Ihre Immunkräfte stärken – Vitamin D bei COVID-19?

Gute körpereigene Abwehrkräfte sind ein guter Schutz vor Krankheiten, aktuelle Studien zeigen Nutzen von Vitamin D bei COVID-19. Menschen brauchen Wissen um eigene Selbstwirksamkeit.

Abstandsregeln, Mund-Nasen-Schutz, Kontaktbegrenzungen: Seit Monaten werden der Bevölkerung diese Schutzmaßnahmen vor COVID-19 eingeimpft. Wenig Aufmerksamkeit wird den körpereigenen Schutzmaßnahmen gewidmet. Denn – ob sich jemand ansteckt und wie stark die Symptome der Erkrankung sind, hat stark mit den Abwehrkräften jedes Einzelnen zu tun. In der komplementären Krebstherapie gibt es langjährige Erfahrungen mit wirksamen immunstärkenden Maßnahmen. Mittlerweile geben erste Studien Hinweise auf eine Wirksamkeit bei COVID-19.

Schutzfaktor Vitamin D

Vitamin D wirkt antientzündlich und immunstabilisierend. Nach aktuellen Studien kann Vitamin D den Verlauf und den Schweregrad von COVID-19-Erkrankungen beeinflussen.

„Unsere wichtigste Empfehlung ist eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung“, sagt Dr. med. György Irmey, Ärztlicher Direktor der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V. Vitamin D wirkt immunstabilisierend, es fördert die Fähigkeit der Immunzellen, Feinde zu erkennen und Abwehr-mechanismen einzuleiten. So verwundert es nicht, dass Vitamin D wohl auch den Krankheitsverlauf bei COVID-19 positiv beeinflussen kann.

So kann die Vitamin D-Versorgung ein Indikator für den Schweregrad und das Sterblichkeitsrisiko bei einer COVID-19-Erkrankung sein. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Universität Hohenheim vom Juli dieses Jahres. Bluthochdruck, Diabetes, Herzerkrankungen und starkes Übergewicht gelten als Risikofaktoren für COVID-19. „Doch gerade diese Erkrankungen sind oft mit einem Vitamin-D-Mangel verbunden. Das hat Konsequenzen für den Verlauf der COVID-19-Erkrankung”, so Prof. Dr. med. Hans Biesalski von der Universität Hohenheim.

In die gleiche Richtung gehen die Ergebnisse einer großen Beobachtungsstudie aus Indonesien. Dort wurden der Krankheitsverlauf sowie der Vitamin-D-Status von 780 SARS-CoV-2-Infizierten untersucht. Es ergab sich ein dramatisch erhöhtes Sterberisiko bei einem Vitamin-D-Mangel. Wissenschaftler aus den USA, Ägypten und Saudi-Arabien kamen zum Resultat, dass COVID-19 Patienten mit einer schlechten Prognose ein signifikant geringeres Vitamin-D-Level hatten als Patienten mit guter Prognose. Auch Kinder mit einer COVID-19-Erkrankung hatten einen niedrigeren Vitamin-D-Spiegel als gesunde Vergleichspersonen, so eine Studie von Wissenschaftlern aus der Türkei.

Viele Menschen haben vor allem im Winter einen Vitamin D-Mangel. Der Grund: Wir produzieren den Bedarf an Vitamin D selbst – mithilfe der Sonne. In Deutschland reicht dafür die Sonnen-einstrahlung zwischen Oktober und April nicht aus. Deshalb ist aus Sicht der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V. besonders in den Wintermonaten wichtig, für eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung zu sorgen.

Bei einem Vitamin D-Mangel sind Menschen anfälliger für Infektionen der oberen Atemwege. Das ist aus Studien bekannt. Doch hat Vitamin D auch einen Effekt bei COVID-19-Erkrankungen? „Es gibt mittlerweile zahlreiche wissenschaftliche Hinweise für den Nutzen von Vitamin D bei COVID-19“, sagt Dr. med. György Irmey, Ärztlicher Direktor der Gesellschaft für Biologische Krebs-abwehr e. V. (GfBK).

