Fink Verlag/Gesundheitsmagazin „natürlich, gesund und munter“ (erscheint bundesweit alle 8 Wochen)

natürlich gesund und munter (www.gnum.de) ist die Zeitschrift für Menschen,  die eine gesunde und natürliche Lebensweise anstreben  und bereit sind, in ihre Gesundheit zu investieren. natürlich gesund und munter ist mit einer Auflage von über 120.000 verkauften Exemplaren eine der  großen Gesundheitszeitschriften in Deutschland.

Gesundinrheinmain veröffentlicht ab jetzt regelmäßig Artikel dieses Magazins, die jeweils gekennzeichnet sind.

Hier eine Reportage mit dem Buchautor und HR-Journalisten Joachim Faulstich, der mit seinen wissenschaftlichen TV-Dokumentationen bundesweit bekannt geworden ist. Das Gespräch mit Joachim Faulstich führte die Journalistin Andrea Thoma.

 

Joachim Faulstich ist Journalist, Buchautor und Regisseur wissenschaftlicher Fernsehdokumentationen. Seit den 80er-
Jahren, nach zahlreichen Reisen nach Südamerika und dem Kontakt mit den medizinischen Vorstellungen indigener
Völker, insbesondere dem Schamanismus, liegt sein Fokus auf Fragen der Komplementärmedizin, der Naturmedizin, der
Bewusstseinsforschung und der Neurobiologie. Für seine Arbeiten wurden ihm zahlreiche Preise verliehen.

 

Die magische Kraft des Bewusstseins

Joachim Faulstich ist ein Wanderer zwischen den Welten der Medizin. Mit seinen vielfach ausgezeichneten Filmen
und Büchern, die außergewöhnliche Heilungswege dokumentieren, hat er bereits vor mehr als 20 Jahren das
menschliche Bewusstsein und seine Möglichkeiten einer Heilung in den Mittelpunkt seines medialen Schaffens gestellt.
Sein Ziel: Er will aufrütteln, den Kampf der Medizinsysteme beenden helfen. Zu Gunsten eines Miteinanders
von altem, tradiertem Wissen und moderner, nachweisbarer Wissenschaft. Er plädiert für mehr Offenheit bei den
Ärzten, auch außergewöhnlichen Heilmethoden aus der Natur- und Erfahrungsmedizin Vertrauen zu schenken.
Wir treffen Joachim Faulstich an seinem Lieblingsort, dem Frankfurter Domplatz, gleich um die Ecke vom Römer, wo
in den nächsten Jahren ein Stück altes Frankfurt aus der Erde wächst. Inmitten der von modernen Hochhäusern geprägten
Innenstadt entsteht ein Quartier mit historischen Gebäuderekonstruktionen, Plätzen und engen Gässchen,
ein urbanes Miteinander von Alt und Neu. Die symbiotische Vereinigung einer modernen, architektonisch genau
berechneten Großstadt mit ihren tradierten Werten. Um diese harmonische Ergänzung, um den Dialog – genau darum
geht es auch Joachim Faulstich. Im Leben und in der Arbeit. Er ist einer aus der 68er-Generation. Weiße Haare,
Stoppelbart, Jeans und Ledertasche. Für unser Gespräch hat er sein Lieblingscafé am Dom vorgeschlagen. natürlich gesund & munter: Sie haben sich zu Beginn Ihrer Fernseharbeit hauptsächlich mit sozialkritischen Themen auseinandergesetzt. Woher kam Ihr Interesse
für alte Heiltechniken?

Joachim Faulstich:

Das waren zweifelsohne meine Reisen nach Südamerika in den 80er-Jahren, insbesondere in das Amazonas-Gebiet von Peru. Hier habe ich eine archaische Welt kennengelernt, die sich aus Mythen und überlieferten Geschichten, aus Geistern und Schamanen zusammensetzt.
Ich habe Menschen getroffen, die in der Trance Kontakt mitihren Vorfahren aufgenommen haben, um Hinweise für
wichtige Lebensfragen oder Krankheiten zu bekommen. Und ich habe mich darauf eingelassen, mehr zu erfahren.
Ich war offen, obwohl ich aus einer völlig anderen, rational definierten und orientierten Welt kam.

