Hessische Landesregierung stellt 32 Millionen Euro für Menschen mit Behinderungen zur Verfügung

„Arbeit zu haben, ist für Menschen mit Behinderungen eine wichtige Voraussetzung für eine gleichberechtigte Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben. Das gilt auch beim Thema Ausbildung, denn noch bleibt die betriebliche Ausbildung für viele Jugendliche mit Behinderungen ein unerreichbares Ziel“, so der Hessische Minister für Soziales und Integration, Kai Klose, heute in Wiesbaden. Anlässlich der Neuauflage des Hessischen Perspektivprogramms zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen schwerbehinderter Menschen (HePAS) ab 1. Januar 2020, betont Klose, sich weiterhin für ein „echtes Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung“ einzusetzen und Arbeitnehmer wie Arbeitgeber zu unterstützen. Für die Umsetzung der Neuauflage des Hessischen Programms zur Verbesserung der Arbeitsmarktteilhabe schwerbehinderter Menschen (HePAS) stellt die Hessische Landesregierung 32 Millionen Euro aus der Ausgleichsabgabe des Landes zur Verfügung.

Verbesserung der Arbeitsmarktsituation

Das erfolgreiche Arbeitsmarktprogramm hat bislang über 2.500 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse und über 350 Ausbildungsverhältnisse unterstützt und damit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Arbeitsmarktsituation schwerbehinderter Menschen geleistet. Auch die Zahl der mit HePAS finanziell unterstützten Praktika hat sich in den letzten zwei Jahren fast verdoppelt und über 40 Prozent dieser Praktika konnten in direkte Anschlussbeschäftigungen oder Ausbildungen einmünden. „Daher werden wir das erfolgreiche Programm gemeinsam mit unseren Partnern, dem Landeswohlfahrtsverband Hessen, der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit sowie dem Hessischen Städtetag und dem Hessischen Landkreistag ab 2020 neu auflegen“, erklärt Klose.

HePAS 2020 will insbesondere die Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit Behinderung stärken, denen alternativ nur der Weg in den zweiten Arbeitsmarkt, wie Werkstätten für behinderte Menschen, bleibt. Im Fokus stehen außerdem Schulabgänger mit sonderpädagogischem Förderbedarf. „Die hessischen Ausbildungs- und Arbeitgeber werden auch weiterhin bei der Deckung des Bedarfs an Arbeitskräften unterstützt. Das Arbeitsmarktprogramm bietet daher nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern will durch das ergänzende Angebot einer frühzeitigen und kontinuierlichen Begleitung die Rahmenbedingungen schaffen, die stabile Beschäftigung entstehen lassen können“, erläutert Minister Klose.

Susanne Selbert, Landesdirektorin des Landeswohlfahrtsverbands Hessen: „Das Beschäftigungsprogramm HePAS 2020 wird aus Mitteln der Ausgleichsabgabe finanziert, die wir bei den Arbeitgebern erheben. Dabei ist uns insbesondere der Start junger behinderter Menschen ins Berufsleben wichtig. So freuen wir uns, dass auch dafür die Prämien und damit der Anreiz für ausbildende Arbeitgeber erhöht werden.“

Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen „Vor dem Hintergrund stetig wachsender Fachkräftebedarfe ist Inklusion unerlässlich. Chancen zu schaffen für die Beschäftigung von Menschen mit Handicap bietet Vorteile für beide Seiten: sie sichert soziale und gesellschaftliche Teilhabe für die Beschäftigten und Arbeitgebern die benötigte Fachkraft. Das Programm HePAS unterstützt die Integration schwerbehinderter Menschen in den ersten Arbeitsmarkt weiterhin sehr gezielt und ist somit ein wichtiger Schritt zu gelebter Inklusion auf dem hessischen Arbeitsmarkt“.

Prof. Dr. Jan Hilligardt, Geschäftsführender Direktor des Hessischen Landkreistages für den Hessischen Landkreistag und den Hessischen Städtetag: „Der Hessische Landkreistag und der Hessische Städtetag begrüßen und unterstützen als Kooperationspartner die unabdingbare Aufstockung der Mittel sowie die inhaltliche Weiterentwicklung dieses erfolgreichen Programms. Der gemeinsame Wille zur gesellschaftlichen Inklusion wird mit dem Programm HePAS 2020 mit Leben gefüllt, weil es uns mit diesem Bündnis gelingt, Menschen mit Behinderungen einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen“.

Text: girm und Hess. Landesregierung

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Andrea Thoma trifft: Dr.Wolfgang Schröder „Krebs kann man riechen!“

Dr. Wolfgang Schröder und ist mit Hilfe von Hundenasen „Krebs-Duftmarkern“ auf die Spur gekommen

Mithilfe der Retriever-Hündin Paula vom „TEAMCANIN“ aus dem Schwarzwald konnte der Chemiker Dr. Wolfgang Schröder seine Vorschläge für eine neue Geruchsklasse, die für Krebsgewebe charakteristisch zu sein scheint, bestätigen. Obwohl es schon länger bekannt ist, dass Hunde beim Menschen unterschiedlichste Tumorarten früh und extrem sicher erschnüffeln können („Sniffer Dogs“), sucht die Forschung seit mehr als einem Jahrzehnt nach einem Nachweis für den Geruch von Krebsgewebe, um damit neue Wege in der Diagnostik der Krankheit gehen zu können. Andrea Thoma hat mit dem Chemiker aus dem Norden, der inzwischen pensioniert ist, im Rahmen einer Fernsehsendung beim Südwestfunk gesprochen.

Der Hamburger Chemiker Dr. rer nat. Wolfgang Schröder ist den für Hunde riechbaren Duftmarkern von Krebszellen offenbar auf die Spur gekommen. Zwar lassen sich diese Stoffe immer noch nicht durch ein chemisch-analytischen Labor nachweisen, die chemischen Abläufe in Krebsgewebe lassen aber die Bildung einer ganz bestimmten und geruchsintensiven Stoffklasse wahrscheinlich erscheinen.

Zunächst hat er diese im Labor synthetisch hergestellt. Die Mischungen schickte er in Diffusionsröhrchen zu einem Tiertrainer-Team in den Schwarzwald. Da er sich mit den Sniffer-Dogs schon lange befasst hatte, wusste er um ihre Fähigkeiten bei Geruchsstoffen. Die Tiere erschnüffelten und übten zunächst mit den synthetischen Stoffen. Nach einigen Monaten Training bekamen sie schließlich von Dr. Schröder menschliche Gewebeproben zum Schnüffeln. Diese entstammten z.T. Menschen, die keine Krebserkrankung erlitten hatten und parallel dazu enthielt das Testszenarium auch Krebsgewebeproben. Über den voneinander streng isoliert gelagerten Probengefäßen wurden über Nacht im überstehenden Gasraum neutral riechende Wattekissen positioniert, die im Laufe der Zeit Gerüche der Probe aufnahmen und die tags drauf von den Hunden in einem Geruchspanel beschnüffelt werden konnten. Auf Anhieb erschnüffelten die Hunde unter 6 Proben die eine Krebsprobe, die nach einem Zufallsverfahren an wechselnden Positionen in der Reihe aufgestellt waren und das auch nach mehrfachen Wiederholungen, inklusive eines Doppel-Blind-Versuchs.

Diese Versuche sind ein erster und deutlicher Hinweis, dass diese Substanzklasse, sog. flüchtige „Nitrosothiole“, der geruchsaktive Anteil in Krebsausgasungen sein könnte.

