für mehr Offenheit bei den
Ärzten, auch außergewöhnlichen Heilmethoden aus der
Natur- und Erfahrungsmedizin Vertrauen zu schenken.
Wir treffen Joachim Faulstich an seinem Lieblingsort, dem
Frankfurter Domplatz, gleich um die Ecke vom Römer, wo
in den nächsten Jahren ein Stück altes Frankfurt aus der
Erde wächst. Inmitten der von modernen Hochhäusern geprägten
Innenstadt entsteht ein Quartier mit historischen
Gebäuderekonstruktionen, Plätzen und engen Gässchen,
ein urbanes Miteinander von Alt und Neu. Die symbiotische
Vereinigung einer modernen, architektonisch genau
berechneten Großstadt mit ihren tradierten Werten. Um
diese harmonische Ergänzung, um den Dialog – genau darum
geht es auch Joachim Faulstich. Im Leben und in der
Arbeit. Er ist einer aus der 68er-Generation. Weiße Haare,
Stoppelbart, Jeans und Ledertasche. Für unser Gespräch
hat er sein Lieblingscafé am Dom vorgeschlagen.
natürlich gesund & munter: Sie haben sich zu Beginn
Ihrer Fernseharbeit hauptsächlich mit sozialkritischen
Themen auseinandergesetzt. Woher kam Ihr Interesse
für alte Heiltechniken?
Joachim Faulstich: Das waren zweifelsohne meine Reisen
nach Südamerika in den 80er-Jahren, insbesondere in das
Amazonas-Gebiet von Peru. Hier habe ich eine archaische
Welt kennengelernt, die sich aus Mythen und überlieferten
Geschichten, aus Geistern und Schamanen zusammensetzt.
Ich habe Menschen getroffen, die in der Trance Kontakt mit
ihren Vorfahren aufgenommen haben, um Hinweise für
wichtige Lebensfragen oder Krankheiten zu bekommen.
Und ich habe mich darauf eingelassen, mehr zu erfahren.
Ich war offen, obwohl ich aus einer völlig anderen, rational
definierten und orientierten Welt kam.
Können Sie Ihre damaligen Erkenntnisse im Urwald
von Peru näher erläutern?


Für eine Reportage über die Shipibo-Indianer berichtete
eine deutsche Ärztin von ungewöhnlichen schamanischen
Heilungen an Patienten, die die Schulmedizin bereits aufgegeben
hatte. Eingesetzt wurden dabei Behandlungen in
Trance, im Kontakt mit anderen Ebenen der Wirklichkeit –
eine Methode, die unserer westlichen Medizin diametral
entgegen steht – die aber offenbar dennoch wirkte. Mit diesen
Geschichten aus einer alten, magischen Kultur kam ich
zurück nach Deutschland und begann in der europäischen
Medizingeschichte zu forschen. Ich wollte vor allem auch
wissen, wo unsere westlichen Wurzeln der Heilkunst liegen
und warum sie in modernen Arztpraxen und Kliniken immer
wieder als Scharlatanerie abgetan werden.
Als Sie in den 80er-Jahren Ihre ersten Fernsehdokumentationen
über außergewöhnliche Heilungen machten,
wurden Sie da nicht in die esoterische Ecke gestellt?
Ich berichtete damals über eine Heilerin aus Hessen. Sie
hieß Grete Flach und heilte mit Kräutern, Gesprächen und
auch mit Gebeten. Wenn sie mit ihren Patienten arbeitete,
war sie oft in leichter Trance, ganz ähnlich wie ich das ➔

Joachim Faulstich ist Journalist, Buchautor und Regisseur
wissenschaftlicher Fernsehdokumentationen. Seit den 80er-
Jahren, nach zahlreichen Reisen nach Südamerika und dem
Kontakt mit den medizinischen Vorstellungen indigener
Völker, insbesondere dem Schamanismus, liegt sein Fokus
auf Fragen der Komplementärmedizin, der Naturmedizin, der
Bewusstseinsforschung und der Neurobiologie. Für seine
Arbeiten wurden ihm zahlreiche Preise verliehen.

bei Schamanen in Südamerika gesehen hatte. Natürlich war
es damals im Fernsehen sehr ungewöhnlich, über eine solche
Heilerin eine Reportage zu machen, aber meine Kollegen
wussten, dass ich ein seriöser Rechercheur und Autor
bin. Das war eine gute Ausgangsposition, um diese Themen
in die Medien und damit in die Gesellschaft einzuführen.
Was ist Ihr Anspruch? Welche Anstöße wollen Sie
mit Ihrer Arbeit geben?