Können Sie Ihre damaligen Erkenntnisse im Urwald von Peru näher erläutern?

Für eine Reportage über die Shipibo-Indianer berichteteeine deutsche Ärztin von ungewöhnlichen schamanischen Heilungen an Patienten, die die Schulmedizin bereits aufgegeben hatte. Eingesetzt wurden dabei Behandlungen in Trance, im Kontakt mit anderen Ebenen der Wirklichkeit –
eine Methode, die unserer westlichen Medizin diametral entgegen steht – die aber offenbar dennoch wirkte. Mit diesen
Geschichten aus einer alten, magischen Kultur kam ich zurück nach Deutschland und begann in der europäischen
Medizingeschichte zu forschen. Ich wollte vor allem auch wissen, wo unsere westlichen Wurzeln der Heilkunst liegen
und warum sie in modernen Arztpraxen und Kliniken immer wieder als Scharlatanerie abgetan werden.
Als Sie in den 80er-Jahren Ihre ersten Fernsehdokumentationen über außergewöhnliche Heilungen machten,
wurden Sie da nicht in die esoterische Ecke gestellt? Ich berichtete damals über eine Heilerin aus Hessen. Sie hieß Grete Flach und heilte mit Kräutern, Gesprächen und auch mit Gebeten. Wenn sie mit ihren Patienten arbeitete, war sie oft in leichter Trance, ganz ähnlich wie ich das Amazonas-Gebiet von Peru. Hier habe ich eine archaische Welt kennengelernt, die sich aus Mythen und überlieferten
Geschichten, aus Geistern und Schamanen zusammensetzt. Ich habe Menschen getroffen, die in der Trance Kontakt mit
ihren Vorfahren aufgenommen haben, um Hinweise für wichtige Lebensfragen oder Krankheiten zu bekommen.
Und ich habe mich darauf eingelassen, mehr zu erfahren. Ich war offen, obwohl ich aus einer völlig anderen, rational
definierten und orientierten Welt kam.

Als Sie in den 80er-Jahren Ihre ersten Fernsehdokumentationen über außergewöhnliche Heilungen machten,
wurden Sie da nicht in die esoterische Ecke gestellt?

Ich berichtete damals über eine Heilerin aus Hessen. Sie hieß Grete Flach und heilte mit Kräutern, Gesprächen und
auch mit Gebeten. Wenn sie mit ihren Patienten arbeitete, war sie oft in leichter Trance, ganz ähnlich wie ich das bei Schamanen in Südamerika gesehen hatte. Natürlich war es damals im Fernsehen sehr ungewöhnlich, über eine solche Heilerin eine Reportage zu machen, aber meine Kollegen
wussten, dass ich ein seriöser Rechercheur und Autor bin. Das war eine gute Ausgangsposition, um diese Themen in die Medien und damit in die Gesellschaft einzuführen.

Was ist Ihr Anspruch? Welche Anstöße wollen Sie mit Ihrer Arbeit geben?

Ich möchte mithelfen, die Entweder-oder-Medizin – das Gegeneinander von Schulmedizin und Erfahrungsheilkunde
– aufzulösen und in eine Sowohl-als-auch-Medizin zu verändern. Ich möchte Bewusstsein für eine Medizin der Zuwendung schaffen, die Körper, Seele und Geist wieder als Einheit ansieht.

Sprechen Sie von einer Mind-Body-Medizin?

Genau das ist damit gemeint. Körper und Geist sind in der frühen Entwicklungsgeschichte der Menschheit immer als
Einheit gesehen worden, als Ein-Klang. Der renommierte Wissenschaftler für „Applied Neuroscience“ (Angewandte Neurobiologie), Prof. Gerald Hüther, formuliert das so: „Wir brauchen ein inneres Leitbild, das Sinn stiftet und uns einen Ort der Geborgenheit zeigt.“ Wer seine innere Haltung verändert und wieder in den Einklang und in die eigene Handlungsfähigkeit kommt, der verändert das Netzwerk von Körper und Geist insgesamt. Ob es dann am Ende zu einer tatsächlichen Heilung kommt, bleibt offen. Wir brauchen auch so etwas wie Gnade, um zu leben. Nicht im religiösen,
aber im spirituellen Sinn.