In Deutschland wird es nun aber keine Hundestaffeln in Krankenhäusern geben. Dr. Schröder und die wissenschaftliche Community forschen nun mit Hochdruck nach einem elektronischen Gerät für Atemtests. Damit könnte man, ähnlich wie beim Alkoholtest, anhand einer Atemprobe einen Tumor diagnostizieren. Bislang hat sich jedoch herausgestellt, dass selbst die modernsten, nachweisstärksten Messgeräte bezüglich dieser Stoffklasse immer noch um das Hundertfache weniger leistungsstark sind, als die Nase eines Spürhundes und wohl wenig Hoffnung besteht, dies auch in den nächsten Jahren zu ändern.

Viele Jahre forschte der Wissenschaftler daran, den für Hunde riechbaren Krebs-Duftmarkern auf die Spur zu kommen. Mit Unterstützung der Uni-Klinik Kiel analysierte er hunderte von Atem-Proben von Patienten, dies allerdings mit keinen verwendbaren Ergebnissen in Sachen Krebsgeruch. Aufgrund dieser Situation blieb ihm nichts anderes übrig, als sich den bislang bekannten Chemismus in Krebsgewebe einmal genau anzugucken. Krebs hat sehr früh, mangels Nahrung, ein Problem weiter zu wachsen.

Sein Trick ist, Stoffe auszustoßen, die Adern in seine Richtung ausspriessen lassen. Diese Stoffe sind bekannt, aber sie riechen kaum. Dem Chemiker war aber klar, dass nicht nur hochmolekulare Vertreter gebildet werden müssten, sondern auch kleiner, flüchtige und stark riechende Anteile dabei sein sollten. Deren Wirksamkeit zeigte sich unmittelbar nach der ersten Synthese, die trotz effektiver Lüftung in einem Hochleistungsabzug das Durchblutungssystem des Chemikers nachhaltig beeinflusste: („Ich bekam einen hochroten Kopf bei den Tests und bin sofort zum Internisten gerannt“, so Dr. Schröder.). Aufgrund seiner Kenntnisse aus der Hunde-Forschung mit so genannten trainierten „Sniffer-Dogs“ (Schnüffel-Hunden), wusste er, dass nur Hunde, mit ihren 250 Millionen Riechzellen, die zudem noch 40mal größer sind als beim Menschen, und ihrer extrem großflächigen Nasenschleimhaut, diese Gerüche wahrnehmen konnten.

Er verschickte zunächst an das Hundetrainingscenter TEAMCANIN, die sich auf Nasenarbeit mit Hunden spezialisiert haben, Röhrchen mit synthetischen Gerüchen und welchen, die absolut identisch nur ohne diesen spezifischen Geruch waren. Damit wurden die Hunde täglich über Monate trainiert und hatten bald eine Trefferquote von 100 Prozent. Dann schickte Dr. Schröder gekühlte transportierte menschliche Gewebeproben zu Tiertrainerin Nicole Klee.

Schon bei dem ersten Versuch war die Reaktion der Retriever-Hündin Paula in dem oben beschriebenen Testszenarium eindeutig: Es wurde stets der Geruch des Krebsgewebes unter den anderen Gerüchen herausgefunden.

Auch ein so genannter Doppel-Blind-Versuch wurde durchgeführt. Inzwischen ist das Verfahren von Dr. Schröder mehrfach von ihm und seinem Team zum wissenschaftlichen Nachweis reproduziert worden, ebenso die Doppel-Blind-Versuche. Die Trefferquote der Hunde blieb konstant bei 100 Prozent.

Sniffer-Dogs sind in Deutschland aus ethischen Gründen nicht in Krankenhäusern oder Arztpraxen zugelassen. Ganz anders in Österreich, hier ist das erlaubt und wird auch praktiziert. Auch einige Internetplattformen bieten dort Atem-Tests an, um Krebs bei Menschen zu erkennen. Preis pro Test: 95 €. Diese Verfahren mit Hunden und die Angebote via Internet lehnt Dr. Schröder konsequent ab, da sich Hunde im klinischen Alltag langfristig als völlig unzuverlässig erwiesen haben.

Das Ziel des Wissenschaftlers: Mit Hilfe der Wissenschafts-Community das Thema weiter voranzutreiben, in der Hoffnung irgendwann tatsächlich ein elektronisches Messgerät in den Händen zu halten, das so gut funktioniert wie die Hundenasen.

Andrea Thoma: Herr Dr. Schröder, Sie haben mit Ihren Ideen eine neue Substanzklasse als geruchsaktiven Anteil in Krebs vorgeschlagen . Was genau haben Sie entdeckt?

 Wolfgang Schröder: Ich habe als wissenschaftliche Neuerung geruchsaktive Substanzen in Krebs benannt, die aufgrund ihrer extremen Geruchsintensität auch in ultra-Spuren Geruch erzeugen, die aber durch ihre chemische Instabilität bislang nicht nachgewiesen werden konnten – direkt aus Krebs auch durch mich nicht. Nur Hundenasen sind bislang dazu in der Lage. Dies mag der längst überfällige Impuls für die Krebsdiagnostik sein. Über Hundenasen gelang es mir die Ähnlichkeit zwischen Krebsgeruch und Synthese mit äußerster Treffgenauigkeit zu beweisen. Wie diese Stoffe mit technischen Mittel nachzuweisen sind, steht noch in den Sternen.

Das heißt, die Hunde haben einen Tumor erschnüffelt und angezeigt? Riechen denn Krebszellen anders als gesunde Zellen?

Ja, die Retriever Hündin Paula hat alle Proben ausnahmslos korrekt erschnüffelt. Und, ja, Krebszellen riechen scheinbar anders als gesundes Gewebe, wenn sich auch dieser Unterschied in nur für Hunde riechbaren Bereichen abzuspielen scheint.

Das heißt also mit einem geeigneten Messgerät könnte man anhand der von Ihnen vorgeschlagenen Stoffe Krebsdiagnostik durchführen. Wie war denn die erste Reaktion in der Fachwelt?

 Es war natürlich wie ein Donnerschlag, als die positive Nachricht vom TEAMCANIN ankam und wir haben erstmal die Sektkorken knallen lassen! Auf Kongressen, an denen ich teilnahm und in Richtung der Publikation schlug mir große Skepsis, aber auch helle Begeisterung entgegen. Einige der „schlausten Köpfe“ der Atemluft- und Sensorforschung haben mir 100% Recht gegeben und meine Ideen freudig aufgegriffen. Nur der Enthusiasmus wich über die Zeit einer gewissen Ernüchterung. Was nutzen einem wohl nachweislich aktive Signalstoffe, wenn der Mensch die Signale nicht wahrnehmen kann?

 Bitte erzählen Sie uns, was genau ist passiert? Wie sind Sie auf diese neue wissenschaftliche Erkenntnis gestoßen?

 Ich bin ein Kind der Insektenlockstoff-Forschung. Meine Doktorarbeit habe ich über die Urwald-Bienen und ihre Geruchskommunikation geschrieben. Das Thema Lockstoffe ist mein Faible als Wissenschaftler und wohl auch als Querdenker, wie man mich bezeichnen könnte. So habe ich auch seit vielen Jahren, seit ich 2003, die ersten Hundeschnüffel-Ergebnisse bei Krebs von englischen Kollegen gelesen habe – und das ist mehr als 10 Jahre her – eine Menge über die Atem-Forschung gelesen und geforscht. Auch darüber, wie Hunde über den Atem Krankheiten beim Menschen anzeigen. Ich machte Atemtests mit hunderten von Versuchspersonen, die mir die Universität Kiel zur Verfügung stellte.

