Dr. Michael Groß – „Das Beste liegt vor uns“

Dr. Michael Groß

AUS DEM INHALT

Wir stehen mitten im Leben – und sind im besten Alter. Doch die Welt dreht sich rasant, gerade im digitalen Zeitalter halten Beruf und Alltag ständig neue Herausforderungen bereit. Daneben haben wir unverhoffte Krisen zu bewältigen. Michael Groß, Olympiasieger und erfolgreicher Unternehmer, und seine Ehefrau Ilona, erfahrene Coachin, zeigen, wie wir in der zweiten Lebenshälfte neue Energien sammeln. Um den allgegenwärtigen Wandel zu meistern und beherzt den Neustart zu wagen – in der Arbeit und Freizeit, in gesundheitlicher Hinsicht und in der Liebe. Ihr Buch eröffnet neue Perspektiven, die nicht nur die Generation 50plus inspirieren.

https://www.m-vg.de/mediafiles/Leseprobe/9783742313768.pdf

ÜBER DIE AUTOREN

Michael Groß, Jahrgang 1964, ist mehrfacher Olympiasieger und Weltmeister im Schwimmen. Parallel zum Leistungssport absolvierte er ein Studium der Geisteswissenschaften, das er mit Promotion abschloss. Heute ist er gefragter Coach und Buchautor (michael-gross.net/), Inhaber der Beratungsfirma Groß & Cie. und unterrichtet er an der Universität Frankfurt am Main zum Thema »Digital Leadership«.

Ilona Groß, Jahrgang 1962, studierte Betriebswirtschaftslehre und war anschließend über ein Jahrzehnt als Abteilungsleiterin und Prokuristin für Touristikkonzerne tätig. Heute ist sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Michael Groß im Managementtraining und Business Coaching aktiv und arbeitet nebenberuflich als Fitnesstrainerin (happybody.fitness). Sie ist Mutter zweier Kinder und lebt in der Nähe von Frankfurt.

Mehr zu Dr. Michael Groß als Unternehmer,Redner,Trainer und Autor mit seinen Büchern: https://www.michael-gross.net/de/autor/

https://www.m-vg.de/riva/shop/article/19647-das-beste-liegt-vor-uns/

Andrea Thoma trifft: Schwimmlegende Dr. Michael Groß

Dr. Michael Groß im Interview mit Andrea Thoma

Im Profil …Dr. Michael Groß

 Er war DER deutsche Rekord-Schwimmer der 80er Jahre: Michael Groß. Genannt „Albatros“. Heute ist er selbstständiger Unternehmensberater in Frankfurt, Buchautor und Dozent an einer privaten Wirtschaftsuniversität. Begonnen hat seine legendäre Karriere mit 16 Jahren. Der Hausarzt hat seiner Mutter empfohlen, den Sohn wegen seines schnellen Wachstums zum Schwimmen zu schicken. Bald war Michael Groß 2,01 Meter lang und hatte eine Armspannweite von 2,13 Metern. Er machte als Schwimmer eine sensationelle Karriere: 21 Titelgewinne bei Olympischen Spielen, Welt-und Europameisterschaften. Davon drei Goldmedaillen, fünf Weltmeisterschaften, 13 Europameisterschaften, 12 Weltrekorde und 24 Europarekorde. Andrea Thoma traf den Weltrekordler zum Gespräch:

Andrea Thoma: Lieber Michael Groß, auf Ihrer Webseite steht ein wunderbarer Lebensspruch: `Nicht weil etwas schwer ist, wagen wir es nicht. Weil wir es nicht wagen, wird es schwer´. – Haben Sie alles gewagt im Leben?

 Michael Groß: Nein, ganz sicher nicht. Ich wollte zum Beispiel unbedingt einmal längere Zeit im Ausland leben, um andere Kulturen besser kennenzulernen. Ich wollte nach Amerika oder Australien. Als Student konnte ich das nicht machen, weil ich damals schon eigenes Geld durch den Sport verdient habe, und eine Scholarship (Stipendium) in den USA gab es leider nur für `mittellose´ Studenten. Und danach ging es weiter mit Universität, Wehrdienst, Familie und Firmengründung. Irgendwie hat es nie gepasst. Ich bin nun mal in Frankfurt verankert.

 Wenn man 21 Titelgewinne im Schwimmen nach Hause geholt hat, die ganze Welt den `Albatros´ kennt, zieht es Sie dann heute noch ins Schwimmbad?

 Dieses Jahr war ich überhaupt noch nicht schwimmen. Ich mache mit meiner Familie inzwischen einfach andere Sportarten, wie Wakeboarden, Snowboarden, Fahrradfahren. Außerdem habe ich einen Bootsführerschien. Die Prioritäten haben sich einfach im Laufe der Zeit verlagert.

 Was ist geblieben von der Weltkarriere in den 80er Jahren?

 Ich habe einfach eine ganz andere berufliche Laufbahn eingeschlagen. Mit dem damaligen Leben hat mein heutiges fast nichts mehr zu tun. Natürlich falle ich schon durch meine Größe immer noch auf. Aber die Jüngeren wissen mit dem `Albatros´ fast nichts mehr anzufangen.

 Eigentlich haben Sie Ihre Karriere ja Ihrem Hausarzt zu verdanken, der Ihrer Mutter riet, Sie zum Schwimmen zu schicken, weil Sie so schnell gewachsen sind….

 Ja, das hat der Arzt meiner Mutter sogar dringend angeraten. Denn die Muskeln sollten sich mit entwickeln und das geht im Wasser am besten. So wurde aus einem medizinischen Ratschlag eine Sportler-Karriere.

 Was ist die größte Kunst beim Schwimmen?

 Kraft und Technik in das Wasser zu bringen – das ist die Herausforderung für jeden Schwimmer.

 Sie sind 2,01 Meter lang. Diese Größe hat Ihnen den Zugang ins Cockpit verbaut, denn Sie wollten Pilot werden…

 MG: Ich bin kläglich an sechs Zentimetern gescheitert. Die Lufthansa hat mich nicht genommen, denn ich hätte in kein Cockpit einer kleineren Maschine gepasst. Und natürlich besteht bei großen Menschen auch die Gefahr eines Blackouts im Extremfall. Bei starken Beschleunigungen werden die Extremitäten und das Gehirn nicht mehr gut durchblutet. Das kann sich ein Pilot nicht leisten.

 Lassen Sie sich Ihre Kleidung maßanfertigen?

 Ja, mein Onkel und mein Cousin haben sich mit ihrer Spezial-Schneiderei Wermter auf maßgeschneiderte Konfektion für große Menschen spezialisiert. Sie haben tolle Schnitte und sehr schöne Stoffe. Also fahre ich öfter mal nach Essen, nicht weit von der Villa Hügel ist ihr Schneider-Unternehmen, und kleide mich dort ein. Das mache ich schon seit Jahrzehnten…

 Ihre sensationelle Sportlerkarriere haben Sie mit 26 Jahren beendet. Wenn man zurückblickt, dann hat man das Gefühl, Schwimmen war Ihr Hobby. Sie haben sich nicht so vermarkten lassen wie viele andere Sportler. War das so gewollt?

 Sie sagen es ganz richtig: Schwimmen war mein Hobby. Die schönste Nebensache der Welt. Ich hatte auch nur sehr kleine private Zeitfenster, also habe ich Vieles einfach abgelehnt. Heute ist der Sport Teil des Showbusiness. Ein großer PR-Aufmarsch. Da konnte man sich vor 20 oder 30 Jahren noch ganz gut raushalten.

 Nach Ihrer aktiven Zeit waren Sie auch als Funktionär im Vorstand des Deutschen Sportbundes. Sie sagen, Josef Neckermann, der erste und langjährige Vorstand, würde sich über die heutige Ausrichtung des Deutschen Sportbundes im Grabe herumdrehen. Warum?

 Weil dort seit vielen Jahren der Stillstand, die reine Verwaltung der Macht Einzug gehalten hat. Und das ist nicht mein Ding. Das war auch nicht Neckermanns´ Ding und schon gar nicht seine Vision von Sportförderung. Ich bin auch kein Machtmensch. Mir geht es um Inhalte. Dort wurden und werden Claims abgesteckt. Es gibt keine Visionen mehr, keine Agenda. Deshalb habe ich 2005, nach fünf Jahren im Vorstand, den Job auch niedergelegt.

