Der kleine Anti-Burnout-Coach“: Burnout vorbeugen und zu neuer Kraft finden

Ständiger Zeitdruck, immer alles geben, nicht nein sagen können – wem das bekannt vorkommt, der steuert möglicherweise auf ein Burnout zu.

„Ein Burnout ist kein Zustand, der plötzlich eintritt, als wäre ein Schalter umgelegt worden. Er entsteht in einem langen Prozess, der durchaus Jahrzehnte dauern kann. Wir können hier auch von Entwicklungsstufen mit zunehmender Intensität sprechen“, weiß Roland König aus der langjährigen Erfahrung mit seinen Klienten.

In seinem Ratgeber zeigt er auf, wie man typische Symptome sicher erkennt, und stellt Anleitungen und Übungen direkt aus der therapeutischen Praxis vor. Außerdem beleuchtet er unbewusste Ursachen und lädt ein, sich mit Fragen wie „Warum nehme ich mich selbst nicht mehr wichtig?“ oder „Warum will ich es allen anderen recht machen?“ auseinanderzusetzen. Bei der Behandlung der Betroffenen setzt König auf einen ganzheitlichen Ansatz, denn er ist überzeugt: „Ein Burnout kann auch ein wachsamer Begleiter sein, der uns deutlich macht, wie wichtig es ist, dass wir uns nicht nur um andere, sondern auch liebevoll um uns selbst kümmern.“

Zudem stellt er Methoden vor, die in einer belastenden Situation ganz schnell und unkompliziert helfen können, durch Stress und Sorgen nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten. Wenn wir beispielsweise merken, dass wir viel Grübeln und wiederkehrende Gedanken haben, können wir unser Gehirn durch das Zählen – etwa von Gegenständen oder Schritten – „ablenken“. So kommen wir im Hier und Jetzt an und werden ruhiger.

Der Autor: Mag. Roland König ist Hypnose-Psychotherapeut und Psychologe. Zusätzlich absolvierte er ein Studium der Psychotherapie und führt seit vielen Jahren eine eigene Praxis bei Wien. Durch seine vorherige Tätigkeit bei Microsoft München und später im Management in Wien lernte er, was es heißt, unter Druck zu arbeiten. Dies hilft ihm heute, den Stress, der auf seinen Klienten lastet, zu verstehen. Mehr erfahren Sie unter www.insglueck.at.

Mehr zum Verlag und Buch in unserem „Buchtipp“

Copyright Text:

TRIAS Verlag in der Georg Thieme Verlag KG

Bild:123RF

Adipositas OP- letzter Ausweg bei BMI über 30??

Wer an krankhafter Adipositas leidet, also einen BMI größer als 30 hat, dem helfen gut gemeinte Ratschläge wie „iss‘ doch weniger“, „mach‘ eine Diät“ oder „treibe Sport“ im Kampf gegen die Kilos oftmals nicht. Wenn der letzte Ausweg der chirurgische Eingriff ist, dann ist der Weg – von der ersten Idee, über die Voruntersuchungen und die Genehmigung – sowie die Zeit rund um die Operation lang. Wie er erfolgreich bestritten werden kann und ein genussvolles Kochen auch danach möglich ist, zeigen zwei neue Ratgeber, die jetzt im TRIAS Verlag erschienen sind.

Meine Adipositas-OP – Wie ich es geschafft habe, ein neuer Mensch zu werden und wie auch Ihnen das gelingt.

Den TRIAS Ratgeber „Meine Adipositas-OP“ versteht die Autorin Christina Filbert als Mutmach-Buch für Betroffene. Sie erzählt darin von ihren Erfahrungen als Übergewichtige, ihrem Entschluss zur OP, die Zeit in der Klinik und darüber, wie danach ein gesundes Leben gelingen kann.

 

Der Ratgeber begleitet Christina Filbert über sämtliche Stationen und organisatorischen Fragen rund um die Adipositas-OP. Die praktischen Tipps schließen auch die wichtige Zeit danach mit ein, wenn zum Beispiel Eisen, Zink, Kupfer sowie Vitamin D und Kalzium infolge der OP nicht mehr über die Nahrung aufgenommen werden und supplementiert werden müssen. „Trotz aller Rückschläge, die mit einem solchen Eingriff einhergehen, habe ich durch die Operation eine Menge an Lebensqualität zurückgewonnen“, ermutigt die Autorin.

Zur Autorin:

Christina Filbert hat es geschafft, mit einer bariatrischen Operation – Mini-Magenbypass (MGB) – über 70 Kilogramm abzunehmen. Schon als Kind übergewichtig, sammelte sie über die Jahre 140 Kilogramm Körpergewicht an. Hilfe fand die gelernte Bibliothekarin einzig im chirurgischen Eingriff. Heute lebt sie „leicht“ und isst und kocht dennoch gerne und entspannt.

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Nach der Adipositas-OP

Das Kochbuch für mein neues Leben

 Nicht nur direkt nach der Operation, sondern vor allem langfristig gilt es, neue Ess- und Bewegungsgewohnheiten in den Alltag zu integrieren. In ihrem neuen TRIAS Ratgeber „Nach der Adipositas-OP. Das Kochbuch für mein neues Leben“ (TRIAS Verlag, Stuttgart. 2020) vermittelt die Ökotrophologin und Ernährungsberaterin Dr. Heike Raab Betroffenen zunächst wichtiges theoretisches Wissen. Der Hauptteil des Buches enthält viele leckere Rezepte – für schnelle Gerichte für den Feierabend, Leckeres zum Mitnehmen, Dips, Aufstriche und Knabbereien.  

Denn nach dem Eingriff gelte es nicht, eine weitere Diät durchzuführen. „Es heißt vielmehr, das Essen – wenn auch in kleineren Portionen – wieder zu genießen. Eine Veränderung der Essgewohnheiten ist vor und insbesondere nach einer Adipositas-OP Voraussetzung für eine erfolgreiche Gewichtsabnahme und das Halten des erreichten Gewichts“, erklärt Dr. Raab. Hülsenfrüchten wie Linsen, Bohnen und Kichererbsen kommt dabei als Proteinlieferant eine zentrale Bedeutung zu. Welche Nährstoffe sind darüber hinaus wichtig? Wie sollten Portionsgrößen ideal bemessen werden? Wie viele Mahlzeiten am Tag sind optimal? Auf diese und weitere wichtige Aspekte gibt das Buch wissenschaftlich fundierte Antworten.

Zur Autorin:

Dr. Heike Raab ist Ökotrophologin und Ernährungsberaterin (VDOE). Seit über zwanzig Jahren arbeitet sie im klinischen Bereich in der Beratung und Therapie von Adipositas- und Diabetespatienten. Menschen auf ihrem Weg vor und nach der OP zu begleiten, ist ihr ein großes Anliegen.