Ich möchte mithelfen, die Entweder-oder-Medizin – das
Gegeneinander von Schulmedizin und Erfahrungsheilkunde
– aufzulösen und in eine Sowohl-als-auch-Medizin
zu verändern. Ich möchte Bewusstsein für eine Medizin der
Zuwendung schaffen, die Körper, Seele und Geist wieder
als Einheit ansieht.
Sprechen Sie von einer Mind-Body-Medizin?
Genau das ist damit gemeint. Körper und Geist sind in der
frühen Entwicklungsgeschichte der Menschheit immer als
Einheit gesehen worden, als Ein-Klang. Der renommierte
Wissenschaftler für „Applied Neuroscience“ (Angewandte
Neurobiologie), Prof. Gerald Hüther, formuliert das so: „Wir
brauchen ein inneres Leitbild, das Sinn stiftet und uns einen
Ort der Geborgenheit zeigt.“ Wer seine innere Haltung verändert
und wieder in den Einklang und in die eigene Handlungsfähigkeit
kommt, der verändert das Netzwerk von
Körper und Geist insgesamt. Ob es dann am Ende zu einer
tatsächlichen Heilung kommt, bleibt offen. Wir brauchen
auch so etwas wie Gnade, um zu leben. Nicht im religiösen,
aber im spirituellen Sinn.
In Ihrer letzten Fernsehdokumentation „Das Geheimnis
der Heilung“ beschreiben Sie einige Beispiele – aussichtslose
Fälle in den Augen der Schulmedizin, die trotzdem
geheilt wurden. Zum Beispiel die Geschichte des polnischen
Cellisten Dominik Polonski, dem nach einer
Krebserkrankung ein Viertel seines Gehirns entfernt
wurde und der anschließend fast bewegungsunfähig
war. Was hat er anders gemacht als andere Patienten?
Er hatte plötzlich die innere Gewissheit, dass er aus eigener
Verantwortung einen stimmigen Genesungsweg gewählt
hat. Diese Haltung vereint fast alle Protagonisten. Natürlich
hat Dominik zunächst alle Möglichkeiten der Schulmedizin
in Anspruch genommen. Er wurde mehrfach am Kopf operiert
und auch bestrahlt. Aber als ihm seine Ärzte absolut
keine Überlebenschance mehr gaben, da besann er sich auf
seine eigenen Fähigkeiten zur Heilung. Noch in der Klinik
begann er mit intensiven Imaginationen und tauchte nächtelang
in heilsame Musik ein.
Der Neurowissenschaftler Prof. Gerald Hüther, den Sie
in unserem Gespräch schon zitiert haben, spricht hier
von der Bedeutung innerer Bilder.
Genau diese heilsamen Muster hat Dominik aktiviert. Plötzlich
konnte er sein gelähmtes Bein ein wenig bewegen. Dann
lernte er den Psychologen Martin Busch kennen, der auch
in der Feldenkrais-Methode ausgebildet ist und sie mit Elementen
der Hypnose verbindet. Bewegung, Bewusstheit
und Beziehung – das sind die drei Schlüsselbegriffe seiner
Denk-und Arbeitsweise. Zwischen den beiden entwickelte
sich bald ein tiefes Vertrauensverhältnis. Der Psychologe
half Dominik, seine Orientierung zu ändern, weg von der
Beschäftigung mit der Krankheit, hin zu inneren Bildern der
Heilung. So konnten, auch durch das Zusammenspiel mit
körperlichen Impulsen, die verlorenen Verknüpfungen im
Gehirn langsam wieder hergestellt werden. Ein erneuter Gehirnscan
zeigte keinen Tumor mehr an. Heute kann Dominik
völlig alleine laufen und macht wieder Musik.
Sie berichten auch von einer Frau mit einer schweren
Schwangerschaftskomplikation. Ihrem Kind hatten die
Ärzte keinerlei Überlebenschance mehr gegeben.
Sie meinen den spektakulären Fall von Ursula Mannweiler
aus Frankfurt. Sie war Patientin des Gynäkologen Prof.
Frank Louwen. In der 23. Schwangerschaftswoche diagnostizierte
man bei ihr eine schwere Plazentainsuffizienz (eine
mangelnde Versorgung des Fötus durch die ungenügende
Funktion der Plazenta). Der Ultraschall zeigte keinerlei
Fruchtwasser mehr, und nach Auswertung aller Untersuchungen
ging Prof. Louwen auch von einer Gehirnschädigung
des Kindes aus. Ein faktisches Todesurteil – und
eine Wiederholung der Ereignisse. Denn einige Jahre vorher
hatte diese Patientin mit derselben Diagnose bereits
ein totes Kind geboren. Auf ihren Wunsch hin bekam sie
Glucose-Infusionen. Und sie begann einen inneren Dialog
mit ihrem Kind und ein heftiges, inneres Streitgespräch mit
Gott. Mira kam tatsächlich gesund zur Welt. Prof. Louwen
sagte mir im Interview, dass dieses Phänomen „medizinisch
absolut nicht zu begründen“ sei. Die Neurowissenschaft hat
inzwischen herausgefunden, dass ein enger, symbiotischer
Austausch von Mutter und Kind im Mutterleib Botenstoffe
aus den Zellen freisetzt. Damit ist eine solche Heilung möglicherweise
zu erklären.