 Nochmal zurück zu den Schwimmanfängen. Sie sind ja sozusagen auf Feindesland geschwommen. In Offenbach…

 Damals gab es rund um Frankfurt nur zwei gute Schwimmclubs, einer in Darmstadt und einer in Offenbach. Letzterer war einfach näher. Die S-Bahn hat an der Stadtgrenze von Offenbach gehalten und ich musste lange laufen, um das Schwimmbad zu erreichen. Die alte Fehde zwischen den beiden Städten ist eher belustigend, die habe ich nie ernst genommen. Darüber habe ich oft mit Petra Roth, der früheren Frankfurter Oberbürgermeisterin Witze gemacht.

 Sie haben inzwischen zwei Bücher geschrieben. Eines davon heißt: `Selbstcoaching´. Darin schreiben Sie, man solle für die Karriere ein Glückstagebuch führen. Wozu soll das gut sein?

 Um die Schlangenlinien im Leben aufzuzeichnen. Um die positiven Momente des Alltags später zu memorieren. Denn genau diese Kleinigkeiten gehen uns im Rückblick oft verloren. Aber sie sind Teil unseres Lebens und unseres Glücks. Diese Aufzeichnungen zeigen, wenn man sie später liest, die Schritte nach vorn, die zurück, und die zur Seite. Das ist im Rückblick oft sehr spannend.

 Und seine Erfolge solle man in einen so genannten Motivkompass eintragen…

 Das sind die Motive, die unser Leben wirklich bewegen. Kein festes Programm, aber das, was uns ausmacht. Manchmal, zum Beispiel bei wichtigen Entscheidungen, lohnt es sich, diese Motive mit einzubeziehen.

 Wie coachen Sie sich selbst? Woran denken Sie, wenn Sie morgens aufstehen?

 Ich führe auch ein solches Glückstagebuch und auch einen Motivkompass. Alles wird täglich und händisch eingetragen. Übrigens bin ich grundsätzlich ein sehr haptischer Mensch. Ich schreibe und strukturiere auch meine Bücher, Vorträge und auch wichtige Aufträge in meinem Unternehmen erst auf einem weißen Blatt Papier, dann erst übertrage ich sie in den Computer. Mein Selbst-Coaching besteht vor allem darin, dass ich meine Grenzen als Gestalter kenne und nach diesen mein Leben eingerichtet habe. Nicht statisch, aber in den wichtigen Eckpunkten. Ich gehe mit meinen Zweifeln, auch mit Trauer und Niederlagen, möglichst offen um. Am liebsten präsentiere ich meine Ansichten oder Pläne einem kleinen Kreis von engen Freunden. Das motiviert mich dann immer wieder neu.

Dr. Michael Groß ist am 17. Juni 1964 in Frankfurt geboren. Seine Schwimmkarriere begann er mit 16 Jahren, weil ein Arzt seiner Mutter anriet, ihn wegen seines schnellen Wachstums zum Schwimm-Unterricht anzumelden. Er belegte schon nach wenigen Monaten Training den zweiten Platz bei den Deutschen Meisterschaften in München über 100 Meter Schmetterling, im Jahr 1980. Groß trainierte von Anfang an beim Offenbacher Schwimmclub.

Schnell legte er in den 80er Jahren eine Weltkarriere hin. Er gewann insgesamt dreimal Gold bei Olympischen Spielen, wurde fünfmal Weltmeister, dreizehn Mal Europameister, er stellte 12 Weltrekorde und 24 Europarekorde auf. Seinen Spitznamen „Albatros“ erhielt der Schwimmer von den französischen Medien, aufgrund seiner Armspannweite von 2,13 Metern.

Groß machte parallel zur Schwimmkarriere sein Abitur, studierte Philologie und Medienwissenschaften, machte seinen Dr. phil. und schloss daran eine journalistische Ausbildung an.

Heute ist er Geschäftsführer der Frankfurter Kommunikationsagentur Groß & Cie GmbH und arbeitet als selbstständiger Berater, Hochschuldozent und Buchautor  („Siegen kann jeder“ und „Selbstcoaching“).

Mehr zu Michael Groß finden Sie hier: https://www.michael-gross.net/

Michael Groß, Autorin: Andrea Thoma, © Fotos: Michael Groß, privat und ATH Medien

Ernährung für gesunde Augen Vorbeugen und lindern: Grauer und grüner Star, Makula-Degeneration, Trockenes Auge

Immer mehr Menschen leiden an Krankheiten wie altersbedingter Makula-Degeneration, Linsentrübungen oder erhöhtem Augeninnendruck. Das sind gefährliche Erkrankungen, die das Augenlicht auf Dauer bedrohen können. Dr. Laurie Capogna, Augenärztin und leidenschaftliche Köchin, erklärt in ihrem neuen TRIAS Ratgeber „Ernährung für gesunde Augen“ (TRIAS Verlag, Stuttgart. 2020), welche Lebensmittel diesen Erkrankungen vorbeugen und eine Therapie unterstützen können.

© Robert Rose Inc., TRIAS Verlag.

In ihrer 20-jährigen Praxis als Augenärztin konnte Laurie Capogna zahlreiche Erfahrungen sammeln, die sie mit den aktuellsten Forschungsergebnissen aus dem Gebiet der Augenheilkunde zusammengeführt hat. Herausgekommen ist eine Liste der besten Lebensmittel, die Augen und Augenlicht gesund halten sowie Augenerkrankungen wie Makuladegeneration, Katarakt, Glaukom oder trockenem Auge vorbeugen. Zum Beispiel enthalten Kaltwasserfische wie Lachs, Makrele, Hering und Thunfisch wertvolle Omega-3-Fettsäuren, die wichtig für gesunde Augen sind. Der essenzielle Mineralstoff Zink findet sich in Fisch, Meeresfrüchten, Fleisch oder auch in Vollkorngetreide. Ein Vollkornsandwich mit Thunfischsalat ist also eine gute Mahlzeit, wenn man seinen Augen etwas Gutes tun will. Zudem erklärt die Autorin, wie Mikronährstoffe gezielt im Auge wirken und wie man die vorbeugende und therapeutische Ernährung in den Alltag integrieren kann. Über 100 Rezepte sowie Wochenpläne und Einkaufslisten ergänzen das Buch.

Die Autorin:

Dr. Laurie Capogna

Ernährung für gesunde Augen

Vorbeugen und lindern: Grauer und grüner Star, Makula-Degeneration, Trockenes Auge

TRIAS Verlag, Stuttgart. 2020
Buch EUR [D] 19,99 EUR [A] 20,60

Erscheinungstermin ca. 08.07.2020

EPUB EUR [D] 15,99 EUR [A] 15,99

bereits erschienen (10.06.2020)

ISBN Buch: 9783432111520

ISBN EPUB: 9783432111537

Bewegungsmangel im Büro: Tipps für gesünderes Arbeiten

Zu den am meisten verbreiteten Gesundheitsproblemen in Deutschland zählen Rückenbeschwerden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine wesentliche Ursache dafür ist Bewegungsmangel. Unter diesem leiden insbesondere Menschen, die vor allem am Schreibtisch arbeiten. Hier gilt es gesünder zu leben!

„Sehr viele Berufstätige bestreiten ihren Büroalltag hauptsächlich im Sitzen, allerdings ist der Mensch nicht dafür geschaffen, sich ein Drittel des Tages beinahe gar nicht zu bewegen. Wer gesund und fit bleiben möchte, braucht regelmäßige aktive Pausen“, sagt Klaus Möhlendick, Diplom-Sportwissenschaftler. Zu langes Sitzen lasse die Bein-, Bauch- und Rückenmuskulatur verkümmern und steigere außerdem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Aufstehen spart Zeit und sorgt für effizientere Meetings

Der Körper braucht laut dem Sportwissenschaftler regelmäßige Pausen vom Sitzen, spätestens nach dreißig Minuten. Sinnvoll sei es beispielsweise, lieber die Kolleginnen im Nachbarbüro persönlich zu besuchen, statt aus Bequemlichkeit zum Telefonhörer zu greifen. „Wer sich ab und zu erhebt, tut nicht nur etwas für seine Gesundheit, sondern wird auch effizienter. Telefonate werden erstaunlicherweise deutlich kürzer, wenn man sie im Stehen führt. Auch ein Konferenzraum ohne Stühle erhöht die Effizienz von Meetings enorm“, berichtet der Sportwissenschaftler. Demnächst könnten auch wieder sogenannte Walk-and-talk-Meetings sich neu entwockeln. Statt einer Besprechung im Büro würden Projekt-Ideen oder das Tagesgeschäft schlicht bei einem Spaziergang diskutiert. Das erspare den Beteiligten womöglich sogar die eine oder andere überflüssige Präsentation.