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Die Ratgeber sind im Trias Verlag erschienen:

Christina Filbert

Meine Adipositas-OP – Wie ich es geschafft habe, ein neuer Mensch zu werden und wie auch Ihnen das gelingt
TRIAS Verlag, Stuttgart. 2020
Buch EUR [D] 16,99 EUR ISBN Buch: 9783432110202

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Dr. Heike Raab

Nach der Adipositas-OP

Das Kochbuch für mein neues Leben

TRIAS Verlag, Stuttgart. 2020
Buch EUR [D] 19,99 EUR – ISBN Buch: 9783432111469


Text: Trias Verlag

Bilder Copyright:

  • Heike Raab: © Ronald Wissler Visuelle Kommunikation, TRIAS Verlag
  • Christina Filbert: © Christina Filbert, TRIAS Verlag

 

Welt-Vegantag im November 2020 – Was tun bei Jodversorgung bei veganer Ernährung?

Für Veganer, die kaum Jodsalz oder damit hergestellte Lebensmittel verwenden, sind Algen beziehungsweise entsprechende Präparate eine Alternative, um ausreichend mit dem lebensnotwendigen Spurenelement versorgt zu sein.

„Allerdings enthalten diese teilweise extrem hohe Jodmengen, die gesundheitlich riskant sind. Daher sollten Veganer, in Absprache mit dem Hausarzt, besser auf Tabletten zurückgreifen, die eine definierte Menge Jod, zum Beispiel 100 Mikrogramm, enthalten“, sagt Professor Roland Gärtner, Internist und Endokrinologe an der Universität München sowie Vorsitzender des Arbeitskreises Jodmangel e.V. (AKJ) anlässlich des Weltvegantags am 1. November. Algen könnten aber in geringen Mengen Speisen zugefügt werden, ergänzt der Experte.

Algen und entsprechende Präparate weisen Jodgehalte von bis zu 6.500 Milligramm pro Kilogramm Trockenprodukt auf. Professor Gärtner erklärt: „Diese sehr hohen Mengen können bei Menschen mit langjährigem Jodmangel und möglicherweise bereits bestehenden Knoten in der Schilddrüse, eine Funktionsstörung auslösen.

Auch für Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen wie Morbus Basedow, Hashimoto oder heißen Knoten sind extrem hohe Jodmengen problematisch.“ Daneben sind Algen häufig mit Schwermetallen wie Blei, Cadmium, Aluminium und Arsen belastet (1). Über einen längeren Zeitraum aufgenommen, können diese unter anderem Herz-Kreislauf-, Nieren- oder Knochenerkrankungen fördern. Wer Algenprodukte kauft, sollte darauf achten, dass der Jodgehalt sowie die maximal täglich empfohlene Verzehrmenge genannt sind (2).

Da Veganer auf alle tierischen Produkte verzichten, haben sie ein erhöhtes Risiko für einen Jodmangel. Denn besonders Lebensmittel wie Seefisch, Milch und Milchprodukte sind jodreich. Pflanzliche Lebensmittel enthalten nur geringe Mengen an Jod. Generell empfiehlt der AKJ Veganern, alle Speisen mit Jodsalz zuzubereiten und bei veganen Fertigprodukten auf die Bezeichnungen „jodiertes Speisesalz” oder „Jodsalz” zu achten.

© Arbeitskreis Jodmangel

Die Welt auf dem Teller »Ich esse, also bin ich.« Doris Dörrie

Foto: © Mathias Bothor / Photoselection

Doris Dörries Gedanken über das Essen – persönlich, leidenschaftlich, inspirierend. Biographisch und assoziativ – wie ihr Vorgänger-Buch Leben, schreiben, atmen, das monatelang auf der Spiegel-Bestsellerliste stand.Inspirationen aus der Küche. Mit Illustrationen von Zenji Funabashi.
Die Welt auf dem Teller ist am 26.8.2020 erschienen.

Bin ich das, was ich esse? Wer bin ich, wenn ich koche?
Knusprige Brotkrusten, Eier von glücklichen Hühnern, familiäres Miteinander bei spanischer Paella, Innehalten bei grünem Tee mit japanischen Reisbällchen und Kindheitserinnerungen an Melonen-Momente – wenn Doris Dörrie über das Essen schreibt, liest sich das, als umarme sie die Welt. Essen und Kochen sind für sie Lebensfreude, Grund zur Dankbarkeit und Eigenverantwortung sowie ein Weg zum besseren Verständnis unserer selbst und der Welt, die uns umgibt.
In ihren vielfältigen Kolumnen lädt Doris Dörrie zum Genießen ein, fordert Achtsamkeit und macht sich für eine ökologisch verträglichere Esskultur stark. Ihre Texte rund ums Essen machen empfänglich für die kleinen Momente des Glücks und haben die Kraft, den Alltag zum Leuchten zu bringen.
Ein Teller Spaghetti ist nach der Lektüre nicht mehr einfach ein Teller Spaghetti, sondern der Inbegriff des wahren Glücks – Pures Pasta-Glück eben .

Basierend auf ihrem vorherigen Bestseller Leben, schreiben, atmen finden Sie im kostenlosen Online-Workshop »Schreiben hilft! Dir auch?« nach Anmeldung insgesamt 18 längere Schreib-Tutorials mit Doris Dörrie. Im Rahmen des Wettbewerbs der BürgerAkademie mit den Volkshochschulen. Acht kürzere Clips auf dem Diogenes YouTube-Kanal.
Doris Dörrie auf Instagram (Morning Pages).

 

Doris Dörrie – Die Welt auf dem Teller »Ich esse, also bin ich.«

Doris Dörrie
Foto: © Mathias Bothor / Photoselection

Bin ich das, was ich esse? Wer bin ich, wenn ich koche?

Gedanken über das Essen – persönlich, leidenschaftlich, inspirierend. Biographisch und assoziativ – wie ihr Vorgänger-Buch Leben, schreiben, atmen, das monatelang auf der Spiegel-Bestsellerliste stand.