Dann begann ich mit den ersten Tests in meinem Labor. Und nach vielen Jahren des Experimentierens habe ich mich dann zwei Substanzklassen gewidmet, die in Krebs bekannt sind, von denen aber niemand geglaubt hatte, dass daraus fast wie von selbst extrem stark riechende Volatile entstehen würden. Der Umgang mit solchen hochreaktiven Stoffen will gelernt sein. Insbesondere synthetische Proben, die genauso wie Krebsgewebe im ultra-Spurenbereich Gerüche abgeben, gelang erst nach einigen Versuchen in Form extrem gut gekapselter Behälter, sog. Diffusionsröhrchen, herzustellen.

 Wie fanden Sie dann die richtigen Hunde?

 Meine Lebensgefährtin brachte mir eines Tages ein Tiermagazin mit und darin war die Geschichte des TEAMCANIN aus dem Schwarzwald, das sich auf Nasenarbeit mit Hunden spezialisiert hatte. Mein Anruf bei Uwe Friedrich, dem Leiter von TEAMCANIN hat ihn förmlich zu Begeisterungsstürmen veranlasst und in Nicole mit Paula der Hündin war dann auch Plan des Szenariums für die Versuche bestens angelegt.

 Und dann ließen Sie die Hunde an der stinkenden Substanz einfach nur schnüffeln und das war´s?

 Keineswegs! Erstmal musste eine Schnüffelpanel gebaut werden und die ganzen Abläufe bei den Tests mussten optimiert werden. Hier konnte ich mich aber absolut auf die Expertise von TEAMCANIN verlassen. Eine Klippe war noch, als die Hündin plötzlich überhaupt nicht mehr wusste, wo welche Probe mit den Testsubstanzen versteckt war. Die Trainerin hatte alle Röhrchen, mit Aktivstoffen und neutrale in einer Box aufbewahrt. So fingen die „Null“-Röhrchen durch Übertragung der Stoffe genauso an zu stinken. Allerdings nach einem kurzen Wegpusten mit einem Haarföhn und anschließend separater Lagerung war dieses Problem, wie so manch anderes, letztendlich beseitigt. Die Hundetrainerin Nicole hat dabei wirklich großartigen Einsatz gezeigt und monatelang Nachmittage für die Wissenschaft geopfert. Ihr gebührt mein ausdrücklicher Dank!

Was ist denn nun Ihr nächstes Ziel?

Mein persönliches Ziel habe ich erreicht: Es gelang mir eine völlig neue Art von offenbar biologisch aktivem Geruch vorzuschlagen und dessen Wirksamkeit zu beweisen. Dass es sich diesmal nicht um einen Insektenlockstoff, sondern um den Geruch von Krebs handelt, macht die Angelegenheit natürlich doppelt gut! Für den Bau geeigneter Sensoren fehlt mir die Expertise und auch die Infrastruktur. Ich hoffe neue Impulse gegeben zu haben, ich hoffe, dass in irgendeinem technischen Labor der Funken für ein geniales neues Gerät überspringt. Mehr kann ich nicht machen.

Wann wird es ein solches Gerät geben?

 Es geht um eine Leistungssteigerung in der Sensortechnik von Faktor hundert und vielleicht sogar noch mehr. Das kann Jahrzehnte dauern! Unter dem Aspekt ist auch eine Patentanmeldung, wie ich sie einige Jahre vorgehabt habe, nicht angesagt. Außerdem möchte ich so wenige Barrieren wir möglich aufbauen – immerhin geht es um schwer kranke Menschen!

In Österreich sind Krebsschnüffel-Hunde offiziell in Krankenhäusern und Kliniken zugelassen. Es gibt sogar Internet-Plattformen, die solche Atemtests anbieten und für 95 € verkaufen. Wird man nun demnächst auch bei uns in Deutschland in Kliniken auf Hunde treffen, die bei Patienten nach Krebs schnüffeln?

Nein, ganz sicher nicht. In Deutschland wird die Einbeziehung von Hunden für solche Analysen nicht zugelassen, schon aus ethischen Gründen. Das finde ich auch völlig in Ordnung. Die Entwicklungen, die es zum Teil in Österreich gibt, wo auch Krebs-Hunde-Staffeln offiziell erlaubt sind, finde ich zum Teil bedenklich. Vor allem Tests via Internet. Vielleicht gelingt es einen Krebssensor zu bauen der die Hundenasen seriös ersetzt. Ich habe sozusagen die Software dazu entwickelt, die Hardware muss nun nachziehen.

Sie nennen sich selbst einen Labor-Exoten, den Hofnarr der Technischen Universität. Waren genau diese Hofnarr-Eigenschaften und Möglichkeiten der Schlüssel zu Ihren erfolgreichen Forschungen?

Wissen Sie, schon als ich den Geruch der Urwald-Biene in meiner Doktorarbeit erforscht habe, war ich wie ein Suchhund unterwegs. Das setzte sich dann in meiner wissenschaftlichen Laufbahn weiter fort. Ich startete in meinen Beruf direkt an der TUHH mit einer skurrilen Betätigung: Ich bin mit einem Kampfstoßspürgeräte-Fahrzeug der Bundeswehr durch Hamburg gefahren und habe nach Verunreinigungen in der Stadt gesucht. Das habe ich 10 Jahre lang gemacht. Eine aufregende Zeit, mit Umweltbehörde, Feuerwehr, Polizei, dem Zoll und sogar einem Notruf für Bürgeranfragen. Dann kam die Chance als Ober-Ingenieur bei der Technischen Hochschule weiter zu machen und das war wieder Schnüffel-Arbeit. Ich bezeichne mich gerne als Hofnarr der Uni, denn ich kann mich als Wissenschaftler dort völlig frei entfalten, koche mein eigenes Süppchen. So hatte ich die Zeit, kreativ zu forschen und die Ergebnisse wie in einem Puzzle zusammen zu setzen. Und ich bin in eine gut funktionierende wissenschaftliche Community eingebunden, das motiviert und trägt, auch wenn man manchmal im Labor verzweifelt ist, wenn die Tests mal wieder nicht funktionieren. Die Community und meine lieben Profs., wie Prof. Trinks der Eisforscher und Prof. Matz meinem stets zu begeisternden Messtechnik-Sparringspartner, waren immer wieder Motivator für mich.

Inzwischen sind Sie pensioniert? Was treibt Sie heute an?

 Sie haben mich mit Ihrem Interview aus dem Labor geholt. Die TU und der äußerst kooperative neue Institutsleiter Prof. Becker, hier ermöglichen es mir die Labor-Ressourcen weiter zu nutzen. Ich darf weiter „spielen“! Der Hofnarr lebt! Aus der Industrie bekomme ich Anregungen, was gebraucht werden könnte und natürlich finanzielle Unterstützung, denn ohne das geht es nun mal nicht – aber auch nicht ohne Intuition, Freiheit in der Forschung und ein bisschen Verrücktheit.

Dr. rer. nat. Wolfgang Schröder        

 Dr. Wolfgang Schröder ist Ende 2013 speziellen Duftstoffen von Krebszellen auf die Spur gekommen und hat damit einen neuen wissenschaftlichen Anstoß in der Krebs-Diagnostik gegeben.

Schröder ist Chemiker, stellvertretender Institutsleiter und Ober-Ingenieur der Technischen Universität, Abteilung Messtechnik, in Hamburg/Harburg (TUHH).

An der Krebsmarkerforschung durch Atemtests und Geruchsstoffe arbeitet er seit 10 Jahren, seit das britische Medizinjournal „The Lancet“ erste Testversuche mit Hunden und Krebstests im Jahr 2003 veröffentlicht hat.