Gesundes Team, gesundes Unternehmen

 Beim Thema Gesundheit seien auch die Unternehmen gefragt. „Modernen Arbeitgebern ist mittlerweile klar, dass es für den Erfolg eines Unternehmens auch auf die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ankommt. Mit einem ganzheitlichen betrieblichen Gesundheitsmanagement, das auch die gesundheitsförderlichen Verhältnisse berücksichtigt, lässt sich gezielt mehr Bewegung in den Arbeitsalltag integrieren“, so Möhlendick.

 

Text: Barmer und Redaktion girm

Foto: Barmer

CORONA-LOCKERUNGEN: Landesregierung beschließt weitere Regelungen

Landesregierung beschließt weitere Lockerungen
Ministerpräsident Volker Bouffier: „Patienten dürfen wieder regelmäßig in Krankenhäusern besucht werden.“

03.07.2020

Das Corona-Kabinett der Hessischen Landesregierung hat entschieden, die Maßnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus weiter zu lockern. Diese betreffen insbesondere die Kontaktbeschränkungen bei Veranstaltungen, in Theatern oder Kinos sowie die Besuchsmöglichkeiten in Krankenhäusern, Rehakliniken und Behindertenwerkstätten.

Infektionsraten sind entscheidendes Kriterium

„Die Infektionsraten sind weiterhin niedrig. Dies ist für uns ein entscheidendes Kriterium, um weitere Lockerungen zu beschließen. Die nächsten Schritte sind nun möglich. Wir haben entschieden, dass wieder mehr Menschen Sportveranstaltungen oder Messen besuchen oder ins Theater gehen können. Trotzdem müssen wir besonnen bleiben und weiter Abstands- und Hygieneregeln einhalten. Wir haben die Pandemie nicht überwunden und wollen nicht Gefahr laufen, Erleichterungen wieder zurücknehmen zu müssen. Deshalb bitte ich Sie, weiterhin vorsichtig zu sein“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier heute in Wiesbaden.

Im Bereich der Kontakt- und Betriebsbeschränkungen gilt ab dem 6. Juli:

  • Bei Veranstaltungen wie Messen oder Konzerten sowie in Theatern und Kinos wird die Fünf-Quadratmeter-Regel für Sitzplätze und die Zehn-Quadratmeter-Regel für Stehplätze aufgehoben. Grundsätzlich gilt, dass der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden muss. Als Richtgröße sollen für jede Person drei Quadratmeter zur Verfügung stehen. Davon kann beispielsweise in Theatern und Kinos abgewichen werden, wenn ein Hygienekonzept vorliegt, das Schutzmaßnahmen wie das Tragen einer Alltagsmaske vorsieht.
  • Auch der Besuch von Sportveranstaltungen und -wettkämpfen ist unter Einhaltung der Drei-Quadratmeter-Regel und eines Hygienekonzeptes wieder möglich.
  • Die Zehn-Quadratmeter-Regel für Geschäfte wird ebenfalls aufgehoben. Der verpflichtende Mindestabstand von 1,5 Meter bleibt aber bestehen. Als Richtgröße sollen auch hier für jede Person drei Quadratmeter zur Verfügung stehen.
  • Weiterhin gilt, dass zwei Hausstände bzw. maximal zehn Personen sich gemeinsam ohne Mindestabstand bei Veranstaltungen und im öffentlichen Raum aufhalten können.
  • Bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen, bei denen Zuschauerplätze eingenommen werden, sollen die Sitzplätze personalisiert vergeben werden, um eine Rückverfolgung im Fall einer Infektion zu ermöglichen. Das gilt nicht für Tischgesellschaften.
  • Vereins- und Versammlungsräume können wieder genutzt werden. Auch in Umkleidekabinen entfällt die Fünf-Quadratmeter-Regel. Stattdessen gelten die allgemeinen Abstandsvorgaben von 1,5 Metern.
  • Werkstätten für Menschen mit Behinderungen dürfen von allen Bürgerinnen und Bürgern betreten werden, sofern sie gesund sind und keinen Kontakt zu COVID-Patienten hatten.
  • Das Grillen und Picknicken in der Öffentlichkeit ist grundsätzlich wieder erlaubt.
  • Veranstaltungen mit mehr als 250 Besucherinnen und Besuchern müssen weiterhin vom Gesundheitsamt genehmigt werden.
  • Öffentliche Tanzveranstaltungen bleiben verboten.

Für Besuche in Krankenhäusern, Rehakliniken und Behinderteneinrichtungen gelten folgende Regelungen ab dem 15. Juli:

  • Besuche in Rehakliniken sind uneingeschränkt möglich.
  • In Krankenhäusern darf der Patient oder die Patientin in den ersten sechs Tagen insgesamt zwei Besuche empfangen. Pro Besuch dürfen maximal zwei Personen kommen. Ab dem siebten Tag darf täglich Besuch von maximal zwei Personen empfangen werden.

Alle Regelungen gelten bis zum 16. August 2020.

Hessisches Ministerium für Soziales und Integration

18.06.2020: Hessische Staatskanzlei
Ministerpräsident Volker Bouffier: „Wir werden weiterhin genau abwägen, welche Schritte wir zurück in den Alltag gehen können und welche noch nicht“

 

Sozialminister Kai Klose und Ministerpräsident Bouffier
© Hessische Staatskannzlei

Das Corona-Kabinett der Hessischen Landesregierung hat weitere Anpassungen der Verordnungen zur Bekämpfung des Corona-Virus verabschiedet. Diese betreffen insbesondere die Regelungen zu Besuchen in Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie Lockerungen für Veranstaltungen und den Einzelhandel.

„Unsere Vorgehensweise nach dem Motto ,Hessen bleibt besonnen‘ zeigt Wirkung. Ausgehend von den derzeitig niedrigen Infektionszahlen haben wir einige weitere neue Regelungen beschlossen, von denen viele Menschen profitieren“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier.

Lockerungen ab 22. Juni 2020

Das Besuchsrecht in Alten- und Pflegeeinrichtungen wird ab dem 22. Juni 2020 gelockert und die Anzahl von einem Besuch pro Woche auf drei Besuche erhöht. Menschen mit Behinderung, die in einer stationären Einrichtung betreut werden, können ab diesem Tag von einer Person pro Tag besucht werden. „Für alte und pflegebedürftige Menschen ist es gerade in diesen Zeiten wichtig, regelmäßigen persönlichen Kontakt zu ihren Angehörigen zu haben. Der Schutz der Gesundheit unser Bürgerinnen und Bürger bleibt dennoch unser oberstes Ziel und wir werden weiterhin genau abwägen, welche Schritte wir zurück in den Alltag gehen können und welche noch nicht“, erklärte der Regierungschef.

Hessens Sozial- und Integrationsminister Kai Klose hat die Lockerungen der bislang bestehenden Besuchsbeschränkungen gemeinsam mit der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen e.V. und dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. erarbeitet: „Für die Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie für stationär betreute Menschen mit Behinderung ist das ein wichtiger Schritt heraus aus der teils entstandenen sozialen Isolation, die die Maßnahmen zu ihrem Schutz vor dem Virus ausgelöst haben.“

Dank an pflegerischen Arbeit

Klose dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Pflege- und Betreuungseinrichtungen im Land: „Sie haben sich während den vergangenen Wochen in besonderer Weise um die Bewohnerinnen und Bewohner gekümmert und waren neben ihrer pflegerischen Arbeit wichtige Ansprechpartnerinnen und -partner für diejenigen, die Gäste aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht empfangen durften.“

Mit den nun beschlossenen Lockerungen ermögliche das Land den Alten- und Pflegeeinrichtungen, dem Bedürfnis der betreuten Bewohnerinnen und Bewohner nach Besuch besser entsprechen zu können, so Klose weiter. „Zugleich wird der notwendige Infektionsschutz bei Besuchen dieser Einrichtungen auch weiterhin gewährleistet. Denn das Virus ist weiterhin aktiv und gefährlich. Dies gilt besonders für die in diesen Einrichtungen betreuten Menschen, die leider häufig ein erhöhtes Infektionsrisiko sowie ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben“, erläuterte der Sozialminister. Er betonte, dass die Lockerung im intensiven Dialog mit den entsprechenden Fachverbänden getroffen worden sei.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises 3 Gesundheit, Pflege und Senioren der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen e.V., Michael Schmidt, sagte: „Die zunehmende Öffnung des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft erhöht auch das Infektionsrisiko in unseren Pflegeeinrichtungen. Die jetzige Lockerung des Besuchsverbotes bringt jedoch ein Stück der ersehnten Normalität für die Bewohnerinnen und Bewohner der Wohnheime zurück: Auf der einen Seite freuen wir uns, dass Besuche in einem größeren Umfang ermöglicht werden. Gleichzeitig sorgen wir uns um unsere Bewohnerinnen und Bewohner. Die mit dem Hessischen Sozialministerium getroffene Lösung der schrittweisen Öffnung unserer Einrichtungen begrüßen wir ausdrücklich.“