Knusprige Brotkrusten, Eier von glücklichen Hühnern, familiäres Miteinander bei spanischer Paella, Innehalten bei grünem Tee mit japanischen Reisbällchen und Kindheitserinnerungen an Melonen-Momente – wenn Doris Dörrie über das Essen schreibt, liest sich das, als umarme sie die Welt. Essen und Kochen sind für sie Lebensfreude, Grund zur Dankbarkeit und Eigenverantwortung sowie ein Weg zum besseren Verständnis unserer selbst und der Welt, die uns umgibt.
In ihren vielfältigen Kolumnen lädt Doris Dörrie zum Genießen ein, fordert Achtsamkeit und macht sich für eine ökologisch verträglichere Esskultur stark. Ihre Texte rund ums Essen machen empfänglich für die kleinen Momente des Glücks und haben die Kraft, den Alltag zum Leuchten zu bringen.
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Aktuelle Studie – Heranwachsende benötigen Jod für eine gesunde geistige Entwicklung für

„Jod und Schilddrüse“ Schon vor der Geburt bis zu der Pubertät: Heranwachsende benötigen Jod für eine gesunde geistige Entwicklung

Auch wenn Deutschland laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht mehr als explizites Jodmangelgebiet gilt, sind Teile der Bevölkerung, unter anderem Kinder und Jugendliche, nicht ausreichend mit Jod versorgt. In der KiGGS-Studie (Untersuchung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) wurde bei etwa 30 Prozent der untersuchten Heranwachsenden eine unzureichende Jodversorgung nachgewiesen. Jod ist ein essentielles Spurenelement und für die Bildung der Schilddrüsenhormone unentbehrlich. „Besonders in den kritischen Phasen der Entwicklung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen kann ein Jodmangel schwerwiegende Folgen haben“, erklärt Professor Thomas Remer, Wissenschaftler und Ernährungsendokrinologe am Studienzentrum DONALD Studie Dortmund der Universität Bonn und 2.Vorsitzender des Arbeitskreises Jodmangel e.V. (AKJ), anlässlich des Weltkindertages am 20. September. Dazu gehören Wachstumsstörungen, Hördefekte, Konzentrations- und Lerndefizite sowie bleibende Beeinträchtigungen der intellektuellen Leistungsfähigkeit. Die Auswirkungen der unzureichenden Jodversorgung, unter anderem auf die geistige Entwicklung des Kindes, wurden in einer Stellungnahme der American Thyroid Association (US-amerikanischen Schilddrüsengesellschaft) von 2017 zum universellen Einsatz von Jodsalz hervorgehoben und entsprechend die Bedeutung einer ausreichend hohen Jodzufuhr gerade in der Schwangerschaft und während des anschließenden Stillens betont (6).

Jod – von großer Bedeutung in der Schwangerschaft

Ist nicht ausreichend Jod vorhanden, wird zu wenig Schilddrüsenhormon T4 (Thyroxin oder Tetrajodthyronin) gebildet. Das T4 liegt im Blut an ein Protein gebunden oder frei vor. Besonders das freie T4 (fT4) ist dafür verantwortlich, dass sich die Nervenzellen gesund entwickeln, da für eine adäquate Hormonwirkung im Gehirn vorwiegend das fT4 die Bluthirnschranke passieren muss. Es wird anschließend in den Zielzellen durch das Enzym Dejodase in die aktive Hormon-Form T3 (Trijodthyronin) umgewandelt. Schon leicht verminderte fT4-Werte können die geistige Entwicklung beeinträchtigen. Die Schwangerschaft gilt dabei als die kritischste Phase der kindlichen Hirnentwicklung. Bis zur 12. Schwangerschaftswoche wird der Fetus über die Schilddrüsenhormone der Mutter mitversorgt. Daher benötigt sie in der Schwangerschaft mehr Jod, um vermehrt Schilddrüsenhormone produzieren zu können. Aber auch danach: Zwar beginnt die kleine Schilddrüse des ungeborenen Kindes nun selbst Hormone zu bilden, benötigt hierfür jedoch das Jod der Mutter über die Nabelschnur. Professor Remer betont deshalb: „Um ausreichend mit Jod versorgt zu sein, sollten alle Schwangeren besonders auf ihre Jodzufuhr achten und sich gerade in dieser wichtigen Lebensphase dafür entscheiden, eine übliche, in der Regel joddefizitäre Kost mit täglich 150 bis 200 Mikrogramm Jod (in Tablettenform) zu ergänzen.“ Die Dosierung entspricht der gemeinsamen aktuellen Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (7).

Stillzeit: Mütterliche Jodversorgung unentbehrlich für das Kind

Nach der Geburt bis zum Ende der Stillzeit ist das Kind ebenfalls auf eine ausreichende Jodzufuhr seitens der Mutter angewiesen. Während der Stillzeit stellt die Muttermilch die einzige Nahrungsquelle für das Kind dar. In der Regel weist sie ein ideales Verhältnis aller notwendigen Nährstoffe auf – mit Ausnahme des Spurenelements Jod in Jodmangelgebieten. Die Brustdrüse kann aktiv nur so viel Jod für das Baby bereitstellen wie aufgrund der Nahrungszufuhr der Mutter in ihrem Blut zirkuliert. Deswegen sollte auch hier der erhöhte Jodbedarf mithilfe der Einnahme von Jodtabletten gedeckt werden, wenn nicht durch die übliche Ernährung eine tägliche Jodzufuhr von ca. 200 Mikrogramm pro Tag sichergestellt werden kann. Nicht gestillte Säuglinge werden generell durch kommerzielle Säuglingsanfangsnahrungen ausreichend mit Jod versorgt. Säuglinge haben eine kleinere Schilddrüse und können daher weniger Jod speichern. Somit besteht schneller die Gefahr einer Unterversorgung. Die Empfehlung der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die tägliche Jodzufuhr in den ersten Lebensmonaten liegt derzeit bei 40 Mikrogramm (siehe Tabelle). „Experten plädieren allerdings für eine deutliche Anhebung der Empfehlung gerade während der ersten Lebensmonate, um eine optimale Entwicklung des Gehirns zu unterstützen. So lauten die Referenzwerte des US-amerikanischen Institute of Medicine für die adäquate Jodzufuhr von Säuglingen bis zum sechsten Lebensmonat sogar: 110 Mikrogramm täglich“, sagt Professor Remer.

Während des gesamten Wachstums auf Jodzufuhr achten

Nach der reinen Stillzeit ist besonders bei selbst hergestellter Beikost die Jodzufuhr kritisch, da diese überwiegend pflanzlich ist (Getreide-, Obst-, Gemüsebreie) und daher nur wenig Jod enthält. Auch industriell hergestellte Beikost ist nur teilweise ausreichend angereichert. „Bei teilgestillten Säuglingen und der Zufütterung von selbst hergestellter Beikost wird oft weniger als die Hälfte der täglich notwendigen Jodzufuhr erreicht“, so Professor Remer. Zur Verbesserung der Jodversorgung können Jodtropfen zur Anreicherung der Nahrung genutzt werden. Allerdings sollte dies zuvor mit dem Kinderarzt besprochen werden.

Auch im Schulkindalter sollten Eltern auf eine ausreichende Jodzufuhr achten. „Bei neuseeländischen Schulkindern, mit annähernd ähnlicher Jodversorgung, wie sie auch bei deutschen Kindern zu beobachten ist, konnten durch die tägliche Jodgabe von 150 Mikrogramm über ein halbes Jahr bereits deutliche Verbesserungen geistiger Leistungsparameter im Vergleich zu Kindern der Kontrollgruppe ohne Jodgabe nachgewiesen werden“, erläutert Professor Remer.

