Misteltherapie: Erfolge bei Lungenkrebs!

Mehr Lebensqualität, Linderung der Nebenwirkung aggressiver Therapien: Was Misteltherapie bewirkt, ist gut belegt. Eine aktuelle Studie gibt Hinweise auf eine verlängerte Lebenszeit bei fortgeschrittenem Lungenkrebs.

Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom leben länger, wenn sie ergänzend zur konventionellen Therapie eine Misteltherapie bekommen haben. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Beobachtungsstudie. Von einem bemerkenswerten Ergebnis spricht Dr. med. Friedemann Schad, Erstautor der Studie und Leiter des Onkologischen Zentrums am anthroposophischen Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, auch angesichts der schlechten Prognose für ein fortgeschrittenes Bronchialkarzinom. Das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom, das rund 85 Prozent der Lungenkrebsfälle ausmacht, gilt als besonders aggressiv.

Für die Studie waren die Daten von 158 Patienten im Stadium IV (mit Metastasen) ausgewertet worden. 108 Betroffene bekamen ausschließlich eine konventionelle Therapie (Chemotherapie, gegebenenfalls zusätzlich Bestrahlung), 50 Patienten wurden zusätzlich mit der weißbeerigen Mistel (Viscum album L.) behandelt. Das durchschnittliche Überleben in der kombinierten Be-handlungsgruppe betrug 17 Monate, in der Vergleichsgruppe ohne Mistel lediglich acht Monate. Die Drei-Jahres-Überlebensrate lag bei den mit Mistel behandelten Patienten bei 25,7 Prozent gegenüber 14,2 Prozent in der Kontrollgruppe. Die Forscher weisen einschränkend darauf hin, dass die Studie lediglich eine Korrelation zeige, sehen aber ein positives Signal für weitere Forschung.

Wirksamkeit von Misteltherapie vielfach belegt
„Es gibt mehr als 100 veröffentlichte klinische Studien, die in der Mehrzahl die Wirksamkeit der Mistelpräparate belegen. Davon sind 39 wissenschaftlich besonders hochwertig („prospektiv-randomisiert“)“, sagt Dr. med. György Irmey, Ärztlicher Direktor der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e. V. Misteltherapie verbessert die Lebensqualität und hilft die Nebenwirkungen belastender Therapien wie Müdigkeit (Fatigue), Depression, Angst, Schmerzen und Übelkeit/Er-brechen zu verringern. Einige Studien dokumentieren auch günstige Auswirkungen auf das Über-leben, etwa in einer Studie mit 240 Patienten, die an Bauchspeicheldrüsenkrebs im Stadium IV erkrankt waren. Durch die Kombination von Chemotherapie und Mistel verlängerte sich das Gesamtüberleben von 7,3 (Chemo ohne Mistel) auf 12,1 Monate (Axtner J et al./BMC Cancer 2016). Die Wirkstoffe der Mistel sind die Mistellektine, die zellzerstörende Eigenschaften haben. Viscotoxine, die in jungen Blättern und Trieben die höchste Konzentration haben, stimulieren das Immunsystem.

Streit um Misteltherapie
Viele Krebspatienten entscheiden sich für die ergänzende Misteltherapie, mit guten Ergebnissen, so die Erfahrungen der GfBK. Die US-Amerikanerin Ivelisse Page begegnete mit einer Kombination von Operationen und Misteltherapie einer Darmkrebserkrankung im Stadium IV mit Metastasen in der Leber und ist bis heute krebsfrei. Mit ihrer Nonprofit-Organisation Believe Big hat sie die erste klinische Studie in den USA auf den Weg gebracht, die die Wirkung intervenöser Misteltherapie untersucht. Für Schulmediziner, die der Mistel die Wirksamkeit absprechen, hat der Ärztliche Direktor deshalb kein Verständnis.

Im Frühjahr 2019 hatte ein Team um Dr. Jutta Hübner, Professorin für Integrative Onkologie an der Universitätsklinik Jena, nach einer Literaturrecherche die Evidenz für die Misteltherapie bei Krebs bestritten: Mistelpräparate würden weder mit Blick auf das Überleben noch hinsichtlich Lebensqualität und therapiebedingten Nebenwirkungen irgendeinen Vorteil ergeben. „Das halten auch andere qualifizierte Verbände für einseitige effekt-heischende Stimmungsmache“. Eine Gruppe anthroposophischer Ärzte und Onkologen um den Gastroenterologen Professor Dr. med. Harald Matthes vom Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe übte scharfe Kritik an der Arbeit Hübners. Sie enthalte gravierende methodische Mängel.

Kostenerstattung der Misteltherapie
Mistel wird auf Kassenrezept in der sogenannten palliativen Therapie erstattet, wenn zum Beispiel bei Patienten Fernmetastasen auftreten oder die Krebserkrankung inoperabel ist. In der unterstützenden, adjuvanten Therapie bei einer heilbaren Krebserkrankung sind Mistelpräparate nach einem Urteil des Bundessozialgerichtes zwar arzneimittelrechtlich zugelassen, nur nicht mehr auf Kassenrezept. Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen die Kosten auf Antrag über-nehmen, müssen es aber nicht. „Leider lehnt die Mehrzahl der Gesetzlichen Krankenkassen die Erstattung der Mistelpräparate in der adjuvanten Situation ab, dennoch sollte im Einzelfall nichts unversucht bleiben“, so Dr. Irmey.

Beobachtungsstudien: In Beobachtungsstudien wird wissenschaftlich untersucht, welche Ergebnisse (Real World Data) in der Praxis bei Patienten ankommen. Diese Perspektive gewinnt – auch international – zunehmend an Bedeutung.

Text: Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V.

Foto:123RF

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