Schritt in Richtung Normalität

Ralf Geisel, Landesvorsitzender des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste, sagte: „Diese Besuchsregelung ist ein erheblicher, aber maßvoller Schritt in Richtung Normalität. Wir ermöglichen gemeinsam wieder mehr Kontakte von Pflegeheimbewohnern und ihren Familien. Die Infektionszahlen sinken erfreulicherweise, deshalb tragen wir die Lockerungen der Landesregierung mit, ohne die Gesundheit und die Sicherheit der Bewohner und der Pflegenden aus dem Blick zu verlieren, indem wir die weitere Entwicklung genau beobachten und Schritt für Schritt vorgehen. Hierbei gilt unserer besonderer Dank den Pflegenden und den Betreuungskräften in den Heimen, die über Wochen in besonderer Weise erste Bezugs- und Kontaktpersonen für die pflegebedürftigen Menschen waren.“

Eine weitere Regelung betrifft Einzelhandelsgeschäfte: Dort sinkt die Einlassbeschränkung für den Publikumsverkehr von einer Person je 20 m² zugänglicher Grundfläche auf eine Person je 10 m². „Wir gehen auch hier mit Augenmaß vor, um sowohl das Infektionsgeschehen weiter zu minimieren als auch dem Handel nach den schwierigen vergangenen Monaten eine Perspektive zu eröffnen und die Wiederbelebung des Geschäfts zu ermöglichen“, sagte Klose. Er teilte außerdem mit, dass die pandemiebegründete generelle Möglichkeit, Geschäfte an Sonntagen von
13 -18 Uhr zu öffnen, ab dem 22. Juni aufgehoben wird.

Einfacher wird es auch für Veranstaltungen wie Theatervorstellungen, Konzerte und Feste, die bislang bei mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine Genehmigung der örtlichen Behörden einholen mussten. Diese Obergrenze steigt auf 250. Voraussetzung ist wie bisher ausreichend Fläche pro Person, die Erfassung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und ein Hygienekonzept.

„Wir werden die Entwicklung des Infektionsgeschehens weiterhin genau beobachten. Unser Ziel bleibt, die Anzahl der Neuinfektionen möglichst gering zu halten“, hob der Minister abschließend hervor.

Ab dem 22. Juni 2020 gilt folgende neue Regel zu Besuchen in Alten- und Pflegeeinrichtungen:

  • Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen dürfen drei Besuche pro Woche von einer Person erhalten (unabhängig ob Angehöriger oder sonstige nahestehende Person). Menschen mit Behinderung, die in einer stationären Einrichtung betreut werden, können von einer Person pro Tag besucht werden. Die Besuche sollen auch an den Wochenenden ermöglicht werden.
  • Es bestehen weiterhin Besuchsverbote für Personen mit Atemwegsinfektionen sowie die bisherigen Abstands- und Hygieneregelungen. Besucherinnen und Besucher sollten sich vor ihrem Besuch in den Einrichtungen anmelden, da sie registriert werden müssen.
  • Alle Einrichtungen müssen ihr individuelles Schutzkonzept der Betreuungs- und Pflegeaufsicht übermitteln, welches nach Maßgabe der aktuellen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der Handlungsempfehlungen des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration erstellt wird.
  • Die Einrichtungsleitung kann unter Berücksichtigung des Infektionsgeschehens, der räumlichen und persönlichen Ausstattung sowie der Verfügbarkeit von ausreichender persönlicher Schutzkleidung eine Beschränkung von Besuchen auf einen Besuch von mindestens einer Stunde pro Woche für jede Bewohnerin und jeden Bewohner aussprechen. Eine solche Beschränkung ist der zuständigen Betreuungs- und Pflegeaufsicht vorab unter der Angabe von Gründen zur Genehmigung vorzulegen.
  • Die teilstationären Tages- und Nachtpflegeeinrichtungen für Menschen mit Behinderungen werden ebenfalls wieder geöffnet. Es gelten weiterhin Besuchsverbote für Personen mit Atemwegsinfektionen sowie die bisherigen Abstands- und Hygieneregelungen. Sofern die Einrichtung mit einer stationären Pflegeeinrichtung verbunden ist, ist jedoch nur eine Notbetreuung möglich.
  • Die Seniorenbegegnungsstätten können wieder öffnen. Veranstaltungen von Seniorinnen und Senioren können unter Einhaltung bestimmter Abstands- und Hygieneregeln (insbesondere kein gemeinsames Singen) mit bis zu 100 Personen wieder stattfinden.

Weitere Anpassungen:

  • Die Teilnehmeranzahl für Veranstaltungen, die nicht von den Behörden besonders genehmigt und überwacht werden müssen, wird von 100 auf 250 erhöht.
  • In Läden, Geschäften, Supermärkten, Möbelhäusern wird die Quadratmeterzahl der Verkaufsfläche pro Kunde von 20 qm auf 10 qm abgesenkt. Es darf sich künftig also ein Kunde pro 10 qm Verkaufsfläche aufhalten. Damit können wieder mehr Personen gleichzeitig in die Geschäfte eingelassen werden. Die Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung und zur Einhaltung des Mindestabstands von
    1,5 Metern bleibt weiterhin bestehen.
  • Die pandemiebegründete generelle Möglichkeit, Geschäfte an Sonntagen von
    13 -18 Uhr zu öffnen, entfällt. Es gelten wieder die allgemeinen Bestimmungen des Ladenöffnungsgesetzes.

Alle Regelungen gelten bis zum 16. August 2020.

Corona-Krise: Informationen und Kontakt

Sie sind als Bürgerin, Bürger, Unternehmerin oder Unternehmer von der Corona-Krise betroffen?
  • Mehr dazu finden Sie online auf unseren Informationsseiten zu Corona.
  • Sie können uns Ihre Fragen per E-Mail unter buergertelefon@stk.hessen.de stellen.
  • Ebenso unter der hessenweiten Hotline:  0800- 555 4666 – montags bis freitags von 8:00 bis 20:00 Uhr samstags, sonntags und an Feiertagen von 9:00 bis 15:00 Uhr

Ministerpräsident Volker Bouffier: „Erfahrungen zeigen uns, dass wir mit unserer schrittweisen Vorgehensweise richtig liegen“Alle Regelungen gelten bis zum 16. August 2020.

 

Von links nach rechts: Kultusminister Alexander Lorz, Präsident des Hessischen Städtetags, Christian Geselle, Sozialminister Kai Klose, Ministerpräsident Volker Bouffier, Dr. Thomas Stöhr, Präsident des Hessischen Landkreistages und Bernd Woide, der Präsident des Hessischen Städte- und Gemeindebundes
© Staatskanzlei

Das Corona-Kabinett der Hessischen Landesregierung hat weitere Anpassungen der Verordnungen zur Bekämpfung des Corona-Virus verabschiedet. Diese betreffen insbesondere die Kontaktbeschränkungen sowie den Bereich der Kitas und Schulen, der Schwimmbäder und des Sportbetriebs.

„Wir haben das Virus-Geschehen in den vergangenen Wochen aufmerksam beobachtet. Die Erfahrungen zeigen uns, dass wir mit unserer schrittweisen Vorgehensweise richtigliegen und nun in einigen Bereichen weitere Anpassungen vornehmen können. Deshalb haben wir zum Beispiel beschlossen, die Kontaktbeschränkungen zu lockern und ein Treffen von maximal zehn Personen im öffentlichen Raum zu ermöglichen. Trotzdem muss uns nach wie vor bewusst sein: Das Virus ist noch da. Wir werden weiterhin nach dem Motto ‚Hessen bleibt besonnen‘ vorgehen und beobachten, welche Beschränkungen aufrechterhalten werden müssen und wo wir einen Schritt in Richtung Normalbetrieb gehen können“, sagte der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier.