 

(Tab.1: Referenzwerte der deutschen Gesellschaft für Ernährung, 2017; a) Schätzwert; µg = Mikrogramm
AlterEmpfohlene Zufuhr in µg pro Tag
0 bis 4 Monatea40
4 bis12 Monate80
1 bis 4 Jahre100
4 bis 7 Jahre120
7 bis 10 Jahre140
10 bis 13 Jahre180
13 bis 15 Jahre200
über 15 Jahre200

 

Um die Kleinsten von Anfang an gut mit Jod zu versorgen, gibt der AKJ folgende Tipps:

Bei der Herstellung von Beikost, speziell auf pflanzlicher Basis und der hauptsächlichen Verwendung von Bio-Milchprodukten, muss auf eine ausreichende Gesamt-Jodzufuhr geachtet werden. Die Beikost sollten Eltern bei Kleinkindern unter einem Jahr nicht eigenmächtig nachsalzen, auch nicht mit Jodsalz. Ein zu hoher Salzkonsum kann langfristig eine ungünstige Entwicklung des Blutdrucks und der Geschmacksprägung verursachen. Wenn Kinder etwa ab dem ersten Lebensjahr auch salzhaltigere Mahlzeiten angeboten bekommen, sollten diese – wenn immer möglich – mit jodiertem Speisesalz zubereitet werden. Im höheren Kindes- und Jugendalter empfiehlt der AKJ eine jodreiche Ernährung mit regelmäßig Seefisch, Milch- und Milchprodukten sowie der gezielten Auswahl von Lebensmitteln, die mit jodiertem Speisesalz produziert wurden. Insbesondere die Jodsalzprophylaxe hat in der Vergangenheit maßgeblich zu einer verbesserten Jodversorgung beigetragen – dies betont nicht nur die amerikanische Schilddrüsengesellschaft in ihrem Statement (6), sondern auch das seit 30 Jahren weltweit eng mit der WHO und mit UNICEF zusammenarbeitende IGN (Iodine Global Network). „Laut der American Thyroid Association stellt die Anreicherung von Speisesalz mit Jod und dessen Verwendung in der Lebensmittelproduktion eine effektive sowie nachhaltige Strategie zur Behebung jodmangelbedingter Auswirkungen und Schilddrüsenerkrankungen dar“, äußert Professor Remer.

1.     Remer T. et al. (2010) Jodmangel im Säuglingsalter – ein Risiko für die kognitive Entwicklung. Dtsch med Wochenschr,Vol. 135, S.1551-1556

2.     Niwattisaiwong S., Burman K.D., Li-Ng M. (2017) Iodine deficiency: Clinical implications. Cleveland Clinic Journal of Medicine, Vol.84, Nr.3, S.236-243

3.     Wie wirkt sich Jodmangel in der Schwangerschaft auf die kognitive Entwicklung der Kinder aus? Lancet 2013, Vol. 382, S.331-337. In: Archiv 2014, Thieme Verlag www.thieme.de; (Download 19.05.2017, 17.01 Uhr)

4.     Remer T. (2007) Jodversorgung bei Kindern und Jugendlichen: Maßnahmen, Probleme und Erfolge im Wachstumsalter. Prävention und Gesundheitsförderung, Vol. 3, S.167-174

5.     Rayman M.P, Bath S.C. (2015) The new emergence of iodine deficiency in the UK: consequences for child neurodevelopment. Ann Clin Biochem, Vol.52, S.705-708

6.     Pearce E.N. (2017) The American Thyroid Association: Statement on Universal Salt Iodization. Thyroid, Vol. 27, No.2

7.     Feldkamp J. (2016) Klug entscheiden:…in der Endokrinologie. Dtsch Arztebl, Vol.113, Nr.17

8.     Iodine Global Network. The Iodine Global Network: 2016 Annual Report. IGN: Seatle, WA. 22 May, 2016. Seatle, WA. 22 May, 2016.

Bild:FOTOLIA

 

 

 

Die Ursachen von Stress und Überlastung erkennen und zu neuer Leichtigkeit finden

Der Kalender ist voll mit Terminen, der Job fordert viel, die Steuererklärung wartet auf die Abgabe und der Haushalt macht sich auch nicht von allein: Das tägliche Hamsterrad mit seinen Deadlines und To-Do-Listen ist nur der offensichtliche Teil dessen, was uns stresst. Die wahren Ursachen von Überlastung sind oft unsichtbar: alte Glaubenssätze, übernommene Wertvorstellungen, verdrängte Traurigkeit oder unausgesprochene Erwartungen. Die australische Bestseller-Autorin Dr. Libby zeigt in ihrem neuen Buch „Die Last des Alltags abwerfen“ (TRIAS Verlag, Stuttgart. 2020) wie Überlastung auf den Körper wirkt und bietet Lösungen, wie wir uns von eingefahrenen Denkmustern lösen und zu einem entspannten Alltag zurückfinden.

Die Autorin: Dr. Libby Weaver zählt in Australien zu den erfolgreichsten Autorinnen im Ernährungssegment. Die studierte Ernährungswissenschaftlerin und Biochemikerin berät seit über 20 Jahren Frauen, die sich in ihrem Körper wohler fühlen wollen. Mehr erfahren sie auf ihrer englischsprachigen Website https://www.drlibby.com/.

 

Die Last des Alltags abwerfen

Die Ursachen von Stress und Überlastung erkennen und zu neuer Leichtigkeit finden

TRIAS Verlag, Stuttgart. 2020

Buch EUR [D] 19,99 EUR [A] 20,60

EPUB EUR [D] 15,99 EUR [A] 15,99

ISBN Buch: 9783432112435

ISBN EPUB: 9783432112442

 

Der kleine Anti-Burnout-Coach“: Burnout vorbeugen und zu neuer Kraft finden

Ständiger Zeitdruck, immer alles geben, nicht nein sagen können – wem das bekannt vorkommt, der steuert möglicherweise auf ein Burnout zu. Damit es nicht so weit kommt, gibt Roland König in seinem Ratgeber „Der kleine Anti-Burnout-Coach“ (TRIAS Verlag, Stuttgart) den Leserinnen und Lesern praxistaugliche Tipps und stellt Strategien vor, mit denen sie wieder zu mehr Energie finden können.

Der Autor: Mag. Roland König ist Hypnose-Psychotherapeut und Psychologe. Zusätzlich absolvierte er ein Studium der Psychotherapie und führt seit vielen Jahren eine eigene Praxis bei Wien. Durch seine vorherige Tätigkeit bei Microsoft München und später im Management in Wien lernte er, was es heißt, unter Druck zu arbeiten. Dies hilft ihm heute, den Stress, der auf seinen Klienten lastet, zu verstehen. Mehr erfahren Sie unter www.insglueck.at.

