„Man wird nicht über Nacht zu einem guten Therapeuten…“

Bernd Krammig  Heilpraktiker und Physiotherapeut aus Hainburg

Mit langsamen, konzentrierten Bewegungen hebt Bernd Krammig beide Hände vor das Gesicht. Dann senkt er die Arme in Richtung Boden. „Mit diesen sanften Übungen stärke ich meine Magen-Milz-Energie, die in der Chinesischen Medizin beide mit dem Erd-Element verbunden sind.“ Zum Abschluss seines morgendlichen Rituals streckt der Hainburger Heilpraktiker und Physiotherapeut beide Arme wieder in Richtung Himmel. „So verbinde ich die Gegensätze. Oben und unten. Himmel und Erde. Yin und Yang.“

Bernd Krammigs´ Tag beginnt morgens um sechs Uhr mit Meditation und asiatischen Bewegungsübungen. „Vorher gibt es ein Glas warmes Wasser und die Arme werden mit einer festen Bürste `wach gebürstet´. Das fördert die Durchblutung“, sagt er. Thai Chi und Chi Gong sind für ihn ein wichtiges Lebenselixier. Jeden morgen steht er dafür eine Stunde früher auf. „Das mache ich an 364 Tagen im Jahr.“ Dann geht er in seinen herrlichen ZEN-Garten oder in den Meditationsraum seines Hauses und sucht die Stille.

Schon als er vor mehr als 30 Jahren mit seiner Familie in Asien Urlaub verbracht hat, begeisterte ihn das frühmorgendliche ruhige Schauspiel in Hongkongs Victoria Park. „Dort sahen wir täglich hunderte von Menschen, junge und auch ganz alte, in den Parks oder zwischen den Wolkenkratzern stehen. Sie waren in völliger Ruhe und machten langsame, gleichmäßige Bewegungen. Das hat mich tief berührt.“

Power-Sport nimmt Energie

Bernd Krammig hat in jungen Jahren viel Kampfsport gemacht. In den 70er Jahren war er Betreuer der Judo-Nationalmannschaft und Mitglied des Olympiakaders. Mit zunehmendem Alter hat er für sich erkannt, dass Sport, der auspowert, „einfach zu viel Energie nimmt“. So hat er nach einem körperlichen Ausgleich gesucht, der ihm Energie zuführt. „Meine Reisen nach Asien waren Anlass zum Umdenken in Sachen Sport, sie waren Inspiration für mein ganzheitliches Denken und für meine Arbeit als Heilpraktiker und Physiotherapeut.“

So kombinierte er in seiner Praxis, die er inzwischen an seine Nachfolger in der Familie übergeben hat, Chinesische, Tibetische und Ayurvedische Heilkunde, Naturheilkunde, Chiropraktik, Osteopathie und Physiotherapie. „Man wird nicht über Nacht zu einem guten Arzt oder Therapeuten.

Es gehört viel Erfahrung, auch die Erfahrung mit eigenen Krankheiten und letztendlich lebenslanges Lernen dazu“. Seine Vorträge über den „Hainburger Schwengel“ sind auch über Hainburgs Ortsgrenzen hinaus bekannt geworden. „Der Begriff `Hainburger Schwengel´ klingt ein wenig zweideutig, ich weiß das“, lacht Bernd Krammig. „Er ist mir im Traum eingefallen, als ich nach einem Wort für eine osteopatische Manipulation des Beckens gesucht habe. Mit diesem `Schwengel-Griff´ therapiere ich vor allem so genannte XL-Patienten, die Probleme mit dem Becken haben.“

Noch immer referiert Krammig genauso fundiert über das analoge Denken der Chinesischen Medizin wie über die Wurzeln der Alchimistischen Heilkunde, wie sie Jahrtausende auf dem europäischen Kontinent praktiziert wurde. „Meine Arbeit war vor allem auch ein Ansatz zum Nachdenken für den Patienten. Kein Unfall, keine Krankheit kommen zufällig. Das ist auch meine eigene Erfahrung. Im Kosmos gibt es einfach keine Zufälle. Wenn ich selbst mal ein gesundheitliches Problem habe – und das passiert vor allem wenn ich mal wieder zuviel Süßes esse – dann falle ich aus der Balance. Ich habe Schmerzen und es geht mir dann auch psychisch schlecht. Ich habe natürlich im Laufe der Jahre meine eigene Therapie entwickelt. Wichtig ist, dass man wieder in einen Rhythmus, in die Balance kommt.“

Zurück zu den morgendlichen Ritualen im Hause Krammig. Nach einer eiskalten Dusche frühstückt Bernd Krammig ausgiebig mit Ehefrau Ingrid, „und meist schleichen sich auch unsere Enkel zum Frühstück oder Mittagessen bei uns ein“, erzählt er. „Morgens gibt es eine Riesenkanne grünen Tee, viel Obst, Schafsjoghurt mit Bananen und Melasse. Damit bin ich fit bis zum Mittagessen.“

Süßigkeiten sind eine Verführung

Familie Krammig – Ehefrau Ingrid Krammig arbeitete viele Jahrzehnte als Therapeutin in der gemeinsamen Praxis und auch die beiden erwachsenen Kinder Timo und Vera sind in die elterlichen Fußstapfen getreten – lebt sehr gesundheitsbewußt. „Wenn meine Frau nicht gerade Kartoffelpfannkuchen mit Apfelmus oder einen Sonntagskuchen backt“, lacht Bernd Krammig.

Beim Einzug in ihr Haus haben sie sich als erstes eine Wasserfilteranlage in ihre Küche einbauen lassen. „Denn gutes Wasser ist die Basis einer guten Gesundheit“. Beim Essen ist Frisches aus der heimischen Umgebung und Bio-Kost angesagt. Beide genießen auch gerne mal „ein gutes Stück Fleisch oder einen Fisch“, den sie oft gemeinsam auf dem Seligenstädter, Hanauer oder Offenbacher Wochenmarkt besorgen. „Je nach Lust und Laune“.

Bernd Krammig sitzt auch gerne auf dem Fahrrad und genießt die herrlichen Strecken entlang des Mains. Zweimal in der Woche steht ein Saunabesuch auf dem Terminkalender. „Die beste Entgiftung überhaupt!“ Und besonders gerne geht er mit Freunden zum Wandern. „Wir fahren seit vielen Jahren im Herbst ins Salzburger Land. Auf 1000 Metern Höhe genieße ich vor allem die saubere Luft. Sie ist, wie das gesunde Wasser, ein Basiselement des Lebens.“

Zweimal im Jahr versuchen die Krammigs auch einen Kurzurlaub an der Nordsee einzuplanen. Täglich laufen sie dann bis zu 15 Kilometer am Meer entlang. „Abends gehen wir Fischessen und liegen meist schon um 9 Uhr im Bett. Das ist pure Erholung für mich“.

Aber, Bernd Krammig hat noch ein Hobby, das auf den ersten Blick so gar nicht zu seinem sehr asiatisch geprägten Weltbild passt: Er ist ein „völlig verrückter Fassenachter“, so sagt er über sich selbst. „Ich war sogar schon Fastnachtsprinz hier in Klein-Krotzenburg. Weiß der Himmel was mich da getrieben hat!“ Und dass er in der so genannten `Prinzengasse´ wohnt, das ist doch auch kein Zufall. Damit wären wir am Schluss doch wieder beim ganzheitlichen Weltbild des Hainburgers. „Es gibt keine Zufälle in diesem Kosmos“, so hat er uns zu Anfang unseres Besuches erzählt.

Bernd Krammig: © Autorin: ATH, © Fotos: ATH Medien

                                                                    

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