Ab dem 11. Juni 2020 gilt folgende neue Regel zu den Kontaktbeschränkungen:

  • Es dürfen sich Gruppen von maximal 10 Personen im öffentlichen Raum treffen – unerheblich, aus wie vielen verschiedenen Hausständen sie stammen, oder wie bisher die Angehörigen zweier Hausstände.
  • Bei privaten Zusammenkünften unterhalb der Veranstaltungsschwelle entfällt die bisherige Begrenzung auf einen engen privaten Kreis. Die Bürgerinnen und Bürger bleiben gleichwohl aufgerufen, auch im häuslichen Bereich eigenverantwortlich auf eine Begrenzung ihrer persönlichen Kontakte zu achten.
  • In Geschäften, Gottesdiensten, Kultureinrichtungen, Veranstaltungsräumen, Gaststätten muss sichergestellt werden, dass der gebotene Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann.

„Die allgemeine Corona-Infektionslage, neue medizinische Erkenntnisse und positive Rückmeldungen aus den Schulen haben uns dazu bewogen, weitere Lockerungsschritte für junge Familien in ganz Hessen in Angriff zu nehmen“, erklärte Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz. „Ab dem 22. Juni – und damit noch vor den Sommerferien – können Grundschülerinnen und Grundschüler wieder an fünf Tagen in der Woche in die Schule gehen.“ Die zurückliegende Zeit sei vor allem für die Jüngsten und ihre Eltern herausfordernd gewesen, und die Rückkehr zum Präsenzunterricht an ein oder zwei Tagen habe nicht für alle Familien die erhoffte Entlastung gebracht, so Lorz.

„Wir haben uns daher entschieden, noch vor den Sommerferien einen zweiwöchigen Probelauf mit Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler zumindest an den Grundschulen zu starten. Wir würden diesen Schritt nicht machen, wenn wir den mittlerweile vorliegenden wissenschaftlichen Studien und der Einschätzung der Gesundheitsexperten keinen Glauben schenken würden“, ergänzte der Minister. Sie zeigten nicht nur, dass die Zahl der Neuinfektionen rapide gesunken sei und immer mehr Infizierte als geheilt gelten, sondern vor allem, dass sich Kinder deutlich seltener mit dem Virus infizierten als Erwachsene. Auf der anderen Seite könne es ein Nullrisiko nicht geben, machte Lorz deutlich. „Deshalb stellen wir es den Eltern in den verbleibenden zwei Wochen vor den Ferien frei, ob ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt oder von zu Hause aus weiter lernen wird. Ziel ist es, nach den Sommerferien ab dem 17. August wieder den Normalbetrieb in den Schulen aufzunehmen, sofern das Pandemiegeschehen es zulässt.“

Mit der vollständigen Rückkehr in den Unterricht seien in jedem Fall zahlreiche organisatorische und auch personelle Herausforderungen verbunden, weshalb man heute alle Grundschulen in einem Schreiben über das weitere Vorgehen informiert habe. „Die Kinder werden in ihrer Klasse den Abstand von 1,5 Metern nicht einhalten können. Deshalb ist es entscheidend, die Gruppen nicht zu durchmischen und sie möglichst dauerhaft von derselben Lehrkraft im selben Raum unterrichten zu lassen.“ Das diene dem Selbstschutz der Kinder und dem der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Schulen. „Auch wenn noch viel Arbeit vor uns liegt, tragen wir mit diesem weiteren Lockerungsschritt dazu bei, dem Recht auf Bildung und Chancengerechtigkeit wieder Geltung zu verschaffen. Und Eltern mit jungen Kindern können Familie und Beruf wieder besser vereinbaren“, hielt der Minister abschließend fest.

Folgende neue Regelungen gelten ab dem 22. Juni 2020 für die hessischen Schulen:

  • Für alle Jahrgänge der Grundschule und der Grundstufen der Förderschule wird der tägliche Präsenzunterricht wiederaufgenommen. Der Unterrichtsvormittag deckt mindestens vier Zeitstunden für die Klassen 1 und 2 sowie fünf Zeitstunden für die Klassen 3 und 4 ab.
  • Jede Klasse nutzt mit demselben Lehrpersonal einen fest zugewiesenen Raum und bildet eine konstante Lerngruppe. So wird es möglich, das Abstandsgebot aufzuheben. Gleichwohl gelten auch innerhalb dieser Gruppen weiterhin die erforderlichen Hygienevorgaben.
  • Die Schulbesuchspflicht wird bis zu den Sommerferien ausgesetzt. Das bedeutet, dass Eltern selbst entscheiden können, ob ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt oder ob es weiterhin zu Hause lernen soll. Die unterrichtsersetzende Lernsituation („Home-Schooling“) wird auch für Schülerinnen und Schüler, die aufgrund einer Vorerkrankung nicht am Präsenzunterricht teilnehmen, fortgeführt, sowie für Kinder oder Klassen, für die aufgrund einer Infektion Quarantäne angeordnet wird.
  • Mit der Rückkehr zur Fünf-Tage-Woche an den Grundschulen entfällt für die Jahrgänge 1 bis 4 die Notfallbetreuung in den Schulen. Für die Jahrgangsstufen 5 und 6 wird die Notfallbetreuung bis zu den Sommerferien (also bis 3. Juli) fortgeführt.

Lehrerinnen und Lehrer, die 60 Jahre und älter sind, sind künftig nicht mehr automatisch von der Präsenzpflicht freigestellt, sondern brauchen dafür ein arbeitsmedizinisches Attest.

Gemeinsam mit den Kommunalen Spitzenverbänden hat die Hessische Landesregierung außerdem beschlossen, ab dem 6. Juli den Regelbetrieb in Kindertageseinrichtungen wiederaufzunehmen. „Die niedrigen Infektionszahlen ermöglichen es nun, das Recht von Kindern auf Bildung und Teilhabe in den Vordergrund zu stellen. Kinder und Eltern waren durch das Coronavirus und die dadurch notwendigen Einschränkungen in den zurückliegenden Wochen besonders gefordert, viele sind an ihre Belastungsgrenzen gekommen. Allen Familien danken wir, dass sie diese schwierige Zeit so gut bewältigt und dazu beigetragen haben, die Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu bekämpfen“, so Sozialminister Kai Klose. „Es freut mich, dass wir wie bei der Wiederaufnahme des sogenannten eingeschränkten Regelbetriebs auch diesen Schritt Hand in Hand mit den Kommunen gehen, in deren Verantwortung die Kinderbetreuungseinrichtungen liegen, denn das Land betreibt keine Kitas. Dieser Schritt ist für die frühkindliche Bildung, die Chancengerechtigkeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig.“ Die flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten, die das Land bereits eingeräumt habe, führten dazu, dass Kitas schon derzeit viele Kinder zusätzlich aufnehmen konnten. Freie Plätze konnten im Einvernehmen zwischen Kita-Träger und Jugendamt vergeben werden. Mit dem 6. Juli falle nun das Betretungsverbot und damit für die Kitas auch die Notbetreuungsliste weg. Bis dahin bestehe ausreichend Zeit für die Träger, den Regelbetrieb in ihren Kitas vorzubereiten.

Seit dem 16. März bestand in Hessen ein grundsätzliches Betretungsverbot für Kindertageseinrichtungen. Ausnahmen bestanden für Angehörige bestimmter Funktionsberufe, aber auch berufstätige Alleinerziehende sowie aus Gründen des Kindeswohls. Es wurden familiäre Betreuungsgemeinschaften zugelassen und seit dem 25. Mai die Betreuung in der Kindertagespflege wieder umfänglich ermöglicht. Seit dem 2. Juni besteht in den Kindertageseinrichtungen der „eingeschränkte Regelbetrieb“.