So untersuchten Kaufman, Holick et al. mehr als 190.000 US-Amerikaner, bei denen das Corona-Test-Ergebnis und der Vitamin-D-Spiegel bekannt waren. Die Wissenschaftler fanden bei den Menschen mit niedrigen Vitamin- D-Spiegeln 12-13 Prozent positiv Getestete, bei hohen Spiegeln lediglich 6-7 Prozent.

Vitamin D kann Krankheitsverlauf abmildern
Macht ein guter Vitamin-D-Spiegel auch einen Unterschied, wenn Menschen bereits an COVID-19 erkrankt sind? In einer englischen Beobachtungsstudie (Ling et al., 2020) erhielten 151 von 986 Teilnehmern mit COVID-19 und einem Vitamin-D-Mangel eine Vitamin-D-Therapie in verschie-denen Dosierungen. Die Einnahme verringerte das Risiko für eine COVID-19-Mortalität, so die Wissenschaftler. Am Universitätsklinikum Heidelberg untersuchten Radujkovic et al. 185 Pati-enten, bei denen COVID-19 diagnostiziert worden war. Die Mediziner prüften, wie viele der Patienten intensivpflichtig wurden oder starben. Dabei wurden die Patienten mit einem Spiegel von kleiner oder größer 30 nmol/l unterschieden. „Unsere Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Schweregrad/Mortalität von COVID-19“ so die Mediziner. „Sie unterstreicht die Notwendigkeit inter-ventioneller Studien zur Vitamin-D-Supplementierung bei SARS-CoV-2-infizierten Personen.“

Untersuchungen, bei denen Patienten mit Vitamin D behandelt wurden, gibt es aktuell noch wenige. In einer spanischen Studie (Castillo et al., 2020) erhielt ein Teil der Patienten, die mit COVID-19 stationär aufgenommen wurden, Vitamin D. Die Hälfte der Patienten, die kein Vitamin D erhalten hatten, mussten auf die Intensivstation, bei den mit Vitamin-D-Behandelten waren nur es zwei Prozent. In einer experimentellen Studie vom Frühjahr 2020 (Annweiler et al.) wurden an COVID-19 erkrankte hochbetagte Bewohner eines Pflegeheims hochdosiert mit Vitamin D be-handelt. 57 der 66 Erkrankten erhielten einmalig 80.000 IE, 82,5 Prozent überlebten die Er-krankung. Dagegen überlebten nur 44,4 Prozent aus der Vergleichsgruppe ohne eine entspre-chende Vitamin-D-Gabe. „Wie lange ist es ethisch noch vertretbar, Patienten mit COVID-19 und anderen Atemwegserkrankungen Vitamin D als Therapeutikum vorzuenthalten“, fragt Prof. Dr. med. Jörg Spitz, Präsident der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V. (GfBK), kritisch.

Für ausreichenden Vitamin-D-Spiegel sorgen
Laut GfBK sollte der Vitamin-D-Spiegel im Blut mindestens 30 ng/ml betragen, optimal ist ein Wert oberhalb von 40 ng/ml. Dies ist im Winter nur durch die Einnahme von zusätzlichen Prä-paraten zu erreichen, denn in Deutschland reicht die Sonneneinstrahlung nur zwischen Mai und September aus, um in der Haut genügend Vitamin D zu bilden.

Die Europäische Gesellschaft für Endokrinologie veröffentlichte 2019 eine Stellungnahme, nach der in West-, Süd- und Osteuropa 30 bis 60 Prozent der Bevölkerung einen Vitamin-D-Mangel aufweisen, zehn Prozent sogar einen schweren Mangel. Ältere Menschen gehören zu den Risiko-gruppen und diese sind auch am stärksten gefährdet, schwer an COVID-19 zu erkranken. Deshalb ist aus Sicht der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V. besonders in den Wintermonaten essenziell, für eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung zu sorgen. „Wir empfehlen Vitamin-D-Prä-parate mit mindestens 2.000 bis 3.000 IE täglich einzunehmen“, sagt Dr. med. György Irmey, Ärzt-licher Direktor der GfBK. Noch besser sei, den Vitamin D-Spiegel im Blut prüfen zu lassen, um dann die optimale Dosierung festzulegen.