Roland König

Der kleine Anti-Burnout-Coach

35 einfache Wege zu neuer Kraft

Buch EUR 12,99 [D] EUR 13,40 [A]

EPUB EUR 9,99 [D] EUR 9,99 [A]

ISBN Buch: 9783432112596

ISBN EPUB: 9783432112602

Erscheinungstermin: 07.10.2020

 

Andrea Thoma trifft: Dr.Bianca Senf, Frankfurt – Hier bekommen Krebserkrankte Hilfe

Krebspatienten stürzen nach der Diagnose aus ihrer normalen Wirklichkeit. Akzeptanz und Neuorientierung sind jetzt gefragt, meint die Psychoonkologin

Dr. Bianca Senf.

Bianca Senf ist eine Kämpfernatur. Eine Charaktereigenschaft, die sie ihren Patienten manchmal auch für ihren persönlichen Heilungsweg vermittelt. Aber es geht ihr beim Thema `Krebs´ grundsätzlich nicht um den Kampf gegen die Krankheit, sondern um die Entscheidung für das Leben, „selbst wenn es im Einzelfall manchmal nur noch kurz ist“. Annahme, Ordnung, Sich-Neu-Erfinden – darüber spricht die Leiterin der Psychoonkologie am Universitären Zentrum für Tumor-Erkrankungen an der Universitätsklinik Frankfurt mit krebskranken Menschen. Direkt am Krankenbett, in ihrem Klinik-Therapieraum und häufig auch noch ambulant in ihrer Praxis.

Akut- und Nachsorge für die Seele, so könnte man vereinfacht den psychosozialen Baustein in der integrativen Tumortherapie bezeichnen. Eine Seelenpflege für Kranke, für deren Angehörige und oftmals auch für die eigenen Kollegen, die diese Arbeit auch heute noch, trotz validierter Instrumente für den Einsatz von Psychoonkologen in der Krebsheilkunde, gerne mal als „Psychokram“ abtun.

Wir treffen Dr. Senf, in Deutschland zu den „Vorkämpfern der 2. Psychoonkologen-Generation“ gehört, und sich vor allem für psychosoziale Untersützung bei Kindern im Umfeld einer Krebserkrankung einsetzt, in ihrer modern eingerichteten Altbau-Wohnung im Frankfurter Nordend.

Andrea Thoma: Ist ein Krebspatient im akuten Stadium nicht schon genug mit dem Tumor in seinem Körper belastet? Braucht er dabei auch noch, vereinfacht gesagt, einen Seelen-Doktor am Krankenbett?

Dr. Bianca Senf: Er braucht einen Menschen, der ihm zuhört und mit ihm das Gedankenkarusell ordnet, oder wie eine Patientin von mir gerne sagt, „ sortiert“. Das schaffen viele Angehörige nicht, da sie auch unter dem Schock der lebensbedrohenden Diagnose stehen und die behandenden Ärzte sind oft zeitlich überfordert. Außerdem bin der festen Überzeugung, dass Körper und Seele im Menschen eine Einheit bilden. Also ist es auch wichtig, nach der seelischen Verfassung eines Kranken zu fragen und nicht nur nach der somatischen, also der körperlichen. Damit will ich absolut nicht die umstrittene These der `Krebspersönlichkeit´ verstärken.

Es geht tatsächlich in der psychoonkologischen Betreung in einer Akutklinik nicht primär um die Frage, woher kommt der Krebs. Darüber reden wir in der Regel nicht sofort und schon garnicht am Krankenbett, es sei denn, den Betroffenen beschäftigt diese Frage und er möchte sie klären. Es geht im akuten Stadium tatsächlich zunächst erst mal um seelische Erste-Hilfe, um eine psychische Untersützung, zusätzlich zur körperlichen Behandlung. Wir Psychoonkologen sind einfach da. Wir hören zu, sortieren die Gefühle und die Anliegen, entwickeln einen Fahrplan und nehmen sowohl im übertragenen Sinn als auch manchmal direkt, den Patienten in den Arm.  

 Lassen sich denn darauf alle Patienten ein?

Nein, nicht alle. Aber immer mehr. Die Psychoonkologie wird Gott sei Dank immer bekannter. Und vor allem bin ich froh, dass auch immer mehr Männer unsere Therapieangebote wahrnehmen.

Sie sprechen davon, dass Mediziner, die für Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapien in einer Krebsstation zuständig sind, sich nicht auch noch um das Seelenheil der Krebspatienten kümmern können. Ist das nicht ein Armutszeugnis für unsere Akutmedizin?

 Da hat unsere Medizin natürlich noch großen Nachholbedarf. Denn jeder, der Menschen `verarztet´, hat eigentlich seine Hausaufgaben nicht gemacht, wenn er nur auf die somatischen Krankheitssymptome eines Patienten schaut. In einem großen Klinikum ist aber leider eine tiefergehende psychologische Betreuung durch die behandelnden Ärzte schon aus Zeitgründen nicht möglich. Sie wird einfach von den Krankenkassen nicht bezahlt.

Das Manko, das Sie ansprechen, ist also systemimmanent. Nach meiner Meinung gehört unbedingt in jedes Behandlungsteam eines Klinikums oder Krankenhauses, insbesondere wenn es um Schwerstkranke geht, ein psychosozial ausgebildeter Therapeut, der den Schock und die Ängste der Patienten und ihrer nächsten Umgebung durch seine therapeutischen Befähigungen ein wenig abfedern hilft.

Sie haben mit Ihrem psychoonkologischen Team am Universitätsklinikum Frankfurt eine Spitzen-Position in Deutschland erreicht. Gab es ein Schlüsselerlebnis für Ihre heutige Profession und Haltung?

Ich habe zunächst in Koblenz den Beruf der Kinder-Krankenschwester erlernt. Dabei kam ich schnell mit dem Thema `Kinder und Krebs´ in Verbindung. Die Kinder haben uns Krankenschwestern und auch den Ärzten ganz einfache Fragen gestellt: Wie gehe ich mit Schmerzen um? Wie mit einer Glatze durch die Chemotherapie? Wie sage ich das meinen Spielgefährten? – Damit waren wir häufig völlig überfordert. Wir waren als `medizinische Handwerker´, nicht aber als Seelentröster ausgebildet.