„Ab dem 6. Juli stehen die Kitas grundsätzlich wieder allen Kindern offen, soweit genug Personal verfügbar ist und es das lokale Infektionsgeschehen zulässt. Wir begrüßen, dass die zunehmend strittigen Regelungen zu Notbetreuung und Betretungsverbot in wenigen Wochen auslaufen. Das ist der richtige Weg,“ sagte Dr. Thomas Stöhr, der Präsident des Hessischen Städte- und Gemeindebundes. „Die Städte im Hessischen Städtetag bewerten die ab 6. Juli 2020 angedachte Außerkraftsetzung der Corona-Beschränkungen in Tageseinrichtungen für Kinder positiv. Diese entspricht ebenso der Zielrichtung der Jugenddezernate des Hessischen Städtetages wie die zuvor ergangene Verordnung. Wir konnten aufgrund der bisherigen Regelungen vor Ort schrittweise schon in den Regelbetrieb übergehen“, so Präsident Christian Geselle, Oberbürgermeister von Kassel. „Während der Ferien werden viele Gebietskörperschaften Ferienbetreuungen und Ferienspiele anbieten. Spätestens zum Start des Kindergartenjahres sind wir dann – lässt dies die medizinische und virologische Lage zu – perspektivisch wieder im Normalbetrieb, auf den sich Kinder, Tageseinrichtungen sowie Eltern freuen.“

Auch der Präsident des Hessischen Landkreistages, Landrat Bernd Woide (Landkreis Fulda), steht hinter den neuen Regelungen: „Wir begrüßen, dass das aktuell niedrige Infektionsgeschehen in Hessen es zulässt, nun einen weiteren großen Schritt in Richtung Regelbetrieb bei der Kinderbetreuung zu gehen. Damit geben wir Eltern und Kindern für die kommenden Wochen eine gute Perspektive. Wichtig ist aber auch, dass wir weiterhin mit geeigneten Hygienemaßnahmen den Gesundheitsschutz in den Betreuungseinrichtungen großschreiben.“

In den hessischen Kitas gelten ab dem 6. Juli folgende Regelungen:

  • Eltern können ihre Kinder wieder im gewohnten Umfang betreuen lassen. Die zuständigen Kommunen und Träger müssen gemeinsam sicherstellen, dass dieser Betreuungsanspruch erfüllt wird. Um pandemiebedingte Engpässe beim Betreuungspersonal abzufedern, kann der geltende Fachkraftschlüssel nach Beratung durch die Jugendämter vorübergehend gelockert werden.
  • Für Kinder mit Krankheitssymptomen und Kinder, die Kontakt mit infizierten Personen hatten, besteht weiterhin ein Betretungsverbot.
  • Es gelten weiterhin die erforderlichen Hygienevorgaben.

Für die hessischen Schwimmbäder wurden folgende Lockerungen beschlossen:

  • Ab Montag, dem 15. Juni 2020, können Schwimmbäder, Badeanstalten an Gewässern und ähnliche Einrichtungen in Hessen unter Beachtung der vorgeschriebenen Hygiene- und Abstandsregeln wieder für den Publikumsverkehr öffnen. Sie dürfen nur betrieben werden, wenn sie ein anlagenbezogenes Infektionsschutz- und Zugangskonzept vorlegen.
  • Der Besuch muss grundsätzlich und unter Einhaltung der 1,5 Meter-Abstandsregelung möglich sein. Es gilt eine Fünf-Quadratmeter-Regelung: Grundsätzlich darf sich im Schwimmbecken wie auch außerhalb des Beckens, etwa auf der Liegewiese, nur eine Person pro 5 qm aufhalten. In Schwimmbädern, die beispielsweise über eine Fläche von rund 1.000 Quadratmetern verfügen, darf maximal 200 Gästen Einlass gewährt werden.
  • Der Zutritt zur Badeanstalt soll unter Vermeidung von Warteschlangen ermöglicht werden. Einzelumkleiden, Wechselspinde und Schließfächer sowie sanitäre Anlagen dürfen unter Beachtung der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts genutzt werden, für Sammelumkleiden gilt zudem eine Begrenzung der Personenzahl (höchstens eine Person pro 5 qm).
  • Auch Saunen und Saunabereiche dürfen ab Montag, den 15. Juni 2020, wieder geöffnet werden. Für diese Bereiche muss ebenso ein anlagenbezogenes Hygienekonzept eingehalten werden. Die Fünf-Quadratmeter-Regelung sowie die weiteren Bestimmungen orientieren sich an den Schwimmbad-Vorgaben.

„Aufgrund des niedrigen Infektionsgeschehens können unsere Frei- und Hallenbäder ab der kommenden Woche unter Beachtung der Fünf-Quadratmeter-Regelung wieder für alle Bürgerinnen und Bürger öffnen. Viele Frei- und Hallenbäder in Hessen sind seit Wochen im Standby-Modus und haben bereits individuelle Hygiene- und Abstandskonzepte erarbeitet, so dass die Öffnung ohne Vorlaufzeit möglich sein wird. Allen Besucherinnen und Besuchern wünschen wir viel Freude, auch wenn der Besuch unserer Badeanstalten in diesem Sommer nicht das unbeschwerte Vergnügen sein wird, wie wir es kennen“, so Innen- und Sportminister Peter Beuth.

Für den Wettkampf- und Trainingsbetrieb im Sport gilt Folgendes:

  • Ab dem 11. Juni werden auch die für den Sport geltenden Regelungen an die allgemeinen Kontaktbeschränkungen des Landes Hessen angeglichen. Demnach darf Kontaktsport unter Beachtung der Hygieneregeln mit bis zu zehn Personen durchgeführt werden.
  • Auch das bestehende Verbot des Wettkampfbetriebes im Amateurbereich wird für viele Sportarten aufgehoben. Die den Sportarten zugehörigen Sportfachverbände entscheiden dabei in eigener Zuständigkeit über die Wiederaufnahme des Wettkampfsports, sofern dieser unter Wahrung der Kontaktbeschränkungen möglich ist.
  • Somit kann Training und Wettbewerb unter Einhaltung von Hygieneregeln in Sportarten mit eingeschränkter Teilnehmerzahl beispielsweise im Tennis, Basketball, Tischtennis, Reiten und vielen weiteren Sportarten wiederaufgenommen werden.
  • Auch die Umkleidekabinen und Duschen sowie Saunen dürfen wieder genutzt werden. Dafür gelten die gleichen Voraussetzungen wie bei den Schwimmbädern (Fünf-Quadratmeter-Regelung).

„Das ist ein großer Schritt für den Neubeginn des Sports in Hessen. Ab morgen dürfen bis zu zehn Personen gemeinsam wieder Kontaktsport ohne Mindestabstand ausüben. Körperbetonte Zweikämpfe sind damit wieder möglich. Dennoch gilt es, mit der neuen Situation verantwortungsvoll umzugehen und Hygiene- und Infektionsschutzstandards weiterhin zu beherzigen. Nicht notwendige Handshakes oder Umarmungen sollten zum Eigen- und Fremdschutz weiterhin unterbleiben. Das sollte in Corona-Zeiten eine Selbstverständlichkeit bleiben“, so Peter Beuth.

Weitere Anpassungen:

  • Künftig ist in Hessen auch in Bahnhöfen sowie auf Flughäfen ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen. „In Bussen, Bahnen, Taxen, Schiffen und Verkehrsflugzeugen des öffentlichen Personenverkehrs war die Mund-Nasen-Bedeckung auch bisher schon vorgeschrieben“, informierte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. „Da der Verkehr wieder zunimmt, ist es folgerichtig, auch die zugehörigen öffentlichen Gebäude einzubeziehen. Denn wo Menschen in Bewegung sind und es mitunter eilig haben, lässt sich der Mindestabstand nicht immer einhalten. Ein Mund-Nasen-Schutz senkt das Infektionsrisiko.“
  • Bei Gottesdiensten, Bestattungen und Trauerfeierlichkeiten muss der Veranstalter künftig die Daten der Teilnehmenden erfassen, um die Nachverfolgung von Infektionen zu ermöglichen.

Alle Regelungen gelten bis zum 16. August 2020.

10.06.2020Pressestelle: Hessische Staatskanzlei

 

Thermischer Gefahrenindex

Der thermische Gefahrenindex beruht auf der Bewertung der meteorologischen Umgebungsbedingungen über die Gefühlte Temperatur. Die Beanspruchung des Organismus und damit die gesundheitliche Gefährdung steigt mit zunehmender Abweichung vom Behaglichkeitsbereich sowohl zum Warmen als auch zum Kalten.

Gefahrenindizes für Wetterfühlige

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Gefahrenindex UV Strahlen

Der Gefahrenindex zur UV-Strahlung beruht auf der Einschätzung der erwarteten maximalen sonnenbrandwirksamen UV-Strahlung (UV-Index). Die berechneten Werte des UV-Index werden zur leichteren Beurteilung der gesundheitlichen Risiken in Gefahrenbereiche eingeteilt. Dem UV-Gefahrenindex sind in Anlehnung an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO geeignete Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit zugeordnet, die Sie auf der Seite „Erklärungen“ finden.

UV Index Deutschland, heute

Gefahrenindiz für Wetterfühlige

Die Gefahrenindizes für Wetterfühlige weisen für verschiedene medizinische Formenkreise (Herzkreislauferkrankungen, rheumatische Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, allgemeine Befindensbeeinträchtigungen) auf den vom aktuellen Wetter zu erwartenden Stress für den menschlichen Organismus (Biotropie) hin.