Vitamin C
Vitamin C wird unter anderem zur Bildung von sogenannten Sauerstoffradikalen benötigt, die den Körper im Kampf gegen Krankheitserreger unterstützen. In der Krebstherapie hat sich eine hoch dosierte Verabreichung von Vitamin C als Infusion zur Stärkung des Allgemeinbefindens und zur Tumorabwehr bewährt.

Mehrere Arbeitsgruppen aus China, Kanada, Italien und den USA untersuchen derzeit, inwiefern eine Infusionstherapie mit Vitamin C wirksam ist. Angeregt wurden sie durch positive Anwendungsberichte von Vitamin C bei COVID-19-Patienten aus China. Die Wissenschaftler vermuten eine Wirksamkeit gegen Sars-CoV-2 aufgrund der zahlreichen antiviralen Effekte von Ascorbinsäure. Vitamin C Infusions-Therapie wird in China inzwischen in verschiedenen großen Kliniken eingesetzt. Die Regierung von Shanghai hat inzwischen eine offizielle Empfehlung zum Einsatz von Vitamin C zur Vorbeugung und Behandlung von COVID-19 Infektionen herausgegeben.

Mit der Angst gesund umgehen
Auch psychische Faktoren haben direkten Einfluss auf unser Immunsystem. Ängste und seelischer Stress schwächen die Widerstandskräfte des Körpers. Dauern sie länger an, beginnt der Teil des Immunsystems seine Aktivität herunterzufahren, der uns vor Ansteckungen schützt. Das ist im Labor etwa an erhöhten Entzündungswerten festzustellen, so Ergebnisse des interdisziplinären Forschungsgebietes der Psychoneuroimmunologie, das sich mit der Wechselwirkung von Psyche, Nerven- und Immunsystems beschäftigt.

Mittlerweile gibt es erste Forschungsergebnisse zu psychischen Belastungen. So befragten chinesische Wissenschaftler Schulkinder während der Schulschließungen aufgrund der Pandemie im Winter. Ein Viertel der Kinder litt unter Ängsten, jedes fünfte unter Depressionen. Kinder ab der 10. Klasse waren besonders betroffen. Wissenschaftler aus Singapur befragten Krebspatienten und deren Angehörige während des Lockdowns zu ihren Ängsten, berichtet das Deutsche Gesundheitsportal. Demnach sprachen zwei Drittel der Patienten und drei Viertel der der Angehörigen von einer großen Angst vor COVID-19.

Seit Monaten sind COVID-19 und der Umgang mit der Pandemie das beherrschende politische, gesellschaftliche und mediale Thema. Der Fokus der Aufmerksamkeit ist meist auf den Risiken und Gefahren. Das steigert ebenso die Angst wie das Gefühl, dem Infektionsgeschehen hilflos ausgesetzt sind, ohne es beeinflussen zu können. „Wir sind nicht einem gefährlichen Virus ausgeliefert. Menschen können etwas tun, für ihr seelisches Befinden, ihre Abwehrkräfte“, so Dr. Irmey. Gegen Angst ist aktives Tun ein bewährtes Mittel, ebenso der Kontakt zu und der Austausch mit anderen Menschen. Gerade bei körperlicher Distanz ist es notwendig, ein Gefühl der Verbundenheit zu stärken. Die GfBK empfiehlt zudem „Auszeiten vom Virus, eher mehr als weniger. Schalten Sie das Smartphone aus, entdecken Sie das Medien-Intervallfasten. Tun Sie Dinge, die Ihnen guttun und die Sie beruhigen“, so Dr. med. Irmey weiter.

© gm Red./GfBK