Für seine Forschungen arbeitet er eng mit dem Schwarzwälder Hunde TEAMCANIN zusammen, dass sich auf so genannte Nasenarbeit mit Hunden spezialisiert hat. Hündin Paula, unter der kundigen Hand ihrer Trainerin Nicole aus dem Team, hat seine Forschungsergebnisse mit Krebsgewebe als erster Hund „erschnüffelt“.

Text: Mag. Andrea Thoma, girm Redaktionsleitung

Foto: privat

 

 

 

 

 

 

Sportland Hessen steht für mehr Bewegung….

Bewegung hilft der Gesundheit

Vier von fünf Jugendlichen weltweit bewegen sich zu wenig. Zu diesem Ergebnis kommt die Weltgesundheitsorganisation WHO in einem Bericht, in dem sie erstmals den Bewegungsmangel von Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren weltweit untersucht hat.

Eine besorgniserregende Zahl, meint der Hessische Minister für Soziales und Integration, Kai Klose: „Bewegung ist ein wesentlicher Aspekt, um die eigene Gesundheit zu fördern und vielen chronischen Krankheiten vorzubeugen. Deshalb haben wir das Landesprogramm ‚Sportland Hessen bewegt‘ unter Federführung des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport geschaffen: Wir wollen die Bewegungsförderung in Hessen über alle Lebensphasen hinweg vorantreiben!“

„Gesundheitsförderung und Prävention sind Querschnittsaufgaben, die wir gemeinsam mit der Zivilgesellschaft anpacken.“ Durch die Vernetzung bestehender und den Aufbau neuer Strukturen wird die Bewegung im Alltag, vor Ort und in den Lebenswelten besonders in den Blick genommen. Als Kinder- und Jugendminister ist mir besonders wichtig, damit bei Kindern und Jugendlichen zu beginnen, denn wer sich jung gerne bewegt, setzt das meist auch im Erwachsenenalter fort.“

Bild: 123RF

Dr. Michael Groß – Olympiasieger und erfolgreicher Unternehmer als Autor

Dr. Michael Groß

„Das Beste liegt vor uns“ – Wie wir neue Energie für unser Leben gewinnen.

Michael Groß, Olympiasieger und erfolgreicher Unternehmer, und seine Ehefrau Ilona, erfahrene Coachin, zeigen, wie wir in der zweiten Lebenshälfte neue Energien sammeln. Wir stehen mitten im Leben – und sind im besten Alter. Doch die Welt dreht sich rasant, gerade im digitalen Zeitalter halten Beruf und Alltag ständig neue Herausforderungen bereit. Daneben haben wir unverhoffte Krisen zu bewältigen. Um den allgegenwärtigen Wandel zu meistern und beherzt den Neustart zu wagen – in der Arbeit und Freizeit, in gesundheitlicher Hinsicht und in der Liebe. Ihr Buch eröffnet neue Perspektiven, die nicht nur die Generation 50plus inspirieren.

Mehr über Dr. Michael Groß als Autor,Unternehmer,Redner und Trainer: https://www.michael-gross.net/de/autor/

  Eine Leseprobe die Lust auf Mehr macht: https://www.m-vg.de/mediafiles/Leseprobe/9783742313768.pdf

 

Michael Groß, Jahrgang 1964, ist mehrfacher Olympiasieger und Weltmeister im Schwimmen. Parallel zum Leistungssport absolvierte er ein Studium der Geisteswissenschaften, das er mit Promotion abschloss. Heute ist er gefragter Coach und Buchautor (michael-gross.net/), Inhaber der Beratungsfirma Groß & Cie. und unterrichtet er an der Universität Frankfurt am Main zum Thema »Digital Leadership«.

Ilona Groß, Jahrgang 1962, studierte Betriebswirtschaftslehre und war anschließend über ein Jahrzehnt als Abteilungsleiterin und Prokuristin für Touristikkonzerne tätig. Heute ist sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Michael Groß im Managementtraining und Business Coaching aktiv und arbeitet nebenberuflich als Fitnesstrainerin (happybody.fitness). Sie ist Mutter zweier Kinder und lebt in der Nähe von Frankfurt.

 

SOS-Sodbrennen-Natürliche und nachhaltige Hilfe bei Sodbrennen, Reflux und Magendruck

Ohne Medikamente – Natürliche und nachhaltige Hilfe bei Sodbrennen, Reflux und Magendruck

Es brennt und brennt, aber kein Feuerlöscher in Sicht – Sodbrennen, der brennende Schmerz hinterm Brustbein, der oft bis in den Hals und Rachen ausstrahlt und für die Betroffenen sprichwörtlich einfach nur ätzend sein kann.
Sodbrennen ist eine der häufigsten Beschwerden des Menschen und nervt rein statistisch etwa 10–20 % der Bevölkerung in Industrienationen Tag für Tag und Nacht für Nacht.

Der Patientenratgeber der Prof. Dr. med. Seiderer-Nack möchte helfen, die Ursachen und verschiedenen Formen der Refluxerkrankung besser zu verstehen und – als Alternative oder Ergänzung zu medikamentösen Therapien – Möglichkeiten aufzeigen, wie man selbst durch Ernährung und Lebensgestaltung auf natürliche und nachhaltige Weise dem Säurefluss den Hahn abdrehen und rechtzeitig Komplikationen vorbeugen kann.

Der erste Teil des Buches beinhaltet neben leicht verdaulichem Wissen über die Vorfahrtsregeln der Verdauung auf dem Weg durch unseren Organismus die Bedeutung der Anti-Reflux-Barriere zwischen Magen und Speiseröhre. Der zweite Teil befasst sich mit den Themen Ernährung und Essverhalten, Körperhaltung und Schlafposition, Genussmittel und Medikamente, aber auch Stress und Hektik werden in den Blick genommen und praktische Ernährungs-Tipps und Atemübungen rund um das Thema „natürliche Refluxblockade“ vorgestellt.
Wobei reflux-hemmende Ernährung nicht automatisch Haferschleimsuppe bedeutet: Viele leckere Rezepte machen Appetit darauf, den Ursachen von Refluxbeschwerden entgegenzuwirken und langfristig neues Wohlbefinden und Gesundheit zu erlangen.

 

  • Keine Vorfahrt für die Säure – Verkehrsregeln der Verdauung
  • Reflux – Magensaft im Rückwärtsgang
  • Säureblocker – Fluch oder Segen?
  • SOS Sodbrennen – Refluxbeschwerden natürlich blockieren
  • Die Feuerfibel – Refluxtagebuch

Text: Prof. Dr. med. Julia Seiderer-Nack ist Fachärztin für Innere Medizin und Ernährungsmedizin und lehrt als Professorin in München. Sie ist spezialisiert auf die ganzheitliche Behandlung von gastroenterologischen Erkrankungen und hat neben ihrer Praxistätigkeit bereits mehrere Gesundheitsratgeber

Südwest

978-3-517-09969-9

20,00 € (D), 20,60 € (A), CHF 28,90*

PB, Klappenbrosch., 160 Seiten

 

Sanfte Medizin für die Wechseljahre

Sanfte Medizin für die Wechseljahre

„Ich bin wegen jeder Kleinigkeit an die Decke gegangen oder habe einfach sofort losgeheult. Nachts konnte ich immer schlechter schlafen und vor allem meine plötzlichen Hitzewallungen waren mir schon sehr peinlich“, erzählt Claudia Berle (Name wurde von der Redaktion geändert) aus Seligenstadt. Mit ihrem Mann konnte und wollte die 45-jährige Bankangestellte nicht über ihre ungewohnten Symptome sprechen, aber als vor allem die Hitzewallungen tagsüber fast unerträglich wurden, vertraute sie sich ihrem Gynäkologen an.