Thermischer Gefahrenindex

 

Zecken Risikogebiete in Hessen Informationen

Krank durch Zecken

Sie sind vor allem in der wärmeren Jahreszeit aktiv, sie stechen ab März. Dabei enthalten viele Zecken Krankheitskeime, die für sie selbst unschädlich sind, die sie aber mit dem Stich auf den Menschen übertragen können. So sind sie für den Menschen die Überträger zweier Krankheiten, die Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Beide Erkrankungen können in seltenen Fällen auch gleichzeitig vorkommen. Zecken, die die Borreliose-Erreger in sich tragen, kommen überall vor. Für die FSME sind hingegen in Hessen der Odenwald, die Bergstraße, der Landkreis Darmstadt-Dieburg und der Kreis Marburg-Biedenkopf Risikogebiete, d.h. Gebiete, in denen die Zecken den FSME-Virus in sich tragen (siehe Abbildung).

Weitere Risikogebiete für die FSME liegen in Bayern und Baden-Württemberg und z.T. in den neuen Bundesländern. Außerhalb Deutschlands sind die Hauptverbreitungsgebiete der FSME Ost- und Mitteleuropa, vor allem bestimmte Gebiete in Österreich, Polen, Ungarn, dem ehemaligen Jugoslawien, der Slowakei und Tschechien, der ehemaligen Sowjetunion (besonders Lettland) sowie Skandinavien. Die Zecken finden sich am Boden oder im Gestrüpp bis rund 1 Meter Höhe und krabbeln Erwachsenen an den Beinen hoch, so dass die Lokalisation häufig an den tiefer liegenden Körperteilen erfolgt. Kinder hingegen können Zecken leichter auch in Kopfhöhe haben.

Hinweis für Ärzte:

Für meldepflichtige Krankheiten kann das Formular verwendet werden, das unten als PDF-Datei angeboten wird.

Borreliose

Diese Erkrankung verläuft in Schüben. Nach dem Zeckenstich entwickelt sich meist zunächst eine Hautveränderung, das sogenannte Erythema chronicum migrans. Innerhalb von drei Tagen bis drei Wochen, manchmal aber auch erst Monate nach dem Stich, entsteht dabei in der Region des Zeckenstiches eine Hautrötung, die sich ausbreitet und zentral abblasst. Die Krankheit kann von selbst abheilen oder ein bis vier Monate später in ein 2. Stadium eintreten. Dieses 2. Stadium ist durch eine umfangreiche Nervenentzündung mit von einzelnen Nervenwurzeln ausgehenden Schmerzen und Lähmungen charakterisiert. Häufig betroffen sind Arme und Beine oder auch der Gesichtsnerv (Nervus facialis).

Seltener sind eine Gehirnentzündung, Rückenmarksentzündung oder Nervengeflechtsentzündung. In ca. 10 % der Fälle kommt es zu einer Entzündung des Herzens. Fünf bis sechs Monate später erfolgt bei unbehandelten Patienten häufig ein 3. Stadium. In diesem 3. Stadium, kann es neben weiteren Hauterscheinungen mit rotblau verfärbten Hautarealen und Gelenkbeschwerden (Lyme-Arthritis) zu einer chronisch fortschreitenden Entzündung von Gehirn und Rückenmark (Enzephalomyelitis = selten), einer chronischen Erkrankung mehrerer Nerven (Polyneuropathie) oder einer Muskelentzündung kommen.

Nur jeder zweite Patient erinnert den schmerzlosen Zeckenstich. Die Diagnose wird durch Antikörper-Titer-Bestimmung im Blut (Serum) und Liquor gesichert. Die empfohlene Behandlung der Borreliose richtet sich nach dem Stadium.

Bei Kindern sieht die Behandlung wie folgt aus:

  1. Erythema migrans, Lymphozytom, jeweils in Tablettenform unter 9 Jahren Amoxicillin (50 mg/kg/d in 3 Einzeldosen) oder Cefuroximaxetil (20-30 mg/kg/d in 2 Einzeldosen) über 9 Jahren Doxycyclin (1. Tag: 4 mg/kg, dann 2 mg/kg/d);
  2. Neuroborreliose, Arthroborreliose, Borrelien-Karditis jeweils als Infusion Ceftriaxon (50 mg/kg/d [max. 2 g/d] in 1 Einzeldosis über 14 Tage) oder Cefotaxim (200 mg/kg/d [max. 6 g/d] in 2-3 Einzeldosen über 14 Tage) oder Penicillin G (500 000 IE/kg/d [max. 12 Mega/d] in 4 Einzeldosen über 14 Tage).

Bei Erwachsenen ist als Behandlung vorgesehen:

  1. Möglichst frühzeitig, schon im Stadium migrans – u. U. bereits bei Verdachtsdiagnose – Doxycyclin (100-200 mg/d als Tablette) für mindestens 21 Tage, bei Kontraindikation Oralpenicilline, Oralcephalosporine oder Erythromycin bzw. Amoxicillin, im vorgerückten Stadium Cephalosporine.
  2. Bei Neuroborreliose Ceftriaxon i.v. (= intravenös = in die Vene) oder Cefotaxim i.v. über 3 Wochen. Frühzeitig und ausreichend (Länge und Dosis) behandelt ist die Prognose günstig

FSME

Für die FSME besteht jahreszeitliche Gipfel in den Monaten Juni-Juli und September-Oktober. Denn hier sind die Zecken hauptsächlich aktiv.

Die meisten Infizierten leiden lediglich unter grippeähnlichen Beschwerden, insbesondere Kopf- und Gliederschmerzen. Diese treten zwei Tage bis drei Wochen nach dem Stich auf. Bei ca. 25 % der Fälle kommt es, nach einer vorübergehenden beschwerdefreien Zeit, ca. 3 Wochen später zu einer zweiten Erkrankungsphase. Diese äußert sich mit einem Temperaturanstieg bis auf 40 Grad C und Symptomen einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder auch einer Hirnentzündung und/oder Rückenmarksentzündung. Besonders im höheren Lebensalter kann die Erkrankung schwerer verlaufen und es kommt zu einer Kinderlähmungs- (Poliomyelitis-) ähnlichen Symptomatik.

Die Diagnose erfolgt durch eine Blutuntersuchung oder, bei entsprechenden Symptomen, durch eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit.

Die Häufigkeit der FSME-Infektionen ist in Deutschland ungleichmäßig verteilt. Als FSME-Risikogebiete werden Endemiegebiete der FSME deklariert, in denen für Personen mit Zeckenexposition ein Erkrankungsrisiko besteht, das präventive Maßnahmen begründet. In 2012 zählen in Hessen zu den Risikogebieten der Landkreis Marburg-Biedenkopf, der Main-Kinzig-Kreis, Stadt- und Landkreis Offenbach, der Landkreis Groß-Gerau, der Stadtkreis Darmstadt, der Landkreis Darmstadt-Dieburg, der Landkreis Bergstraße und der Odenwaldkreis (von Norden nach Süden). Mit der FSME-Impfung steht ein wirksamer Schutz vor der FSME zur Verfügung. Die STIKO empfiehlt die FSME-Schutzimpfung

  • für Personen, die in Risikogebieten wohnen oder arbeiten und dabei ein Zeckenstichrisiko haben und
  • für Personen, die sich aus anderen Gründen in Risikogebieten aufhalten und dabei gegenüber Zecken exponiert sind

(Epidemiologisches Bulletin des RKI Nr. 21/2012). Die FSME-Impfung schützt nicht vor Borreliose.

Eine ursächliche Behandlung, zum Beispiel durch Antibiotika, ist nicht möglich. Die Prognose bei Erkrankung ist jedoch meist günstig. In einigen Fällen bleiben jedoch Schäden zurück. Die Sterblichkeit liegt bei 1 bis 2 % der Verläufe. Die Infektion hinterlässt eine lebenslange Immunität. Es besteht die Möglichkeit einer Impfung gegen die FSME. Die aktive Immunisierung ist Personen, die sich in Risikogebieten im Freien aufhalten, zu empfehlen.

Die Gabe von Hyperimmunglobulin ist nur bei gleichzeitig mehreren Zeckenstichen in Endemiegebieten sinnvoll. Sie kann jedoch nur bei Erwachsenen und Jugendlichen über 14 Jahren erwogen werden, wenn eine Zeckenexposition sicher nicht länger als 96 Stunden zurück liegt.

Die Übertragung der Keime (Borrelien oder FSME-Virus) beim Zeckenstich braucht nach den vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen bis zu 24 Stunden. Je länger die Zecke im Körper haften bleibt, desto höher ist also das Risiko einer Infektion. D.h. es ist auf jeden Fall ein sofortiges Absuchen der Kleidung bzw. des Körpers nach möglichem Zeckenkontakt sinnvoll.