Daran hat sich übrigens bis heute nur wenig verändert. Es fehlt bei der Ausbildung von Ärzten und auch beim Pflegepersonal nach wie vor an der Vermittlung kommunikativer Fertigkeiten. Auch die Bedeutung von Krankheiten für unser Erleben und unser Selbstverständnis, insbesondere Erkrankungen, die unsere Existenz bedrohen oder bedrohen können, wird, wenn überhaupt, zu wenig vermittelt und reflektiert. Die psychosozialen Aspekte von Erkrankungen und deren Auswirkungen auf das gesamte Familien- und Freundesystem haben eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für das gesund werden. Sie finden in unserem modernen Medizinsystem aber kaum berücksichtigung. Dass die Psychoonkologie in die Curricula der Psychologie, der Medizin und der Sozialarbeit eingeht, dafür kämpfe ich schon seit Jahren. Es gibt, schon durch unsere Anwesenheit in Akutkliniken, ein kleines Licht am Ende des Tunnels.

Besonders schlimm empfand ich damals übrigens die Sprachlosigkeit in der Familie untereinander und in der Kommunikation mit den Ärzten. Es ging meist nur um technische Details der Behandlung. Der Rest – Trauer, Tränen, Ängste, Wut – wurde überhaupt nicht thematisiert. Dieses hilflose Szenari, das im Übrigen auch von den Behandlern beklagt wird, hat mich nicht mehr losgelassen und hat dazu geführt, dass ich mich verstärkt mit Familientherapien in der onkologischen Zusatzbehandlung beschäftigt habe.

Und wie stellt sich heute das Szenario in einer Krebsstation dar? Sie sagen ja selbst, es hat sich schon durch die zeitliche Enge im Klinkablauf, wenig verändert.

 Es fehlt nach wie vor an der psychosozialen Kompetenz in einer Akutklinik und es fehlt an Zeit. Zudem wird die Kompetenz des Mediziners nicht an seiner Empathiefähigkeit und gesprächskompetenz gemessen, sonder na seinem Faktenwissen. Ein großes Problem. Nicht nur für die Patienten, sondern auch für meine Kollegen. Denn wir Psychoonkologen betreuen nicht nur Patienten und ihre Familien, sondern beraten und untersützen häufig auch unsere Kollegen im Krankenhaus.

Hat sich den gesellschaftlich im Umgang mit der Krankheit Krebs etwas verändert?

Ich glaube, das Buch der damals sehr populären Schauspielerin und Sängerin Hildegard Knef, „Das Urteil“, in dem sie in den 70er Jahren völlig offen ihre Erfahrungen mit einer Brustkrebserkrankung thematisierte, war wegweisend, dass Krebs wieder ein Stück weiter enttabuisiert wurde. Das Buch löste international erste öffentliche Debatten über den persönlichen, klinischen und gesellschaftlichen Umgang mit der Krankheit aus. Aber auch heute noch sehen viele Betroffene diese Krankheit als ein Stigma an. Dazu haben auch die Diskussionen um die so genannte `Krebs-Persönlichkeit´ beigetragen, für die es bis zum heutigen Tag absolut keinen empirischen Nachweis gibt.

Der integrative Behandlungsansatz, in dem Ärzte, Pflegepersonal und Psychoonkologen eng zusammen arbeiten, hat ganz sicher die Sprachlosigkeit bei der Diagnose Krebs mit verändert. Er hat nachweislich eine stresspuffernde und Lebensqualität verbessernde Wirkung auf die Kranken. Inzwischen haben wir in Deutschland bereits 13, von der Deutschen Krebshilfe geförderte und zertifizierte onkologische Spitzenzentren. Voraussetzung dafür ist das Vorhalten einer psychoonkologischen Versorgung für Krebspatienten in der ambulanten und stationären Behandlungssituation.

Was impliziert der Begriff Psychoonkologie und wo liegen seine historischen Wurzeln in der Medizin?

 Der Begriff Psychoonkologie impliziert einen Überschneidungsbereich von klinischer Psychologie und Medizin, auch `Somatopsychologie´ genannt (Erstmals eingeführt im 19. Jahrhundert vom deutschen Psychiater Maximilian Jacobi). Dabei geht es um die psychosozialen Aspekte bei der Entstehung, dem Verlauf und der Behandlung von Krebs. Für die psychosozial orientierte Medizin war das 19. Jahrhundert tatsächlich prägend.

Es war die Zeit der bürgerlichen Revolution, der Verarmung großer Bevölkerungsgruppen und ernährungs- und psychosozial bedingter Erkankungen. Rudolf Virchow, der Begründer der modernen Pathologie, der Mitte des 19. Jahrhunderts als Arzt an der Berliner Charité arbeitete, war übrigens auch einer der ersten, der die psychosoziale Komponente bei Krankheiten thematisierte.

Wer darf als Psychoonkologe arbeiten?

Die Kollegen sind überwiegend Psychologen, Sozialarbeiter, Ärzte oder Heilpraktiker. Der Begriff ist leider noch nicht gesetzlich geschützt, so dass gerade ambulant arbeitende Psychoonkologen eine heterogene Gruppe bilden. Patienten und Angehörige sollten bewusst selektieren, denn gerade bei der Begleitung eines Schwerstkranken ist eine langjährige medizinische und psychotherapeutische Erfahrung Voraussetzung für eine erfolgversprechende Therapie. Ich finde es beispielsweise sehr schwierig, wenn psychoonkologisch tätige Kollegen keine Ahnung von den medizinischen Krankheitsbildern ihrer Patienten haben oder nicht wissen, wie sich z. B. eine Chemotherapie auswirken kann.

In welcher psychischen Situation finden Sie krebskranke Menschen in der Akutklinik vor? Gibt es erkennbare einheitliche Verhaltensmuster?

 Ja und nein. Grundsätzlich folgen Stress-Situationen, und genau damit haben wir es bei einer schweren Erkrankung zu tun, einem so genannten Stress-Verarbeitungsmuster. Vereinfacht gesagt geht es darum, ob ein Mensch das Gefühl hat, die neue Situation als eine Herausforderung anzunehmen oder ob er sich damit komplett überfordert fühlt. Und das ist individuell völlig unterschiedlich und hat etwas damit zu tun, wie man prinzipiell „gestrickt“ ist und welche Bewältigungsfähigkeiten man in seinem Leben gelernt hat.

Vordergründig erkennbar ist bei fast allen Patienten aber die Angst. Angst vor Siechtum, Angst vor Entstellungen durch Narben, Angst vor dem Tod. Dazu kommen oft noch soziale und finanzielle Probleme. Jede Angst hat eine individuelle Färbung. Sie trifft nicht auf ein unbeschriebenes Blatt Papier, sondern auf eine ganz persönliche Lebensgeschichte. Identisch für alle Kranken ist die äußere Situation in einer Akutklinik. Vieles Unbekannte wird plötzlich an den Patienten herangetragen. Er muss auf Behandlungsanforderungen reagieren, hat mit institutionellen Zwängen und mit fixierten Therapiemustern zu tun, ist dem Anpassungsdruck gesellschaftlicher Einstellungen, einschließlich der kollektiven Tendenz zur Angst-Verdrängung ausgesetzt, erlebt ständig seine eigenen und die Ängste seiner Umwelt und hätte vor allem gerne wieder seine Souveränität zurück. Das ist ein individueller Verarbeitungsprozess, den wir engmaschig begleiten.