Oft dauert es viel zu lange bis sich Frauen wie Frau Berle an ihren Gynäkologen wenden und offen über ihre Symptome sprechen“, berichtet der Hanauer Privatdozent und Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Dr. Wolfgang Behrendt, aus seinem Praxisalltag. „Die Zeit der Wechseljahre ist eine sehr individuelle Zeit des Wandels für die Frauen. Für die ärztliche Therapie bedarf es vor allem eines offenen Gespräches, dem natürlich eine intensive Anamnese vorausgehen muss, um dann auch individuell helfen zu können.“

Dr. Wolfgang Behrendt

Auch die Alzenauer Gesundheitsberaterin Gabi Zeller weiß um die Wichtigkeit des Gespräches mit ihren Klientinnen. „In der Zeit der Wechseljahre, also zwischen dem 45. und 60. Lebensjahr, findet nicht nur eine hormonelle Umstellung bei uns Frauen statt, sondern es kommen auch oft jahrelang verdrängte und tabuisierte Themen – wie Paarkonflikte, sexuelle Probleme, beruflicher Druck – an die Oberfläche und wollen gelöst werden.“

Zeit des Wechsels

Klimakterische Turbulenzen sind so individuell wie die Frauen selbst. Wer weiß schon, dass ein Drittel aller Frauen völlig beschwerdefrei ist, ein weiteres Drittel mäßige Probleme in den Wechseljahren hat und nur 30 Prozent aller Frauen unter stärkeren Beschwerden leiden? Wem ist bewusst, dass sich die hormonelle Umstellung meist über mehr als zehn bis 15 Jahre hinzieht und das Befinden auch ganz unterschiedliche Phasen durchläuft? Und wer weiß überhaupt, was genau im weiblichen Körper in der „Zeit des Wechsels“ geschieht?

Die Menopause ist grundsätzlich gekennzeichnet durch das Aufhören der Menstruation. Davon sind alle Frauen betroffen, die in die Wechseljahre kommen. Die Eierstöcke beginnen allmählich ihren regelmäßigen Rhythmus zu verändern. Sie bilden nicht mehr, wie vorher jeden Monat, befruchtungsfähige Eizellen, sondern der Eisprung verzögert sich und irgendwann bleibt er sogar völlig aus. Östrogen und Progesteron arbeiten nicht mehr nach Plan.

Die vegetativen Zentren reagieren darauf. Jetzt können Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schleimhautveränderungen, Herzrhythmus- und Schlafstörungen, Inkontinenz und nachlassende Knochendichte als Folge dieser Hormonumstellungen einsetzen. „Diese Symptome können sich einstellen, sie müssen es aber nicht zwangsläufig“, sagt der Hanauer Gynäkologe Behrendt. „Denn die Wechseljahre sind keine zwanghaft auftretende Krankheit, sondern sie sind eine Zeit, in der sich im weiblichen Körper und in der seelischen Verfassung der Frau ein langsamer Wechsel vollzieht, der individuell unterschiedlich erlebt wird.“

Sexuelle Probleme

Wenn eine Patientin mit Wechseljahres-Symptomen in seine Sprechstunde kommt, dann steht bei Dr. Behrendt eine ausführliche körperliche Untersuchung ganz vorne an. „Dann bestimme ich meist auch den Hormonstatus und prüfe vor allem die Schilddrüsenfunktion. Denn die Symptome einer kranken Schilddrüse sind denen der Wechseljahres-Beschwerden sehr ähnlich.“

Mindestens so wichtig wie die Untersuchung ist für den Frauenarzt, der 22 Jahre klinische Erfahrung mitbringt, das Gespräch mit der Patientin. „Aus meiner täglichen Praxis kann ich sagen, dass zwei Drittel aller Frauen, die mittlere bis starke Probleme in der Menopause haben, von sexuellen Schwierigkeiten berichten. Hier hilft uns Medizinern die moderne Diagnostik überhaupt nicht weiter. Es gilt das Thema aus der Tabuzone zu holen und offen anzusprechen. Und natürlich muss die Patientin dann den `Wechsel´ in ihrem Leben auch wollen.“

Dass eine Veränderung des Lebensstils gerade in den Wechseljahren wichtig ist, da sind sich Frauenarzt und Gesundheitsberaterin völlig einig. Dies gilt vor allem auch für den Bereich Ernährung, Entgiftung und Bewegung. „In den Jahren vor dem Wechsel leben wir Frauen durch die vierwöchige Menstruation in einem fortwährenden Entgiftungsprozess“, erklärt Gabi Zeller. „Der verabschiedet sich beim Älterwerden ganz langsam. Deshalb müssen wir vermehrt zusätzlich entgiften, übrigens auch mental, und uns vor allem gesund ernähren.“

 Leinöl mit Quark

Das hat die ehemalige Krankenschwester, die 2005 ihre Ausbildung als ärztlich geprüfte Gesundheitsberaterin absolviert hat, auch der 52jährigen Yogalehrerin Vera Heilmann aus Neuberg ans Herz gelegt. Frau Heilmann hatte sie mit starken Hitzewallungen und Schlafstörungen aufgesucht. „Hausaufgabe“ nach der ersten Sitzung war eine Umstellung auf die so genannte „Öl-Eiweiß-Kost“, die die deutsche Ärztin Dr. Johanna Budwig schon in den 50er Jahren bekannt gemacht hat.

„Leinöl heißt das Zauberwort“, sagt Gabi Zeller, die sich auf Ernährung, Entgiftung und Krebsberatung spezialisiert hat. „Ich esse seit Jahren täglich mindestens ein bis zwei Portionen Magerquark mit drei Esslöffeln Leinöl und etwas Milch vermischt. Dazu gibt es Nüsse und frische oder getrocknete Früchte. In Leinöl sind Lignane enthalten, die in Form von Phytoöstrogenen wirken.“

Übrigens schwört auch der Gynäkologe Dr. Behrendt auf sein tägliches „Leinöl-Müsli“ als „Zellnahrung“ und Entgiftungsmittel. „Ich esse Leinöl seit Jahren in einer Quark-Mischung und rate auch meinen Patientinnen dazu, vor allem bei einer Krebsdiagnose. Und neben dem Leinöl gehört auch Bio-Joghurt und der so genannte `Brottrunk´ zu meinem täglichen Ernährungsplan. Alles zusammen wirkt entgiftend und ist nicht nur in der Menopause gut für die Gesundheit.“

Ihrer Klientin hat Gabi Zeller noch Nahrungsergänzungen in Form von Bitterstoffen wie Artischocke, Löwenzahn, Rote Beete Saft und Sauerkrautsaft empfohlen. „Ein wahres Wundermittel scheint mir auch die regelmäßige Einnahme von Yams, Rotklee und Cissus“, berichtet Vera Heilmann bei ihrer dritten Sitzung in den Alzenauer Therapieräumen der Beraterin. „Aber ich denke, dass die Kombination aus Ernährungsumstellung, den Nahrungsergänzungsmitteln und vor allem viel Bewegung – mein Yoga und tägliches Laufen – mir innerhalb von wenigen Wochen schon erste Erfolge gebracht hat. Zumindest ist das nächtliche Schwitzen schon wesentlich besser geworden.“

Zur weiteren Entgiftung empfiehlt Gabi Zeller auch häufige Basenbäder, als Fuß- oder Wannenbad, angereichert mit Natronpräparaten oder Salzen aus dem Toten Meer. „Ganz wichtig sind auch Einläufe“, ergänzt sie. „Sie gehörten vor Jahrzehnten zur Standard-Medizin. Heute sind Einläufe fast vergessen. Aber gerade in den Wechseljahren sind sie ein gutes Entgiftungsmittel.“

Glückshormone durch Sport

Tägliche Bewegung, wie Fahrradfahren, Walking oder Jogging, Entspannungsgymnastik, Yoga oder autogenes Training gehören in der Zeit des so genannten „hormonellen Sinkflugs“ auch zu den Empfehlungen, sowohl des Gynäkologen als auch der Gesundheitsberaterin. „Ein Wechsel sollte ganzheitlich stattfinden“, davon ist Dr. Behrendt überzeugt. „Und dazu gehört auch ein verändertes körperliches Programm. Sport ist gut, um die Muskeln und Gelenke zu stärken und im Gehirn werden Endorphine freigesetzt, so genannte `Glückshormone´.