In Ihrer letzten Fernsehdokumentation „Das Geheimnis der Heilung“ beschreiben Sie einige Beispiele – aussichtslose Fälle in den Augen der Schulmedizin, die trotzdem geheilt wurden. Zum Beispiel die Geschichte des polnischen Cellisten Dominik Polonski, dem nach einer Krebserkrankung ein Viertel seines Gehirns entfernt wurde und der anschließend fast bewegungsunfähig war. Was hat er anders gemacht als andere Patienten?

Er hatte plötzlich die innere Gewissheit, dass er aus eigener Verantwortung einen stimmigen Genesungsweg gewählt hat. Diese Haltung vereint fast alle Protagonisten. Natürlich hat Dominik zunächst alle Möglichkeiten der Schulmedizin in Anspruch genommen. Er wurde mehrfach am Kopf operiert und auch bestrahlt. Aber als ihm seine Ärzte absolut keine Überlebenschance mehr gaben, da besann er sich auf seine eigenen Fähigkeiten zur Heilung. Noch in der Klinik begann er mit intensiven Imaginationen und tauchte nächtelang in heilsame Musik ein.

Der Neurowissenschaftler Prof. Gerald Hüther, den Sie in unserem Gespräch schon zitiert haben, spricht hier von der Bedeutung innerer Bilder.

Genau diese heilsamen Muster hat Dominik aktiviert. Plötzlich konnte er sein gelähmtes Bein ein wenig bewegen. Dann lernte er den Psychologen Martin Busch kennen, der auch in der Feldenkrais-Methode ausgebildet ist und sie mit Elementen der Hypnose verbindet. Bewegung, Bewusstheit
und Beziehung – das sind die drei Schlüsselbegriffe seiner Denk-und Arbeitsweise. Zwischen den beiden entwickelte sich bald ein tiefes Vertrauensverhältnis. Der Psychologe half Dominik, seine Orientierung zu ändern, weg von der Beschäftigung mit der Krankheit, hin zu inneren Bildern der Heilung. So konnten, auch durch das Zusammenspiel mit körperlichen Impulsen, die verlorenen Verknüpfungen im
Gehirn langsam wieder hergestellt werden. Ein erneuter Gehirnscan zeigte keinen Tumor mehr an. Heute kann Dominik völlig alleine laufen und macht wieder Musik.

Sie berichten auch von einer Frau mit einer schweren Schwangerschaftskomplikation. Ihrem Kind hatten die Ärzte keinerlei Überlebenschance mehr gegeben.

Sie meinen den spektakulären Fall von Ursula Mannweiler aus Frankfurt. Sie war Patientin des Gynäkologen Prof. Frank Louwen. In der 23. Schwangerschaftswoche diagnostizierte man bei ihr eine schwere Plazentainsuffizienz (eine mangelnde Versorgung des Fötus durch die ungenügende Funktion der Plazenta). Der Ultraschall zeigte keinerlei Fruchtwasser mehr, und nach Auswertung aller Untersuchungen
ging Prof. Louwen auch von einer Gehirnschädigung des Kindes aus. Ein faktisches Todesurteil – und eine Wiederholung der Ereignisse. Denn einige Jahre vorher hatte diese Patientin mit derselben Diagnose bereits ein totes Kind geboren. Auf ihren Wunsch hin bekam sie
Glucose-Infusionen. Und sie begann einen inneren Dialog mit ihrem Kind und ein heftiges, inneres Streitgespräch mit
Gott. Mira kam tatsächlich gesund zur Welt. Prof. Louwen sagte mir im Interview, dass dieses Phänomen „medizinisch
absolut nicht zu begründen“ sei. Die Neurowissenschaft hat inzwischen herausgefunden, dass ein enger, symbiotischer
Austausch von Mutter und Kind im Mutterleib Botenstoffe aus den Zellen freisetzt. Damit ist eine solche Heilung möglicherweise
zu erklären.