Das bedeutet, innere Heilung geht der äußeren voran?
Oder geschieht sie parallel?
Ich glaube, dass tatsächlich die innere Haltung und die
Aktivierung von persönlichen Ressourcen für einen Patienten
essenziell sind. Aber es gibt kein Patentrezept.
Sie sprechen in Ihren Büchern von mehreren inneren
Bewusstseinsebenen aus unserer menschlichen Vorgeschichte.
Können wir heute daraus noch heilende
Ressourcen beziehen?
Ich zitiere hier gerne den Philosophen und Bewusstseinsforscher
Jean Gebser, einen Vertreter der Integralen Theorie,
der versuchte, wissenschaftliche und spirituelle Erkenntnisse
zu verbinden. Er beschreibt die Entwicklung des menschlichen
Bewusstseins, beginnend mit dem archaischen
Zustand. Unser Ich ist auf dieser Ebene noch nicht von der
Außenwelt getrennt. Dann kommt die nächste Entwicklungsstufe,
die sogenannte magische Ebene. Hier nehmen
wir die Außenwelt als von uns getrennt wahr, spüren aber
noch eine Verbundenheit mit allem, was um uns herum existiert.
Es folgt die mythische Ebene. Plötzlich wird uns unsere
eigene Innenwelt, die man auch als Seele bezeichnen kann,
bewusst. Götter und Geister existieren als Helferwesen, die
man in Gebeten anrufen kann. Am Ende erreichen wir die
vierte Ebene in unserer Entwicklung, das rationale, analytische
Bewusstsein. Innen- und Außenwelt existieren jetzt völlig
getrennt voneinander. Die Vorstellungen früherer Entwicklungsstufen
werden als Aberglaube dargestellt, Götter und
Geister in die Esoterik-Ecke verbannt, und neue Mythen, wie
der Glaube an die Statistik, übernehmen zunehmend die
Macht. Damit sind wir endgültig im Heute angekommen.
Welche Konsequenzen haben diese Bewusstseinsentwicklungen
für unseren inneren Zustand?
Die archaischen und magischen Ebenen sind in uns tief verwurzelt.
Sie sind in unsere Gene implantiert. In diesen
menschlichen Entwicklungsstufen schlummern deshalb
unendlich viele Ressourcen. Bei einer Krankheit können wir
sie anzapfen, um möglicherweise in einen Zustand der Harmonie
zurückzukommen. Das geht über magische Bilderreisen,
Gebete, Träume, Rituale, Imaginationsübungen,
Naturerlebnisse und vieles mehr. Es geht dabei nicht darum,
in alte Entwicklungsstufen zurückzufallen, sondern in ein
neues Bewusstsein zu kommen, das alle Ebenen integriert.
Gibt es in der Zukunft eine Perspektive für eine
grenzüberschreitende Medizin ?
Immer mehr Ärzte schauen über ihr naturwissenschaftliches,
mechanistisches Weltbild hinaus und sind zumindest
offen für andere Sichtweisen. Wenn ein so anerkannter
Wissenschaftler wie Prof. Waldemar Uhl von der Uniklinik
Bochum auch mit einem Heiler zusammenarbeitet, der
Krebspatienten nach konventioneller medizinischer Behandlung
mit Handauflegen und geführten Meditationen
begleitet, oder wenn sich der Onkologe Dr. Thomas Schmitt
aus Wien mit seinen Patienten durch Trommeln auf eine
schamanische Reise begibt und damit für sie eine Verbesserung
der Lebensqualität erreicht, dann formt sich für mich
die Perspektive einer neuen Heilkunst. Diese Mind-Body-
Medizin, die alte Erfahrungen und neue wissenschaftliche
Erkenntnisse zum Besten des Patienten nutzt, begreift den
Menschen nicht mehr als biologische Maschine, sondern
immer mehr als Körper-Geist-Wesen, in dem subtile energetische
Prozesse ablaufen und in dem das Bewusstsein eine
ganz entscheidende Rolle spielt. Auch die moderne Psychoneuroimmunologie
sieht im menschlichen Bewusstsein eine
Kraft, die in der Lage ist, die sichtbare und messbare Realität
zu formen. Ich glaube, hier liegt das Geheimnis einer
möglichen Heilung. /ath