Das hilft vor allem auch bei seelischen Verstimmungen, die mit einer Hormonumstellung einhergehen können.“ Der Arzt verweist hier auch auf ein weiteres Tabuthema, die Inkontinenz. „Viele Frauen in den Wechseljahren haben damit Probleme. Hier gibt es spezielle Beckenbodenübungen, die helfen können, die Muskulatur des Beckens zu verstärken.“

Die Einnahme von pflanzlichen Wirkstoffen ergänzt die Therapievorschläge. Viele ganzheitlich orientierte Ärzte empfehlen sie längst als Hormonersatztherapie. „Es gibt zahlreiche Pflanzen, die so genannte Phytoöstrogene produzieren. Das sind Stoffe mit östrogenartiger Wirkung. Solche Präparate, zum Beispiel aus Traubensilberkerzen-Extrakten (Cimifuga) empfehle ich vor allem Frauen, die eine Krebs-Vorgeschichte haben. Es gibt noch immer viele Kollegen, die solchen Frauen trotz allem Hormonpräparate verschreiben. Das halte ich für sehr gefährlich. Die pflanzlichen Mittel brauchen zwar länger bis sie ihre Wirkung entfalten, aber gerade für Krebspatientinnen sind sie eine sinnvolle Alternative zu Hormonen.“

Immer wieder aber verweist der Frauenarzt auf das Gespräch als Basis jeder Veränderung. „Manchmal rate ich einer Patientin auch zu einem Einzel- oder Gruppengespräch bei einer Wechseljahres-Beraterin. Gerade Gesprächsgruppen unter Frauen, in denen sie sich und ihre körperlichen und seelischen Veränderungen `spiegeln´ können, sind für viele zum Loslassen, Annehmen und Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, wichtig.“ In Holland werden Wechseljahres-Beraterinnen übrigens seit mehr als zehn Jahren ausgebildet. Diese Gespräche sind ein Standardangebot vieler Ärzte und Therapeutinnen und werden meist auch noch von den Krankenkassen bezahlt.

Selbstbewusst altern

Auch die moderne Anti-Aging-Medizin spielt eine große Rolle beim Thema Wechseljahre. Die Jugend- und Schönheitskultur macht es den Frauen beim Älterwerden wesentlich schwerer als den Männern. In manchen ostasiatischen Ländern oder etwa bei den Maya-Frauen in Lateinamerika gibt es nicht einmal den Ausdruck `Wechseljahre´. Das mag daran liegen, dass dort ältere Frauen eine viel höhere gesellschaftliche Anerkennung haben. Aber auch daran, dass die Frauen untereinander einen wesentlich aktiveren Austausch führen.

Dort, wo Frauen ihr Alter als eine Aufwertung in der Gesellschaft erfahren, wo sie beim Älterwerden immer höher angesehen sind und ihr Rat gefragt ist, spielen Wechseljahre eine weitaus kleinere Rolle als in unserer westlichen, jugendlich orientierten Kultur. Die Wechseljahre und der Umgang damit sind somit auch ein gesellschaftliches Thema – nämlich wie `Mann und Frau´ mit dem Älterwerden umgehen.

Hintergrund: Sanfte Behandlungen für die Wechseljahres-Symptome

Neben der jahrzehntelang verordneten Hormontherapie gibt es heute zahlreiche „sanfte“ Wege, die unterschiedlichen Symptome der Wechseljahre zu mildern. Dazu gehören vor allem auch pflanzliche Wirkstoffe: Cimifuga (Traubensilberkerze), Mönchspfeffer, Soja, Ginseng, Hopfen, Rotklee- und Yams-Präparate, Salbeitee (bei Schwitzen), homöopathische Stoffe wie Lachesis oder Pulsatilla. Viele Ärzte und Therapeuten raten auch zu Akupunktur oder dem so genannten Hormon-Yoga.

Literatur: „Weisheit der Wechseljahre“ von Christiane Northrup (Zabert Sandmann Verlag) oder „Frauen-Heil-Kunde“ von Margit und Ruediger Dahlke und Volker Zahn (Goldmann Verlag).

Weitere Informationen:

www.gfg.bv.de/kurse-beratung-kontakt.hmtl (Infos über Wechseljahres-Beraterinnen)

www.frauengesundheitszentren.de

www.aeggf.de

Text: Redaktion gesund-in-rheinmain

Foto: Medienbüro Andrea Thoma, Dr. Berendt privat,

Beitragsbild: 123RF

10 Mythen über Darmkrebs und Darmkrebsvorsorge

1. Darmkrebs ist ein Einzelschicksal. FALSCH!

RICHTIG IST:
Darmkrebs ist in Deutschland – nach Lungenkrebs und Brustkrebs – die
zweithäufigste Todesursache durch Krebs. Bei Frauen liegt Darmkrebs aktuell an
dritter Stelle nach Brustkrebs und Lungenkrebs. Bei den Männern steht
Darmkrebs an zweiter Stelle, nach Lungenkrebs und vor Prostatakrebs.
Etwa jede 8. Krebserkrankung von Frauen und Männern in Deutschland betrifft
den Darm. 170 Menschen erkranken täglich in Deutschland an
Darmkrebs. 71 Menschen sterben pro Tag an dieser Krebserkrankung.

2. An Darmkrebs erkranken nur alte Menschen. FALSCH!

RICHTIG IST:
Das Risiko für Darmkrebs steigt ab dem Alter von 50 Jahren deutlich an. Der
Krebs kann aber auch schon in jüngeren Jahren auftreten, wenn es z. B.
Darmkrebs in der Familie gibt. Bereits bei einem Fall erhöht sich das
Darmkrebsrisiko aller nahen Verwandten um das Doppelte bis Dreifache. Sind
drei oder mehrere Familienmitglieder erkrankt und sind in der Familie zusätzlich
noch andere Krebserkrankungen aufgetreten (Magen-, Eierstock-, Gebärmutteroder
Harnleiterkrebs), liegt möglicherweise eine erbliche Form von Darmkrebs
vor (Lynch-Syndrom/ HNPCC). Nahe Verwandte haben dann ein hohes Risiko,
schon im jungen Erwachsenenalter an Darmkrebs zu erkranken.

3. Männer erkranken seltener an Darmkrebs. FALSCH!

RICHTIG IST:
Männer erkranken etwa doppelt so häufig und im Durchschnitt fünf Jahre
eher an Darmkrebs als Frauen. Grund genug, die Vorsorgeempfehlungen der
Experten ernst zu nehmen und spätestens im Alter von 50 Jahren mit der
Darmkrebsvorsorge zu beginnen.