Das bedeutet, innere Heilung geht der äußeren voran? Oder geschieht sie parallel?

Ich glaube, dass tatsächlich die innere Haltung und die Aktivierung von persönlichen Ressourcen für einen Patienten
essenziell sind. Aber es gibt kein Patentrezept. Sie sprechen in Ihren Büchern von mehreren inneren Bewusstseinsebenen aus unserer menschlichen Vorgeschichte. Können wir heute daraus noch heilende Ressourcen beziehen? Ich zitiere hier gerne den Philosophen und Bewusstseinsforscher
Jean Gebser, einen Vertreter der Integralen Theorie, der versuchte, wissenschaftliche und spirituelle Erkenntnisse zu verbinden. Er beschreibt die Entwicklung des menschlichen Bewusstseins, beginnend mit dem archaischen Zustand. Unser Ich ist auf dieser Ebene noch nicht von der
Außenwelt getrennt. Dann kommt die nächste Entwicklungsstufe, die sogenannte magische Ebene. Hier nehmen wir die Außenwelt als von uns  getrennt wahr, spüren aber noch eine Verbundenheit mit allem, was um uns herum existiert.
Es folgt die mythische Ebene. Plötzlich wird uns unsere eigene Innenwelt, die man auch als Seele bezeichnen kann, bewusst. Götter und Geister existieren als Helferwesen, dieman in Gebeten anrufen kann. Am Ende erreichen wir die vierte Ebene in unserer Entwicklung, das rationale, analytischeBewusstsein. Innen- und Außenwelt existieren jetzt völlig getrennt voneinander. Die Vorstellungen früherer Entwicklungsstufen werden als Aberglaube dargestellt, Götter und Geister in die Esoterik-Ecke verbannt, und neue Mythen, wie der Glaube an die Statistik, übernehmen zunehmend die Macht. Damit sind wir endgültig im Heute angekommen.

Welche Konsequenzen haben diese Bewusstseinsentwicklungen für unseren inneren Zustand?

Die archaischen und magischen Ebenen sind in uns tief verwurzelt. Sie sind in unsere Gene implantiert. In diesen menschlichen Entwicklungsstufen schlummern deshalb unendlich viele Ressourcen. Bei einer Krankheit können wir
sie anzapfen, um möglicherweise in einen Zustand der Harmonie zurückzukommen. Das geht über magische Bilderreisen, Gebete, Träume, Rituale, Imaginationsübungen, Naturerlebnisse und vieles mehr. Es geht dabei nicht darum, in alte Entwicklungsstufen zurückzufallen, sondern in ein
neues Bewusstsein zu kommen, das alle Ebenen integriert.

Gibt es in der Zukunft eine Perspektive für eine grenzüberschreitende Medizin ?

Immer mehr Ärzte schauen über ihr naturwissenschaftliches, mechanistisches Weltbild hinaus und sind zumindest offen für andere Sichtweisen. Wenn ein so anerkannter Wissenschaftler wie Prof. Waldemar Uhl von der Uniklinik Bochum auch mit einem Heiler zusammenarbeitet, der
Krebspatienten nach konventioneller medizinischer Behandlung mit Handauflegen und geführten Meditationen begleitet, oder wenn sich der Onkologe Dr. Thomas Schmitt aus Wien mit seinen Patienten durch Trommeln auf eine schamanische Reise begibt und damit für sie eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht, dann formt sich für mich die Perspektive einer neuen Heilkunst. Diese Mind-Body-
Medizin, die alte Erfahrungen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse zum Besten des Patienten nutzt, begreift den Menschen nicht mehr als biologische Maschine, sondernimmer mehr als Körper-Geist-Wesen, in dem subtile energetische Prozesse ablaufen und in dem das Bewusstsein eine ganz entscheidende Rolle spielt. Auch die moderne Psychoneuroimmunologie sieht im menschlichen Bewusstsein eine
Kraft, die in der Lage ist, die sichtbare und messbare Realität zu formen. Ich glaube, hier liegt das Geheimnis einer
möglichen Heilung. /ath

 

 

© Gesundheitsmagazin „natürlich, gesund und munter“, Fink Verlag (www.ngum.de)

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