Die Zecken sind aus dem Körper durch vorsichtiges Ziehen, am besten mit einer speziellen Zeckenzange oder aber mit einer Pinzette, zu entfernen. Dabei sollen die Zecken so nah der Haut wie möglich gefasst und ohne zu reißen herausgezogen werden (nicht den Hinterleib quetschen). Danach sollte die Einstichstelle idealerweise mit sterilem Alkohol betupft werden. An schwer zugänglichen oder sehr empfindlichen Hautbereichen haftende Zecken (z.B. Genitalbereich, Gehörgang oder Augenlider, Bindehaut) sollen nicht durch den Patienten selbst, sondern durch den Arzt/Facharzt, manchmal sogar unter mikroskopischer Hilfe, entfernt werden.

Text: Ministerium Hessen Soziales

Bild:123RF

Nachhaltigkeitsrat sieht deutsche EU-Ratspräsidentschaft als Momentum für mehr Nachhaltigkeit in Europa

Berlin, 30. Juni 2020 – „Mit der deutschen EU-Ratspräsidentschaft verbindet der Rat für Nachhaltige Entwicklung große Erwartungen: alle europäischen Mitgliedstaaten sollten den Weg aus der Krise am Leitprinzip der Nachhaltigkeit ausrichten und den geplanten 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds von Anfang an feinmaschig mit dem European Green Deal verweben. Eine solidarische und nachhaltige Bewältigung der Krise wird auch ein starkes Zeichen für eine erfolgreiche deutsche EU-Ratspräsidentschaft sein“, erklärte Ratsvorsitzender Dr. Werner Schnappauf. Er warnte zugleich vor einem Rückfall in alte Muster und Gewohnheiten. Denn Nachhaltigkeit bedeute bessere Vorsorge, höhere Resilienz und innovatives, qualitatives Wachstum. Konkret forderte Schnappauf eine wirklich integrierte europäische Energie- und Klimapolitik, den massiven Ausbau der erneuerbaren Energien und eine europäische Wasserstoffstrategie. Insgesamt gelte es, „Sustainable Europe“ zu bauen, das Momentum hierfür sei genau jetzt.

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat seit seiner Neuberufung zu Beginn des Jahres insgesamt sechs Stellungnahmen und Empfehlungen vorgelegt, die eine große Themenbreite von Wasserstoff über Ernährungssysteme, Lieferketten, Sustainable Finance, den Weg aus der Corona-Krise und die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie behandeln – und immer auch die europäische Dimension einbeziehen.

Erst kürzlich hatte die Bundeskanzlerin auf der Online-Konferenz des Nachhaltigkeitsrats bekräftigt, dass das Maßnahmenpaket der Bundesregierung kurz- und langfristigen Zielen dienen solle und damit „gleichermaßen die Folgen der Pandemie eindämmen und in nachhaltige Entwicklung investieren“ werde. „Dies gilt genauso für Europa“, sagte Schnappauf.

Prof. Dr. Imme Scholz, stellvertretende Ratsvorsitzende und stellvertretende Direktorin des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE), ergänzte: „Auch die Verantwortung der Unternehmen für soziale und ökologische Standards in ihren Lieferketten gehört auf die Tagesordnung der EU-Ratspräsidentschaft, genauso wie die Neuausrichtung der Agrarpolitik auf nachhaltige Ernährungssysteme. Das betrifft die Beschäftigungsbedingungen ebenso wie die Qualität der Produkte und Produktionsprozesse. Nachhaltige Entwicklung für uns und für alle Menschen weltweit erreichen wir nur, wenn wir jetzt in diesen Politikbereichen mutig voranschreiten.“

Konkret fordert der Rat von der Bundesregierung in den nächsten sechs Monaten:

Ökologische und soziale Zusammenarbeit in der EU zu stärken, insbesondere die mittel- und langfristigen Maßnahmen des geplanten Wiederaufbau-Fonds („recovery fund“) zur Unterstützung der wirtschaftlichen Erholung und des European Green Deal intelligent miteinander zu verweben und auszugestalten.

Bei den entscheidenden Themen des Green Deals auf ein notwendiges Nachsteuern bei den Vorschlägen der Kommission zu drängen. Diese sind insbesondere die Energietransformation, Ernährungssysteme, Transport sowie nachhaltiger Konsum und Produktion. In Bezug auf Ernährungssysteme sowie bei Produktion und Konsum von Gütern muss die EU ihren globaler Ressourcenfußabdruck reduzieren. Dafür sollte ein ambitionierter Maßnahmenplan entwickelt werden. Beim Thema Transport sollten Institutionen und Infrastruktur für den Personenschienenverkehr in der EU ausgebaut sowie innereuropäische Flüge besteuert werden. Außerdem erwartet der Rat, dass Beschlüsse zu Zielsetzungen und Maßnahmen, die die Umsetzung der Agenda 2030 in den nächsten sieben bis zehn Jahren erfordert, von der Europäischen Kommission vorbereitet werden und sich auch im Mehrjährigen Finanzrahmen abbilden.
Gemeinsame Wiederaufbau- und Transformationsfinanzierung zu schaffen, beispielsweise indem die Verhandlungen zu Sustainable Finance auf europäischer Ebene sowie die Umsetzung des Green Deal vorangetrieben werden. Das bedeutet auch:

Sich mit substanziellen Beiträgen an einer nachhaltigen Umsetzung des Green Deals zu beteiligen und den Mitteleinsatz zum sozialen und wirtschaftlichen Wiederaufbau nach der Corona-Krise so zu steuern, dass die Ziele des Pariser Klimaübereinkommens und der Agenda 2030 damit erreicht werden können, und zwar sowohl in Deutschland als auch in Europa und weltweit. Um diesen hohen Grad an Zukunftsorientierung und politischer Konsistenz zur Vorbeugung weiterer Krisen und zur Förderung von sozialer Resilienz zu erreichen, muss sich die Bundesregierung entsprechend in der EU, der G7 und der G20 einsetzen.

Strategische Partnerschaften beim Thema Wasserstoff in Europa und international aufzubauen und zu stärken. Ein europäisch abgestimmtes Vorgehen beim Aufbau eines grünen Wasserstoffmarktes wertet der Rat als große Chance, um neue Wertschöpfungsketten zu etablieren und den raschen Hochlauf neuer Technologien zu unterstützen. Der RNE drängt deshalb auf eine europäische Lösung und auf internationale Partnerschaften. Gerade mit den sonnenreichen Ländern Europas, Afrikas und darüber hinaus gilt es, Win-Win-Lösungen zu schaffen. Bei Partnerschaften mit Entwicklungsländern müssen dabei deren nationale Entwicklungsziele im Vordergrund stehen.

Lieferketten zu diversifizieren und Kreislaufwirtschaft zu fördern um auch regionale, nationale und europäische Beschaffungsoptionen zur Verfügung zu haben. Zu diesem Zweck ist es wichtig, strategische Wertschöpfungsketten für Europa zu definieren, z. B. bei lebenswichtigen Arzneimitteln. In der Corona-Pandemie hat sich die Bedeutung von fairen, an ökologisch orientierten und deswegen resilienteren Lieferbeziehungen deutlich gezeigt. Der RNE empfiehlt außerdem den Ausbau der Kreislaufwirtschaft in der Nachhaltigkeitsstrategie verstärkt zu verankern. Dazu sollte ein gemeinsamer europäischer Markt für Sekundärrohstoffe vorangetrieben werden, z. B. durch eine weitere Vereinheitlichung rechtlicher Bestimmungen.

Eine europäische Liefergesetzgebung zu initiieren und die Debatte entlang der Leitlinien eines deutschen Vorschlags führen. Die Bundesregierung sollte beim Thema nachhaltige Lieferketten parallel sowohl im eigenen Land als auch auf europäischer Ebene vorangehen. Wenn es auf EU-Ebene keinen ausreichenden Verhandlungsfortschritt gibt, sollte dann umgehend ein Lieferkettengesetz in Deutschland auf den Weg gebracht werden.

Eine umfassende Neuausrichtung der GAP einzuleiten, da die derzeitigen Zwischenstände in den Verhandlungen auf EU-Ebene aus Sicht des RNE für eine nachhaltige Agrarwende nicht ausreichen. Der RNE fordert daher die EU-Institutionen zu mutigen Schritten hin zu einem ökologisch, sozial und wirtschaftlich ausgewogenen Ernährungssystem auf. Die Mittel der gemeinsamen Agrarpolitik sollten zunehmend dazu genutzt werden, nachhaltige Formen der Landnutzung zu fördern.

Text: Nachhaltigkeitsrat

Bild:123Rf