4. Ich fühle mich gesund, ich brauche keine Vorsorgeuntersuchung.
FALSCH!
RICHTIG IST:
Darmkrebs macht lange Zeit keine Beschwerden. Man kann sich gesund fühlen
und dennoch Darmkrebs haben. Vorsorge heißt, sich ohne Symptome einer
Untersuchung zu unterziehen. Denn sind erst Symptome vorhanden, ist es oft für
eine Heilung zu spät.
Liegt kein bekannter Risikofaktor vor, wird für Männer und Frau ab dem 56.
Lebensjahr eine Vorsorge-Darmspiegelung empfohlen. Alternativ kann ab einem
Alter von 50 jährlich, bzw. ab 55 alle zwei Jahre ein Stuhlbluttest durchgeführt
werden, der okkultes Blut im Darm und damit Anzeichen für Darmkrebs erkennt.
Liegen ein oder mehrere Risikofaktoren vor, sollte früher mit der Vorsorge
begonnen werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten.

5. Eine Darmspiegelung ist zeitaufwändig und schmerzhaft. FALSCH!

RICHTIG IST:
Die Darmspiegelung wird heute nahezu ausschließlich ambulant durchgeführt.
Der Patient liegt während der circa 20 Minuten dauernden Untersuchung
zugedeckt auf einer Liege. Auf Wunsch erhält er eine Beruhigungs- oder
Kurzschlafspritze. Die Kurzschlafspritze ist keine Narkose, der Patient fällt
lediglich in einen kurzen und leichten Schlaf. So spürt er während der gesamten
Untersuchung keinerlei Schmerzen. Durchgeführt wird die Untersuchung von
einem Facharzt (Gastroenterologen/Magen-Darm Arzt). Wurde eine
Kurzschlafspritze verabreicht, ist man den restlichen Tag nicht verkehrstüchtig.
Ansonsten kann man nach der Untersuchung den üblichen Tagesablauf wieder
aufnehmen. Moderne Reinigungspräparate machen auch die Vorbereitung simpel
und angenehm.

6. Eine Darmspiegelung ist gefährlich. FALSCH!

RICHTIG IST:
Die Darmspiegelung wird von gut ausgebildeten Experten
(Gastroenterologen/Magen-Darm Arzt) durchgeführt und ist sehr risikoarm. Die
Komplikationen liegen im Promillebereich. Rund 370.000 Menschen im Alter über
55 Jahre nehmen jährlich in Deutschland eine Vorsorge-Koloskopie in Anspruch. Bei
durchschnittlich 369.000 von ihnen verläuft die Untersuchung ohne jegliche
Komplikationen.

Die Zahl auftretender Komplikationen liegt im Promillebereich (2,3 Fälle pro
1000 Untersuchungen). Mehrheitlich handelt es sich um Blutungen nach der
Entfernung von Polypen oder um eine Beeinträchtigung des Kreislaufs durch die
Kurzschlafspritze. Das Risiko für beide Komplikationen nimmt bei Patienten im
höheren Alter zu. Bei alten Menschen mit Begleiterkrankungen raten Experten
deshalb, die Vorsorgedarmspiegelung durch einen Stuhltest zu ersetzen.

7. Für die Vorbereitung muss ich viele Liter einer schlecht schmeckenden
Flüssigkeit trinken. FALSCH!

RICHTIG IST:
Im Gegensatz zu früher müssen heute zur Vorbereitung des Darms nur noch
zwei Liter der Spülflüssigkeit getrunken werden. Angereichert mit Zitronen- oder
Orangengeschmack hat diese sich inzwischen auch geschmacklich verbessert.
Eine gute Reinigung des Darms ist Voraussetzung für ein sicheres
Untersuchungsergebnis.

8. Eine Vorsorgedarmspiegelung muss man jedes Jahr wiederholen.
FALSCH!

RICHTIG IST:
Wenn die Vorsorgedarmspiegelung keinen Befund ergab, muss sie erst nach 10
Jahren wiederholt werden. Wurden Krebsvorstufen (Polypen) erkannt, sollte die
Darmspiegelung nach 3 bis 5 Jahren wiederholt werden. Ein kürzerer Zeitabstand
gilt auch für Menschen mit familiär erhöhtem und erblichem Darmkrebsrisiko, da
Tumore und Polypen bei ihnen schneller wachsen.

9. Darmkrebs lässt sich nicht verhindern oder heilen, die Erkrankung ist
immer tödlich. FALSCH!

RICHTIG IST:
Bei früher Erkennung liegen die Heilungschancen von Darmkrebs bei über 90
Prozent. Darüber hinaus bietet die Vorsorgedarmspiegelung die große Chance,
dass gutartige Vorstufen erkannt und entfernt werden können und das Entstehen
von Darmkrebs damit verhindert wird.

10. Die Darmkrebsvorsorge bringt nichts. FALSCH!

RICHTIG IST:
Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg hat errechnet, dass durch
die Vorsorgekoloskopie von 2002 bis 2010 98.734 Menschen im Alter von 55
bis 84 Jahren die Erkrankung an Darmkrebs erspart geblieben ist. Bei 47.168
Menschen wurde ein vorhandener Krebs in einem so frühen Stadium entdeckt,
dass er in den meisten Fällen geheilt werden konnte.
Hochgerechnet bis heute:
Mehr als 200.000 Neuerkrankungen sowie rund 90.000 Todesfälle konnten
durch die Vorsorgedarmspiegelung in Deutschland verhindert werden.

©Quelle: dkfz

© Foto:123RF.com Urheber:decade3d

www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2010/dkfz_pm_10_64-Darmspiegelung-hilft-100000-

CORONA-KABINETT: Weitere Regeln im Umgang mit der Corona-Pandemie vorgestellt

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, sein Stellvertreter Tarek Al-Wazir, Kultusminister Alexander Lorz und Sozialstaatssekretärin Anne Janz: „Wir passen die Verordnungen erneut der aktuellen Lage an – klare Regeln geben den Menschen Sicherheit im Alltag“

Das Corona-Kabinett der Hessischen Landesregierung hat neue Regelungen zur Bekämpfung des Corona-Virus beschlossen. Aufgrund des bevorstehenden Schulstarts und weil nach dem Ende der Sommerferien wieder mehr Kinder in die Betreuung gehen, wurden insbesondere für diese Bereiche neue landesweit gültige Regeln und Empfehlungen vereinbart. „Wir müssen mit Augenmaß handeln und die Situation immer wieder neu bewerten – die Krise ist noch nicht vorbei. Deshalb haben wir uns darum gekümmert, Kindern, Eltern, Lehrkräften sowie Erzieherinnen und Erziehern klare Regeln an die Hand zu geben. Das gibt ihnen Sicherheit im Schul- und Kita-Alltag“, betonte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei. Das Corona-Kabinett hat darüber hinaus Vorgaben und Verordnungen zum Bus- und Bahnfahren, für Restaurants, Spielhallen und Weihnachtsmärkte angepasst.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

  • Zum Schuljahresbeginn am kommenden Montag gilt grundsätzlich an den hessischen Schulen landesweit die Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung. Die Regelung gilt mit Ausnahme des Präsenzunterrichts im Klassen- oder Kursverband.
  • Die Schulen und Kitas erhalten Sicherheit im Umgang mit Schnupfenkindern. Schnupfen ohne weitere Krankheitszeichen ist ausdrücklich kein Ausschlussgrund.

Das Sozialministerium hat gemeinsam mit dem Kultusministerium Leitlinien erarbeitet: Wann muss mein Kind zu Hause bleiben? Wann kann es wieder in die Schule? Was passiert mit einer Klasse, wenn ein Kind positiv auf Corona getestet wird? Zu all diesen Fragen gibt ein Informationsblatt Empfehlungen (corona.hessen.de).