Ist `Halt geben´, ein Begriff den Sie immer wieder benutzen, ein Teil des Bewältigungs- beziehungsweise des Verarbeitungsprozesses? Und wie gibt man Halt in einer Ausnahmesituation, die auch zum Tod führen kann?

 Dieser Begriff `Halt geben´ ist für mich in der Therapie sehr zentral. Halt kann man einem Menschen geben, in dem man deutlich signalisiert: Ich bin verlässlich für dich da. Im nächsten Schritt versucht der Therapeut die Schocksituation, und die damit zunächst verbundene Sprachlosigkeit zwischen allen Beteiligten aufzulösen. Der Kranke ist vielleicht zum ersten Mal ganz tief  mit seiner eigenen Verletzbarkeit und Endlichkeit konfrontiert.

Wir halten mit ihm diese existentiellen Ängste aus. Denn genau das schafft seine nächste Umgebung meist nicht. Der Krebs frißt sich ja auch ins Umfeld, in die Familie. Man nennt sie `Patienten zweiter Ordnung´, denn auch sie sind der Schocksituation ausgesetzt. Der erste Ansatzpunkt ist, den angstbesetzten Sturz aus der normalen Lebenswirklichkeit, den Verlust der `Unschuld´ wie ich es nenne, zu thematisieren, die Trauer und Wut auszuhalten und dann individuelle Lösungswege zu suchen.

 Welche Ziele und Orientierungspunkte können Sie einem Menschen, der seine Normalität verloren hat, anbieten? Welche Elemente aus der Bewältigungsforschung setzen Sie ein?

 Die Bewältigungsforschung beschäftigt sich schon lange mit den Fragen, wie sich die unterschiedlichen Reaktionsweisen von traumatisierten Menschen ordnen lassen. Es gibt hierbei kein `richtig´ oder `falsch´. Zunächst geht es nur darum, existentielle Gefühle zu strukturieren und dann zu portionieren. Damit beginnt der Orientierungsprozess, die ganz persönliche Krankheitsverarbeitung, die wir auch `Coping´ nennen (Nach Lazarus/Folkmann 1984: „Verhalten, das vom Patienten eingesetzt wird, um die krankheitsbedingten Anforderungen, Belastungen und Probleme zu überwinden, zu lindern oder zu tolerieren“). Dieser Begriff beinhaltet auch schon das Ziel: Ein anderer Umgang mit Belastungen und Ängsten und der Gewinn einer neuen Gefühlsstabilität.

Wir vermitteln dabei auch neue Kontrollstrategien, geben Anstösse für die mögliche Klärung von lebensbiografischen Konflikten und Traumatas, für den Aufbau von neuen Verarbeitungsstrategien und für die Schaffung von neuen Kommunikations-Plattformen. Das alles gelingt nicht immer, aber wenn der Patient nur einige der Ziele erreicht, verbessert sich dadurch seine Lebensqualität.

 Welche therapeutischen Möglichkeiten stehen Ihnen insgesamt zur Verfügung?

Man kann die psychosoziale Erste-Hilfe unter den Begriffen Psychoedukation, Krisenintervention und supportive Begleitung subsumieren. Grundsätzlich kommen zunächst Stabilisierungsinterventionen zum Einsatz. Ich frage mit dem Patienten dabei auch vorhandenes Wissen ab: Was hat mir sonst in Krisenzeiten immer geholfen? Was tut mir im Alltag gut?

Hier öffnen sich oft Wege, die der Einzelne und auch seine Umgebung in dieser existentiellen Ausnahmesituation einfach nicht mehr sehen. Wir geben auch ganz pragmatische Unterstützung, in dem wir zum Beispiel gemeinsame Gespräche mit Arbeitskollegen, und bei betroffenen Kindern, auch mit Lehrern oder Mitschülern führen. Zusätzlich bieten wir körperliche Entspannungshilfen wie Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Qi Gong- und Kunsttherapie-Kurse oder Imaginationsübungen aus der Hypnosetherapie an. Auch mit der „Klopftherpie“, das ist eine Form der körperbezogene, energetischen Körpertherapie habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht.

 Hat jeder Krebspatient einen Anspruch auf psychosoziale Betreuung?

Jeder Patient, der in einem zertifizierten Organzentrum behandelt wird, hat einen Anspruch auf eine kostenlose psychoonkologische Begleitung in allen Krankheitsphasen. Für sich selbst und für seine Angehörigen. Dieser Anspruch steht im nationalen Krebsplan. Noch warten wir aber auf seine Umsetzung. Und bis dahin zahlen die zertifizierten Kliniken das Therapieangebot aus der eigenen Tasche.

Das ist aus meiner Perspektive ein Skandal, denn die Psychoonkologie ist seit mehr als 20 Jahren eine nachweislich wirksame, wichtige Komponente in der integrativen Behandlung von Krebskranken, von denen 20 bis 30 Prozent im Laufe ihrer Erkrankung psychische Störungen oder ausgeprägte psychosoziale Beeinträchtigungen entwickeln. Wenn diese Symptome unbehandelt bleiben, besteht die Gefahr einer Chronifizierung. Das Erkrankteeinen Anspruch auf psychoonkologische Betreuung haben, wissen viele Patienten nicht und mir wäre es recht, wenn sie diese Versorgung lautstark bei Klinikleitungen einklagen würden.

Sie erwähnten am Anfang unseres Gespräches die `Körper-Geist-Seele-Einheit´ eines Menschen. Wird in unserem Medizinsystem noch immer viel zu häufig nach dem kartesianischen Welt- und Menschenbild behandelt?

Unser psychosozialer Ansatz trifft tatsächlich noch immer auf ein medizinisches System, das in vielen Bereichen dem Kausalitätsprinzip des kartesianischen Weltbildes (Der französische Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler René Descartes machte das Prinzip des Dualismus, die Trennung von Körper und Geist, im 17. Jahrhundert populär) folgt. Danach ist eine Krankheit jeweils einer bestimmten Ursache zuzuordnen, sie ist dann zunächst körperlich zu betrachten und auch so zu behandeln. Nach meiner Überzeugung ist die Entstehung von Krankheiten aber eher multikausal und sollte deshalb unbedingt aus dem ganzheitlichen Ansatz heraus behandelt werden. Im medizinischen Verständnis, im System und Ablauf eines Akutklinikums, sind wir Psychoonkologen mit unserer Haltung also irgendwie `quergebürstet´.

Wie gehen Sie mit dem Tod um? Ist Psychoonkologie nicht ganz häufig auch einfach nur Sterbebegleitung?