  • Weihnachtsmärkte werden wie Wochen- und Flohmärkte behandelt und dürfen unter Einhaltung entsprechender Regeln stattfinden. Das bedeutet, es darf nicht auf den Wegen gegessen oder getrunken werden, sondern nur in hierfür vorgesehenen, abgesperrten Bereichen. Einzelne Kinderkarussells dürfen fahren.
  • Im Öffentlichen Personennahverkehr wird das Nichttragen einer Mund-Nasen-Bedeckung nunmehr direkt mit einer Geldbuße belegt. Es wird zuvor keine Ermahnung bzw. Aufforderung mehr erfolgen.
  • In Restaurants und Lokalen dürfen wieder Pfeffer- und Salzstreuer auf den Tischen stehen.
  • Besucherinnen und Besucher von Spielhallen und Casinos müssen – anders als das Personal – keine Mund-Nasen-Bedeckung mehr tragen. Die Regeln werden mit den geltenden Vorgaben der Gastronomie vereinheitlicht.

Die Anpassungen in den Verordnungen gelten ab dem kommenden Samstag. Alle weiteren Corona-Verordnungen wurden einheitlich bis zum 31. Oktober dieses Jahres verlängert.

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Zu den Maßnahmen im Einzelnen erläutern die Ressortminister:

Die Maskenpflicht an Schulen soll generell im Schulalltag gelten und zwar bis zum Betreten des Klassen- oder sonstigen Unterrichtsraums. „Während des Unterrichts im engeren Sinne halten wir es aus pädagogischen und sozialen Erwägungen nicht für zielführend, dass Schülerinnen und Schüler eine Maske tragen“, hob Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz hervor. „Eine solche Regelung wird auch von Medizinern kritisch gesehen, wie es jüngste Äußerungen aus dem Verband der Kinder- und Jugendärzte oder vom Marburger Bund erkennen ließen.“ Selbstverständlich sei es aber jedem freigestellt, dies freiwillig zu tun. Abweichend von dieser Vorgabe können Schulen – wenn sie beispielsweise ein sehr großes Außengelände haben – von der Maskenpflicht abweichen. Die Entscheidung liegt bei der Schulleitung. Vorher muss jedoch die Schulkonferenz angehört werden und eine Beratung durch den schulärztlichen Dienst stattgefunden haben. Für den Fall, dass das Infektionsgeschehen in einer Region deutlich ansteigt, liegt es im Ermessen der Gesundheitsämter vor Ort, eine weitergehende Maskenpflicht im Einzelfall anzuordnen. Dies sieht das Präventions- und Eskalationskonzept des Landes zur Eindämmung der Pandemie jetzt schon vor. „Bevor wir aus Vorsichtsgründen eine Schule ganz schließen, wäre das Tragen einer Maske auch im Unterricht natürlich das geringere Übel“, so die Einschätzung des Kultusministers.

Umgang mit Schnupfenkindern

Die in dem Info-Blatt vorgelegten Leitlinien sollen auch Sicherheit schaffen, wenn der absehbare Fall einzelner Corona-Infektionen in Schulen oder Kitas auftritt. Die Informationen sollen den Verantwortlichen helfen, damit nicht übereilt Schulen oder Kitas geschlossen werden. „Selbstverständlich müssen alle – Eltern, Ärztinnen und Ärzte, Pädagoginnen und Pädagogen, Fachkräfte und sonstige Kräfte in der unmittelbaren Arbeit mit Kindern in Kindertageseinrichtungen sowie Tagespflegepersonen – ganz genau hinschauen, wenn bei Kindern und Heranwachsenden im Herbst Erkältungssymptome auftreten, um eine mögliche Ausbreitung des Corona-Virus unmittelbar zu verhindern“, betonte Sozialstaatssekretärin Anne Janz. „Ein Kind, das eindeutig krank ist, soll zuhause bleiben – das gilt jetzt, das galt aber auch schon vor der Corona-Pandemie“, so Janz. Ein Besuchsverbot in der Kindertageseinrichtung, in der Kindertagespflegestelle und in der Schule gilt außerdem, wenn mindestens eines der relevanten, für COVID-19 typischen Symptome auftritt:

  • Fieber (ab 38,0°C)
  • Trockener Husten, d.h. ohne Auswurf (nicht durch chronische Erkrankung verursacht wie z.B. Asthma) – ein leichter oder gelegentlicher Husten oder ein gelegentliches Halskratzen soll aber zu keinem automatischen Ausschluss führen.
  • Störung des Geruchs- oder Geschmacksinns (nicht als Begleiterscheinung eines Schnupfens).

Alle Symptome müssen akut auftreten, Symptome einer chronischen Erkrankung sind demnach nicht relevant. Auf der anderen Seite gilt: Wer nur einen Schnupfen hat, darf trotzdem die Kita oder die Schule besuchen. Schnupfen ohne weitere Krankheitszeichen ist ausdrücklich kein Ausschlussgrund.

Covid-Tests für Lehr- und Fachpersonal sowie Erzieherinnen und Erzieher

Die Hessische Landesregierung ermöglicht außerdem Lehrpersonal, Fachkräften und sonstigen Kräften in der unmittelbaren Arbeit mit Kindern in Schulen, Kindertageseinrichtungen sowie Tagespflegepersonen, sich kostenfrei auf das Corona-Virus testen zu lassen, da sich das Abstandsgebot und auch die Mund-Nasen-Bedeckung im Alltag bei der Arbeit mit Kindern in Kitas oder der Kindertagespflege nicht oder nur eingeschränkt realisieren lassen. Testungen im Abstand von 14 Tagen sind für Lehrerinnen und Lehrer bis zum Beginn der Herbstferien möglich, für Fachkräfte in der Kinderbetreuung bis zum 8. Oktober.

Regeln in Bus und Bahn

Die Zahl der Fahrgäste in Bussen und Bahnen ist im Laufe der letzten Wochen wieder deutlich gestiegen, und mit Beginn des neuen Schuljahres wird es noch mehr zusätzliche Fahrgäste in den Bussen und Bahnen geben. Der sonst übliche 1,50-Meter-Abstand zu anderen Personen kann im öffentlichen Nahverkehr nicht immer sicher eingehalten werden. Zu Stoßzeiten und mit Beginn des Schülerverkehrs wird dies noch schwieriger. „Umso wichtiger ist es, dass sich alle an die geltenden Regeln halten und bei der Fahrt mit Bus oder Bahn eine Alltagsmaske tragen“, sagte Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. „Der Großteil macht das vorbildlich, auch wenn das gerade bei den heißen Temperaturen kein Vergnügen ist. Wir müssen aber auch feststellen: Es gibt immer noch Menschen, die sich nicht an die Coronaregeln halten.“ Schon heute kann dies mit einem Bußgeld von 50 Euro geahndet werden. Allerdings nur dann, wenn der Fahrgast die Maske auch nach Aufforderung nicht aufzieht. „Das ändern wir jetzt. Ab sofort gilt: Wer im Bus oder in der Bahn keine Maske trägt, muss zahlen“, so der Minister. „Wir müssen alles dafür tun, um Infektionen zu verhindern und Infektionsketten zu durchbrechen. Deswegen gibt es die Maskenpflicht. Hinzu kommt, dass der öffentliche Nahverkehr nicht nur ein klimafreundliches Verkehrsmittel ist und bleibt, sondern er ist unverzichtbar, wenn wir nicht im Dauerstau enden wollen. Um seine Funktion erfüllen zu können, ist er aber auf Akzeptanz angewiesen.  Wir wollen nicht, dass jemand aus Angst vor Ansteckung lieber mit dem Auto fährt, als sich in die Bahn zu setzen.“

Text & Bild: Hessische Staatskanzlei