Natürlich ist das Sterben und der Tod unser täglicher Begleiter. Nach meiner ethischen Überzeugung sollte es nicht um das Überleben um jeden Preis gehen, sondern vor allem um die Lebensqualität des Einzelnen und die Achtsamkeit für das Hier und das Jetzt. Auch wenn am Ende das Sterben durch eine schwere Krankheit steht. Wenn es in einer weit fortgeschrittenen Krankheitssituation dann doch zur Heilung kommt, ist das letztendlich jedesmal auch ein Wunder. Und dieses Wunder ist nach meiner Erfahrung mit Schwerstkranken keinesfalls nach einem einheitlichen Schema reproduzierbar, sondern dahinter steht ein individueller Heilungsweg, der mit der Suche nach dem eigenen, oftmals auch verlorengegangenen Lebensfaden, beginnt. Das Buch von Kappauf und Gallmeier: Wunder sind möglich, ist in diesem Zusammenhang erhellend und sehr lesenswert.

Dr. rer. med. Bianca Senf ist Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin und zertifizierte Psychoonkologin. Sie leitet die psychoonkologische Abteilung am Universitätsklinikum Frankfurt am Main. Zuvor war sie einige Jahre für die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. tätig. Dr. Senf arbeitete federführend an den Leitlinien für psychosoziale Krebsberatungsstellen der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. mit und setzte sich im Rahmen ihrer Vorstandstätigkeit bei der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Onkologie für die Etablierung von integrativen, psychosozialen Angeboten an Akut-Krankenhäusern ein. Sie leitet seit über 20 Jahren auch eine psychotherapeutische Privatpraxis in Frankfurt und engagiert sich hier besonders für therapeutische Gespräche mit Kindern von Tumor-Patienten. Hierzu hat sie eine (deutsch-türkische) Broschüre herausgegeben: „Wahrheit braucht Mut – Mit Kindern über Krebs sprechen, wenn Eltern an Krebs erkranken“. Der Ratgeber ist kostenlos über die Abteilung für Psychoonkologie am Frankfurter Universitätsklinikum zu bestellen (Email: psychoonkologie@kgu.de)

Weitere Informationen zum Thema: Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie (PSO) in der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. in Mainz (www.pso-ag.de), Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie (dapo) e.V. in Ludwigshafen (www.dapo-ev.de).

Interview und Foto: © Andrea Thoma

6. Hessischer Tag der Nachhaltigkeit: Landesweites Engagement für eine lebenswerte Zukunft

Neuer Beteiligungsrekord: über 850 Veranstaltungen setzen ein bemerkenswertes Zeichen

Am 15.09.2020 dem Tag der Nachhaltigkeit engagieren sich Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Schulen, Kindergärten, Kommunen, Vereine und wissenschaftliche Einrichtungen mit mehr als 850 spannenden Aktionen und Veranstaltungen und zeigen damit, wie wir unsere Gesellschaft nachhaltig gestalten können. Denn gemeinsam tragen wir die Verantwortung dafür, den kommenden Generationen ein lebenswertes Hessen zu erhalten. Die Veranstaltenden haben sich viele Gedanken gemacht, wie sie dies in Zeiten von Corona unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln begehen können, um auch in diesem Jahr ein Zeichen für Nachhaltigkeit in unserem Land zu setzen. Neben den Veranstaltungen vor Ort stehen auch viele Online-Angebote bereit. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten für die erfolgreiche Umsetzung“, sagte Umweltministerin Priska Hinz, die heute verschiedene Projekte des Aktionstags besuchte.

Unter dem diesjährigen Motto „Lebendig – Vielfältig – Nachhaltig.

Unser Hessen in Stadt und Land“ konnten Besucherinnen und Besucher heute ganz unterschiedliche Veranstaltungen erleben. „Ich bin begeistert, wie vielseitig die Projekte sind und ich freue mich, dass ich heute bei einigen selbst dabei sein darf“, sagte Hinz. Bei ihrer ersten Station nahm sie gemeinsam mit Butzbachs Bürgermeister Michael Merle das Faulgas-Blockheizkraftwerk in der Kläranlage von Butzbach in Betrieb. „Bei diesem Projekt stehen die beiden wichtigen Nachhaltigkeitsthemen sauberes Wasser und nachhaltige Energieerzeugung im Fokus. Beim Gärprozess in den Faultürmen der Kläranlage entsteht Klärgas. Bei dessen Verbrennung wird Energie frei, die im Blockheizkraftwerk zur Wärme- und Stromproduktion genutzt wird. Damit wird die eigene Energieversorgung des Klärwerks sichergestellt“, erklärte Hinz. Am heutigen Tag konnten Interessierte das neue Blockheizkraftwerk besuchen und sich über diese nachhaltige Technik informieren.

Anschließend besuchte die Ministerin die Wildbienen Aktion in Wehrheim.

„In Zusammenarbeit mit Schulklassen, Kindergärten und Vereinen aus der Gemeinde sind hier heute insgesamt 90 Bienenhotels entstanden, die jetzt in Wehrheim aufgestellte werden sollen. 300 Kinder und Jugendliche haben an der Aktion teilgenommen. Ein wichtiger Beitrag, um die biologische Vielfalt zu erhalten und den Wildbienen eine Möglichkeit zum Nisten und Überwintern zu bieten“, erklärte Hinz.

In Wiesbaden besuchte Hinz abschließend das Unternehmen SOKA BAU.

„Hier wird Biodiversität großgeschrieben. Das Unternehmen zeigt, dass Firmen- und Betriebsgelände viele Möglichkeiten bieten, Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten zu schaffen. Bei SOKA BAU wurde unter anderem eine Dachbegrünung mit Blühstauden angelegt, eine Blühwiese errichtet sowie Nistkästen angebracht. Für diese Arbeit darf ich heute die Urkunde „Partnerunternehmen der Biologischen Vielfalt in Hessen“ übergeben“, sagte die Ministerin.

Hintergrund

Der Hessische Tag der Nachhaltigkeit ist eine Aktion der Nachhaltigkeitsstrategie Hessen, der alle zwei Jahre stattfindet. Den Bürgerinnen und Bürgern soll das Thema Nachhaltigkeit nähergebracht werden und dazu motivieren selbst aktiv zu werden. Deshalb macht der Aktionstag alle Facetten nachhaltiger Entwicklung direkt vor der eigenen Haustür erlebbar. Seit Beginn der Aktion hat sich die Anzahl der Aktionen stetig gesteigert. Beim letzten Tag der Nachhaltigkeit fanden 615 Aktionen statt. Die Nachhaltigkeitsstrategie Hessen hat zum Ziel, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen einzubinden, um das Leben in Hessen heute und in Zukunft ökologisch verträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich leistungsfähig zu gestalten.

© Hess. Min. für Umwelt

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